Schlagwort: The Novice

Fan zu sein bedeutet nicht, das Hirn abzustellen

Von überarbeiteten Rezensionen und warum es wichtig ist, reflektiert zu sein

Nachdem Blood Mirror, der vierte Band der Lightbringer-Reihe, mich auf Grund mäßig entwickelter Storylines und nicht nachvollziehbarer Charakterentwicklung (bis auf eine einzige Ausnahme) derart angefixt hat, dass ich nach langem Überlegen meine Rezension überarbeitet und das Rating drastisch heruntergestuft habe, wurde mir klar, dass ich viel zu lange über Schwachstellen meiner Lieblingsbücher hinweggesehen habe. So leidenschaftlich ich meine Lieblingsbücher verteidige, wenn sie zu unrecht zerrissen werden, so sehr habe ich die mir bewussten Schwächen mit einem Schulterzucken abgetan und dem Buch fünf Sterne gegeben, selbst wenn die Schwächen essentiell waren.

So auch mit The Black Magician Trilogy, meiner Lieblingsbuchreihe aller Zeiten und dem Stoff, aus dem meine Fanfictions sind. Längen? Logikfehler? Charaktere, deren Verhalten auf die Story hingebogen wird? Gibt es, aber Hauptsache, die Bücher erzeugen Fangirlgefühle und der Schreibstil ist schön. Das Ende ist so ziemlich jeder Hinsicht unterirdisch? Geben wir The High Lord doch trotzdem fünf Sterne, weil ich Akkarin so sehr liebe und er hier unglaublich ehrfurchtgebietend ist. Und natürlich wiegt das jede Kritik auf. Selbst das unsägliche Ende.

Ich kann und will das so nicht fortführen. Es fühlt sich falsch an, die Augen vor Schwächen und Fehlern zu verschließen und diese nach außen schönzureden, nur weil ich diese Bücher so abgöttisch liebe. Bei Menschen funktioniert es ja auch. Und bei Büchern, die ich nicht mag. In Reviewantworten diskutiere ich diverse Schwächen von Black Magician seit ich auf Fanfiktion.de veröffentliche, also seit mehr als vier Jahren. Weil diese Schwächen viel zu häufig in meine Fanfictions intervenieren und ich eine plausible Erklärung finden oder in ganz harten Fällen den Canon zugunsten der Logik missachten muss, komme ich gar nicht daran vorbei. Die alten Rezensionen auf meinem Blog reden all dies schön und übersehen außerdem noch einige wichtige Punkte. Als ich das neulich gesehen habe, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

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Monatsrückblick März: Frühlingserwachen

Monatsrückblick März: Frühlingserwachen

Ich kann kaum glauben, dass seit meinem letzten ernsthaften Blogartikel ein Monat vergangen ist. Ich dachte immer, der Februar sei kurz, aber der März ist nur so dahingeflogen.

Im vergangenen Monat ist so viel passiert, wie in sonst nicht einmal in einem Jahr. So kommt es mir zumindest vor. Mein Leben ist immer noch dasselbe, die Veränderungen fanden in mir statt. Ich weiß nicht, ob es der Frühling ist, oder die Tatsache, dass ich mit Mitte 30 an einem Punkt bin, an dem ich mein bisheriges Leben bewerte und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Zukunft in Frage stelle. (Ich glaube übrigens, dass eine solche Evaluierung alle paar Jahre sinnvoll und wichtig ist)

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Vorbereitungen für den CampNaNoWriMo Juli 2016

Vorbereitungen für den CampNaNoWriMo Juli 2016

Oder auch: Wer mir in dieses Camp interveniert, dem bereite ich die Hölle auf Erden

Seit letzter Woche Sonntag stecke ich in der heißen Phase der Vorbereitungen auf den CampNaNoWriMo im Juli, wo ich Teil 3 meiner Akkarin-Trilogie schreiben werde. Auf Twitter habe ich darüber auch unter den Hashtags #50SoA3 für das Projekt und #NaNoPrep gespammt. Dabei steht #50SoA3 für ’50 Shades Of Akkarin Pt. III’, dem Arbeitstitel, passend zum flaspigen Arbeitstitel der gesamten Trilogie, der nichts, aber auch rein gar nichts mit der unsäglichen Twilight-Fanfiction zu tun hat, sondern mit meinem Humor.

Zur Vorbereitung und für das Camp habe ich mir ’The High Lord’ als eBook gekauft und angefangen, die Szenen, in denen Akkarin auftritt, oder die er in irgendeiner Weise per Blutjuwel mitbekommt, aufzulisten und in Kapitel zu gliedern. Dazu habe ich einen Nachmittag und eine Frühschicht am darauffolgenden Morgen gebracht. Dafür, dass ich beim Überfliegen der Szenen gefangirlt und gelitten habe, als würde ich das Buch richtig lesen, war das erstaunlich schnell.

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Die Bösewichte der schwarzen Magier

Vor einer kleinen Weile hatte ich anlässlich meiner Fergun-Satire Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten mit einer Leserin eine Diskussion darüber, wer von beiden der schlimmere Bösewicht ist: Regin oder Fergun, wobei wir ziemlich unterschiedlicher Meinung waren. Das und die Tatsache, dass ich die Bücher zu jener Zeit wieder einmal gelesen habe, hat mich dazu gebracht, mich etwas detaillierter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Egal, wie oft ich die Trilogie schon gelesen habe – ich habe den Eindruck, als würden die Antagonisten mit jedem Buch böser und mächtiger. Im ersten Buch ist es der intrigante Lord Fergun, der Sonea erpresst, um der Gilde zu beweisen, dass es ein Fehler ist, Novizen aus den Hüttenvierteln aufzunehmen. Im zweiten Buch ist es Soneas Klassemkamerad Regin, der sie ein ganzes Jahr lang aufs Extremste mobbt und dabei keinerlei Skrupel kennt. Und im dritten Buch ist es Kariko, der erst gegen Ende auftritt, dafür jedoch mit seinen Verbündeten Tod und Zerstörung über die Gilde bringt.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich Kariko von den Dreien am liebsten mag. Und das, obwohl er Akkarin am Ende tötet. Kariko hat Charakter. Er ist nicht nur auf eine dunkle Weise attraktiv und besitzt ein für mich unwiderstehliches Charisma, wo Regin und Fergun mich nur abstoßen – er hat auch die ehrbarsten Motive. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, inwiefern die Motive eines Antagonisten überhaupt ehrbar sein können, doch Rache für den Mord an seinem Bruder und für die Verwüstung, die die frühe Gilde in Sachaka angerichtet hat und unter der das Land noch immer leidet, ebenso wie seine Hoffnug, wieder Teil der sachakanischen Gesellschaft zu werden, erscheinen mir als weniger niederträchtig als die Motive von Regin und Fergun, die von Hass und Herablassung gegenüber einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht geprägt sind.

Neben Kariko wirken Regin und Fergun blass – und doch ist der Großteil dieses Artikels ihnen gewidmet. Insbesondere Regin wirkt auf mich flach und damit oft mehr nervtötend als alles andere. Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund seiner Taten und nichts fügt Regins Charakter weitere Facetten hinzu, die ihm Komplexität verleihen. Er hasst Sonea von dem Augenblick an, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen, und tut fortan alles, um ihr das Leben nach bestem Können zur Hölle zu machen.

Fergun gelingt es jedoch, dass man bis zu einem gewissen Grad Mitleid mit ihm empfindet. Sogar Sonea empfindet so, bevor sie erfährt, dass er ihren Freund gefangen hält. Denn wo Regin stolz ist, ein Magier zu sein, wollte Fergun das niemals sein. Trotz seines schwachen magischen Potentials haben seine Eltern ihn zur Gilde geschickt, da es seiner Familie des kyralischen Adels Ansehen einbringt, einen Magier in ihren Reihen zu haben. Damit wurde Ferguns Traum, Schwertkämpfer zu werden, ein jähes Ende bereitet. Da es ihm an magischer Stärke mangelt, musste Fergun sich in der Gilde auf andere Weise behaupten. In The Magicians’ Guild lernen wir Fergun als intriganten und arroganten Widerling kennen und das lässt darauf schließen, wie ihm das gelungen ist. Ich empfinde seine Figur daher als komplexer als die des Regin, eben weil man die Hintergründe seines Handelns kennenlernt und weil er damit (zumindest in mir) widersprüchliche Reaktionen und bis zu einem gewissen Grad Verständnis hervorruft, wo ich Regin einfach nur hasse.

Ich gehöre zu den Menschen, die ergründen wollen, warum jemand eine bestimmte Persönlichkeit entwickelt hat. Gerade die Antagonisten und Badass-Typen faszinieren mich in dieser Hinsicht. Und da hat Fergun auf Grund seiner Hintergrundgeschichte das Potential zu polarisieren, wenn man genau hinsieht. Regin fehlt dies, weil man sonst schlichtweg nichts über ihn erfährt.

Wo es Regin jedoch an Komplexität mangelt, ist er umso bösartiger und durchtriebener. Bei seinen fortwährenden Mobbing-Aktionen geht er unglaublich berechnend vor. Die Art und Weise, wie er Sonea mit den anderen Novizen auflauert, setzt eine intelligente Planung voraus. So auch seine Versuche, Sonea von anderen zu isolieren. So setzt er das Gerücht in die Welt, sie habe mit ihrem Mentor Rothen eine Affäre, und sorgt dafür, dass ihr einziger Freund unter den Novizen einen ’Unfall’ erleidet. Allein die Tatsache, dass er willentlich anderen schadet (egal ob physikalisch als durch die Zerstörung des Rufes), zeugt von einer nicht zu verachtenden Bösartigkeit und Skrupellosigkeit. Dazu kommt, dass Regin von Natur aus ein Anführer ist. Er schart seine Klassenkameraden um sich, womit er zugleich einen Mob zur Verfügung hat, den er auf Sonea hetzen kann und den er braucht, weil sie ihm an magischer Stärke überlegen ist. Er ist sogar bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen, sollten sie erwischt werden oder Sonea ihrem Mentor von diesem Vorfall berichten.

„I told you“, Regin said between strikes. „She won’t tell him [her guardian]. […] If she does, I’ll take responsibility. I’m willing to do that, just to prove it to you. What have you got to lose?“ (Kapitel 26, The Novice)

Es kümmert Regin nicht, ob Sonea dabei ernsthaften Schaden erleidet, denn sie ist nur das Hüttenmädchen, dass in der Gilde nichts zu suchen hat. Er quält Sonea selbst dann noch, als sie kraftlos am Boden liegt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu verteidigen.

The strikes ceased. In the silence, Regin looked at the others one by one and grinned. „See? Now let’s put her in her proper place.“ As he turned back to regard her, she saw the malicious glint in his eyes and realised that exhausting her hat just been the first part of his plan. […] „Well I’ve always wondered what stunstrike did“, she heard Regin say. „Like to try it?“ (Kapitel 26, The Novice)

Für mich zeigt dies, dass Regin nicht einfach nur ein dummer Novize ist, der nicht weiß, was er tut oder sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Hinter all seinen Taten steckt jede Menge Berechnung, Skrupellosigkeit und kriminelle Energie. Wenn ich solche Szenen lese, dann wird mir regelrecht schlecht – insbesondere wenn ich daran denke, was Canavan in ihrer Fortsetzung getan hat (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Regin und Sonea). Abgesehen von der Tatsache, dass aus so etwas niemals eine gesunde Beziehung entstehen kann, ist es eine Frechheit, Regins Aktionen dort als ’dumme Novizenstreiche’ zu verharmlosen.

Auch Fergun weiß, dass er mit seiner kleinen Intrige die Regeln der Gilde bricht, doch insgesamt fehlen ihm die kriminelle Energie und die Persönlichkeit, um einen glaubhaften Bösewicht abzugeben. Als er Cery unter der Universität gefangen hält, bringt er ihm Essen und Decken und heilt sogar seinen Arm, als Cery ihn angreift und Fergun sich aus Reflex verteidigt. Ich scheitere an der Vorstellung, dass Regin so etwas tun würde. Fergun ist sich der Konsequenzen seines Tuns bewusst, sein Plan wirkt auf mich jedoch ziemlich willkürlich und mangelhaft durchdacht. Eine intelligente Vorgehensweise wie bei Regins Aktionen fehlt mir dabei weitgehend.

„I don’t know [if he’ll let me go]. He hasn’t been nasty. Thieves would’ve been worse.“ He hesitated. „I don’t think, he knows what he’s doing.“ (Cery, Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Fergun ist nur gegenüber jenen stark, die schwächer sind als er. Er hat keine Probleme damit, ein ganzes Haus auseinanderzunehmen und seine Bewohner obdachlos zu machen, aber ich bezweifle, dass er in der Lage wäre, Cery zu töten, so wie er es immer wieder androht. Er würde ihn verhungern lassen, ja, aber er ich traue ihm nicht zu, einen Menschen aktiv zu töten. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Charakterstärke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Regin zutrauen würde, doch in jedem Fall kennt er weitaus weniger Skrupel gegenüber seinen Opfern.

An einigen Stellen kann man Fergun die Unsicherheit sogar anmerken:

„Trust you?“ She snorted loudly and forced herself to stare into his eyes. „I want to see him. If I don’t, I might have to ask Administrator Lorlen if blackmail is a crime in the Guild.“

His lips curled into a sneer. „You’re in no position to make such threats.“

„Aren’t I? […] I know all about this kind of blackmail. I’ve lived with the Thieves, remember? You need to make it clear that you can carry out your threat. All I’ve seen is a dagger. Why should I believe you have its owner?“ She turned to meet his gaze and was gratified to see his stare falter. (Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Durch seine Vorgeschichte ist Fergun für mich eher unfreiwillig böse. Ich kann mir vorstellen, dass Regin sich mit dem Erwachsenwerden ein wenig mäßigt, aber diese Berechnung, die Skrupellosigkeit und seine Arroganz werden bestehenbleiben und ihn weiterhin zu solchen Aktionen befähigen. Fergun war nicht einmal in seiner Jugend nicht so schlimm, wie Regin es ist. Wir erfahren nicht viel über seine Zeit als Novize, doch seine Fehde mit Dannyl beruht auf Gegenseitigkeit. Beide spielen einander Streiche wie rivalisierende pubertierende Jungs es tun und Fergun rächt sich schließlich auf ziemlich widerwärtige Weise.

Fergun und Regin sind von ähnlichen Motiven getrieben. Beide sind aus reichem Haus, arrogant und der Meinung, dass Novizen aus den Hüttenvierteln in der Gilde nichts zu suchen haben, doch darüber hinaus sind sie zwei sehr unterschiedliche Personen.

Die Frage, welcher von beiden der Bösere ist, beantwortet sich für mich unter anderem durch ihre jeweilige Charakterstärke, ihre Skrupellosigkeit und das Maß ihrer kriminellen Energie. Und da liegt Regin für mich weit vorne. Fergun ist der komplexere Bösewicht von beiden, aber Regin ist eindeutig der skrupellosere. Angesichts dessen, was mir beim Schreiben dieses Artikels über Regin durch den Kopf ging (und das so zeitnah zum erneuten Lesen der Bücher), macht mich das Wissen um Canavans Fortsetzung noch einmal wütender.

Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir mit dieser Analyse zu oder findet ihr Fergun sehr viel schlimmer? Oder seid ihr sogar der Meinung, Regin und Sonea würden das perfekte Paar geben?

50 Shades of Akkarin – warum Akkarin kein romantischer Held ist

In Vorbereitung auf diesen Artikel hatte ich vor einer Weile meine Meinung zum OOC-Phänomen im Allgemeinen geschrieben. Ich finde, damit genug Verständnis gezeigt zu haben. Bei meiner Lieblingsbuchreihe – insbesondere meinem Lieblings-Buchcharakter – findet alles Verständnis jedoch ein jähes Ende.

Da Akkarin das Fangirl-Objekt von so ziemlich jedem weiblichen Leser von The Black Magician ist, wird sein Charakter am stärksten und häufigsten verzerrt und zu einer Art romantischem Helden idealisiert. Oft hat er mit seiner facettenreichen und faszinierenden Vorlage nicht viel mehr als seinen Namen und die schwarzen Roben gemein und er wird auf etwas reduziert, was einfach nicht mehr akkarin ist.

Obwohl ich die Gründe nachvollziehen kann, verstören mich die Resultate. Wäre es gewollte OOC-ness, so könnte ich dem unter Umständen etwas abgewinnen, wenn die Umsetzung amüsant ist. Aber ich habe außer einer AU-Fanfiction, in der Akkarin und Sonea böse sind, bis jetzt noch Geschichte gefunden, in der das der Fall wäre.

Wenn ich eine fiktive oder reale Person toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich würde sie niemals ändern wollen und ihre negativen Seiten als Teil ihrer selbst akzeptieren. Fange ich an, jene Person zu ändern, so ist das frei nach Max Frisch das Gegenteil von Liebe. Denn in unserem Geist entsteht ein Bildnis dieser Person, das sie uns so sehen lässt, wie wir sie sehen wollen. Dabei ignorieren wir beflissentlich, was wir nicht sehen wollen und projizieren in die Person ein Stück von uns selbst. Egal ob Buchcharakter oder reale Person – sobald der Punkt, an dem ich anfange jemand anderen zu verbiegen, erreicht ist, ist dieser Mensch nur noch ein Platzhalter für meine eigenen Wünsche und Phantasien.

Tue ich dies einem Buchcharakter an, der sich dagegen nicht einmal wehren kann, so ist das in gewisser Weise eine Vergewaltigung dieser Figur. Wie kann das dann noch Fan-Liebe sein?

Wir alle, die wir Akkarin anhimmeln, tun dies, weil er so ist, wie er ist: finster, mysteriös, skrupellos, hart und unberechenbar – und vor allem absolut ehrfurchtgebietend. Ihn dieser Eigenschaften zu berauben ist, als würde man eine andere Figur aus ihm machen – eine Figur, in die wir uns nicht verliebt haben.

Liebe Fangirls, bitte nehmt diesen Artikel, so provokant er sein mag, nicht persönlich. Betrachtet ihn als Augenöffner. Und vielleicht stimmt ihr mir nach dieser Lektüre sogar zu, dass euer geliebter Akkarin kein romantischer Held ist.

Akkarin ist nicht ’schön’. Er betrinkt sich nicht sinnlos, prügelt sich nicht mit anderen Magiern, macht keine Strandausflüge mit den Novizen, schreitet nicht wie der strahlende Ritter ein, wenn Sonea von anderen Novizen gemobbt wird – und er raspelt garantiert kein Süßholz.

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Das Klischee des gemobbten Waisenkindes mit Superkräften und warum wir es brauchen

In diesem Artikel geht es strenggenommen um zwei Klischees, die man in etwa wie folgt zusammenfassen kann:

Der Protagonist oder einer der Hauptcharaktere (im Folgenden der Einfachheit halber nur als Held bezeichnet) kommt aus einer sozial benachteiligten Gruppe in eine Gesellschaft, in der er als Außenseiter gilt (der klassische Underdog). Oft hat er seine Eltern verloren oder eine andere tragische Vergangenheit. Die neue Gruppe, in der er sich nun zurechtfinden muss, steht ihm ablehnend gegenüber, was bis hin zu Mobbing reichen kann. Das Ziel des Helden ist es, sich zu behaupten und den Respekt seiner Mitmenschen zu erlangen. In der Fantasy kommt oft noch hinzu, dass der Held außergewöhnliche Kräfte besitzt und/oder eine Prophezeiung erfüllen muss oder die Welt auf eine andere Weise rettet – und das unter Einsatz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten. Dies muss übrigens nicht zwingend in Kombination mit der Außenseiterrolle geschehen, denn wie gesagt, geht es hier eigentlich im zwei Klischees. Eine Kombination beider Klischees bietet jedoch mehr Potential für Konflikte und somit mehr Chancen für den Helden sich zu entwickeln, was die Spannung der Handlung steigert. Gerne hat der Held auch einen väterlichen Mentor, der ihm zur Seite steht. Manchmal verliert er diesen im Laufe der Geschichte auf die eine oder andere Weise und muss sich fortan allein durchschlagen.

Das gemobbte Waisenkind mit den Superkräften als Held einer Romanreihe kommt in seinen verschiedenen Varianten und Kombinationen der obengenannten Punkte zum Einsatz. J.K. Rowling verwendet es in Harry Potter, Trudi Canavan in The Black Magician, Brandon Sanderson in Mistborn, Rick Riordan in der Percy Jackson Reihe oder Suzanne Collins in der Hunger Games Trilogy – nur um einige zu nennen. Aber auch Filme wie Krieg der Sterne oder Karate Kid funktionieren auf diese Weise hervorragend.

Über Aussagen wie „Das Buch ist scheiße, weil es dieses Klischee enthält“ kann ich um ehrlich zu sein nur den Kopf schütteln. Natürlich muss man dieses Klischee nicht mögen und kann sich meinetwegen darüber ärgern, dass es so häufig in seinen unterschiedlichen Varianten aufgegriffen wird. Aber es gibt auch genug andere Bücher. Oft genügt es, sich den Klappentext eines Buches und einige Rezensionen durchzulesen, um zu wissen, worauf man sich einlässt. Die Frage, ob ein Buch schlecht ist, weil es ein bestimmtes Klischee aufgreift, begründet sich meines Erachtens vielmehr in seiner Umsetzung.

Bei keinem, der von mir gelesenen Bücher, die dieses Klischee in der einen oder anderen Weise enthalten, hatte ich bis jetzt den Eindruck, dass es an der Umsetzung scheitert. Stattdessen unterscheiden sich die Umsetzungen in ihrer Gesamtheit, so dass jedes Mal etwas Neues daraus entsteht. Dazu möchte ich kurz zwei Beispiele aus meinen Lieblingsbuchreihen vorstellen:

So besteht Harrys tragischer Hintergrund darin, seine Eltern verloren zu haben und von seiner Pflegefamilie schlecht behandelt zu werden. Kaum, dass er nach Hogwarts kommt, gerät er zudem in einer Rivalität mit Draco Malfoy, wie sie typisch für Jugendliche an einem Internat ist. Trotz der beiden Freunde, die Harry durch alle sieben Bücher treu zur Seite stehen, hat er dadurch, dass er Voldemort überlebt hat und der Auserwählte ist, eine Außenseiterposition inne. Er hat sogar zwei väterliche Mentoren, von denen einer im sechsten Band stirbt. Eine Superkraft besitzt Harry in dem Sinne nicht, zumal die Tatsache, dass er Voldemort zwei Mal überlebt, auf dem in dieser Buchreihe propagierten Prinzip der Liebe basiert. Dafür ist Harry jedoch Teil einer Prophezeiung und derjenige, der Voldemort am Ende aufhält. Eigentlich stehe ich Prophezeiungen immer ein wenig kritisch gegenüber, doch hier gefällt mir, dass Harry nur durch Zufall der Auserwählte ist, da es auch Neville Longbottom hätte treffen können. Und mir gefällt, dass Dumbledore durch die Offenlegung seiner Motive sich von dem Klischee des väterlichen Mentors schließlich fortentwickelt.

Vin aus der Mistborn-Trilogie hat sich mit ihrem Bruder in Diebesbanden durchgeschlagen, bis dieser eines Tages verschwindet. Ihre ’Superkraft’ besteht darin, eine außergewöhnlich starke Mistborn zu sein, was in ihren Blutlinien begründet liegt. Eine weitere scheinbare Superkraft basiert tatsächlich auf einem Artefakt der Hemalurgie, das sie unwissentlich trägt. In Kelsier findet sie einen Mentor, der am Ende des ersten Buches stirbt, und fortan muss sie ihr Training allein fortsetzen. Sie ist diejenige, die den Lord Ruler tötet, und wird im zweiten Teil der Reihe als der Hero of Ages gehandelt, was sich jedoch als eine Irreführung durch das eigentlich Böse herausstellt. An dieser Umsetzung gefällt mir besonders gut, dass Brandon Sanderson mit den bekannten Klischees spielt und sie ad absurdum führt. Ein ausführliches Review zum ersten Teil der Mistborn-Reihe findet ihr auch in meinem Zweitblog die anderen beiden folgen hoffentlich bald.

Da dieser Artikel im Zusammenhang meines Unmuts einer gewissen Forumsdiskussion steht, möchte ich an dieser Stelle auf die Umsetzung dieses Klischees in The Black Magician intensiver eingehen.

Das Klischee des gemobbten Waisenkindes mit Superkräften in ’The Black Magician’

Sonea ist das Mädchen aus der Unterschicht, deren magische Fähigkeiten sich durch Zufall von selbst entwickeln. Wie sich herausstellt, ist sie sogar eine besonders starke Magierin, da magische Kräfte durch einen anderen Magier entfesselt werden müssen. Wo andere Charaktere sich über diese Möglichkeit gefreut hätten, empfindet Sonea ihre Begabung jedoch als Fluch. Die Magie entgleitet mehr und mehr ihrer Kontrolle bis hin zu Soneas Beinahe-Tod, während sie von den Magiern gejagt wird. Es dauert, bis Sonea deren gute Absichten erkennt. Vertrauen fasst sie nur zu Rothen, dem väterlichen Mentor in dieser Geschichte. Auch wenn ich vielschichtige Charaktere für gewöhnlich vorziehe, so wirkt Rothen damit auf mich wie ein angenehmer Ruhepol – eine liebevoll gezeichnete Konstante, die einen Teil des Charmes der Bücher ausmacht. Ich würde ihn nicht anders wollen.

Als Sonea im zweiten Buch ihre Ausbildung an der Universität der Magier beginnt, widerfährt ihr sehr heftiges Mobbing durch die anderen Novizen, von denen sich genug zusammentun, dass sie trotz ihrer magischen Stärke nicht viel ausrichten kann. Mit einer Rivalität wie zwischen Harry und Draco hat das nicht mehr viel zu tun, obwohl auch dies ein häufiges Verhalten von Kindern gegenüber Außenseitern ist. Hier fällt dieses jedoch ganz besonders extrem aus, weil Regin aus einer reichen Familie stammt, in deren Augen Menschen wie Sonea Abschaum sind und er dementsprechend ohne Rücksicht auf Verluste vorgeht. Sonea hofft, Regin und seine Bande würden irgendwann von alleine aufhören, wenn sie sich nicht wehrt. Sie versucht ihren Peinigern aus dem Weg zu gehen, will nicht, dass andere davon erfahren, und traut sich nicht einmal, sich mit ihrer Magie zu verteidigen aus Furcht, jemanden ernsthaft zu verletzen.

Die Mobbing-Attacken werden schlimmer, als Sonea ihren väterlichen Mentor verliert und die Novizen herausfinden, dass sie ihren neuen Mentor zu sehr fürchtet, um ihn um Unterstützung zu bitten. Wo Sonea auf ihrer Flucht vor den Magiern Hilfe von ihren Freunden hatte, ist sie nun völlig auf sich gestellt und von Menschen umgeben, die auf sie herabsehen. Letztendlich gelingt es Sonea jedoch, sich gegenüber ihrem Peiniger zu behaupten und damit den Respekt der Magier und der anderen Novizen zu erlangen.

Im dritten Buch spielt Sonea eine tragende Rolle bei der Rettung Kyralias. Jedoch nicht auf Grund ihrer magischen Stärke, sondern weil sie bestrebt ist, das Richtige zu tun und zu schützen, was ihr lieb und teuer ist. Indem sie schwarze Magie erlernt, kann sie beliebig viel Magie in sich speichern, wodurch ihr eigenes magisches Potential, was zu Beginn so nach Klischee geschrien hat, hinfällig wird. Schwarze Magie fällt für mich nicht unter den Begriff Superkraft, weil jeder sie erlernen und mit genügend Quellen zu einer entsprechenden Macht gelangen kann. Ohne Soneas starkes magisches Potential wäre sie jedoch niemals von der Gilde entdeckt worden, hätte niemals die Magier ausspioniert und dabei deren Anführer beobachtet – und das hätte niemals dazu geführt, dass sie seine Novizin wird und sich seinem Kampf gegen die Feinde der Gilde schließlich anschließt.

Für mich liegt Soneas Superkraft weniger in ihrer natürlichen magischen Stärke, mit der sie Regin die Lektion seines Lebens erteilt, als in ihrem Kampfgeist. Dieser braucht zwar eine Weile, um geweckt zu werden, aber ist dieser erst einmal erwacht, kann man sich davon eine dicke Scheibe abschneiden. Sonea besitzt eine überaus starke Moral und ist bereit, ihre Vorurteile gegenüber anderen zu überwinden. Und nicht zuletzt schafft sie all dies aus eigener Kraft, weil sie die meiste Zeit über auf sich gestellt ist und die Personen, die ihr wohlgesonnen sind, jenseits ihrer Reichweite liegen.

An Canavans Umsetzung gefällt mir vor allem die Entwicklung, die Sonea durchlebt, indem sie scheinbar unüberwindliche Hürden überwindet und an sich wächst. Diese ist in meinen Augen sehr realistisch gehalten. Auch gefällt mir, dass die Bücher verschiedene Aspekte des gesamten Klischees in sich abgeschlossenen Storylines behandeln und damit Stationen von Soneas Entwicklung sind. Das macht ihren Werdegang in meinen Augen umso realistischer, weil man nicht mit dem Klischee in seiner Gesamtheit erschlagen wird. Allerdings ist es auch anstrengend ein ganzes Buch lang zu lesen, wie Sonea den Mobbing-Attacken der anderen Novizen ausgesetzt ist. Man will, dass es aufhört und denkt, die Figur entwickelt sich nicht weiter. Aber genau das macht die Schilderung so realistisch, da Sonea ein typisches Opferverhalten zeigt. Gut gefällt mir auch, dass Sonea zwar durch ihr magisches Potential eine Art ’Superkraft’ besitzt, diese am Ende jedoch nicht dafür verantwortlich ist, dass sie Kyralia rettet, sondern dass sie ein Prinzip verwendet, das jeder Magier lernen kann und das zumindest innerhalb der Gilde als höchst verwerflich angesehen wird. Sie und Akkarin zeigen auf diese Weise außerdem auch, dass schwarze Magie nicht böse ist, womit im Übrigen ein weiteres Klischee aufgelöst wird.

Es gibt auch einige Punkte, die mich an der Umsetzung stören. Zu Soneas extrem starken, magischen Potential habe ich im ersten Artikel dieser Reihe schon etwas geschrieben. Als Antagonist ist Regin ein sehr flacher Charakter, der sich nicht entwickelt und nach dem Finale des zweiten Buches bis zum Ende der Reihe in der Versenkung verschwindet. Dort wird angedeutet, dass er seine Taten bereut und Wiedergutmachung leisten will. Doch dies tut er nie. Außerdem stört mich, dass nachdem Canavan das Mobbing-Thema in The Novice so realistisch behandelt hat, es in ihrer Fortsetzung so extrem unsensibel angeht (siehe dazu auch diesen Artikel). Dies ist jedoch strenggenommen kein Fehler an der Umsetzung in The Black Magician. Auch stört mich trotz der realistischen Schilderung, dass der Fokus im zweiten Buch so sehr auf der Sonea-Storyline liegt, während die eigentliche Handlung in den Hintergrund rückt. Aber dies vertage ich auf einen anderen Artikel.

Warum brauchen wir gemobbte Waisenkinder mit Superkräften?

Oft sind Bücher wie Harry Potter oder The Black Magician für Jugendliche und Erwachsene gut zu lesen. Als Erwachsener fühlt man sich bei ihrer Lektüre auf magische Weise wieder ein kleines Stück in seine Kindheit versetzt. Sie bedienen unsere Träume und Sehnsüchte und lassen uns Abenteuer erleben, die uns in unserem Erdendasein verwehrt sind.

Aber sie schaffen noch viel mehr als das. Die in diesen Büchern dargestellten Helden sind wie Freunde. Sie sind Figuren, mit denen wir uns identifizieren und in denen wir uns zu einem gewissen Teil wiederfinden. Wir lieben und leiden mit ihnen, weil sie uns so nahe sind, und schöpfen daraus Kraft. Und sie lehren uns wichtige Lektionen, mit denen wir unser eigenes Leben meistern können. So lehrt uns Harry echte Freundschaft, und dass Liebe stärker als der Tod ist, und entführt den Leser auf magische Weise in die eigene Kindheit. Ich habe sogar von Menschen gehört, die sich mit Harry Potter aus einer Depression gekämpft haben.

Sonea lehrt uns, nicht aufzugeben, egal wie viele Steine einem das Leben in den Weg legt. Sie lehrt uns zu kämpfen und über sich hinauszuwachsen und für das einzustehen, was einem lieb und teuer ist. Ein Mensch, der selbst gemobbt wird, findet durch sie möglicherweise sogar den entscheidenden Anstoß, aufzustehen und sich endlich gegen seine Peiniger durchzusetzen. Durch Sonea habe ich mich selbst gefunden. Und sie hat mich gelehrt, dass eine Begabung eine Bereicherung für andere Menschen sein kann, wenn man sie zu beherrschen lernt. Denn dann hört sie auch auf, ein Fluch für einen selbst zu sein.

Ist dieses Klischee ausgelutscht? Vielleicht ist es das. Aber das gilt dann auch für andere Klischees und andere Genres. Und es ist gewiss auch eine Frage von Angebot und Nachfrage, welche Art von Buch gerade gehypt wird und ob andere Autoren auf diesen Zug auspringen. Es existieren so viele Geschichten, dass es schier unmöglich geworden ist, das Rad neu zu erfinden. Man kann Setting, Charakterkonstellationen und Rahmenhandlungen ändern, aber auch dort werden sich Elemente finden, die auch anderswo enthalten sind. Am Ende läuft es auf die Art und Weise der Umsetzung einer Idee hinaus. Und ich finde nicht, dass das etwas Positives ist. Denn es schafft zahlreiche Facetten von ein und derselben Ausgangsidee. Ein altbewährtes Thema in einem völlig neuen Kontext zu bringen, kann somit auch überaus spannend sein.

Nicht zuletzt sind für viele Leser dieser Art von Geschichten von essentieller Bedeutung, weil sie ihr Leben verändern oder einfach nur Balsam für die geschundene Seele sind.

Der Underdog, der sich aus seiner Situation emanzipiert und vielleicht sogar die Welt rettet, ist und bleibt ein Symbol für die Träume und Sehnsüchte der Leser. Deswegen wird sich dieses Klischee mit Sicherheit noch lange der Beliebtheit vieler Leser erfreuen.

Nächster Artikel: Magier in Parallelgesellschaften und warum es nicht der menschlichen Natur entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben

Der Camp-NaNoWriMo Juli 2015 – Was mich nicht umbringt, macht mich härter

Der Camp-NaNoWriMo Juli 2015 – Was mich nicht umbringt, macht mich härter

Im Juli habe ich wieder am NaNoWriMo teilgenommen. Dieses Mal endlich mit der Geschichte, die mir seit letztem Herbst im Kopf herumspukt und die ich eigentlich schon im April-Camp schreiben wollte, wobei mir Überarbeitung des „Heiligtum von Yukai“ dazwischen kam. Ende Juni war Yukai endlich so weit gediehen, dass jetzt nur noch einige wenige Kapitel zu Ende zu schreiben sind, in die ich leicht wieder einsteigen kann, weil die große Arbeit getan ist.

Lady Soneas NaNoWriMo-Projekt

In diesem Camp habe ich die Fortsetzung von „Unter tausend schwarzen Sonnen“ geschrieben, die nach Akkarins Rückkehr aus Sachaka spielt. Sie handelt von seinem Doppelleben zwischen langweiligen Gildenversammlungen, Parties im Palast, Heiratsanträgen und schmachtenden Liebesbriefen lüsterner Frauen aus dem kyralischen Adel – und seiner Jagd nach Sachakanern und dem Kampf gegen seine dunklen Seiten und seiner Vergangenheit. Und natürlich beschäftigt sie sich mit seiner Freundschaft zu Lorlen und Takan und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Anfangs lief die Geschichte unter dem flapsigen Arbeitstitel „Die Abenteuer des Hohen Lords“. Nach den ersten drei Tagen war ich von diesem Titel jedoch vollkommen entnervt, weil er der Story eine unerwünschte Slapstick-Komponente verlieh. Seitdem trägt sie den klangvollen Titel „Darker Than Black“*, was dem Akkarin in dieser Geschichte sehr viel gerechter wird.

Wie „Unter tausend schwarzen Sonnen“ hat „Darker Than Black“ diese Momente, die beim Schreiben unter die Haut gehen. Besonders die Szene, als Akkarin das Blutjuwel für Takan gemacht hat, hat mir eine emotional sehr aufwühlende Mittagspause eingehandelt. Über die Stelle, an der Akkarin herausfindet, dass sein bester Freund ihm nicht aus dem Weg geht, weil er überarbeitet ist, sondern weil er sein Geheimnis herausgefunden hat, bin ich sogar ein komplettes Wochenende versackt.

NaNoJuli2015Winner

Ursprünglich sollte „Darker Than Black“ auch „The High Lord“ und einen Epilog, der während des „Spions“ spielt und den ich während des Camps geschrieben habe, beinhalten. In der letzten Camp-Woche wurde mir jedoch klar, dass ich den Cut besser am Ende von „The Novice“ setzte und aus dem Rest eine weitere Geschichte mache. Ab hier verlagert sich der Schwerpunkt der Handlung sehr stark und allein mit den Ereignissen und Akkarins Wandlung in „The High Lord“ könnte ich eine komplette Story füllen. Nicht zuletzt wird für den letzten Teil der Trilogie sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich sein, damit es keine Nacherzählung aus Akkarins Perspektive wird.

Das Problem mit der Nacherzählung begegnete mir allerdings schon in „Darker Than Black“. Nach 25 Kapiteln, in denen Akkarin lüsternen Frauen aus dem Weg ging, durch finstere Gassen oder die Tunnel unter der Universität streifte, Anurischen Dunkelwein trank, sich in Bolhäusern herumtrieb, Sachakaner tötete oder mit Blutjuwelen experimentierte, gerät sein Leben plötzlich durcheinander, als ein magisch begabtes Mädchen in den Hüttenvierteln auftaucht und er bei seiner Jagd nach einem neuen Spion sich mit den anderen Magiern in die Quere zu geraten droht. Für jemanden, der dank Sachaka und seines finsteren Geheimnisses einen latenten Kontrollzwang entwickelt hat, eine absolute Katastrophe, wenn auch die Ereignisse in der Mitte von „The Novice“ diese gewaltig übertreffen. Mir war es sehr wichtig, Akkarins Auftritte in „The Magicians’ Guild“ und „The Novice“ in meine Story einzubetten, weil diese Schlüsselszenen eine Brücke zwischen den Büchern und seiner eigenen Story schlagen.

Indem ich jene Szenen aus dem Englischen übersetzt und die Dialoge an die Sprechweise der Charaktere in meinen Geschichten angepasst habe (bei mir drücken sich die Magier allesamt ein wenig gewählter als in den Büchern aus) und Akkarins Gedankengänge eingefügt habe, war schon ein erster Schritt getan, die Nacherzählung zu vermeiden. Der Trick bei dieser Sache besteht allerdings darin, die Szenen anders einzuleiten und an einer Stelle enden zu lassen, die für Akkarin und nicht für den Erzählcharakter aus dem Original relevant ist, und diese dann in den Kontext von Akkarins Storyline zu bringen. Nachdem ich das ein paarmal gemacht und das Ergebnis gelesen hatte, war ich überrascht, dass dabei eine völlig neue Szene herauskam.

Für den Teil, der parallel zu „The High Lord“ läuft, wird dem jedoch einiges an Planung und Überlegungen vorausgehen. Zudem werde ich darauf achten müssen, dass die Story nicht in eine Romanze abdriftet, zumal Akkarin zu diesem Zeitpunkt schon so lange alleine ist, dass er nicht nur Schwierigkeiten haben wird, seine Gefühle zu akzeptieren, sondern diese auch noch sehr heftig ausfallen dürften.

Das Schreiben aus Akkarins Perspektive war für mich eine überaus faszinierende und spannende Erfahrung. In diesen 31 Tagen habe ich meinen Lieblingscharakter noch besser kennengelernt und verstanden, wie als ich im Jahr zuvor „Unter tausend schwarzen Sonnen“ geschrieben habe. Akkarin ist kein Fangirl-Objekt. Er ist düster, ein ziemlicher Misanthrop, hadert mit seinen dunklen Seiten und leidet unter Schuldgefühlen, weil er die Menschen verletzen muss, die er liebt. Er hadert damit, Takan zu seiner Quelle zu machen und ihm das zu geben, was dieser sich für ihr Miteinander wünscht. Er hat Schwierigkeiten, seine Freundschaft zu Lorlen wiederaufleben zu lassen, nachdem fünf Jahre Sachaka eine riesige Kluft zwischen ihnen aufgerissen haben. Irgendwie gelingt es ihm dennoch, und Lorlen bildet fortan für ihn eine Verbindung zur Gilde und zur Normalität, während Akkarin den Rest der Zeit mit seinem geheimen Doppelleben beschäftigt ist. Diese Verbindung bröckelt, als Lorlen sich von ihm zurückzieht und der Blutring offenbart schließlich Dinge, die Akkarin über seinen besten Freund niemals wissen wollte.

Auch sein Verhältnis zu Sonea hat mich überrascht. Zuerst war sie nur das Mädchen, das seine Jagd gestört hat, dann stellt sich sein Leben völlig auf dem Kopf, als er herausfindet, dass sie sein Geheimnis kennt. Dadurch, dass sie fortan bei ihm wohnen muss, fühlt er sich wie ein Eindringling in seinem eigenen Haus. Wo er sonst immer so redegewandt ist, scheitert er an ihrem Trotz, obwohl sie eine hervorragende Diskussionspartnerin sein könnte. Es fällt ihm schwer, sich mit ihrer Anwesenheit in seinen Räumlichkeiten zu arrangieren und zu akzeptieren, dass sie wirklich seine Novizin ist.

„Darker Than Black“ ist der zweite Teil einer Trilogie, für die ich noch keinen offiziellen Namen habe. Mein flapsiger Arbeitstitel „50 Shades of Akkarin“ hat weniger mit der Twilight-Fanfiction zu tun, als damit, dass angefangen mit „Unter tausend schwarzen Sonnen“ so unglaublich viele Facetten dieses wunderbaren Charakters hervorgeholt werden, von denen einige zum Niederknien sind, während andere die tiefen Abgründe seiner Seele offenbaren. In jedem Fall ist Akkarin in dieser Trilogie ein Charakter, der mich beim Schreiben immer wieder aufs Neue überraschen kann. Durch ihn erhalten meine Lieblingsszenen in den Büchern zudem eine völlig neue Bedeutung.

Was das Camp sonst für mich bereitgehalten hat

Irgendwie war dieser NaNoWriMo nicht für Akkarin ein Kampf gegen die eigenen Dämonen, sondern auch für mich. Es ging darum zu schreiben, auch wenn es einem dreckig geht und damit Abstand von den Dingen zu gewinnen, die man nicht ändern kann. Und es ging darum, mich wieder auf das Gefühl zu besinnen, etwas wirklich nur für mich zu schreiben. Nach zwei Jahren auf Fanfiction.de hatte ich dieses Gefühl ein Stück weit verloren.

Meine Hoffnung, die 31 Tage ohne persönliche Dramen zu überstehen, wurde gleich am zweiten Wochenende zunichtegemacht. Wie es mir trotzdem gelungen ist, die mehr als 160k Wörter zusammenzukriegen, weiß ich nicht. Das Hinarbeiten auf ein Wortziel, das tägliche Aktualisieren des Wordcounts und das Schreiben mit anderen in einer Gruppe hatten daran vermutlich ebenso viel Anteil wie meine Sturheit, das durchzuziehen, obwohl es Tage gab, an denen mich lieber in irgendeinem finsteren Loch verkrochen hätte.

Stats Darker Than Black

„Darker Than Black“ zu schreiben war in gewisser Weise auch eine Therapie, um mit den Dingen, die mir seit einer Weile vermehrt das Leben schwermachen, zurechtzukommen. Es war eine Flucht und eine Verarbeitung. Indem ich über den post-Sachaka Akkarin geschrieben habe, habe ich etwas kompensiert, was ich bei dem Menschen, der mir am meisten auf dieser Welt bedeutet, nicht heilen kann.

In meinem Schreibzimmer konnte ich in dieser Zeit überhaupt nicht schreiben. Ich habe es an einem oder zwei Abenden mit schlechtem Wetter versucht, doch irgendwie verbinde ich mit diesem Ort momentan zu viel emotionalem Stress. Stattdessen habe ich die Wochenenden und die langen warmen Abende auf meinem Balkon verbracht und mich bei schlechterem Wetter auf der Couch gelümmelt. Auch meine Kamelot-Playlist konnte ich nicht so exzessiv hören, wie ich mir das gewünscht hatte, weil sie mir „zu fröhlich“ war. Selbst das neue Album, das ich als Soundtrack für „Darker Than Black“ auserkoren hatte, war für meine Gemütsstimmung zu fröhlich. Die Alternativen, Dream Theater und Insomnium haben dagegen umso besser funktioniert.

Auch wenn ich in meiner Cabin oft durch Abwesenheit geglänzt habe, habe ich dort ein paar wundervolle, neue Bekanntschaften gemacht. Auf diese Weise habe ich einige andere HSP kennengelernt, was für mich eine unglaubliche Erleichterung war. Sich mit Leuten auszutauschen, die die gleiche Veranlagung haben und mit den gleichen Schwierigkeiten sowohl beim Schreiben als auch im realen Leben zu kämpfen haben, tut verdammt gut und hat gemacht, dass ich mich selbst ein Stück weniger neurotisch gefühlt habe.

Fazit

Dieses Camp hat mir nicht nur ein tieferes Verständnis meines Lieblings-Buchcharakters ermöglichst – es hat mich auch härter gemacht. Wie schon im November habe ich mir bewiesen, dass ich auch in Krisenzeiten schreiben kann – ja, sogar schreiben muss, um mit den Dingen, die ich nicht ändern kann, fertig zu werden. Vielleicht kann ich ein Stück davon in die restliche Zeit des Jahres retten. Zu Schreiben ist für mich unheimlich wichtig. Von allen Dingen, an denen mein Herz hängt und bei denen ich zu mir selbst finden kann, ist es aktuell die einzige Konstante in meinem Leben. Es ist wichtig, dass ich mir diese auch dann noch bewahre, wenn alles um mich herum zusammenbricht.

Ich weiß noch nicht, ob „Darker Than Black“ jemals online gehen wird. Das hängt davon ab, ob ich „Unter tausend schwarzen Sonnen“ irgendwann weiter hochlade und ob ich es schaffe, das auch bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Und das hängt wiederum davon ab, ob es mir gelingt, mich emotional so weit von der Story und ihrem Protagonisten zu distanzieren, dass Desinteresse und schlechte Kritiken mich nicht mehr so treffen. Und das hängt davon ab, ob ich die nötige Stabilität finde, die meinem Leben momentan fehlt.

* Für eine Veröffentlichung würde der Titel wahrscheinlich „Schwärzer als die Nacht“ lauten, da ich es nicht so mit englischen Titeln habe.

Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin

Oder auch: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, gesunder Menschenverstand ist ein anderes Thema

Warnung: Der folgende Artikel ist nicht nett. Ich nehme mit seiner Veröffentlichung in Kauf, dass ich mir Feinde mache und beleidigte Leser meine Geschichten aus ihren Favoriten nehmen oder sich weigern, mir weiterhin Reviews zu schreiben. Aber dieses Thema macht mich unglaublich wütend und ich kann meine Meinung dazu nicht länger zurückhalten. Mein Verstand weigert sich zu begreifen, wie man das Pairing Sonea & Regin gutheißen kann und es kotzt mich an, wenn ich irgendwo jemanden deswegen rumquietschen sehe oder entsprechende Geschichten finde.

Als ich in meiner Anfangszeit auf Fanfiktion.de erstmals erfuhr, dass Sonea und Regin in Canavans Fortsetzung von ’The Black Magician’ ein Paar werden, war mein erster Gedanke „Das klingt nach einer schlechten Fanfiction.“

Dieser Gedanke ist bis heute geblieben. Er hat mir das Lesevergnügen von ’The Novice’ verdorben, weil mir auf Grund dieses Wissens jedes Mal schlecht wird, wenn Regin und Sonea sich begegnen. Ich verspüre einen inneren Ekel, wenn ich für meine eigene Fortsetzung Szenen schreibe, in denen die beiden aufeinandertreffen. Ich will hier nicht darüber spekulieren, warum Canavan das getan hat* – Fakt ist, dass sie es getan hat. In jedem Fall ist es ein unsensibler Umgang mit dem Thema Mobbing. Aber dazu gleich mehr.

Regin und Sonea als Paar – das ist die schlimmstmögliche Charakterkonstellation, die ’The Black Magician’ zu bieten hat. Und im Folgenden erläutere ich, warum.

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Klischees im Black Magician Universum (1)

In dieser Reihe von Blogs möchte ich Euch die Klischees vorstellen, derer Canavan sich gewollt oder ungewollt bedient (um ehrlich zu sein, habe ich nicht die geringste Ahnung, ob sie das so beabsichtigt hat), und wie diese dazu beitragen, den Büchern ihren unwiderstehlichen Charme zu verleihen. Denn auch wenn Canavan mit ihrer ersten Trilogie eine völlig neue Art der Fantasy-Literatur erschaffen hat, finden sich darin altbewährte Muster, die trotz ihrer Klischeehaftigkeit ein Erfolgsrezept für gute Unterhaltung bieten.

Daneben werde ich Euch die Klischees vorstellen, die ich selbst in meine Fanfictions einbaue, und Euch etwas darüber erzählen, warum und wie ich sie verwende. Diese werdet Ihr an einem (FF) hinter dem Titel erkennen können.

Klischees sind nämlich etwas Wunderbares, wenn man sie geschickt und mit Bedacht verwendet. Sie können überaus unterhaltsam sein und überhaupt sind sie ein wundervolles Stilmittel.

Und los geht’s mit Klischee Nr. 1:

„Der gutmütige Vater-Typ“

Oder auch der Mentor ist eine beliebte Figur in der bunten Welt der Fiktion. Er ist sehr viel älter als der Protagonist, er ist ein Mensch, der zu Vertrauen inspiriert – und er ist weise. Für den Protagonisten ist er von essentieller Bedeutung, denn er ist sein Mentor und seine Person des Vertrauens. Obi Wan Kenobi ist so ein Charakter, Meister Miyagi, oder auch Albus Dumbledore (zumindest zu Beginn von Harry Potter, da er sich während der letzten 3 Bücher stark von diesem Image wegbewegt).

Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erraten, um welchen Charakter aus The Black Magician es hier geht. Richtig, es ist Rothen.

Rothen ist der Erste, der Soneas magisches Potential erkennt. Von allen Magiern wirkt er am intensivsten an der Suche nach ihr mit (außer vielleicht Dannyl mit seinem Alleingang bei den Dieben) und nimmt sich ihr auf Grund von ehrlichen und aufrichtigen Motiven an. Schon bald fasst Sonea zu ihm Vertauen, und als sie von Fergun in dessen Intrige gezogen wird, tut es ihr weh, Rothen zu hintergehen. Doch Rothen ist über alle Maßen verständnisvoll und hat ein gutes Herz. Er würde Sonea vermutlich so ziemlich alles verzeihen, was sie anstellen könnte. Schon bald entwickelt er eine väterliche Zuneigung für sie und setzt sich in jeder Hinsicht für ihr Wohl ein. Und Sonea profitiert in der Anfangszeit sehr von seinen Engagement.

Rothen spielt in der ersten Hälfte der Bücher eine wichtige Rolle. Er kümmert sich liebevoll um Sonea, so als wäre sie seine leibliche Tochter und er wird zu ihrem Fels in der Brandung, als die anderen Novizen sie schikanieren. Er hilft ihr, das erste Halbjahr zu überspringen und unterstützt sie, wo er nur kann. Kurz: Ohne Rothen wäre Sonea in dieser ersten Zeit völlig verloren. Seine Gutmütigkeit verhindert jedoch auch, ihr die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie bräuchte, um ihr Potential voll und ganz zu entfalten, was sich auf Dauer negativ auf Sonea ausgewirkt hätte.

Ab der zweiten Hälfte von The Novice wird Rothen zu meinem Bedauern mehr und mehr zu einer Randfigur. Er sorgt sich weiterhin um Soneas Wohlergehen, kann jedoch nichts mehr für sie tun. Zwischendurch sorgt er sich auch um Dannyl, jedoch weitaus weniger, weil er Sonea durch Akkarin der größeren Bedrohung ausgesetzt sieht. Seine Überfürsorglichkeit wird daher zuweilen ein wenig anstrengend zu lesen. Dennoch halte ich Rothen für einen großartigen Charakter. Ich durfte selbst bereits zwei solcher Menschen kennenlernen und bin wirklich dankbar für diese Bekanntschaften. Allerdings hätte ich mir für die Zeit, nachdem Rothen seine Ziehtochter an Akkarin verloren hat, für seine Storyline ein wenig mehr Charakterentwicklung gewünscht, wie z.B. eine Entwicklung in seiner Karriere, die am Ende dazu führt, dass er Leiter der alchemistischen Studien wird. Denn so sympathisch Rothen ist, bleibt er somit ein wenig flach, was ich schade finde, weil ich in ihm durchaus Potential für eine Weiterentwicklung sehe.

Nichtsdestotrotz ist er eine wichtige Figur, die Canavan liebevoll entworfen hat, und die ich in den Büchern nicht missen will. Die Story lebt von Rothens väterlicher Gutmütigkeit und seinem herzlichen Verhältnis zu Sonea. Und eine Protagonistin wie Sonea hat einen solchen Menschen in ihrem Leben bitter nötig.