Kategorie: Essays

Fanfiction-Klischees: Das OOC-Phänomen – ein Erklärungsversuch

Dieser Artikel ist eine Vorbereitung auf meinen geplanten Artikel „Warum Akkarin kein romantischer Held ist“. Beim Verfassen jenes Artikels habe ich schnell bemerkt, dass ich ziemlich weit ausholen muss, bevor ich überhaupt zu der Essenz meiner Aussage vordringen kann. Daher habe ich dem einen Artikel über OOC-ness im Allgemeinen vorangestellt.

Im Fachjargon von Fanfiction-Autoren steht OOC für out of character, was so viel bedeutet wie, dass ein Charakter nicht seiner Vorlage entspricht.

Dieses Phänomen ist (so weit ich das beurteilen kann, Studien liegen mir leider nicht vor) in der Fanfiction-Welt relativ weit verbreitet und nimmt verschiedene Ausprägungen an. Unter den Schreibern und Lesern von Fanfictions ist es ein wenig verpönt und für mich zählt es zu den Gründen, warum Fanfiction als Genre einen so schlechten Ruf hat.

Generell unterscheide ich zwischen zwei Ausprägungen: der gewollten und der ungewollten OOC-ness.

Die gewollte OOC-ness

Wir kennen das unter anderem aus Science-Fiction Serien. Die Crew eines Raumschiffs begegnet ihren bösen Zwillingen aus einem Paralleluniversum oder eins ihrer Mitglieder wird von der Präsenz eines Aliens besessen. In beiden Fällen erleben wir die Charaktere, die wir im Laufe der Serie kennen und lieben gelernt haben, in einem völlig neuen Kontext. Sie handeln so, wie es nicht ihrem Naturell entspricht und wir bekommen dafür noch eine logische Erklärung geliefert.

Das Tolle an gewollter OOC-ness ist, dass man mit den Figuren experimentieren kann. Wenn Mr. Spock in einer Folge von Raumschiff Enterprise plötzlich super gefühlsbetont ist, weil er von einem Virus befallen wurde, der seine menschliche Seite dominieren lässt, kann das überaus amüsant und spannend sein – oder mit anderen Worten: faszinierend. So sehr wir den kühlen und beherrschten Vulkanier lieben, entdecken wir dadurch völlig neue Seiten an ihm. Etwas Ähnliches erleben wir, wenn ihn das Pon Farr befällt. Star Trek Fans wissen, so wird der Zustand bezeichnet, in dem Vulkanier paarungsbereit sind, wobei ihre animalische Seite zum Vorschein kommt. Dieser Zustand trifft nur alle sieben Jahre ein und man kann davon ausgehen, dass dies in der gesamten Serie nur einmal geschieht. Obwohl Teil seiner Persönlichkeit, ist dies im weitgefassten Sinne ebenfalls OOC, weil die Zuschauer ihren Lieblingsvulkanier nicht in dieser Form kennen.

Als Autorin von Fanfictions gestehe ich dem selbst einen gewissen Reiz zu. Einen Charakter ständig in-canon zu schreiben, ist sehr restriktiv. Das in-canon Schreiben erfüllt mich und ist Grundlage für meine Geschichten. Doch hin und wieder will ich entweder einfach nur Schund schreiben, um eine Schreibblockade zu überwinden, oder ich ziehe meine Lieblingscharaktere oder meine eigenen Werke durch den Kakao (wie in meiner Parodie zu Die zwei Könige Von bösen Königen und altersschwachen Limeks, in der OOC-ness nicht meine einzige Schandtat ist). Ich habe sogar eine Szene, die es nicht in „Das Heiligtum von Yukai“ geschafft hat und in der Sonea herausfinden will, wie es ist, wenn sie im Bett das Sagen hat, und hinterher zugibt, noch nie so schlechten Sex gehabt zu haben. Ok, ich gebe zu, das ist Headcanon, weil wir in den Büchern nicht viel über diese Thema erfahren. Aber es ist konsistent von Soneas und Akkarins Beziehung in The High Lord fortgesponnen und was sie in dieser Szene tut, kann ich nicht im Geringsten mit ihrem Charakter in Einklang bringen.

Ich fasse gewollte OOC-ness als Gedankenexperiment mit spannenden Resultaten auf. Man lässt den Charakter von der Leine und hält ihm zugleich einen Spiegel vor. Ich erwähnte bereits, dies kann auch helfen, um Schreibblockaden zu überwinden. Und das tut es nicht nur, weil es Hirnwindungen frei bläst – das tut es auch, weil man dadurch neue Ideen für die Aktionen des in-canon Charakters erhalten kann.

Ungewollte OOC-ness ist dagegen ein ganz anderes Thema. Und es ist sehr viel komplexer.

Die ungewollte OOC-ness

Ungewollte OOC-ness geschieht meines Erachtens mangels besseren Wissens oder Reflektionsvermögens, aber auch, weil man etwas in die Charaktere projiziert, was dort nicht ist.

Am besten erzähle ich euch dazu einmal ein wenig aus meinem eigenen Leben.

In der schlimmsten Phase meiner Pubertät, die von ca. 11 bis 16 ging, war ich eines der nervigsten und quietschigsten Fangirls unter dem Antlitz Gottes. Ich war nacheinander (und teilweise auch gleichzeitig) verliebt in Captain Kirk, Mr. Spock, Han Solo und Horst Schimanski. Die Menschen in meiner Umgebung haben sehr unter meinem Gesülze über einen eher gefühlsbetonten Mr. Spock und einen süßholzraspelnden Han Solo gelitten. Man merkt schon, das ist eine ziemlich bunte Mischung, denn damals war ich noch in der Selbstfindungsphase und ich wusste noch nicht so recht, was ich vom Leben oder von einem zukünftigen Partner erwarte. Ja, die Vorstellung eines idealen Partners hat sehr viel damit zu tun, wenn man sich in eine fiktive Figur verliebt.

Ich kann von Glück sagen, dass es damals (also Mitte der 90er) noch kein richtiges Internet gab und ich nicht die Ausdauer hatte, die Fanfictions, die in meinem Kopf abliefen, auf Papier zu bringen. Denn sonst hätte ich genau das getan, was viele junge Autoren tun, wenn sie Fanfiction schreiben: Ich hätte meine schlecht durchdachten Geschichten, die jeglicher Logik entbehren und deren Charaktere völlig OOC sind, dem breiten Publikum zur Verfügung gestellt. Und ich hätte mich einige Jahre später dafür in Grund und Boden geschämt.

Damals hätte ich jedoch nicht einmal gewusst, das eine von dem anderen zu unterscheiden. Selbst, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, meine Geschichten nach einer Weile noch einmal zu lesen, wäre mir nicht aufgefallen, was für einen Schund ich da fabriziert habe. Weil ich meine Träume, Phantasien und Wunschvorstellungen so stark in das Fandom und meinen jeweiligen Lieblingscharakter projiziert habe, dass ich blind für die Realität war.

Auch in späteren Jahren ist mir das noch passiert. Meine ersten Versuche Fanfiction zu schreiben endeten in Texten, die Vorlage für das Drehbuch einer Seifenoper hätten sein können. Ja, es ging um Sonea und Akkarin in einer alternativen Fortsetzung von The Black Magician. Damals war ich 27 und hatte die Pubertät schon lange hinter mir. Meine Selbstfindungsphase war lange vorbei und ich brauchte nicht mehr zu projizieren oder meine Vorstellungen von dem perfekten Mann in das Fangirl-Objekt meiner Begierde zu projizieren. Einmal davon abgesehen, dass Akkarin zufällig all genau das verkörpert. Die ersten Versuche einer Umsetzung waren dennoch grauenhaft, wie mir beim Korrigieren auffiel (insofern bin ich dankbar, dass ich Fanfiktion.de erst ein paar Jahre später entdeckt habe und mit der Veröffentlichung meiner Fortsetzung erst angefangen habe, als ich schon beim dritten ’Buch’ war). Das Problem war hier allerdings, dass ich noch nicht das richtige Gefühl für die Charaktere hatte, denn wäre nicht dementsprechend entsetzt gewesen. Für mich ist es dann richtig, wenn ich beim Lesen der Szene denke, diese könnte auch aus dem Original stammen und die Figuren sich so anfühlen, wie sie es tun, wenn ich die Bücher lese. Heute beömmele ich mich über meine ersten Versuche in diesem Genre und stelle meinen Lesern die genialsten Stücke in Bonuskapiteln zur Verfügung. Hätte ich diese Szenen jedoch unmittelbar nach ihrem Schreiben veröffentlicht, so würde ich mich heute in Grund und Boden schämen.

Was ich damit sagen will: Es ist schwer, einen Charakter in-canon zu schreiben. Verdammt schwer. Es ist ein langwieriger und frustrierender Prozess. Ganz besonders dann, wenn es der Lieblingscharakter ist. Denn wir neigen dazu, in das was wir lieben, all unsere Wünsche und Phantasien zu projizieren und das Geliebte zu romantisieren und zu verzerren. Ich denke, besonders im Teenager-Alter geschieht dies häufig. Ich sehe ja rückblickend bei mir selbst den Schund, den ich mir damals zusammengesponnen habe, was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass alle Teenies ihre Charaktere ohne es zu bemerken OOC schreiben. Es ist sicher auch eine Frage der Persönlichkeit und geistigen Reife und wie sehr man seine eigene Schreibe reflektiert. Denn auch im Erwachsenenalter sind wir nicht immer davon gefeit, weil wir entgegen jeglicher aktueller Brillenmode zu dem rosaroten Modell greifen, wenn wir verliebt sind oder schwärmen. Darüber ignorieren wir jedoch oft die Realität und die dunklen Seiten einer fiktiven oder realen Person. Wir wollen nur sehen, was wir sehen wollen und das Erwachen ist oft jäh und schmerzhaft.

Aber lieben wir dann überhaupt wahrhaftig?

Wenn ich eine fiktive (oder auch reale Person) toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich akzeptiere sie als Ganzes mitsamt ihrer dunklen Seiten. Fange ich jedoch an, jene Person zu ändern, so ist das das Gegenteil von Liebe.

Ein weiterer Faktor ist unsere eigene Interpretation. Selbst wenn diese nicht von unseren Wünschen und Vorstellungen beeinflusst wird, haben unterschiedliche Personen unterschiedliche Interpretationen von ein und derselben Sache. Denn wir alle sind ein Produkt aus unseren Erfahrungen und unserer Umwelt und beides fließt in unsere Persönlichkeit ein und färbt unseren Blick auf die Welt.

Auch ich könnte nicht sagen, ob ich wirklich davon gefeit bin. Ich glaube jedoch, mich sehr nahe am Original zu bewegen. Denn sonst würde mir beim Korrigieren der Unterschied zu den Büchern förmlich ins Auge stechen und ich hätte nicht so viele Leser, die sich nur wegen meiner Geschichten auf Fanfiktion.de anmelden und mir schreiben, dass meine Geschichten all ihre Vorurteile über Fanfictions ausgeräumt haben. Ich lege sehr viel Wert darauf, OOC-ness zu vermeiden, weil ich sonst nicht glücklich mit dem Resultat bin. Aber was ist mit den blinden Flecken der Charaktere, die Interpretationsspielraum bieten? Gestalte ich diese konsequent? Und was ist mit Sonea, die mir so ähnlich ist, wie keine andere fiktive Figur? Führe ich sie in meiner Fortsetzung und ihrer Einstellung und ihren Gefühlen gegenüber Akkarin konsequent fort, weil es das ist, was ich aus ihrem Verhalten in den Büchern, insbesondere in The High Lord, heraus interpretiere? Oder meine ich nur, das zu tun, weil die Grenzen zwischen mir und ihr verschwimmen? Und was bedeutet das dann für ‚meinen‘ Akkarin? Auch er besitzt in meinen Fanfictions Eigenschaften, die für mich aus seinem Verhalten in den Büchern folgen, weitere sind Überlegungen, zu denen ich auf Grund seiner Vorgeschichte gelangt bin. Wenn ich das Gefühl habe, dabei zu weit zu gehen, dann nehme ich diese Szenen aus meinen Geschichten raus. Aber vielleicht projiziere sogar ich bei ihm, um ihn für mich noch perfekter zu machen, indem ich diese blinden Flecken seiner Persönlichkeit nach meinem Gutdünken ausgestalte. Nur, dass der Rest seiner Figur konsistent immerhin mit den Büchern ist. Aber indem ich immer wieder hinterfrage, ob meine Charaktere noch so wie im Original sind und kleine Ausreißer korrigiere, habe ich schon einen großen Schritt getan, ihrer Vorlage gerecht zu werden und ihnen den Respekt zu erweisen, den sie verdienen.

Ich glaube, dass diese Projektion der Grund dafür ist, warum beliebte Charaktere in Fanfictions so oft OOC geschrieben werden. Die Autoren jener Geschichten bemerken das nicht, weil sie in ihren Wunschvorstellungen gefangen sind. Und auch die Leser, die solche Geschichten mit „Akkarin ist bei dir genau so wie ich mir ihn immer vorstelle!“ und „das Pairing ist ja sooo süüüüß!“ kommentieren, sehen dies nicht, weil auch sie in ihren Wunschvorstellungen gefangen sind. Beunruhigend wird das erst, wenn sie Selbiges zu meinen Geschichten schreiben, denn ich kann ihnen in diesem Fall nicht glauben. Zum Glück sind das die Ausnahmen, jene Leser rühren meine Geschichten nämlich in der Regel nicht an und ich schenke lieber denen Glauben, die nicht rumquietschen, die konstruktiv sind und die ihre Vorurteile überwinden konnten.

So sehr ich ungewollte OOC-ness auch nachvollziehen kann – mir selbst tut es in der Seele weh, so etwas zu lesen. Denn ich liebe meine Lieblingscharaktere, weil sie so sind, wie sie sind, und ich lese Geschichten über sie, weil ich nicht genug von ihnen bekommen kann.

Nein, ich will kein unfreiwilliges OOC lesen. Meine bisherigen Erfahrungen damit waren verstörend und ich habe keine dieser Geschichten länger als ein Kapitel ausgehalten. Das gilt insbesondere für mein eigenes Fandom. Ich will weder von einem süßholzraspelnden, verweichlichten Akkarin lesen noch von einer Sonea, die sich wie ein pubertärer Teenager aufführt und ihren Mentor ohrfeigt. Denn dann bin ich verstört. Zutiefst.

Warum man Rückschlüsse auf den Autor nur mit Bedacht ziehen sollte

… und was wirklich hinter den in Geschichten bearbeiteten Themen steckt

Eigentlich wollte ich mich ab diesem Artikel den Schwächen von Black Magician widmen, habe jedoch entschieden, dies nach hinten zu schieben, da ich die Bücher jetzt bald wieder einmal lesen wollte. Jeder Lesedurchgang findet bei mir unter einem anderen Aspekt statt und ich denke, dass die Artikel über die Schwachstellen davon nur profitieren können.

Deswegen muss ich heute leider noch einmal auf jenen Forumspost zurückgreifen, durch den diese Blogreihe überhaupt erst zustande gekommen ist. Dort fiel ein Satz, der mir ganz besonders sauer aufgestoßen ist, auch wenn ich davon ausgehe, dass jener User* nur angewendet hat, was er im Deutschunterricht gelernt hat. Für einen Autor ist das dennoch nicht immer witzig:

„3 Bände lang muss man sich kapitelweise durch immer gleiche Mobbingattacken durch diesen Deppen quälen. Gähn…… Offenbar musste die Autorin damit irgendwelche eigenen Mobbingerfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit psychologisch aufarbeiten…..“

Ich bin wahrlich nicht mit allem einverstanden, was Canavan schreibt. Aber eine solche Unterstellung ist einfach nur anmaßend, unsensibel und verletzend (abgesehen davon, dass der Verfasser dieser Zeilen anscheinend nicht weiß, wovon er spricht). Vielleicht ist das eine meiner Hochsensiblen-Macken, dass ich auf solche Unterstellungen anspringe. Allerdings teilten die Personen, mit denen ich über diesen Post diskutiert habe, meine Meinung und hatten wie ich selbst schon negative Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Aber dazu später mehr.

Warum solche Rückschlüsse unangenehm sein können

Nach dieser Logik müsste J.K. Rowling von ihren Zieheltern in einen Schrank unter einer Treppe eingesperrt worden sein, wo sie anfing, sich in Phantasiewelten zu träumen. Autoren wie Chris Carter, Sebastian Fitzek oder Simon Beckett wären in ihrem Herzen psychopathische Serienkiller und Stephen King würde vielleicht unter irgendwelchen seltsamen Wahnvorstellungen leiden. Und ich hätte Die zwei Könige nur geschrieben, weil ich irgendwann einmal entführt und zur Sexsklavin ausgebildet worden wäre. Und das bezieht sich nur auf eine meiner multiplen Persönlichkeiten, da ich noch über andere Figuren schreibe (bisexuelle Amazonen, menschenscheue angehende Wissenschaftler, Diebe mit jeder Menge krimineller Energie, skrupellose Kontrollfreaks, widerwärtige Intriganten und liebeskranke Vanillas, bei denen nicht nur meine Leser das Bedürfnis verspüren, ihren Kopf in die Tastatur ihres Laptops zu hauen – um nur einige zu nennen). Und natürlich sind meine Geschichten voll mit meinen perversen sexuellen Phantasien. Denn schließlich bin ich ja Fanfiction-Autorin.

Aussagen wie in dem obigen Zitat erinnern mich ein wenig an den Deutschunterricht in der Schule, wo wir unsere Lektüren unter anderem danach interpretieren mussten, was uns der Autor damit sagen will. Wenn wir dabei den persönlichen Hintergrund des Autors in unsere Interpretation mit einbezogen haben, gab es dafür auch ein Sternchen. Das ist in etwa so, wie in Vincent van Goghs Sternennacht nach Anzeichen für seine fortschreitende Erkrankung zu suchen.

Mir stoßen derartige Rückschlüsse auf den Autor auch noch aus einem anderen Grund sauer auf. Denn ich bin nicht allzu angetan, wenn man dies bei mir tut. Was meine Leser im Stillen über mich denken, kümmert mich nicht. Doch manchmal artet so etwas auch aus. Erst vor kurzem hatte ich diesbezüglich selbst ein weniger schönes Erlebnis: Ich habe über Twitter jemanden kennengelernt, der mir nach nur wenigen gemeinsamen Vielfachen von 140 Zeichen sagte, er fühle sich mit mir ‚verbunden‘. Deswegen wolle er nun erst Black Magician und dann meine Fanfictions lesen, um mich ‚zu verstehen‘. Mir ist unbegreiflich, wie man mich auf Grund meiner Fanfictions verstehen soll – besonders, wenn man mich kaum kennt (einige gemeinsame Vielfache von 140 Zeichen sind für mich gleichbedeutend mit ‚kaum kennen‘). Jedenfalls war mir die ganze Sache so unheimlich, dass ich die Flucht ergriff und den Kerl geblockt habe, zumal ich mich anfing gestalkt zu fühlen, weil er alles von mir geliket, retweetet und kommentiert hat. Leider kann ich ihn nicht auf Fanfiktion.de blocken und mir graut schon vor dem Tag, an dem er mich in Reviews psychoanalysiert.

Ein weiteres unschönes Erlebnis dieser Art liegt schon etwas länger zurück. Als ich 2010 anfing Die zwei Könige zu schreiben, erzählte ich bei einem Pärchenabend der Freundin des besten Kumpels meines Freundes davon. Dummerweise hatte ich dabei nicht bedacht, dass sie Psychologie studiert und meine Aussage, dass mein Antagonist (der böse heiße König von Sachaka) in einigen Charakterzügen von meinem Freund inspiriert war, wurde für den Rest des Abends bis ins kleinste Detail meine dahintersteckende Motivation analysiert so wie meine Person und unsere Beziehung. Ich bin kläglich daran gescheitert zu erklären, dass es dabei nur um einige kleine Eigenheiten meines Freundes ging, die rein zufällig auch in meine Vorstellung von einem perfekten Antagonisten passen.

Wer mein Vorwort zu Die zwei Könige gelesen hat, weiß übrigens, dass die Story nur deswegen so hart wurde, weil alles andere im Zusammenhang mit einer Entführung durch die Sachakaner Augenwischerei gewesen wäre.

Was beim Schreiben tatsächlich passiert

Aus diesem Grund gebe ich meine Geschichten auch ungern Freunden und Bekannten zu lesen, sofern ich ihnen in dieser Hinsicht nicht absolut vertraue. Meine Leser könnten diese kleinen Details niemals erraten und ich würde sie ihnen auch nicht verraten. Aber genau diese kleinen Details sind es, die Figuren lebendig werden lassen. Indem wir ihnen etwas mitgeben, was wir kennen, fügen wir ihnen eine weitere Facette hinzu und lassen sie dadurch realistischer werden. Und das hat nicht im entferntesten etwas mit Verarbeitung zu tun. Verarbeitung geschieht indirekt. Lasse ich einen Charakter Liebeskummer erleiden, so erinnere ich mich an meine Gedanken von Sinnlosigkeit und das Gefühl schmerzender Leere während meines letzten Liebeskummers. Indem ich die Erinnerungen wieder aufleben lasse, wird die Situation des Charakters für den Leser lebendig. Das zu schreiben macht mir große Freude, auch wenn ich dabei selbst Tränen in den Augen habe, weil ich an dem Tag etwas emotional bin oder mir der Charakter so sehr am Herzen liegt, dass ich mit ihm leide.

In den meisten Fällen stehen die Erlebnisse des Charakters, steht nur in sehr weitgefasster Assoziation mit etwas aus meinem Leben – einer Situation oder einem Gefühl, dass ich auf die Szene anwende. Ich kann nur erahnen, wie es ist, einen Menschen zu töten oder vergewaltigt zu werden. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, etwas sehr Falsches zu tun, was sich nicht mehr gutmachen lässt und kenne das Gefühl absoluter Ohnmacht. Für mich genügt das, um mich in einen Charakter hineinzuversetzen, auch wenn diese Gefühle aus einem völlig anderen Zusammenhang stammen.

Natürlich verarbeitet man beim Schreiben auch Dinge aus dem eigenen Leben und ich würde lügen, würde ich das nicht auch tun. Doch tatsächlich ist dieser Prozess oft sehr komplex und die Verarbeitung geschieht eher indirekt. Meist sind es nur Kleinigkeiten, manchmal wird mir erst im Nachhinein bewusst, dass ich durch das Beschreiben eines gewissen Ereignisses oder Leidensprozess einer Figur etwas verarbeite oder kompensiere. Doch das ist selten das Offensichtliche und man muss mich persönlich schon sehr gut kennen, um diese Stellen herauszufinden.

Nicht nur ich, sondern auch andere Autoren, mit denen ich mich austausche, schreiben einen Konflikt oder eine dramatische Storyline um des Schreibens willen oder weil es an dieser Stelle schlicht und ergreifend passt. Und nicht etwa, weil sie vergewaltigt wurden, Depressionen haben oder kriminell sind. Dass Sonea in The Novice von den anderen Novizen gemobbt wird, ist eine logische Schlussfolgerung aus ihrer durch ihre niedere Geburt bedingte Außenseiterrolle in der Gilde und einem Haufen schwerpubertierender arroganter Sprösslinge aus dem Adel. Ich behaupte sogar, dass wenn Canavan damit etwas kompensieren wollte, hätte sie Sonea und Regin in ihrer Fortsetzungstrilogie sensibler gehandhabt. Denn wenn man einmal selbst in dieser Opferrolle gesteckt hat, dann reagiert man auf ein solches Thema sehr empfindlich anstatt es zu verherrlichen (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin).

In allen Geschichten steckt auch immer ein wenig von einem selbst. Doch umgekehrt findet man sich auch beim Lesen immer ein Stück weit in der einen oder anderen Figur wieder. Derselbe Prozess findet sogar statt, wenn man einen Menschen näher kennenlernt. Nur, dass dies ein wenig Aufwand erfordert, während man bei Romanfiguren schnell einen Einblick in deren Innenleben erhält.

Autoren sind keine Psychopathen. Wir schreiben um des Schreibens willen und über nicht nur über Dinge, die uns selbst bewegen, sondern oft auch einfach nur über das, was die Geschichte erfordert. Als Leser darf man gerne Vermutungen anstellen, warum ein Autor eine Geschichte so schreibt, wie er sie schreibt. Aber dabei sollte man einen gewissen Respekt gegenüber dem Autor wahren. Denn auch wenn er eine öffentliche Person ist, so ist auch er ein Mensch mit Persönlichkeitsrechten und Gefühlen.

Mir ist übrigens herzlich egal, ob meine Leser mich für pervers halten. Für einen Großteil der Bevölkerung bin ich das vermutlich. Aber für mich ist Schluss mit lustig, wenn man anfängt, mich anhand meiner Geschichten zu psychoanalysieren und mir vielleicht sogar psychische Probleme unterstellt. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin.

* Allmählich tut mir der arme Kerl ja ein wenig leid, weil er andauernd für meine Blogartikel hinhalten muss …

Magier in fiktiven Gesellschaften und warum Macht nicht mit Machtmissbrauch einhergehen muss

In der Reaktion auf meinen Beitrag zu magischen Ausbildungssystemen fiel ein Satz zu Black Magician, bei dem ich mich ernsthaft gefragt habe, ob ich vielleicht in einer Art Paralleluniversum lebe:

„Was ich an dem Magiesystem aber absolut unglaubwürdig fand ist, dass die zT recht mächtigen Magier völlig offen in der Gesellschaft leben, aber ohne das jemals auch nur irgendwie in Frage zu stellen, dass sie unter der Herrschaft von nichtmagischen Königen steht. Das tun sie seit Jahrhunderten, völlig freiwillig. Sorry, aber das entspricht einfach nicht dem menschlichen Naturell.“

Die allererste Frage, die mir dabei durch den Kopf schoss, war: „Was ist so unnatürlich daran, eine Macht zu besitzen und sich trotzdem einer höheren Instanz unterzuordnen? Warum sollte es der Natur des Menschen entsprechen, diese zu benutzen, um sich in eine herrschende Position begeben?“

Ich weiß nicht, ob es Naivität ist oder in meinem eigenen Naturell begründet liegt, dass ich eine solche Aussage nicht nachvollziehen kann. Doch ich behaupte auch ohne ein sozialwissenschaftliches oder psychologisches Studium hinter mir zu haben, dass die Menschheit sich schon längst selbst ausgelöscht hätte, wenn dies in unserer Natur läge.

Die Stellung von Personengruppen mit Macht in unserer Gesellschaft

Auch in unserer Welt gibt es Personengruppen, die gegenüber der restlichen Bevölkerung eine gewisse Machtposition innehaben, aber dennoch einer höheren Instanz unterstehen. Und diese teilen sogar eine der Funktionen der Gildenmagier aus Black Magician: Sie verteidigen ihr Land im Falle eines Krieges. Ganz genau, ich spreche vom Militär eines Staates oder einer Staatengruppe (z.B. die Nato oder die UN als Äquivalent zu den Verbündeten Ländern). Seine Macht besteht indes nicht in Magie, sondern in Waffen – Waffen und auf deren Benutzung trainierte Soldaten. Damit besitzt das Militär ein potentielles Instrument, mit dem es die Macht im Land an sich reißen und eine Militärdiktatur errichten könnte. Weder die Regierung noch die Bevölkerung hätten dem viel entgegenzusetzen.

In vielen Ländern dient das Militär seinem Land nicht nur im Fall einer kriegerischen Bedrohung, sondern auch bei anderen Katastrophen und schützt damit die Bevölkerung. Aber es gibt auch Länder, in denen diejenigen mit Macht diese nutzen, um über den Rest der Bevölkerung zu herrschen, was nicht selten mit Menschenrechtsverletzungen und Beschneidung von Persönlichkeitsrechten einhergeht. Oft unterscheidet sich die dort gelebte Kultur von der unseren. Natürlich gibt es auch in den westlichen Ländern Fälle von Größenwahn, die in sowas wie Hitler oder Stalin gipfeln. Doch wir wissen alle, wie das ausging.

Bevor das hier zu politisch wird und mir nachher noch unterstellt wird, ich wäre ein Terrorist oder würde hier eine Anleitung zum Ergreifen der Weltherrschaft bereitstellen, begebe ich mich wieder in sicherere Gefilde. Zudem kann ich die psychologischen und sozialwissenschaftlichen Aspekte der Frage, warum man sich unabhängig von der eigenen Macht einer höheren Instanz unterordnet, nicht hinreichend abdecken und nur auf Grund dessen argumentieren, was sich für mich instinktiv richtig oder falsch anfühlt.

 

Die Stellung der Magier in Black Magician

Die Gildenmagier werden zwar im Kriegsfall als Streitmacht eingesetzt, aber hinter ihrer politischen Passivität und der Loyalität zu ihrem König und der zivilisierten Lebensweise der Kyralier steckt ein noch sehr viel essentiellerer Grund: In erster Linie sind die Gildenmagier nichts als ein Haufen verschrobener Gelehrter, die in ihrer eigenen Welt leben. Sie interessieren sich kaum bis gar nicht für die Dinge, die sich außerhalb ihrer Gilde ereignen – sind ihnen gegenüber oft sogar blind – und sie sind glücklich damit, übereinander zu tratschen oder ihre kleinen Intrigen gegeneinander auszuspielen. Nachdem ich selbst vier Jahre einem Institut einer deutschen Universität gearbeitet habe, kann ich die Lebensweise der Gildenmagier mehr als nachvollziehen und finde mich darin wieder. Die an meinem ehemaligen Institut angestellten Wissenschaftler hatten außer dem Unterrichten von Studenten, dem Schreiben von Papern und Forschungsanträgen und ihren Kleinkriegen darüber, welche Theorie zu einem Phänomen nun die Richtige ist, nicht viel anderes im Kopf. Die Wissenschaft und die Lehre haben ihr Leben dominiert. Natürlich gab es auch hier ein paar statistische Ausreißer, aber wo gibt es die nicht?

In Black Magician gebieten diese verschrobenen Gelehrten zusätzlich über Magie, womit sie gegenüber der Bevölkerung die obenerwähnte Machtposition erlangen. Das rechtfertigt für mich dennoch nicht, wieso sie ihre Macht nutzen sollten, um gegen den König zu rebellieren oder an seiner statt zu herrschen. Muss denn bloß, weil es Magie gibt, auch ein Magier herrschen? Zudem ist Kyralia ein zivilisiertes Land und mit einem zivilisierten Wertesystem und entsprechenden Gesetzen. Wie bei uns das Militär dürfen auch die Gildenmagier keine Willkür an Nichtmagiern walten lassen, sondern dienen vielmehr zu deren Schutz. Um diesen zu gewährleisten, verbietet das Gesetz zudem, dass Magier außerhalb der Gilde existieren und es ist eine der Aufgaben der Gilde, diese aufzuspüren und unter ihre Kontrolle zu bringen.

Für eine mittelalterliche Fantasywelt ist das gewiss ungewöhnlich, doch die Welt von Black Magician ist nicht die einzige Fantasywelt mit fortschrittlichen Elementen. Was meiner Meinung nach auch völlig legitim ist. Schon die Menschen der Antike (Griechen, Römer etc.) verfügten über Staatsformen, die den heutigen ähneln, während das Mittelalter in dieser Hinsicht ein krasser Rückschritt war. In einer fiktiven Welt, deren Technologie und Wissenschaft sich auf mittelalterlichem Stand befindet, muss dies nicht zwingend auch geschehen sein. In den Büchern finden sich zudem Hinweise auf altertümliche Hochkulturen von Magiern, die bereits ähnlich zivilisiert waren.

Wenn man die Vorgeschichte zu Black Magician, The Magician’s Apprentice, liest, wird zudem klar, dass die Lebensweise der Magier historisch bedingt ist. Einst war Kyralia von feindlichen Magiern besetzt, die die Bevölkerung unterdrückt haben. Es wird zwar nicht erwähnt, doch nachdem Kyralia seine Unabhängigkeit erlangt hat, ist es naheliegend, dass die Bewohner keinen Magier als König wollten. Natürlich gab es in Kyralia noch immer Magier, doch diese lebten damals über das Land verstreut und genossen hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Sie hatten in etwa den Stellenwert von Lehnsherren. Nach einem erneuten Krieg gegen die einstigen Besatzer haben sie ihre Gilde gegründet. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden die strengen Gesetze eingeführt, denen die Gildenmagier während Black Magician unterliegen. In jene Zeit fällt auch das Verbot höherer Magie, nachdem ein Magier vom Größenwahn befallen wurde und anfing, seine Macht zu missbrauchen. Daraufhin wurden sämtliche Referenzen über höhere Magie aus der Geschichte getilgt, was gewiss einen leicht utopischen Eindruck der Lebensweise der Magier bewirkt. Meiner Meinung nach ist dies eine natürliche Reaktion, die aus dem Wunsch resultiert, ein solches Szenario nicht noch einmal erleben zu müssen. Die Furcht der Herrscher Kyralias in Bezug auf nicht kontrollierbare Magier hat sich nichtsdestotrotz bis heute gehalten.

Die Gildenmagier sind jedoch nicht die einzigen Magier in dem von Canavan geschaffenen Universum. Mit Sachaka, jenem Land, dessen Magier Kyralia einst besetzt gehalten hatten, hat Canavan ein zu den friedliebenden Gildenmagiern krasses Gegenbeispiel erschaffen. Dort herrschen die Magier über den Rest der Bevölkerung und selbst der König ist ein Magier. Die Lebensweise der Sachakaner geht nach unserem Verständnis mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen einher und auch die Kultur unterscheidet sich grundlegend von der Kultur der Kyralier und damit auch unserer eigenen. Auch die Sachakaner haben ein System, um ihre Magier zu bestrafen, doch da sie höhere Magie beherrschen, bleibt oft nur die Verbannung in die Ödländer. Diese kommt jedoch einem Todesurteil gleich. Die Ödländer bieten nicht viel Nahrung und die dort lebenden Magier kämpfen gegeneinander und ums Überleben. Nichtsdestotrotz zeigt Canavan an Sachaka, was geschieht, wenn Menschen ihre Macht auszunutzen, um über andere zu herrschen. Ich wage daher zu behaupten, dass dies auch eine Frage von Kultur und Wertesystem ist.

 

Magier in anderen fiktiven Welten und in Parallelgesellschaften

Die Magier bei Black Magician sind nicht die Einzigen, die ihre Magie nicht ausnutzen. Die Zauberer in Harry Potter leben in einer Parallelgesellschaft verborgen vor den Augen der Muggel. Damit sind sie zwar nur indirekt mit den Gildenmagiern vergleichbar, trotzdem kann man fragen, warum sie so leben, wenn es doch angeblich dem menschlichen Naturell entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben? Ich habe die Bücher vor Jahren gelesen, x-mal die Hörbücher gehört und mindestens ebenso oft die Filme gesehen und ich kann mich an keine Stelle erinnern, wo eine Begründung geliefert wird. Als Zauberer wären sie mächtig genug, über die Muggel zu herrschen, doch stattdessen ziehen sie ein Leben in ihrer eigenen Welt vor (sieht man jetzt einmal von dem guten alten Voldemort und seinem Größenwahn ab). Warum entscheidet das Zaubereiministerium nicht, die britische Regierung und die Queen zu stürzen und selbst zu regieren?

Tatsächlich liefert Frau Rowling dazu keine Begründung (sollte es doch eine geben, so dürft ihr mir dies gerne mitteilen!). Vielmehr habe ich den Eindruck, dass es hier darum geht, den Leser gemeinsam mit Harry in eine magische Welt zu entführen, mit sowohl Leser als auch Protagonist ihrem Leben entfliehen können. Da Harry Potter als Kinderbuch begann, käme dies zumindest nicht überraschend. Natürlich kann man hinterfragen, warum die Zauberer im Verborgenen leben, aber wenn ich ein Zauberer wäre, hätte ich vermutlich auch keinen Bock unter Muggeln zu leben.

Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig. Die Zauberer in Harry Potter unterstehen keiner nichtmagischen Instanz, sondern nur dem Zaubereiminister. Sie bilden ihre eigene, in sich geschlossene Parallelgesellschaft. Die Gildenmagier haben zwar ihre höheren Magier und den Hohen Lord, unterstehen aber letztendlich dem König und sind Teil einer überwiegend nichtmagischen Gesellschaft. Dennoch könnte man auch hier fragen, warum sie ihre Macht nicht einsetzen, um über die Muggel zu herrschen, wenn das doch angeblich der menschlichen Natur entspricht.

Eine andere fiktive Gruppe, deren Prinzip den Gildenmagiern ähnlicher ist, sind die Jedi der Alten Republik. Über Jahrtausende haben sie für Recht und Ordnung in ihrer weit, weit entfernten Galaxie gesorgt, während der Senat die Alte Republik regierte. Auch die Jedi unterlagen Regeln, die besagten, dass sie sich nicht in die Politik einmischen, und diese stimmten mit ihrem Wertesystem überein. Ich sehe nicht, was daran fragwürdig oder unnatürlich sein sollte.

Es gibt Dinge, die sind so natürlich und entsprechen dem gesunden Menschenverstand, dass man sie nicht hinterfragen muss. Im Falle meiner Lieblingsbücher habe ich mir dennoch einmal die Zeit genommen, diese Sache genauer zu analysieren, was für mich persönlich überaus spannend und erkenntnisreich war. Letztendlich kann ich in der von Canavans Lebensweise der Gildenmagier keinen Fehler sehen. Sie sind vielmehr ein Beispiel für eine sehr moderne und zivilisierte Kultur.

Ab dem nächsten Artikel werde ich mich mit ernsthaften Schwächen der Bücher befassen. Als erstes wird es dabei um die Tiefe und Komplexität der Charaktere gehen.

Warum Sonea keine Mary Sue ist

Die Idee, diesen Artikel zu schreiben, hatte ich schon länger. Tatsächlich bin ich jedoch durch diesen Post im Fanfiktion.de-Forum auf die Idee gekommen.

Eigentlich ging es um magische Ausbildungssysteme und ich hatte mich in der Hoffnung, dass dies eine sinnvolle Diskussion würde, daran zu beteiligen versucht. Den Zusammenhang der folgenden Posts mit meinem eigenen suche ich übrigens immer noch vergebens.

Ich hatte die erste Antwort verspätet gesehen und wie das so ist, wenn ich etwas in einem Forum schreiben will, antworten in der Zwischenzeit tausend andere Leute und machen meinen Beitrag damit hinfällig. Ich hatte kurz überlegt, trotzdem etwas zu schreiben und auf die anderen User einzugehen, aber bei dem Niveau, auf dem sich die Diskussionen in diesem Forum leider viel zu häufig bewegen, wollte ich mir den damit verbundenen emotionalen Stress ersparen. Zumal ich mich nicht gerne an Off-Topic-Diskussionen beteilige.

Da ich nun seit fast auf den Tag genau sechs Jahren in der Welt von Black Magician mein geistiges und emotionales Refugium etabliert habe, verspüre ich dennoch das Bedürfnis, zu dieser Antwort in irgendeiner Weise Stellung zu beziehen. Zumal ich der Meinung bin, dass man als Fan auch zu den Schwachpunkten des geliebten Fandoms stehen können sollte.

Deswegen habe ich mich für eine Reihe von Blogartikeln entschlossen, in denen ich zuerst mit den Vorurteilen aufräumen will und anschließend einige wirkliche Schwächen der Bücher aufzeigen möchte, die im weiteren Verlauf jenes Threads auch angesprochen wurden.

von lydiakang.blogspot.com – einige dieser Kriterien lassen sich in so ziemlich jedem fiktiven Charakter finden. Kritisch wird es erst, wenn fast alle Punkte zutreffen, zumal die Superkräfte für fast alle Charaktere aus Black Magician gelten.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema „Warum Sonea keine Mary Sue ist“

Such characters were generally original female adolescents who had romantic liaisons with established canonical adult characters, or in some cases were the younger relatives or protégées of those characters. By 1976 Menagerie’s editors stated that they disliked such characters, saying:

Mary Sue stories—the adventures of the youngest and smartest ever person to graduate from the academy and ever get a commission at such a tender age. Usually characterized by unprecedented skill in everything from art to zoology, including karate and arm-wrestling. This character can also be found burrowing her way into the good graces/heart/mind of one of the Big Three [Kirk, Spock, and McCoy], if not all three at once. She saves the day by her wit and ability, and, if we are lucky, has the good grace to die at the end, being grieved by the entire ship. (aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Sue)

Zugegebenermaßen habe ich den Eindruck, dass Mary Sue ein beliebtes Totschlagargument ist, sobald man einen Charakter nicht leiden kann.

Sonea ist nicht perfekt. Sie hat Ecken und Kanten. Sie besitzt einen gewissen Intellekt und hat eine rasche Auffassungsgabe. Ohne dies hätte sie nicht so lange in den Hüttenvierteln überlebt. Tatsächlich ist es sogar so, dass sie nicht einmal immer rationale Entscheidungen trifft. Man kann jetzt darüber streiten, ob ihre Figur damit konsequent entwickelt ist, oder ob Charaktere sich auch hin und wieder unlogisch verhalten dürfen und auch müssen. Doch ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich an jeder Stelle exakt wie sie gehandelt hätte. Deswegen kann ich sie nur als überaus menschlichen Charakter empfinden.

Eine Mary Sue ist ein flacher Charakter, der sich nicht mehr entwickelt, weil er bereits perfekt ist. Sonea macht jedoch von allen Erzählcharakteren die größte Entwicklung durch, weil ihr Leben sich während der gesamten Trilogie am meisten verändert (bei den Non-Erzählcharakteren ist es übrigens Akkarin). So überwindet sie ihre Vorurteile und ihre Furcht vor den Magiern, passt sich an deren Sitten an. Allerdings kommt sie mit den anderen Novizen nicht zurecht und lässt sich völlig eingeschüchtert von ihnen mobben, bis sie schließlich über sich hinauswächst und sich wehrt und sich damit den Respekt der Magier und Novizen erarbeitet. Im dritten Buch macht sie noch einmal eine weitere große Wandlung durch, als sie erneut ihre Vorurteile und Furcht überwindet und sich Akkarin anschließt, um für die Verteidigung der Gilde zu kämpfen. Danach kommen übrigens Dannyl und Ceryni, während Rothen und Lorlen sich fast gar nicht entwickeln, dafür aber eine Art moralisches Rückgrat bilden. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Weil eine Mary Sue perfekt ist, fällt ihr alles in den Schoß. Sonea dagegen muss sich alles hart erarbeiten. Dass ihr das gelingt, lässt sich leicht mit ihrer Herkunft begründen. Sie ist es gewohnt, dass ihr das Leben nichts schenkt und eigene Anstrengungen unternehmen muss, um ihre Ziele zu erreichen. In den Hüttenvierteln musste sie jeden Tag ums Überleben kämpfen. Dementsprechend fällt es ihr leicht, die Anforderungen des Studiums zu erfüllen, wo die Novizen aus den Häusern ein verwöhnter Haufen sind.

Eine Mary Sue ist schön, sexy und begehrenswert und die Verehrer stehen Schlange. Im Idealfall hat sie zudem mehrere Beziehungen. Sonea ist alles andere als das. Sie ist kleinwüchsig, unterernährt und könnte vielleicht ganz passabel aussehen, wenn sie genug zu essen bekäme. Im Verlaufe der Bücher hat sie zwei Verehrer, denen sie jeweils einen Korb gibt, weil der Funke einfach nicht überspringt (Ceryni und Dorrien), und einen ernstzunehmenden Loveinterest (Akkarin), der sich allerdings erst sehr spät entwickelt. Ceryni verliebt sich übrigens im dritten Buch in eine andere Frau. Der Rest der Charaktere steht ihr bis zum Ende des zweiten Buches, wo sich dies aus bekannten Gründen ändert, entweder misstrauisch bis herablassend gegenüber oder ist im Fall der übrigen Erzählcharaktere ihr wohlgesonnen. Allerdings macht die Tatsache, dass die übrigen Erzählcharaktere ihr gegenüber wohlgesonnen sind, noch lange keine Mary Sue, zumal diese Figuren sich auch untereinander wohlgesonnen sind, lässt man einmal Ceryni außen vor, der außer mit Sonea mit keinem der Erzählcharaktere ernsthafte Berührungspunkte hat.

Es ist übrigens nicht richtig, dass Sonea die Protagonistin der Bücher ist. Die Übersetzung der deutschen Titel suggeriert dies, aber tatsächlich ist sie nur einer von fünf Erzählcharakteren, die alle in etwa den gleichen Anteil an Szenen haben.

Der einzige Punkt, an dem Sonea etwas sueig ist, ist ihr außergewöhnlich starkes, magisches Potential. Ich finde, hier hat Canavan tatsächlich etwas übertrieben. Allerdings muss es allein aus Gründen der Statistik Ausreißer wie sie unter den Menschen mit magischem Potential geben. Canavan hätte das etwas weniger drastisch machen können, aber ich finde es für das Lesevergnügen nicht als störend, weil Sonea genug andere Schwächen hat, die sie menschlich machen. Und sind es nicht die Menschen, die in irgendeiner Weise herausragen, die Großes vollbringen?

Und seien wir einmal ehrlich: Wer liest denn gerne eine Geschichte über einen durchschnittlichen Charakter, mit 0815-Fähigkeiten, der nichts erlebt und nichts bewirkt und immer nur ein Mitläufer ist?

Nächste Blogartikel zu dieser Reihe

  1. Das Klischee des gemobbten Waisenkindes und warum wir es brauchen
  2. Magier in Parallelgesellschaften und warum es nicht der menschlichen Natur entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben
  3. Schwächen in Black Magician: Tiefe und Komplexität der Charaktere
  4. Schwächen in Black Magician: Handlungsschwerpunkte
  5. Schwächen in Black Magician: Ist es konsequent, dass Sonea sich von den anderen Novizen einschüchtern lässt?
  6. Schwächen in Black Magician: Das Ende von The High Lord

Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin

Oder auch: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, gesunder Menschenverstand ist ein anderes Thema

Warnung: Der folgende Artikel ist nicht nett. Ich nehme mit seiner Veröffentlichung in Kauf, dass ich mir Feinde mache und beleidigte Leser meine Geschichten aus ihren Favoriten nehmen oder sich weigern, mir weiterhin Reviews zu schreiben. Aber dieses Thema macht mich unglaublich wütend und ich kann meine Meinung dazu nicht länger zurückhalten. Mein Verstand weigert sich zu begreifen, wie man das Pairing Sonea & Regin gutheißen kann und es kotzt mich an, wenn ich irgendwo jemanden deswegen rumquietschen sehe oder entsprechende Geschichten finde.

Als ich in meiner Anfangszeit auf Fanfiktion.de erstmals erfuhr, dass Sonea und Regin in Canavans Fortsetzung von ’The Black Magician’ ein Paar werden, war mein erster Gedanke „Das klingt nach einer schlechten Fanfiction.“

Dieser Gedanke ist bis heute geblieben. Er hat mir das Lesevergnügen von ’The Novice’ verdorben, weil mir auf Grund dieses Wissens jedes Mal schlecht wird, wenn Regin und Sonea sich begegnen. Ich verspüre einen inneren Ekel, wenn ich für meine eigene Fortsetzung Szenen schreibe, in denen die beiden aufeinandertreffen. Ich will hier nicht darüber spekulieren, warum Canavan das getan hat* – Fakt ist, dass sie es getan hat. In jedem Fall ist es ein unsensibler Umgang mit dem Thema Mobbing. Aber dazu gleich mehr.

Regin und Sonea als Paar – das ist die schlimmstmögliche Charakterkonstellation, die ’The Black Magician’ zu bieten hat. Und im Folgenden erläutere ich, warum.

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Über Missbrauchsbeziehungen in Geschichten und die Konsequenzen

Eigentlich gibt es eine Vielzahl anderer Blogartikel auf meiner Liste. Dieser brennt mir jedoch anlässlich des Endes von Teil 1 der zwei Könige wirklich auf der Seele. Also verzeiht mir bitte eventuell harsche Wortwahl. Dieses Thema liegt mir wirklich sehr am Herzen.

Spoiler-Warnung: Falls ihr vorhabt, meine Fortsetzung von ‚The Black Magician‘ zu lesen oder irgendwo mitten im ‚Spion‘ steckt, solltet ihr diesen Blogartikel nicht weiter lesen, da er sich auf Teil 2 ‚Die zwei Könige‘ bezieht.

Seit der zweite Teil meiner Trilogie online ist, ist das Feedback einfach überwältigend. So viel Resonanz hätte ich mir stellenweise auch für den ’Spion’ gewünscht. Ich weiß jedoch auch, dass der große Zuspruch der Leserschaft bei ’Die zwei Könige’ vor allem daher kommt, dass die Charaktere und ihr Zusammenspiel starke Emotionen bei den Lesern auslösen. Wo ich anfangs glaubte, dass kaum jemand lesen will, wie meine Heldin gequält wird, weil die Häufigkeit derart schonungsloser Geschichten im Black Magician Fandom regelrecht gegen Null geht, ist mir die Beliebtheit, die dieser zweite Teil sich inzwischen erfreut, inzwischen nahezu unheimlich.

Jedoch nicht auf Grund der beiden neuen Charaktere Ivasako und Danyara oder des Entwurfs einer Kultur, die sowohl grausam ist als auch einem orientalischen Märchen entsprungen sein könnte, und auch nicht wegen meines bösen heißen Königs, der für mich den perfekten Antagonisten verkörpert, an sich – nein, es geht um das Pairing Sonea und Marika.

Oder besser gesagt: das Unpairing.

Denn seien wir ehrlich: So sehr ich selbst Marika vergöttere und es genieße, wenn er meine Leser polarisiert oder sie ihn gegen ihren Willen fangirlen, so stößt mir nichts saurer auf, als wenn ich ein Review bekomme, in dem ein begeisterter Leser die Hoffnung äußert, Sonea und Marika könnten sich ineinander verlieben. Das löst jedes Mal in mir das unbändige Verlangen aus, die Moralkeule zu schwingen.

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Klischees im Black Magician Universum (6)

Nr. 6 Der Intrigant, der sich selbst zum Narren macht

Er ist schön, er ist attraktiv, er ist gebildet, er hat güldenes Haar, über das er sich mit Vorliebe streicht, er kommt aus einem reichen und einflussreichen Hause – er ist …

Nein, er ist nicht der Kingslayer, denn dieser hat Klasse. Und lebt in Westeros.

Er ist Fergun.

In der Gilde ist nur unter Seinesgleichen beliebt. Kleine Schleimer und Intriganten, die wie er zu verhindern suchen, dass sich die überall in den Verbündeten Ländern und jenseits davon anerkannte Gilde dem Pöbel öffnet. Jeder Magier, der ein wenig Hirn besitzt, hält nicht viel von Fergun. Und das zu recht.

Der Hohe Lord hat keine allzu hohe Meinung von ihm:

„So what did you tell him?“

„That uncle Fergun had done a bad, bad thing, but not to worry, as the nice men at the Fort would make sure, he was well looked after for all the years he stayed there.“

„I mean what did you tell Nefin?“

„Precisely the same. Well, not in exactly the same words, of course. Not only do they give me the satisfaction of refusing, but I’ve had no marriage proposals from House Maron since Fergun departed. That is an even better reason to keep the man tucked away in the Fort.“

Konversation zwischen Akkarin und Lorlen, Kapitel 4, The Novice

Bei Jerrik ist er unten durch, nachdem er diesem offenbart hat, dass er mit Vorliebe elynische Trivialliteratur liest.

Sogar die Ichani halten nicht besonders viel von seinen magischen Fähigkeiten:

„But he’s weak. I can’t believe they bothered to teach him. He probably can’t even boil water.“

Avala, Kapitel 28, The High Lord

Offengestanden: Ein wenig bedauere ich, dass Avala ihn getötet hat. Auch wenn ich jedes Mal, wenn ein ungeliebter Charakter stirbt, dabei insgeheim eine tiefe Befriedigung verspüre. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, kam mir die glorreiche Idee, eine Badfic zu schreiben: Avala setzt sich über Kariko hinweg und behält Fergun und macht ihn zu ihrem Lustsklaven. Tatsächlich wollte ich schon immer eine Geschichte aus der Perspektive einer dominanten Frau schreiben. Die bloße Vorstellung, wie Fergun vor der heißen und begehrenswerten Ichani-Magierin im Staub kriecht und sich wie ein unwürdiger Wurm zu ihren Füßen windet, beinhaltet ein unglaubliches Amüsement, auf das ich nur schwerlich verzichten kann, jetzt wo es sich in meinem sadistischen Fangirl-Hirn erst manifestiert hat.*

Fergun gibt wirklich sein Bestes, um als intriganter Bösewicht anerkannt zu werden, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Er schwingt große Reden im Abendsaal, mit denen er seinen Standpunkt zum Thema Abschaum und Hüttenviertel nur allzu deutlich macht. Wirklich begeistern kann er damit jedoch nur seine Anhänger. Er hält sich für überaus gerissen, weil er Cery unter der Universität einsperrt und Sonea, die von all den Magiern völlig eingeschüchtert ist, mit ihm erpresst, um seine kleine schmutzige Intrige durchzusetzen. Doch er hat die Rechnung ohne den Hohen Lord gemacht, welcher mit Vorliebe durch die finsteren Geheimgänge streift, weil er dort seine Ruhe vor den anderen Magiern hat. Und ohne seinen früheren Widersacher Dannyl natürlich. Das hat man davon, wenn man andere mobbt.

Feige ist Fergun nämlich auch. Und homophob, wobei man das vermutlich über den Großteil des kyralischen Adels sagen könnte, der sich im Gegensatz zu seinem Nachbarn im Norden aufklärungstechnisch noch im tiefsten Mittelalter befindet. Ferguns Feigheit ist seine herausragendste Charaktereigenschaft. Nur feige Menschen mobben und piesacken andere, vergreifen sich an schwächeren und verstecken sich vor den bösen Feinden, anstatt heldenhaft unterzugehen. Dass Fergun eigentlich Schwertkämpfer werden wollte und frustriert ist, weil seine Eltern ihn stattdessen zur Gilde geschickt haben – und das, obwohl sein magisches Potential so gering ist, dass er mit Mühe und Not Wasser kochen kann – ist für mich keine Entschuldigung für sein Verhalten. Andere Magier wurden weitaus mehr vom Schicksal gebeutelt und wurden dennoch nicht zum Charakterschwein. Selbst jene, die von Fergun persönlich gebeutelt wurden.

Auch hier habe ich wieder einmal nicht die geringste Ahnung, ob Canavan versucht hat, einen Bösewicht zu parodieren oder ob sie einen echten Bösewicht schaffen wollte und ihr das einfach nur misslungen ist. Für mich ist Fergun vor allem Ersteres. Ein Bösewicht, der unfreiwillig komisch ist.

* Ich streite noch mit mir selbst bezüglich des Ratings und wie viel Handlung ich der Story zugestehen soll, da eine Badfic meiner Meinung nach keine nennenswerte Handlung haben sollte. Aber wie soll ich ohne bloß leben?

Klischees im Black Magician Universum (5)

Hach, der hier lag schon etwas länger bei mir rum. Vor gestern Abend konnte ich ihn aber nicht bringen.

Viel Spaß damit!

Nr. 5 Der Anführer, der nichts zu sagen hat (FF)

Sonea unterdrückte ein Kichern. „Nein. Und wir wollen doch ganz bestimmt auch nicht, dass Balkans Roben schmutzig werden.“ „Was Luzille wohl dazu sagen würde?“, murmelte Akkarin mehr zu sich selbst. Sonea kicherte erneut. „Sie wäre sicher alles andere als erfreut.“ Kapitel 32, Der Spion

Balkan war der Letzte, der sich seine schwarze Robe überzog und Blutring und Speicherstein erhielt. „So fühlt man sich also als Hoher Lord“, bemerkte er, nachdem er die Robe über seine eigene gezogen hatte. Kapitel 55, Der Spion

Dieses Klischee ist eher ein satirisches. Meine Parodierung von Balkan entstand aus meiner Frustration über das Ende von The High Lord und der Nichtexistenz eines plausiblen Weges, Akkarin so kurz nach seiner Verbannung wieder zum Oberhaupt der Gilde zu machen. Balkan ist ein brillanter Krieger, aber in meinen Augen mangelt es ihm an diplomatischem und politischem Geschick. Für mich ist er eher ein Vertreter der Basta-Politik.

Davon abgesehen ist er alles andere als ehrfurchtgebietend.

Und dann die weißen Roben! Damit hat Canavan mir ohne es zu wissen die perfekte Vorlage für einen Anführer, der von seinen Gefolgsleuten nicht ernstgenommen wird, geliefert. Beim Schreiben dieses Artikels kam mir kurz der Gedanke, dass sie das vielleicht getan hat, weil sie Akkarin insgeheim auch für den einzig wahren Hohen Lord hält. Aber nachdem ich wieder an ihre Einstellung zum Ende der Trilogie und dem, was sie Akkarin in der Fortsetzung posthum antut, erinnert habe (ich verdränge das ja gerne erfolgreich), bezweifle ich das jedoch.

Nichtsdestotrotz habe ich unglaublichen Spaß daran, Balkan in seinen nicht vorhandenen Bart grummeln zu lassen, wenn seine Autorität wieder einmal untergraben wird. Sei es, weil die anderen Magier sich insgeheim über seine weißen Roben lustig machen, weil es Dannyl irritiert, diesen Mann nicht zu fürchten, oder weil Akkarin sich allenthalben über den Willen der höheren Magier hinwegsetzt und seine eigenen Entscheidungen zum Wohl der Gilde trifft.

Um es auf die Spitze zu treiben, hat der arme Balkan nicht nur in der Gilde nichts zu sagen, sondern auch nicht bei seiner Frau (sonst wäre es schließlich nur der halbe Spaß). Obwohl sie keine Magierin ist, hat Luzille in dieser Beziehung im wahrsten Sinne des Wortes die Roben an. Ursprünglich habe ich ihm Luzille nur deswegen zur Seite gestellt, weil ich der Meinung war, dass es noch einen privaten Grund geben muss, warum der „kleine brummige Bovar“ immer so brummig und grimmig ist. Doch daraus wurde schnell ein Gegenpol zur Beziehung von Sonea und Akkarin, die so ziemlich das komplette Gegenteil ist. Unter diesen Gesichtspunkt ist es umso widersinniger, dass Sonea und Luzille Freundinnen werden konnten. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Der arme Balkan!, werden manche von euch jetzt vielleicht denken. Und ja, wahrscheinlich kann er einem leidtun. Mir tut er jedoch eher wenig leid. Solange er Hoher Lord ist, werde ich ihn piesacken. Und er sollte mir dankbar sein, weil ich ihn nicht lieb genug habe, um ihn ernsthaft zu quälen.

Wäre Canavan nicht auf die Idee gekommen, Balkan zum Hohen Lord zu machen und ihn in weiße (!) Roben zu hüllen, wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, ihn derart subtil durch den Kakao zu ziehen. Aber so gehört es wie unter anderem die übertriebene Furcht der Gilde vor allem, was mit schwarzer Magie zu tun hat, zu meinen persönlichen Lieblingsklischees, die meiner nicht immer offensichtlichen Parodierung standhalten müssen.

Und ich denke, wir sind uns alle einig: Es gibt nur einen einzig wahren Hohen Lord.

Klischees im Black Magician Universum (4)

Der perfekte erste Freund

Und weiter geht’s mit einem weiteren Klischee, oder besser gesagt mit einem, das vielleicht einmal hätte sein können. Vielmehr ist es eine kleine Charakterisierung, weil diese Figur in seiner Komplexität immer wieder für Verwirrung sorgt. Daher möchte ich euch einige Erklärungen liefern, die ihr in meiner Story nicht finden werdet, weil sie dort nicht hingehören. Das heißt, zumindest noch nicht.

Einige von euch kennen dieses Phänomen vielleicht noch aus ihrer ersten Beziehung. Es war die große Liebe, man verbrachte eine tolle Zeit miteinander und fand schließlich heraus, dass man gar nicht zueinander passt und eine Freundschaft besser wäre.

Ähnlich ist es bei Sonea und Dorrien. Nur mit dem Unterschied, dass sie nie zu dem Punkt gekommen sind, an dem sie ein Paar geworden wären. Ich weiß, es gibt Fans, die Dorrien als Partner für Sonea geeigneter fänden, weil er nett ist. Doch genau das ist das Problem: Dorrien ist nett. Er ist zu nett.

Vielleicht nicht für alle Mädchen, doch zumindest für solche wie Sonea, macht genau das ihn zum perfekten ersten Freund. Um sich in aller Ruhe an die Freuden der Liebe heranzutasten und nicht gleich von Männern wie Akkarin verdorben zu werden. Mädchen wie Sonea werden mit Jungs wie Dorrien auf Dauer nicht glücklich. Weil sie sich nach mehr sehnen. Weil sie zwar mit Respekt behandelt, aber nicht auf Händen getragen, und wie Prinzessinnen behandelt werden wollen.

Doch es gibt auch Frauen, die genau das wollen und brauchen. Trassia wäre für mich so ein Kandidat. Sie ist lieb und sanft und hat das Leben noch nie in seiner vollen Ungerechtigkeit zu spüren bekommen. Dorrien ist ein Freund zum Pferdestehlen und allerhand Unsinn anstellen. Er ist ehrlich und treu. Wie Sonea besitzt er ein starkes Gespür für Gerechtigkeit, doch abgesehen von seiner Leidenschaft, dem Heilen, ist er eher jungenhaft und wenig verantwortungsbewusst. Und er ist überaus stur. Er erinnert mich immer ein wenig an Rorys ersten Freund Dean in der Serie Gilmore Girls. Und diese Beziehung ist auch nicht gut ausgegangen.

Sonea hat eine starke Persönlichkeit und ist Dorrien im Hinblick auf Sturheit und Eigensinn viel zu ähnlich. Eine Beziehung zwischen den beiden kann und würde deswegen nicht lange gutgehen. Sonea braucht jemanden, der ihr mühelos die Stirn bieten kann. Und so verständnisvoll und engagiert Dorrien sein mag, mangelt es ihm an einer weiteren grundlegenden Voraussetzung, um einem Menschen wie Sonea das Verständnis und die Zuwendung zu geben, die sie verdient: Die Erfahrung, am untersten Ende der Nahrungskette zu sein. Im Gegensatz zu ihr ist er ein sehr behüteter Charakter.

Aber Dorrien ist mehr als das. Er ist ein überaus komplexer Charakter. Durch den frühen Tod seiner Mutter hat er nicht nur eine Leidenschaft für Heilkunst entwickelt. Ihr Verlust hat tiefe Spuren in seiner Seele hinterlassen. Weil sie an einer unheilbaren Krankheit starb, hat er es zu seiner Berufung gemacht, andere Menschen zu heilen und zugleich entwickelt er eine leichte Besessenheit für die Frau, die er liebt. Um den Verlust seiner Mutter zu kompensieren, würde Freud vermutlich sagen.

Ich weiß nicht, ob Canavan sich dieser Tatsache bewusst war, als sie Dorrien die Neigung zur Besessenheit mitgegeben hat. Mir als Leser und Fan der Buchreihe fällt diese Interpretation jedoch leicht und ich bediene mich ihrer in meiner eigenen Fortsetzung. So hat mein Dorrien Schwierigkeiten darüber hinwegzukommen, dass Sonea einen anderen liebt, weil es die Erinnerungen an seine Mutter triggert. Dorrien ist sich dessen jedoch nicht bewusst. Zugleich ist seine Beziehung zu Viana von Verlustängsten geprägt, wobei der Tod seiner Mutter hier nur die halbe Wahrheit ist. Er reflektiert nicht über diesen Teil seines Wesens, wobei man ihm zugutehalten muss, dass Männer aus evolutionsbedingten Gründen weniger zur Selbstreflexion neigen, als Frauen (wofür sie andere Qualitäten haben). In Dorriens Fall bedeutet dies, dass sich das Drama nur im bewussten Teil seines Denkens abspielt, der davon beherrscht wird, dass Sonea seine Gefühle nicht erwidert. Würde er den tieferen Grund dessen kennen, dann hätte er möglicherweise bereits einen Weg gefunden, daran zu arbeiten und wäre über seine unerfüllte Liebe hinweg. So wird er jedoch seine Zeit brauchen.

Der frühe Tod von Dorriens Mutter hat jedoch nicht nur unterbewusste Verlustängste ausgelöst, er hält ihn auch ein kleines Stück in seiner Kindheit fest. Dorrien ist mit Mitte zwanzig noch immer ein wenig jungenhaft und unreif. Allerdings auf eine sehr charmante Weise, die ihn zu einem sehr liebenswerten Charakter macht, sofern er nicht gerade aus Selbstschutz der Hochzeit seiner besten Freundin fernbleibt. Und das macht ihn für ein Mädchen zum perfekten ersten Freund. Und überdies zum Traum aller Schwiegermütter.

Klischees im Black Magician Universum (3)

Das Schwiegermonster

Da Kapitel 49 noch nicht sehr alt ist, möchte ich auf eines meiner Lieblingsklischees in meiner Fortsetzung von The Black Magician eingehen: das Schwiegermonster.

Die meisten Frauen werden mit dem Prinzip bereits vertraut sein, weswegen ich mich nicht mit langen Erklärungen aufhalten werde: Die Mütter ihrer Partner stellen sich oft als wahrhaftige Drachen heraus. Meine Mutter hatte eine solche Schwiegermutter, meine Kusine hatte gleich zwei (nacheinander) und auch ich kenne einige Mütter mit leichten bis mittelstarken Drachen-Tendenzen.

Als ich anfing, „Der Spion“ zu schreiben und es allmählich zu dem Teil kam, an dem die Hochzeit näher rückt, begann ich mir Gedanken über Akkarins Familie zu machen. Warum wird sie vorher bis auf eine kurze Stelle nie erwähnt? Und hat seine Vorliebe, die Regeln zu umgehen oder sich zurechtzubiegen, vielleicht etwas mit seinem Elternhaus zu tun? Und wie würde seine Familie darauf reagieren, dass er eine Frau heiratet, die nicht von hoher Geburt und darüber hinaus seine Novizin ist?

Und so erschuf ich das Schwiegermonster (nach dem gleichnamigen Film mit Jennifer Lopez), wobei sicher auch die früheren Erfahrungen meiner Mutter und meiner Kusine eine Rolle spielten.

Ich habe Eliana mitsamt dem Rest von Akkarins Familie bewusst so für meine Fanfiction erschaffen, weil es einen Grund geben musste, warum er als Novize bereits nur Flausen im Kopf hatte und es liebte, sich die Regeln zurechtzubiegen. Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass eine zukünftige Schwiegermutter, die aus den Häusern stammt, ihr mit Freundlichkeit und Toleranz begegnet. Nicht zuletzt brauchte ich einen Gegenpol zu Soneas überaus herzlicher Familie und hatte Spaß daran, ein kleineres Familiendrama zu schreiben.

Eliana von Delvon ist arrogant, herrisch und überaus nachtragend und selbstgerecht. Sie lehnt jeden ab, der nicht in ihr perfektes Familienbild passt. Akkarins Schwester ist bei ihr schon lange in Ungnade gefallen, weil sie mit einem Mann aus Elyne durchgebrannt ist und ihn geheiratet hat, statt des Mannes, der für sie vorgesehen war. Ihr anfänglicher Hass auf Sonea kommt noch einmal geballter daher. Nicht nur, weil sie aus den Hüttenvierteln kommt, sondern auch weil Akkarin in ihren Augen einige unverzeihliche Dinge getan hat. Als sein Vater starb, war er in Sachaka, was Eliana ihm sehr übelnimmt. Dabei interessieren sie die wahren Gründe nicht – für sie verschwand er einfach spurlos. Dass er wenig später Hoher Lord wurde, hat sie wiederum stolz gemacht, weil es ihrer Familie und ihrem Haus Ansehen gebracht hat, doch dann wurde die Wahrheit über ihn bekannt, und er und Sonea mussten ins Exil. Und auch hier ist Eliana nachtragend, obwohl er und Sonea Kyralia gerettet haben. Dadurch, dass er ein schwarzer Magier ist, hat Akkarin in ihren Augen Schande über die Familie von Delvon gebracht, und dass er sich wenig später in eine intime Beziehung mit seiner Novizin gestürzt hat, machte die Sache für sie umso skandalöser.

All dies projiziert Eliana mit auf Sonea, weil es so einfach ist, dem Mädchen aus den Hüttenvierteln mit der zwielichtigen Vergangenheit, einen Teil der Schuld zu geben. Zugleich will sie nicht, dass eine Frau mit einer solchen Vorgeschichte in ihre Familie einheiratet, weil das in ihren Augen noch mehr Schande über die Delvons bringt. Ein Mädchen wie Veila hingegen wäre für Eliana die perfekte Schwiegertochter.

Jedoch muss man Eliana auch zugutehalten, dass sie als momentanes Familienoberhaupt um das Ansehen ihrer Familie besorgt ist, das ohne Zweifel unter zwei ihrer Kinder gelitten hat.

Doch auch das größte Schwiegermonster kann gezähmt werden. Der jüngere Akkarin hätte wahrscheinlich einfach nur rebelliert und in einem Anflug von Trotz von seinem Recht Gebrauch gemacht, jede Frau heiraten zu dürfen, die er heiraten will. Doch das mag vor Sachaka so gewesen sein. Akkarin ist an seinen Erfahrungen gereift und strahlt nun die Autorität aus, mit der er sich durchzusetzen vermag. Die Leser meiner FF können nur erahnen, wie der Streit zwischen ihm und seiner Mutter am Ende von Kapitel 49 weitergegangen ist*, doch eines ist ganz sicher: Er wird sie mit seiner üblichen Mischung aus dominantem Auftreten und wohlgewählten Worten zur Vernunft gebracht haben.

*darüber werde ich keine Bonusszene schreiben. Denn die Details dessen sollen sein Geheimnis bleiben 😉