Das Hochladen eines Kapitels – was alles dahintersteckt

Die Überarbeitung von „Die zwei Könige“ ist abgeschlossen (ausführlicher Blogartikel dazu folgt noch), doch ich hatte noch keine Zeit, die Kapitel hochzuladen, und werde dazu wahrscheinlich erst in der zweiten Junihälfte kommen.

Warum das solange dauert oder besser gesagt, warum es generell lange dauert, ein Kapitel meiner Fanfictions hochzuladen, das wollte ich euch in diesem Artikel näherbringen. Denn dieser Vorgang ist ziemlich umfangreich und sofern man nicht selbst Geschichten auf Fanfiktion.de veröffentlicht, ist kaum ersichtlich, wie viel Arbeit dahintersteckt.

Und damit gleich eine kleine Vorwarnung: Das Thema ist recht technisch.

Schritt 1: Die letzte Korrektur

Dass ich nur fertiggeschriebene Geschichten, die zuvor bei einem oder mehreren Testlesern waren, hochlade, ist nichts Neues. Vor dem Hochladen, lese ich jedes Kapitel jedoch noch ein letztes Mal, korrigiere Tipp- und Editierfehler, die durch den Algorithmus meinen Duden-Plugins für Open Office rutschen (Spoiler: Ich finde einige, aber nicht alle), schaue mir die Testleser-Kommentare zu dem Kapitel an und nehme stilistische Änderungen vor. Irgendwo finden sich immer gräusliche Formulierungen, redundante Sätze, Wiederholungen und viele andere Unschönheiten.

Die geschieht mehrere Wochen oder Monate vor dem Tag, für den das Kapitel eingeplant ist. Für ein Kapitel brauche ich einen halben Tag. An einem Werktag geht demnach nahezu meine komplette Freizeit dafür drauf, an einem freien Tag immerhin die Hälfte eines Tages.

Tatsächlich bleibt es hier nicht bei einem Kapitel, sondern ich investiere zwei bis drei Wochen und korrigiere gleich mehrere Kapitel en bloc. Das hat folgende Gründe:

  • Ich brauche relativ lange, um mental von einem Projekt auf ein anderes umzuschwenken. Eine kurze Überarbeitungsphase ist dabei erfrischend und verbraucht weniger mentale Energie als Schreiben oder der Aufbau einer Storyline.

  • Auf diese Weise kann ich einen längeren Handlungsabschnitt durchgehen, so dass ich neben stilistischen Punkten auch mögliche inhaltliche Probleme angehen kann, sofern mir diese auffallen.

  • Würde ich ein Kapitel korrigieren und mich dann wieder dem aktuellen Projekt zuwenden, würde ich dadurch effektiv Zeit verlieren, weil die Umstellung zu lange dauert und ich ggf. einen komplexen Gedankenfluss unterbrechen müsste.

In der Regel erfolgt dieser Schritt, wenn ich gerade ein Schreibcamp hinter mir habe und mein Energielevel entsprechend niedrig ist, oder bevor ich mit den Vorbereitungen für ein Schreibcamp beginne. Da ich vorerst keine Schreibcamps mehr mache, kann ich diese Phasen jetzt flexibler zwischen zwei Projekten legen.

Die folgenden Schritte erfolgen am Abend der Veröffentlichung. Manchmal nehme ich hier auch ein paar Last-Minute-Korrekturen vor, die sich aus Reviews zu früheren Kapiteln oder meiner Erkenntnis, ein wichtiges Detail vergessen zu haben, ergeben.

Schritt 2: Die Vorformatierung

Jetzt kopiere ich das Kapitel in einen Ordner, der sämtliche für Fanfiktion.de formatierten Kapitel enthält. Alle weiteren Schritte nehme ich nun an dieser Kopie vor.

Im Originaldokument schreibe ich Blocksatz, wobei alle Absätze bis auf den ersten einer Szene um 0,5 cm eingerückt sind. Der allererste Absatz eines Kapitels wird als Initial dargestellt. Die Überschrift ist in Times New Roman 14 pt, dann folgen zwei Leerzeilen in 12 pt und dann der eigentliche Text in Times New Roman 12pt. Szenenwechsel werden mit drei zentrierten Sternchen dargestellt.

Wie das aussieht, seht ihr hier:

Online sind Abstände zwischen den Absätzen für die Lesbarkeit jedoch unerlässlich. Deswegen füge ich der Version, die online geht, nach jedem Absatz eine Leerzeile ein. Bei einem Kapitel, das zwischen 20 und 30 DINA4 Seiten füllt, ist das ziemlich aufwändig. In der Regel kostet mich dies ca. 10 Minuten pro Kapitel, manchmal auch länger. Bisher habe ich das hingenommen, weil diese Arbeit so schön repetitiv und entspannend ist. Wenn man dies jedoch für die 57 Kapitel + Prolog + Epilog von „Die zwei Könige“ machen muss, kostet das enorm viel Zeit.

Nach einigem Suchen (ich hatte keine Ahnung, wonach ich überhaupt suchen muss und hatte schon überlegt, endlich auf Linux umzusteigen, damit ich mir ein Shellskript schreiben kann, das das für mich erledigt) fand ich schließlich heraus, dass ich dies wie in dem folgenden Screenshot dargestellt ist:

Das Häkchen bei „Regulärer Ausdruck“ sorgt dafür, dass nach diesen Zeichenketten in der Formatierung und nicht im Text an sich gesucht wird. In der Java-Programmierung (und anderen Programmiersprachen) und in LaTeX kennt man reguläre Ausdrücke. Ich war sehr erfreut, als ich herausfand, dass Open Office damit umgehen kann und wünschte, ich hätte das schon früher herausgefunden.

Das Einfügen der Leerzeilen sorgt dafür, dass ich die Passagen mit Gedankenrede durchgehen muss. Diese werden im Gegensatz zu Gedankenstrichen innerhalb eines Absatzes als Bullets interpretiert, welche der Editor von Fanfiktion.de nicht erkennt. Deswegen ersetze ich diese durch ein einfaches „-“.

In einem weiteren Unterschritt der Vorformatierung stelle ich den Kapiteltitel in Fett dar und entferne den Initial, den der Editor von FF.de auch nicht lesen kann.

Ein letzter Schritt betrifft das Setzen von Links in Kapiteln, in denen Sachakanisch gesprochen wird, so dass beim Klicken auf den Link die Weiterleitung zur Übersetzung in meinem Blog erfolgt. Diese Links muss ich manuell hinzufügen.

Dieser Schritt dauert jetzt, wo ich weiß, wie ich automatisch Leerzeilen einfüge, ca. 5 Minuten. Für sämtliche Kapitel von „Die zwei Könige“ hat dieser Teil ca. 5 Stunden gedauert und hat sich über drei Etappen hingezogen.

Schritt 3: Das Hochladen

Als Nächstes lade ich das Kapitel auf Fanfiktion.de hoch, allerdings ohne Abspeichern. Im Hochladeprozess setzt Fanfiktion.de automatisch Formatierungs-Tags:

Formatierungsmöglichkeiten auf Fanfiktion.de

Man kann diese auch per Hand setzen, was allerdings selbst bei kurzen Kapitel ziemlich mühselig und für mich keine Option ist. Der Editor erkennt eine begrenzte Auswahl von Formatierungen jedoch und setzt diese Tags automatisch.

Nun ist der Editor von Fanfiktion.de jedoch ziemlich beschränkt. Andere Archive wie z.B. Fanfiction.net verwenden wesentlich modernere Editoren, bei denen man nur einige wenige Nachkorrekturen vornehmen muss (wie z.B. die Bullets bei der Gedankenrede wieder zu „-“ zu machen). Auch WordPress, womit ich meinen Blog hoste, hat einen sehr komfortablen Editor, bei dem die Nacharbeiten verschwindend sind.

So schön und komfortabel sieht der Editor von WordPress aus.

 

 

So bescheiden sieht der Editor auf Fanfiktion.de aus

Ein kleiner Rant zur Politik des  Einführens neuer Features auf Fanfiktion.de:

In den sieben Jahren, die ich nun auf Fanfiktion.de bin, hat sich leider nichts daran geändert. Stattdessen hat Fanfiktion.de neue, nicht-funktionale Features eingeführt, wie z.B. das Bücherregal. Dieses erlaubt einem, Geschichten über die Punkte, die man durch das Schreiben und Beantworten von Reviews und den Posten von Kapiteln erzählt. In meinen Augen völlig redundant, da es bereits die Favoritenlisten gibt und ich mich frage, wen das ernsthaft zum Reviewschreiben motivieren soll. Würde Fanfiktion.de es endlich ermöglichen, dass man seine Geschichten mit einem Cover versehen kann (so wie andere Archive dies seit Jahre tun) und diese in den Favoritenlisten mit anzeigen, hätte man denselben Effekt. Es wird sogar über ein Kommentarsystem diskutiert, um über eine Geschichte zu diskutieren, bei dem ich mich ernsthaft frage, ob sich das für Fanfictions überhaupt lohnt, weil die Fanbase viel zu klein ist. Sinnvoller wäre eine Funktion, die Reviews oder Teile davon zur richtigen Geschichte zu verschieben, damit ich z.B. zum aktuellen Kapitel von „Yukai“ gepostete Reviews, die sich aber auf den „Spion“ beziehen, zu Letzterem verschieben kann. Sorry für den Rant, das ist der jahrelange Frust, der aus wöchentlichen Kämpfen mit dem Editor und der geringen Bereitschaft der Administratoren, sinnvolle und funktionale Verbesserungen für die Seite vorzunehmen, resultiert.

Also muss ich einen mühseligen nächsten Schritt durchführen, der für gewöhnlich am längsten dauert.

Schritt 4: Die Nachformatierung

In diesem Schritt kopiere ich den Inhalt des Editors auf Fanfiktion.de zurück in mein Open Office Dokument. Dann gehe ich das gesamte Kapitel durch, entferne überflüssige Tags, unübersichtliche Schachtelungen von Tags und falsch gesetzte Tags. Dies dient mir der Übersicht und es korrigiert den Wordcount. Denn leider werden die Tags auf Fanfiktion.de beim Zählen der Wörter hinzugezählt, was die Kapitel länger erscheinen lässt.

Tags, die keinen Text enthalten, entstehen wenn beim Einfügen einer Leerzeile, die Formatierung der oberen Zeilen übernommen wird. Diese werden bei Schritt 4 zuhauf erzeugt, doch glücklicherweise lassen diese sich durch Strg+F relativ leicht entfernen.

[align type=“center“][/align]

[style type=“normal“][/style]

[style type=“italic“][/style]

Sehr unschön wird es, wenn plötzlich jeder Absatz mit [style type=“normal“]Hier folgt der Absatztext[/style] dargestellt wird. Dies geschieht, wenn ich nicht alle Szenen direkt in diesem Kapitel geschrieben, sondern aus einem Dokument in ein anderes kopiert habe. Häufig verwende ich für einzelne Erzählcharaktere Dokumente, in denen ich längere Handlungsabschnitte dieser Charaktere schreibe, von denen ich aber noch nicht weiß, in welches Kapitel sie einmal gehören sollen. In anderen Fällen verschiebe ich Szenen von einem Kapitel in ein anderes. Dadurch kann es passieren, dass die Absätze dieser Szenen automatisch mit [style type=“normal“][/style] getaggt werden. Mit Strg+F eliminiere ich daher sämtliche öffnende Tags [style type=“normal“] automatisch, nachdem ich mit den obengenannten Konstellationen durch bin.

Anschließend gehe ich erneut mit Strg+F das gesamte Dokument durch, und suche nach [/style], dem kein öffnendes Tag vorangeht. Diese lösche ich dann händisch. Besonders tricky sind dabei die Absätze, in denen zusätzlich kursiv formatiert wird. Hier muss man ziemlich aufpassen, die richtigen Tags zu löschen. Bei Abschnitten mit Gedankenrede geht hier in mehr als der Hälfte der Fälle immer etwas durcheinander.

Natürlich könnte ich die überflüssigen Tags auch einfach stehenlassen, sofern das sichtbare Endergebnis stimmt. Doch das wäre als würde ich anstatt aufräumen, die Unordnung nur unters Bett verschieben, wo man sie auf den ersten Blick nicht sieht. Zudem erhöht das für mich nicht die Lesbarkeit, wenn ich an ein bereits gepostetes Kapitel noch einmal ran muss.

Dieser Schritt kostet mich zwischen 15-30 Minuten. In der harten Fällen habe ich schon bis zu 45 Minuten damit verbracht.

Schritt 5: Die Freigabe

In diesem Schritt kopiere ich den Inhalt meines Dokuments zurück in den Hochlade-Editor. Dann schaue ich mir das Ergebnis in der Vorschau an, ob auch wirklich alles richtig formatiert ist. Habe ich beim Entfernen oder Umsetzen der Tags etwas falsch gemacht, gibt mir die Vorschau eine entsprechende Fehlermeldung raus. In diesem Fall muss ich noch einmal das gesamte Dokument durchgehen und die Tags kontrollieren. Dieses zu finden, kann sehr schnell gehen, kann allerdings auch 5-10 Minuten dauern.

Schritt 6: Die Verkündung der frohen Botschaft

Auf meinem Profil auf Fanfiktion.de ändere ich die Zahl der veröffentlichten Kapiteln bei den laufenden Geschichten. Keine Ahnung, ob überhaupt jemals jemand dorthin sieht, aber dort sieht man zumindest, welche Geschichten zusammengehören und was in Arbeit/Planung ist – alles Dinge, die nicht aus dem Reiter „Geschichten“ auf meinem Profil hervorgehen. „In Arbeit“ meint hier übrigens nicht den Status für Geschichten, die fortwährend geupdated werden, sondern dass ich an einer Geschichte noch schreibe/überarbeite und dass diese noch nicht für die Leserschaft bereit ist.

Der Abschnitt mit der Übersicht über meine veröffentlichen und noch nicht veröffentlichten Fanfiktions auf meinem Profil auf Fanfiktion.de https://www.fanfiktion.de/u/Lady+Sonea

Anschließend poste ich eine Ankündigung auf Facebook und Twitter mit dem Cover und dem Link zum neuen Kapitel.

Im Schnitt brauche ich für das Hochladen eines Kapitels ca. 30 Minuten. Manchmal geht es schneller, doch ich habe auch schon häufig bis zu einer Stunde daran gesessen. Mit dem automatischen Hinzufügen der Leerzeilen wird es zum Glück von nun an zumindest ein bisschen schneller gehen.

Leider lassen sich die einzelnen Schritte nicht wirklich weiter automatisieren als Strg+F erlaubt, da ich die übrigen Arbeitsschritte händisch ausführen und das Setzen der Tags sichten muss.

Ihr seht also, ein Kapitel hochzuladen, ist keine schnelle Sache und das ist einer der zahlreichen Gründe, warum ich nur alle zwei Wochen hochlade. Und deswegen wird sich das Hochladen von „Die zwei Könige“ auch noch ein klein wenig hinziehen, weil ich mir für die Schritte 3-6 ein ganzes Wochenende freischaufeln muss.

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