Über die Weiterverwendung von geistigem Eigentum

Vor einigen Wochen hat eine Leserin angefragt, ob sie mein Worldbuilding zu Sachaka für ihre Fanfiction verwenden kann, weil ihr das so sehr zusagt. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt. Es zeigt, dass meine Ideen bei anderen gut ankommen und inspirieren. Und es ist auch ein Feedback, dass meine Erweiterungen nicht als aus der Luft gegriffen empfunden werden.

So sehr mich solche Anfragen freuen, hat mich das jedoch auch zu der Frage geführt, wie ich grundsätzlich mit der Weiterverwendung meines geistigen Eigentums umgehen soll.

Auf meinem Blog stehen meine eigenen Erweiterungen der Welt der schwarzen Magier als mein geistiges Eigentum gekennzeichnet. Und das hat einen guten Grund:

So wie der Aufbau einer eigenen Fantasywelt Zeit und kreative Energie erfordert, so erfordert auch die Erweiterung dieser in einer Fanfiction Zeit und kreative Energie. Erweiterungen müssen sich nahtlos in die Welt einfügen, dem Canon oder auch dem „Geist“ des Originals entsprechen und nicht im Widerspruch zu dem bereits Vorhandenen stehen. Sollte das Original Unstimmigkeiten enthalten, können diese Erweiterungen auch dazu dienen, diese Unstimmigkeiten zu beseitigen und die inhärente Konsistenz des Worldbuildings zu verbessern.

Veröffentlichte Autoren geben für gewöhnlich eine Erklärung ab, ob sie Fanfictions zu ihren Werken erlauben oder ausdrücklich verbieten. Auf Fanfiktion.de spiegelt sich das in entsprechenden Kategorien wider. Für den Rest existiert eine Liste der verbotenen Fandoms.

Auf Fanfiktion.de sind alle Autoren (egal ob Fanfiction oder freie Werke) durch eine Plagiats-Klausel vor Ideendiebstahl geschützt. Geschichten, die dagegen verstoßen, können dem Support gemeldet werden. Der Support sperrt diese Geschichten, bis der betreffende Autor das Problem behoben hat. Bei schwerwiegenden Verstößen werden mitunter ganze Geschichten und Accounts gelöscht.

Ob Fanfiction oder nicht: Es ist keinem Künstler fair gegenüber, dessen Ideen als die eigenen zu verkaufen, sprich. Es zeugt von Respektlosigkeit, Faulheit und Unkollegialität – Dinge, mit denen man vor allem sich selbst schadet.

Fanfiction-Autoren ernten für ihre Geschichten nichts als Ruhm und Ehre, doch auch ich reagiere allergisch, wenn sich jemand ungefragt meiner Ideen bedient und nicht einmal den Anstand hat, dies entsprechend zu kennzeichnen. Ebenso würde ich reagieren, würde ich mitbekommen, dass dies jemand anderem widerfahren ist. Auch würde ich niemals auf die Idee kommen, nicht zu fragen, weil das meiner intrinsischen Moral zutiefst widerstrebt.

In der Musikszene gibt es immer wieder Rechtstreits, weil ein Musiker einen fremdem Beat oder Akkord verwendet hat. Dabei geht es auch um Geld, als ob alle Beteiligten nicht schon genug davon hätten, doch als Künstler sehe ich vor allem den Diebstahl geistigen Eigentums als problematisch. Auch jenseits von Geld bleibt ein solcher Akt eine dreiste Bereicherung. Sich mit den Lorbeeren anderer zu schmücken, ist uncool.

Doch auch in der Buchwelt kommt es immer wieder zu Konflikten auf Grund von Ideenklau.

Der Umfang des Plagiierens spielt keine Rolle. Egal, ob ein ganzes Werk abgeschrieben wird, oder nur Teile übernommen werden, angefangen von einzelnen Begriffen wie „Geheimniswahrer“ oder „Große Mutter“ bis hin zu einer kompletten Kultur, politischen Entwicklung oder weiß-der-Geier-was – meine Erweiterungen (und kreative Ideen im Allgemeinen) sind nicht über Nacht entstanden. Selbst über Terminologien kann man durchaus einige Tage grübeln, um sicherzugehen, dass sie auch wirklich in die Welt passen.

In jede Geschichte fließen Unmegen von kreativer Energie und Herzblut. Daher sollte es sich von selbst verstehen, dass man um Erlaubnis fragt, bevor man sich einer fremden Idee bedient. Es zeugt von Respekt, Wertschätzung und Verantwortungsbewusstsein.

Viele Fanfiction-Autoren hegen den Traum, eines Tages Bücher zu veröffentlichen. Das setzt jedoch ein gewisses Verantwortungsbewusstsein, das Erbringen von Eigenleistung und einen Sinn für Kollegialität voraus. Verstöße gegen den Kodex und gegen geltendes Recht kommen früher oder später immer ans Licht und fallen letztendlich immer auf einen selbst zurück.

Was ist zu tun, wenn ihr meine Ideen für eure eigene Fanfiction verwenden wollt?

Das, was der gesunde Menschenverstand und allgemeine Umgangsformen wie gegenseitiger Respekt einem eingeben sollten:

Fragt mich um Erlaubnis, und wenn ich zustimme, dürft ihr diese Ideen verwenden unter der Bedingung, dass ihr in eurer Geschichte einen entsprechenden Hinweis setzt, dass die Idee von mir stammt und mein Pseudonym mit meinem Profil verlinkt. Ich sage gewiss nicht nein. Doch ich erwarte genügend Respekt und Wertschätzung gegenüber meiner Person und meinem kreativen Schaffen, dass man mich vorher fragt.

Und wenn euch eine Fanfiction aus einer anderen Feder als der meinen derart inspiriert, fragt bitte den entsprechenden Autor oder die entsprechende Autorin und lasst ihm/ihr die entsprechende Anerkennung zuteilwerden, indem ihr das in eurer Geschichte entsprechend kennzeichnet.

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