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Rückblick auf mein 2015 als Fanfiction-Autorin und Ausblick auf 2016

2015 war nun wirklich alles andere als ’mein’ Jahr. Sowohl in Bezug auf mein Doppelleben als Fanfiction-Autorin als auch in Bezug auf mein Privatleben, auf das in an dieser Stelle nicht eingehen werde. Also beschränke ich mich auf meine schriftstellerischen Highlights und Tiefpunkte.

Eigentlich fing es ganz gut an. Ende Januar ging das letzte Kapitel von Soneas Erzählstrang in ’Die zwei Könige’ zu Ende. Die Begeisterung der Leser war riesig, ich hätte nie gedacht, dass dieser Teil, der nur von Sonea und zwei sachakanischen OCs bestritten wird und ziemlich harter Tobak ist, die Leser derart fesseln würde. Zu meinem Entsetzen stellte ich jedoch fest, dass einige Leser angefangen hatten, sich zwischen Sonea und Marika eine Romanze auszumalen, was in meinen ersten kritischen Blogartikel, der Missbrauchsbeziehungen als Thema hatte, endete.

Im April nahm ich am Camp-NaNoWriMo teil, indem ich mit der Überarbeitung von Band 3 meiner Trilogie, ’Das Heiligtum von Yukai’, fortgefahren bin. Dort bin ich ein gutes Stück weitergekommen. Ich habe ca. 300k der Story überarbeitet und dabei auch diverse neue Szenen geschrieben (mehr dazu auch hier).

Mit dem Beginn des zweiten Teils der zwei Könige stieg ich von wöchentlichen Updates auf zweiwöchentlich um und lud in den dazwischenliegenden Wochen die Geschichte über Akkarins Zeit in Sachaka ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ hoch. Leider erwies sich das sehr schnell als Fehler. Die Zeit, die Teil 2 braucht, um ein komplett neues Setting aufzubauen und die Grundsteine für den Rest der Trilogie zu legen, sorgte für reichlich Unmut. Zugleich ging das Interesse an Akkarins Geschichte nach wenigen Kapiteln zurück, bis ich diese nur noch unter Bauchschmerzen hochladen konnte. Dazu kamen einige Kommentare, die für mich wie ein Schlag ins Gesicht waren, was dazu geführt hat, dass ich das Projekt schließlich eingestellt habe (Traurige Entscheidung).

Das Ganze hat mich in eine ausgewachsene Krise gestürzt, die durch meinen gescheiterten Versuch, Anschluss an andere Autoren zu finden, noch schlimmer wurde. Mir war schon länger klar, dass ich mit meiner Schreibe und meinen Ansichten in das Forum von Fanfiktion.de nicht wirklich reinpasse. Also habe ich es in einer anderen Autoren-Community versucht. Das schien zunächst vielversprechend, nach kurzer Zeit hatte ich jedoch das Gefühl, als jemand, der ausschließlich Fanfiction schreibt, dort nicht akzeptiert zu werden. Meine Vorgehensweise beim Schreiben hat dazu geführt, mich noch mehr als Außenseiter zu fühlen.

Denn ich bin nicht nur Fanfiction-Autorin, sondern auch Chaos-Discovery-Writer, wie ich es selbst nenne. Ich schreibe nicht nach Plan, ich kann mit Schreibratgebern nichts anfangen, ich mache keine Rollenspiele oder Interviews mit meinen Charakteren oder schreibe Steckbriefe – ich lerne sie beim Schreiben kennen. Bereisen meine Charaktere ein neues Land, das im Original nur erwähnt, aber nicht ausgearbeitet ist, so entdecke ich dieses und seine Kultur mit ihnen. Ich schreibe nicht chronologisch, sondern das, was mich gerade anfixt. Und ob man es glaubt, oder nicht: Es funktioniert! Auf diese Weise habe ich eine komplette Trilogie geschrieben. Mir kam es jedoch so vor, als würde ich mir damit keine Freunde machen, denn ich fand ums Verrecken keinen Anschluss, was zu der ernüchternden Erkenntnis geführt hat, nirgendwo reinzupassen. Auf meine Bewerbung für das Schreibmagazin erhielt ich nicht einmal eine Absage.*

Damit waren die Selbstzweifel maximal, mein Selbstbewusstsein  am Ende. Ich habe mich wie ein Versager gefühlt, wie ein Nichts. Ich wusste nicht mehr, warum ich überhaupt schreibe – das alles erschien mir mit einem Mal so unendlich sinnlos, weil es ja doch nur scheiße ist. Und ich musste einen Weg finden, damit irgendwie fertigzuwerden, nachdem mein Fels in der Brandung wenige Monate zuvor weggebrochen war.

Ab dem Sommer kam dann allmählich die Wende zum Besseren. Im Juli nahm ich erneut am Camp-NaNoWriMo teil. Dieses Mal mit der Fortsetzung von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’, die unter dem Arbeitstitel ’Darker Than Black’ läuft. Nach dem Desaster mit Ersterem, wollte ich zuerst ein anderes Projekt schreiben, obwohl ich mich seit fast einem Jahr darauf gefreut hatte, Akkarins Geschichten fortzuführen. Am Ende schrieb ich diese Geschichte für mich, auch weil mein Gemütszustand aus privaten Gründen einen erneuten Tiefpunkt erreichte. Ich blendete alles um mich herum aus und schrieb, um mich von dem abzulenken, was ich nicht ändern kann, und an meinem Lieblingscharakter zu heilen, was ich bei dem wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht heilen kann. Es war ein überaus therapeutisches Schreibcamp, während dem ich innerlich gewachsen bin und mich von allem gelöst habe, was mir nicht guttut und allmählich wieder die Liebe zum Schreiben und zu meinen Charakteren wiederfand (mehr dazu auch hier).

Zum Ende des Schreibcamps veröffentlichte ich meine erste Satire zu Black Magician Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten. Es war meine erste Satire überhaupt und deswegen und angesichts ihres sehr BDSM-lastigen Inhalts war ich ein wenig nervös, wie sie bei den Lesern wohl ankommen würde. Mir war klar, dass eine solche Geschichte nicht viele Leser haben würde. Aber so wie ich beim Schreiben und Korrigieren gekichert und damit meine Nachbarn und in der Mittagspause meine Kollegen unterhalten habe (die zum Glück nicht wussten, warum ich kichere – bis auf den, der die Story unter mindestens genauso großem Gekicher testgelesen hat), musste ich sie einfach hochladen. Und das war eine gute Entscheidung, denn das Ding hat immerhin fünf Empfehlungen bekommen. Also anscheinend ist es gut, hin und wieder ein wenig mutig zu sein.

Ende Juli kam ein weiteres Highlight. Ben Lesser hat mich gefragt, ob ich Artikel für sein und Tinka Beeres Schreibmeer-Magazin schreiben möchte, weil eine liebe Freundin mich empfohlen hatte. Ich hatte mächtig Respekt davor, weil das Magazin einen hohen Anspruch hat und ich fürchtete, dem nicht gewachsen zu sein. Zugleich konnte ich nicht glauben, dass ich, die Fanfiction-Autorin, nach meinem gescheiterten ersten Versuch bei einem richtigen Schreibmagazin mitmachen darf. Inzwischen habe ich unter dem Namen Sonea (mein RL-Vorname hätte zu Verwechslung geführt) vier Artikel herausgebracht und habe an einer Weihnachts-Anthologie mitgewirkt. Seit vielen, vielen Jahren wieder eine Geschichte zu schreiben, die keine Fanfiction ist, war eine ziemliche Herausforderung, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht.

Das Schreibmeer ist eines der besten Dinge, die mir in diesem Jahr passiert sind. Ich merke, dass ich, mein Humor und meine Art, Artikel zu schreiben und die Dinge zu sehen, dort bestens aufgehoben sind. Besonders Ben und Tinka gelingt es immer wieder, mir einen miesen Tag zu verschönern, spätestens wenn man in den Chat kommt, steigt die Laune exponentiell.

Von da an ging es bergauf. Ich gewann ein zweites Mal beim Fanfiktion Award, dieses Mal als Autorin und mit meiner Kurzgeschichte über Dannyl und Rothen Die Hoffnung stirbt in Moll. Auch meine Hauptstory lief wieder besser und ich war dankbar, weil so viele Leser noch immer Geduld mit mir und Vertrauen in mich hatten, und sich dieses allmählich auszuzahlen begann. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Ich weiß, das ist nicht immer leicht, wenn man nicht die ganze Story am Stück lesen kann.

Anfang September beendete ich ’Das Heiligtum von Yukai’ so weit, dass ich es nur noch auszudrucken und zu korrigieren brauchte. Direkt im Anschluss begann ich mit Band 1 meiner zweiten Fanfiction-Trilogie ’Das Erbe der schwarzen Magier’ und als ich Mitte September für ein paar Tage in Paris war, wo ich zum x-tem Mal Black Magician las, begann ich ein exzessives Brainstorming sowohl für die gesamte Trilogie als auch für Band 1 im Konkreten.

Nach Paris war ich so motiviert, dass ich beschloss, ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ noch eine Chance zu geben und habe eine Leserumfrage gestartet, mit dem Ergebnis, dsas es ab Oktober mit einem neuen Kapitel jeden Samstag weiterging. Bis jetzt läuft das auch recht gut, obwohl ich zwischendurch wieder Sorge hatte, dass die Tendenz ähnlich wie zum Jahresbeginn ist. Zugleich beschäftigte ich mich intensiver mit meiner zweiten Trilogie und nachdem ich Black Magician ausgelesen hatte, führte ich eine sprachliche Überarbeitung der ersten 21 Kapitel von ’Der Spion’ durch. Und ich versuchte mich erstmals an Drabbles für einen Adventskalender.

In diese Zeit fiel leider auch die Sache mit diesem Hater, die mich dazu veranlasst hat, über meine Verpflichtungen als Autor nachzudenken. Ich bin jetzt noch hingerissen, wie viel Rückhalt ich von Lesern und anderen Autoren bekommen habe.

Das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, hat sich inzwischen verflüchtigt. Viel hat dazu auch der offizielle NaNoWriMo im November beigetragen, bei dem sich die Twitter-Followerzahl traditionsgemäß explosionsartig erhöht. Auch fand ich einige liebe Menschen, deren Herangehensweise an Projekte der meinen ähnelt und mit denen ich mich austauschen konnte, was unglaublich gutgetan hat. Überhaupt verging der November in einem einzigen Rausch, in nur 30 Tagen habe ich ganze 240k von Band 1 der zweiten Trilogie geschrieben, womit ich insgesamt 340k habe. Inzwischen hat das Kind auch einen Namen und schimpft sich ’Die Königsmörderin’. Mein aktueller Twittername ist übrigens keine Werbekampagne für diese Fanfiction, die in frühestens zweieinhalb Jahren zu lesen ist, sondern Ausdruck meiner Trauer darüber, dass mein böser heißer König mit dem Mitte Dezember hochgeladenen Kapitel von ’Die zwei Könige’ offiziell sterben musste.

Irgendwo zwischendurch habe ich auch mit meiner Kurzgeschichte über Akkarin und Lorlen Von Strippenziehern und besten Freunden den Bromance-Wettbewerb auf Fanfiktion.de gewonnen und erweiterte Karten für mein Black Magician-Universum gezeichnet, Worldbuilding in Sachaka, Duna und Lonmar durchgeführt und Ansätze einer fiktiven Sprache ’modern Lonmars’ entwickelt.

Den Dezember habe ich damit verbracht, die verbleibenden 14 Kapitel von ’Die zwei Könige’ für meine Testleserin fertigzumachen und habe die sprachliche Überarbeitung von ’Der Spion’ bis Kapitel 37 weitergeführt. Den Rest der Zeit habe ich die zahlreichen Reviews beantwortet, die durch den Adventskalender kamen, der wie eine Bombe bei den Lesern eingeschlagen ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich, die zum Schwafeln neigt, Drabbles schreiben könnte und dass die Idee dahinter von den Lesern so gut angenommen wird, nachdem ein ähnlicher Versuch mit meiner Kurzgeschichtensammlung gescheitert ist. Damit haben meine Leser mir 24 Tage am Stück jeden Tag ein kleines Weihnachten beschert.

Kurz nach Weihnachten habe ich schließlich mit den Korrekturen zu ’Das Heiligtum von Yukai’ angefangen. Bis jetzt bin ich überrascht, wie wenig ich in den ersten Kapiteln korrigieren musste, nachdem mich das Schreiben an dieser Geschichte während der vergangenen zweieinhalb Jahre oft in den Wahnsinn getrieben hat. Es macht Freude, die Kapitel zu lesen, mein Schreibstil hat sich anscheinend gefestigt und ich fangirle die Charaktere wie nie.

Wie geht es nun 2016 weiter?

Die ersten Monate werden der Korrektur von ’Das Heiligtum von Yukai’ gewidmet sein. Währenddessen werde ich wahrscheinlich kleinere Zitate daraus auf meiner Facebook-Seite posten. Zwischendurch werde ich an der Königsmörderin weiterschreiben, wenn spontane Ideen kommen. Der Fokus wird jedoch auf der Korrektur von Yukai liegen. Außerdem kommt im Januar noch das ausstehende Märchen von Tavara und Hariko.

Im April werde ich wieder am Camp NaNoWriMo teilnehmen. Entweder mit der Überarbeitung von ’Darker Than Black’ oder falls die Korrektur von ’Yukai’ sehr schnell läuft und ich beides vor April abschließen kann, würde ich an der Königsmörderin weiterschreiben. Andernfalls tue ich dies im Mai und Juni.

Im Juli werde ich Teil 3 meiner Akkarin-Trilogie im Camp schreiben. Allerdings werde ich dafür einiges an Planung vornehmen müssen, weil diese Story parallel zu The High Lord spielt und ich die zahlreichen Akkarin-Szenen im Buch aus seiner Perspektive und in den Kontext seiner eigenen Geschichte bringen muss. Das heißt, ich werde sehr viele Szenen aus dem Buch übersetzen, abtippen und umformulieren und die Lücken mit seiner kompletten Storyline füllen, bis es sich wie ein eigenes Buch über ihn liest. So ähnlich bin ich bei ’Darker Than Black’ vorgegangen, nur dass die ersten beiden Bücher weniger Szenen mit Akkarin haben, was die Arbeit erleichtert hat.

Im September geht ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ und im Anschluss werde ich den zweiten Teil meiner Akkarin-Trilogie ’Darker Than Black’ hochladen. Außerdem endet im Juni ’Die zwei Könige’, das heißt Ende Juni / Anfang Juli geht es mit Band 3 ’Das Heiligtum von Yukai’ weiter.

Den Rest der Zeit, auch den offiziellen NaNoWriMo werde ich mit dem Schreiben an ’Die Königsmörderin’ verbringen. Auch das wird noch viel Arbeit. Nachdem sich das Gerüst so runtergeschrieben hat, brauche ich nun konkrete Ideen für die Nebenhandlungen, ohne die komplette Geschichte nicht existieren kann. Und darin liegt die eigentliche Herausforderung.

Zwischendurch werde ich voraussichtlich weitere Karten zeichnen, mein Sachakanisch-Dictionary erweitern und die ausstehenden Kapitel vom Spion sprachlich überarbeiten. Außerdem werde ich im Herbst an einem neuen Drabble-Adventskalender arbeiten – zu welchem Thema weiß ich jedoch noch nicht. Ganz vielleicht auch, werde ich meine Kurzgeschichtensammlung Die Gilde der ungelüfteten Geheimnisse wieder aufnehmen.

Fazit

Ein in weiten Teilen sehr mieses Jahr liegt hinter mir. Ich habe euch nur an meinen schrifstellerischen Tiefpunkten teilhaben lassen, weil der Rest zu privater Natur ist. Dadurch, dass mein Fels in der Brandung zerbrochen ist, musste ich mich allem anderen allein stellen, was besonders um den Sommer herum dazu geführt hat, dass ich selbst fast zerbrochen wäre. Im Nachhinein könnte ich nicht einmal sagen, wie ich dort wieder herausgekommen bin – nur, dass Juli-Camp und meine sture Entschlossenheit, diese eine Geschichte schreiben zu müssen und ihr ganz spezieller Inhalt dazu beigetragen haben. So auch wie Tatsache, dass ich mich von allem befreit habe, was mir nicht guttut und mir Kraft raubt, sofern es in meiner Macht liegt.

Wenn ich etwas Positives über 2015 sagen kann, dann dass ich an den Schwierigkeiten gewachsen bin und sowohl im RL als auch im Netz schließlich einige sehr liebe Menschen getroffen habe, die (wenn auch oft indirekt) dazu beigetragen haben. Trotzdem bin ich froh, dass dieses Jahr nun ein Ende hat und gehe mit dem Gefühl, dass es nur besser werden kann, ins nächste Jahr.

Vorsätze für 2016 mache ich mir keine, weil ich lieber dann etwas ändere, wenn es notwendig ist. Alles andere kommt mir nur wie eine bequeme Ausrede vor, um etwas Unbequemes hinauszuzögern.

Ich danke von Herzen allen, die mich 2015 unterstützt haben – sei es durch Gespräche, Trost, moralische Unterstützung, Herumalbern, Kommentare zu meinen Geschichten oder Blogartikeln, ihrer Geduld mit mir und meinen Autorenneurosen oder einfach dafür, dass ihr mir und/oder meinen Geschichten eine Chance gegeben habt <3

Ich wünsche euch allen einen guten Start in 2016 und wünsche euch viel Erfolg, Motivation und Kreativität! Mögen eure Träume in Erfüllung gehen!

Eure Lady Sonea


*Inzwischen habe ich damit abgeschlossen, weil ich gemerkt habe, dass es einfach nicht meine Welt ist und ich mich mit der dort herrschenden Philosophie nicht identifizieren kann.

Die Bösewichte der schwarzen Magier

Vor einer kleinen Weile hatte ich anlässlich meiner Fergun-Satire Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten mit einer Leserin eine Diskussion darüber, wer von beiden der schlimmere Bösewicht ist: Regin oder Fergun, wobei wir ziemlich unterschiedlicher Meinung waren. Das und die Tatsache, dass ich die Bücher zu jener Zeit wieder einmal gelesen habe, hat mich dazu gebracht, mich etwas detaillierter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Egal, wie oft ich die Trilogie schon gelesen habe – ich habe den Eindruck, als würden die Antagonisten mit jedem Buch böser und mächtiger. Im ersten Buch ist es der intrigante Lord Fergun, der Sonea erpresst, um der Gilde zu beweisen, dass es ein Fehler ist, Novizen aus den Hüttenvierteln aufzunehmen. Im zweiten Buch ist es Soneas Klassemkamerad Regin, der sie ein ganzes Jahr lang aufs Extremste mobbt und dabei keinerlei Skrupel kennt. Und im dritten Buch ist es Kariko, der erst gegen Ende auftritt, dafür jedoch mit seinen Verbündeten Tod und Zerstörung über die Gilde bringt.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich Kariko von den Dreien am liebsten mag. Und das, obwohl er Akkarin am Ende tötet. Kariko hat Charakter. Er ist nicht nur auf eine dunkle Weise attraktiv und besitzt ein für mich unwiderstehliches Charisma, wo Regin und Fergun mich nur abstoßen – er hat auch die ehrbarsten Motive. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, inwiefern die Motive eines Antagonisten überhaupt ehrbar sein können, doch Rache für den Mord an seinem Bruder und für die Verwüstung, die die frühe Gilde in Sachaka angerichtet hat und unter der das Land noch immer leidet, ebenso wie seine Hoffnug, wieder Teil der sachakanischen Gesellschaft zu werden, erscheinen mir als weniger niederträchtig als die Motive von Regin und Fergun, die von Hass und Herablassung gegenüber einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht geprägt sind.

Neben Kariko wirken Regin und Fergun blass – und doch ist der Großteil dieses Artikels ihnen gewidmet. Insbesondere Regin wirkt auf mich flach und damit oft mehr nervtötend als alles andere. Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund seiner Taten und nichts fügt Regins Charakter weitere Facetten hinzu, die ihm Komplexität verleihen. Er hasst Sonea von dem Augenblick an, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen, und tut fortan alles, um ihr das Leben nach bestem Können zur Hölle zu machen.

Fergun gelingt es jedoch, dass man bis zu einem gewissen Grad Mitleid mit ihm empfindet. Sogar Sonea empfindet so, bevor sie erfährt, dass er ihren Freund gefangen hält. Denn wo Regin stolz ist, ein Magier zu sein, wollte Fergun das niemals sein. Trotz seines schwachen magischen Potentials haben seine Eltern ihn zur Gilde geschickt, da es seiner Familie des kyralischen Adels Ansehen einbringt, einen Magier in ihren Reihen zu haben. Damit wurde Ferguns Traum, Schwertkämpfer zu werden, ein jähes Ende bereitet. Da es ihm an magischer Stärke mangelt, musste Fergun sich in der Gilde auf andere Weise behaupten. In The Magicians’ Guild lernen wir Fergun als intriganten und arroganten Widerling kennen und das lässt darauf schließen, wie ihm das gelungen ist. Ich empfinde seine Figur daher als komplexer als die des Regin, eben weil man die Hintergründe seines Handelns kennenlernt und weil er damit (zumindest in mir) widersprüchliche Reaktionen und bis zu einem gewissen Grad Verständnis hervorruft, wo ich Regin einfach nur hasse.

Ich gehöre zu den Menschen, die ergründen wollen, warum jemand eine bestimmte Persönlichkeit entwickelt hat. Gerade die Antagonisten und Badass-Typen faszinieren mich in dieser Hinsicht. Und da hat Fergun auf Grund seiner Hintergrundgeschichte das Potential zu polarisieren, wenn man genau hinsieht. Regin fehlt dies, weil man sonst schlichtweg nichts über ihn erfährt.

Wo es Regin jedoch an Komplexität mangelt, ist er umso bösartiger und durchtriebener. Bei seinen fortwährenden Mobbing-Aktionen geht er unglaublich berechnend vor. Die Art und Weise, wie er Sonea mit den anderen Novizen auflauert, setzt eine intelligente Planung voraus. So auch seine Versuche, Sonea von anderen zu isolieren. So setzt er das Gerücht in die Welt, sie habe mit ihrem Mentor Rothen eine Affäre, und sorgt dafür, dass ihr einziger Freund unter den Novizen einen ’Unfall’ erleidet. Allein die Tatsache, dass er willentlich anderen schadet (egal ob physikalisch als durch die Zerstörung des Rufes), zeugt von einer nicht zu verachtenden Bösartigkeit und Skrupellosigkeit. Dazu kommt, dass Regin von Natur aus ein Anführer ist. Er schart seine Klassenkameraden um sich, womit er zugleich einen Mob zur Verfügung hat, den er auf Sonea hetzen kann und den er braucht, weil sie ihm an magischer Stärke überlegen ist. Er ist sogar bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen, sollten sie erwischt werden oder Sonea ihrem Mentor von diesem Vorfall berichten.

„I told you“, Regin said between strikes. „She won’t tell him [her guardian]. […] If she does, I’ll take responsibility. I’m willing to do that, just to prove it to you. What have you got to lose?“ (Kapitel 26, The Novice)

Es kümmert Regin nicht, ob Sonea dabei ernsthaften Schaden erleidet, denn sie ist nur das Hüttenmädchen, dass in der Gilde nichts zu suchen hat. Er quält Sonea selbst dann noch, als sie kraftlos am Boden liegt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu verteidigen.

The strikes ceased. In the silence, Regin looked at the others one by one and grinned. „See? Now let’s put her in her proper place.“ As he turned back to regard her, she saw the malicious glint in his eyes and realised that exhausting her hat just been the first part of his plan. […] „Well I’ve always wondered what stunstrike did“, she heard Regin say. „Like to try it?“ (Kapitel 26, The Novice)

Für mich zeigt dies, dass Regin nicht einfach nur ein dummer Novize ist, der nicht weiß, was er tut oder sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Hinter all seinen Taten steckt jede Menge Berechnung, Skrupellosigkeit und kriminelle Energie. Wenn ich solche Szenen lese, dann wird mir regelrecht schlecht – insbesondere wenn ich daran denke, was Canavan in ihrer Fortsetzung getan hat (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Regin und Sonea). Abgesehen von der Tatsache, dass aus so etwas niemals eine gesunde Beziehung entstehen kann, ist es eine Frechheit, Regins Aktionen dort als ’dumme Novizenstreiche’ zu verharmlosen.

Auch Fergun weiß, dass er mit seiner kleinen Intrige die Regeln der Gilde bricht, doch insgesamt fehlen ihm die kriminelle Energie und die Persönlichkeit, um einen glaubhaften Bösewicht abzugeben. Als er Cery unter der Universität gefangen hält, bringt er ihm Essen und Decken und heilt sogar seinen Arm, als Cery ihn angreift und Fergun sich aus Reflex verteidigt. Ich scheitere an der Vorstellung, dass Regin so etwas tun würde. Fergun ist sich der Konsequenzen seines Tuns bewusst, sein Plan wirkt auf mich jedoch ziemlich willkürlich und mangelhaft durchdacht. Eine intelligente Vorgehensweise wie bei Regins Aktionen fehlt mir dabei weitgehend.

„I don’t know [if he’ll let me go]. He hasn’t been nasty. Thieves would’ve been worse.“ He hesitated. „I don’t think, he knows what he’s doing.“ (Cery, Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Fergun ist nur gegenüber jenen stark, die schwächer sind als er. Er hat keine Probleme damit, ein ganzes Haus auseinanderzunehmen und seine Bewohner obdachlos zu machen, aber ich bezweifle, dass er in der Lage wäre, Cery zu töten, so wie er es immer wieder androht. Er würde ihn verhungern lassen, ja, aber er ich traue ihm nicht zu, einen Menschen aktiv zu töten. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Charakterstärke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Regin zutrauen würde, doch in jedem Fall kennt er weitaus weniger Skrupel gegenüber seinen Opfern.

An einigen Stellen kann man Fergun die Unsicherheit sogar anmerken:

„Trust you?“ She snorted loudly and forced herself to stare into his eyes. „I want to see him. If I don’t, I might have to ask Administrator Lorlen if blackmail is a crime in the Guild.“

His lips curled into a sneer. „You’re in no position to make such threats.“

„Aren’t I? […] I know all about this kind of blackmail. I’ve lived with the Thieves, remember? You need to make it clear that you can carry out your threat. All I’ve seen is a dagger. Why should I believe you have its owner?“ She turned to meet his gaze and was gratified to see his stare falter. (Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Durch seine Vorgeschichte ist Fergun für mich eher unfreiwillig böse. Ich kann mir vorstellen, dass Regin sich mit dem Erwachsenwerden ein wenig mäßigt, aber diese Berechnung, die Skrupellosigkeit und seine Arroganz werden bestehenbleiben und ihn weiterhin zu solchen Aktionen befähigen. Fergun war nicht einmal in seiner Jugend nicht so schlimm, wie Regin es ist. Wir erfahren nicht viel über seine Zeit als Novize, doch seine Fehde mit Dannyl beruht auf Gegenseitigkeit. Beide spielen einander Streiche wie rivalisierende pubertierende Jungs es tun und Fergun rächt sich schließlich auf ziemlich widerwärtige Weise.

Fergun und Regin sind von ähnlichen Motiven getrieben. Beide sind aus reichem Haus, arrogant und der Meinung, dass Novizen aus den Hüttenvierteln in der Gilde nichts zu suchen haben, doch darüber hinaus sind sie zwei sehr unterschiedliche Personen.

Die Frage, welcher von beiden der Bösere ist, beantwortet sich für mich unter anderem durch ihre jeweilige Charakterstärke, ihre Skrupellosigkeit und das Maß ihrer kriminellen Energie. Und da liegt Regin für mich weit vorne. Fergun ist der komplexere Bösewicht von beiden, aber Regin ist eindeutig der skrupellosere. Angesichts dessen, was mir beim Schreiben dieses Artikels über Regin durch den Kopf ging (und das so zeitnah zum erneuten Lesen der Bücher), macht mich das Wissen um Canavans Fortsetzung noch einmal wütender.

Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir mit dieser Analyse zu oder findet ihr Fergun sehr viel schlimmer? Oder seid ihr sogar der Meinung, Regin und Sonea würden das perfekte Paar geben?

Klischees im Black Magician Universum (6)

Nr. 6 Der Intrigant, der sich selbst zum Narren macht

Er ist schön, er ist attraktiv, er ist gebildet, er hat güldenes Haar, über das er sich mit Vorliebe streicht, er kommt aus einem reichen und einflussreichen Hause – er ist …

Nein, er ist nicht der Kingslayer, denn dieser hat Klasse. Und lebt in Westeros.

Er ist Fergun.

In der Gilde ist nur unter Seinesgleichen beliebt. Kleine Schleimer und Intriganten, die wie er zu verhindern suchen, dass sich die überall in den Verbündeten Ländern und jenseits davon anerkannte Gilde dem Pöbel öffnet. Jeder Magier, der ein wenig Hirn besitzt, hält nicht viel von Fergun. Und das zu recht.

Der Hohe Lord hat keine allzu hohe Meinung von ihm:

„So what did you tell him?“

„That uncle Fergun had done a bad, bad thing, but not to worry, as the nice men at the Fort would make sure, he was well looked after for all the years he stayed there.“

„I mean what did you tell Nefin?“

„Precisely the same. Well, not in exactly the same words, of course. Not only do they give me the satisfaction of refusing, but I’ve had no marriage proposals from House Maron since Fergun departed. That is an even better reason to keep the man tucked away in the Fort.“

Konversation zwischen Akkarin und Lorlen, Kapitel 4, The Novice

Bei Jerrik ist er unten durch, nachdem er diesem offenbart hat, dass er mit Vorliebe elynische Trivialliteratur liest.

Sogar die Ichani halten nicht besonders viel von seinen magischen Fähigkeiten:

„But he’s weak. I can’t believe they bothered to teach him. He probably can’t even boil water.“

Avala, Kapitel 28, The High Lord

Offengestanden: Ein wenig bedauere ich, dass Avala ihn getötet hat. Auch wenn ich jedes Mal, wenn ein ungeliebter Charakter stirbt, dabei insgeheim eine tiefe Befriedigung verspüre. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, kam mir die glorreiche Idee, eine Badfic zu schreiben: Avala setzt sich über Kariko hinweg und behält Fergun und macht ihn zu ihrem Lustsklaven. Tatsächlich wollte ich schon immer eine Geschichte aus der Perspektive einer dominanten Frau schreiben. Die bloße Vorstellung, wie Fergun vor der heißen und begehrenswerten Ichani-Magierin im Staub kriecht und sich wie ein unwürdiger Wurm zu ihren Füßen windet, beinhaltet ein unglaubliches Amüsement, auf das ich nur schwerlich verzichten kann, jetzt wo es sich in meinem sadistischen Fangirl-Hirn erst manifestiert hat.*

Fergun gibt wirklich sein Bestes, um als intriganter Bösewicht anerkannt zu werden, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Er schwingt große Reden im Abendsaal, mit denen er seinen Standpunkt zum Thema Abschaum und Hüttenviertel nur allzu deutlich macht. Wirklich begeistern kann er damit jedoch nur seine Anhänger. Er hält sich für überaus gerissen, weil er Cery unter der Universität einsperrt und Sonea, die von all den Magiern völlig eingeschüchtert ist, mit ihm erpresst, um seine kleine schmutzige Intrige durchzusetzen. Doch er hat die Rechnung ohne den Hohen Lord gemacht, welcher mit Vorliebe durch die finsteren Geheimgänge streift, weil er dort seine Ruhe vor den anderen Magiern hat. Und ohne seinen früheren Widersacher Dannyl natürlich. Das hat man davon, wenn man andere mobbt.

Feige ist Fergun nämlich auch. Und homophob, wobei man das vermutlich über den Großteil des kyralischen Adels sagen könnte, der sich im Gegensatz zu seinem Nachbarn im Norden aufklärungstechnisch noch im tiefsten Mittelalter befindet. Ferguns Feigheit ist seine herausragendste Charaktereigenschaft. Nur feige Menschen mobben und piesacken andere, vergreifen sich an schwächeren und verstecken sich vor den bösen Feinden, anstatt heldenhaft unterzugehen. Dass Fergun eigentlich Schwertkämpfer werden wollte und frustriert ist, weil seine Eltern ihn stattdessen zur Gilde geschickt haben – und das, obwohl sein magisches Potential so gering ist, dass er mit Mühe und Not Wasser kochen kann – ist für mich keine Entschuldigung für sein Verhalten. Andere Magier wurden weitaus mehr vom Schicksal gebeutelt und wurden dennoch nicht zum Charakterschwein. Selbst jene, die von Fergun persönlich gebeutelt wurden.

Auch hier habe ich wieder einmal nicht die geringste Ahnung, ob Canavan versucht hat, einen Bösewicht zu parodieren oder ob sie einen echten Bösewicht schaffen wollte und ihr das einfach nur misslungen ist. Für mich ist Fergun vor allem Ersteres. Ein Bösewicht, der unfreiwillig komisch ist.

* Ich streite noch mit mir selbst bezüglich des Ratings und wie viel Handlung ich der Story zugestehen soll, da eine Badfic meiner Meinung nach keine nennenswerte Handlung haben sollte. Aber wie soll ich ohne bloß leben?