Kategorie: Unbequeme Wahrheiten

Der ’schwache’ Akkarin – warum Liebe nicht zu einem romantischen Helden machen kann

Der ’schwache’ Akkarin – warum Liebe nicht zu einem romantischen Helden machen kann

Erinnert ihr euch an diesen bösen, bösen Artikel? Dort habe ich mich recht ausführlich der Beziehung von Akkarin und Sonea gewidmet und in diesem Zusammenhang Akkarins Darstellung, ab ihrer Verbannung nach Sachaka kritisiert.

Damals war ich der Meinung, dass Canavan an dieser Stelle zu einfach gedacht hat und Akkarins Verhalten einer anfänglichen Verliebtheit zuzuschreiben ist, weil die Tatsache, dass er sich verliebt, nicht mal eben fünf Jahre Sklaverei heilt. Und ich schrieb, dass diese Entwicklung und ihre „Liebe heilt alle Wunden“-Message vermutlich dafür sorgt, dass er in so vielen Fanfictions weichgespült wird.

Und dieser Meinung bin ich noch immer.

Allerdings sehe ich inzwischen einen weiteren Grund für sein Verhalten während der Verbannung. Und unabhängig davon, was Canavan sich bei dieser Entwicklung gedacht oder auch nicht gedacht hat, erklärt dies aus psychologischer Sicht mehr, als Verliebtheit könnte. Die Verliebtheit ist dabei zwar ein nicht unerheblicher Faktor, doch dass Akkarin während dieser Kapitel so überhaupt nicht akkarin wirkt, hat einen schwerwiegenden Grund.

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Wie ein Baby so stark polarisieren kann und mich damit so viele Nerven kostet

Wie ein Baby so stark polarisieren kann und mich damit so viele Nerven kostet

Seit dem letzten Kapitel von ’Die zwei Könige’ habe ich so viele polarisierende Meinungen zu einem gewissen Baby erhalten, dass ich die ganzen Diskussionen darüber gerade so ein bisschen leid bin. Ich habe im Laufe meiner Trilogie häufig mit Unverständnis und Kritik gerechnet und war überrascht, wenn keine kam, wie etwa bei den folgenden Themen:

  • Die Entscheidung des Königs, die Diebe als Stadtwache der Hüttenviertel einzusetzen
  • Die D/s-Beziehung von Sonea und Akkarin (jene Leser verschwinden jedoch meistens schnell, weil ihnen Akkarin nicht weichgespült genug ist)
  • Soneas Entführung durch Marika
  • Dass die Gilde Akkarin schließlich wieder zum Hohen Lord wählt

Dass es jedoch ausgerechnet bei einer Sache passiert, der ich in dieser Hinsicht nur wenig Bedeutung beimesse, hat mich ziemlich von den Socken gehauen. Es hat mich schockiert, dass ein Baby das auslösen kann und in mir die Frage aufgeworfen, ob ich mit dieser Entwicklung etwas Grundsätzliches falsch gemacht habe. Während ich Babies in Geschichten und Serien häufig als störend empfinde, wenn um sie viel übertriebenes Drama gemacht wird und sie den Hauptcharakteren die Show stehlen, ging ich davon aus, dass dieses eine Baby bei der überwiegend weiblichen Leserschaft auf Begeisterung stoßen würde. Denn ich dachte immer ganz naiv, dass jeder Babies liebt.

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Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 3)

Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 3)

Teil 3 – Wie Akkarin sich über Sachaka emanzipiert und was das Abstrahieren von Sexpraktiken von Missbrauch mit Traumabewältigung zu tun hat

Vor einer Weile hatte ich eine etwas längere eMail-Diskussion, ausgelöst durch Horrorvorstellungen zu meinen Geschichten durch Lesen meines Blogartikels 50 Shades of Akkarin – Warum Akkarin kein romantischer Held ist. Diese führten, als ich Teil 2 des unsäglichen Blogartikels veröffentlichte, zu einigen Missverständnissen in Bezug auf den Inhalt.* Da ich nicht weiß, ob es meinen Lesern auch so ergeht und hier evtl. Erklärungen fehlen, wo Dinge für mich intrinsisch klar sind, habe ich beschlossen, diese unsägliche Reihe noch ein wenig weiterzuführen und den meinen Lieblingscharakter betreffenden Teil noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

In diesem Artikel geht es daher um zwei Themen, die jedoch miteinander verknüpft sind, weil sie in Bezug auf Akkarins Entwicklung eine Rolle spielen. Zuerst werde ich auf den Unterschied zwischen Missbrauch und BDSM-artigen Sexpraktiken eingehen, zumal ich dazu auch Fragen von einigen den Lesern von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ hatte. Dann erläutere ich, wieso jemand nach fünf Jahren als Sklave eines Ichani seinen Erlebnissen zum Trotz nicht wie ein Mönch lebt. Oder besser gesagt, warum das bei Akkarin funktioniert. Und warum das sogar durch die Bücher zu begründen ist.

Betrachtet diesen Artikel daher als Ergänzung zu den Abschnitten ’Wie die Realität in den ’Büchern (und in meinen Fanfictions) aussieht’ in Teil 1 und ’Akkarin und seine dunkle Seite’ in Teil 2.

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Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 2)

Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 2)

Teil 2 – Akkarin & Sonea

Nachdem ich mich in Teil 1 mit Sachaka und schwarzer Magie im Kontext von BDSM beschäftigt habe, komme ich nun zu dem etwas ’unbequemeren’ Teil. Also liebe Fangirls, entweder ihr lest diesen Artikel nicht oder seid jetzt ganz tapfer.

Die Beziehung von Akkarin und Sonea in The Black Magician ist von einem Machtgefälle geprägt, das zunächst von beiden Seiten widerwillig ist, mit der Zeit jedoch einvernehmlich wird. Auch ohne sich Gedanken über die Figuren und ihre Hintergründe zu machen, zeigt ’The High Lord’, dass die beiden mit einem einvernehmlichen Machtgefälle am besten harmonieren. Machtgefälle bedeutet jedoch nicht zwingend D/s-Beziehung und BDSM-Praktiken. Dennoch halte ich das Zustandekommen dieser in einer langfristigen Beziehung der beiden für plausibler als die möglichen Alternativen. Warum, erkläre ich in diesem Artikel.

Für alle, die noch nichts oder noch nicht viel von mir gelesen haben, aber mit dem Gedanken spielen: Es ist nicht so schlimm, wie dieser Artikel euch vielleicht glauben lässt. Ich stehe nicht so auf Porno und Sexszenen, die nur zum Löcherfüllen dienen. Der Rest von euch darf sich seinen Teil gerne denken.

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Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 1)

Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 1)

 Teil 1 – Schwarze Magie und Sachaka im Kontext von BDSM

Ich hätte nie gedacht, dass ich dazu jemals einen Artikel schreibe.

Allerdings habe ich festgestellt, dass nicht alles, was für mich offensichtlich ist, auch für andere offensichtlich ist. Und daher möchte ich euch ein wenig über die Hintergründe, warum ich bestimmte Charaktere wie weiterentwickele und was das mit schwarzer Magie und der Kultur der Sachakaner auf sich hat, erzählen.

Ihr könnt jetzt oder auch nach Lektüre dieses Artikels gerne schreiend davonlaufen oder es akzeptieren, denn auch wenn das Thema auf den ersten Blick abschreckend sein mag, habt ihr es, während ihr meine Geschichten gelesen habt, die ganze Zeit über (unbemerkt) inhaliert.

Anlass zu diesem Artikel, der mittlerweile in zwei ausgeartet ist, war ein Review zu ’Der Spion’, das ich vor ein paar Wochen bekommen habe. Seitdem lässt mich dieses Thema nicht mehr los. Ich frage mich, wie viele Leser meine Fortsetzung von ’The Black Magician’ kommentarlos abbrechen, weil sie mit diesen Dingen nicht vertraut sind und sie daher missinterpretieren.

Für meine Fanfictions musste ich mir über diese Dinge Gedanken machen. Alles, was ich aus der Vorlange interpretiere und für die Weiterentwicklung nutze, muss sich logisch in diese einfügen.

In diesem Fall war die Beziehung von Akkarin und Sonea der Ausgangspunkt. Diese findet auf mehreren Ebenen statt, die einander bedingen und die sie zu einer untrennbaren Einheit machen. Schon in den Büchern habe ich die beiden so erlebt. Bei mir ist es noch einmal intensiver, weil sie mein Hauptpair sind. Harmonieren sie auf einer dieser Ebenen nicht, so wirkt sich das zwangsläufig auf die anderen Ebenen aus. Akkarins Vergangenheit ist dabei ein sehr wichtiger Faktor. Das Leben als Sklave und die sachakanische Kultur haben ihn geprägt und auf immer verändert. Und natürlich beeinflusst das ein Beziehungsleben.

In den Büchern erfahren wir übrigens nur, wie diese Beziehung in einer Ausnahmesituation aussieht, die jedoch nicht als Maßstab für eine dauerhafte Beziehung im Alltag genommen werden darf.

In diesem ersten Artikel erkläre ich einige Grundlagen und die Motivation meiner Interpretation, die sehr viel mit dem sachakanischen Setting und schwarzer Magie und der Weiterentwicklung von beidem in meinen Geschichten zu tun hat. In Teil 2 geht es ausschließlich um Sonea und Akkarin, was ich initial in ihren Persönlichkeiten verankert sehe, was sich daraus angetrieben durch den anderen entwickelt und wie ihre Erfahrungen mit Sachaka ihre Beziehung beeinflussen.

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50 Shades of Akkarin – warum Akkarin kein romantischer Held ist

In Vorbereitung auf diesen Artikel hatte ich vor einer Weile meine Meinung zum OOC-Phänomen im Allgemeinen geschrieben. Ich finde, damit genug Verständnis gezeigt zu haben. Bei meiner Lieblingsbuchreihe – insbesondere meinem Lieblings-Buchcharakter – findet alles Verständnis jedoch ein jähes Ende.

Da Akkarin das Fangirl-Objekt von so ziemlich jedem weiblichen Leser von The Black Magician ist, wird sein Charakter am stärksten und häufigsten verzerrt und zu einer Art romantischem Helden idealisiert. Oft hat er mit seiner facettenreichen und faszinierenden Vorlage nicht viel mehr als seinen Namen und die schwarzen Roben gemein und er wird auf etwas reduziert, was einfach nicht mehr akkarin ist.

Obwohl ich die Gründe nachvollziehen kann, verstören mich die Resultate. Wäre es gewollte OOC-ness, so könnte ich dem unter Umständen etwas abgewinnen, wenn die Umsetzung amüsant ist. Aber ich habe außer einer AU-Fanfiction, in der Akkarin und Sonea böse sind, bis jetzt noch Geschichte gefunden, in der das der Fall wäre.

Wenn ich eine fiktive oder reale Person toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich würde sie niemals ändern wollen und ihre negativen Seiten als Teil ihrer selbst akzeptieren. Fange ich an, jene Person zu ändern, so ist das frei nach Max Frisch das Gegenteil von Liebe. Denn in unserem Geist entsteht ein Bildnis dieser Person, das sie uns so sehen lässt, wie wir sie sehen wollen. Dabei ignorieren wir beflissentlich, was wir nicht sehen wollen und projizieren in die Person ein Stück von uns selbst. Egal ob Buchcharakter oder reale Person – sobald der Punkt, an dem ich anfange jemand anderen zu verbiegen, erreicht ist, ist dieser Mensch nur noch ein Platzhalter für meine eigenen Wünsche und Phantasien.

Tue ich dies einem Buchcharakter an, der sich dagegen nicht einmal wehren kann, so ist das in gewisser Weise eine Vergewaltigung dieser Figur. Wie kann das dann noch Fan-Liebe sein?

Wir alle, die wir Akkarin anhimmeln, tun dies, weil er so ist, wie er ist: finster, mysteriös, skrupellos, hart und unberechenbar – und vor allem absolut ehrfurchtgebietend. Ihn dieser Eigenschaften zu berauben ist, als würde man eine andere Figur aus ihm machen – eine Figur, in die wir uns nicht verliebt haben.

Liebe Fangirls, bitte nehmt diesen Artikel, so provokant er sein mag, nicht persönlich. Betrachtet ihn als Augenöffner. Und vielleicht stimmt ihr mir nach dieser Lektüre sogar zu, dass euer geliebter Akkarin kein romantischer Held ist.

Akkarin ist nicht ’schön’. Er betrinkt sich nicht sinnlos, prügelt sich nicht mit anderen Magiern, macht keine Strandausflüge mit den Novizen, schreitet nicht wie der strahlende Ritter ein, wenn Sonea von anderen Novizen gemobbt wird – und er raspelt garantiert kein Süßholz.

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Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin

Oder auch: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, gesunder Menschenverstand ist ein anderes Thema

Warnung: Der folgende Artikel ist nicht nett. Ich nehme mit seiner Veröffentlichung in Kauf, dass ich mir Feinde mache und beleidigte Leser meine Geschichten aus ihren Favoriten nehmen oder sich weigern, mir weiterhin Reviews zu schreiben. Aber dieses Thema macht mich unglaublich wütend und ich kann meine Meinung dazu nicht länger zurückhalten. Mein Verstand weigert sich zu begreifen, wie man das Pairing Sonea & Regin gutheißen kann und es kotzt mich an, wenn ich irgendwo jemanden deswegen rumquietschen sehe oder entsprechende Geschichten finde.

Als ich in meiner Anfangszeit auf Fanfiktion.de erstmals erfuhr, dass Sonea und Regin in Canavans Fortsetzung von ’The Black Magician’ ein Paar werden, war mein erster Gedanke „Das klingt nach einer schlechten Fanfiction.“

Dieser Gedanke ist bis heute geblieben. Er hat mir das Lesevergnügen von ’The Novice’ verdorben, weil mir auf Grund dieses Wissens jedes Mal schlecht wird, wenn Regin und Sonea sich begegnen. Ich verspüre einen inneren Ekel, wenn ich für meine eigene Fortsetzung Szenen schreibe, in denen die beiden aufeinandertreffen. Ich will hier nicht darüber spekulieren, warum Canavan das getan hat* – Fakt ist, dass sie es getan hat. In jedem Fall ist es ein unsensibler Umgang mit dem Thema Mobbing. Aber dazu gleich mehr.

Regin und Sonea als Paar – das ist die schlimmstmögliche Charakterkonstellation, die ’The Black Magician’ zu bieten hat. Und im Folgenden erläutere ich, warum.

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Über Missbrauchsbeziehungen in Geschichten und die Konsequenzen

Eigentlich gibt es eine Vielzahl anderer Blogartikel auf meiner Liste. Dieser brennt mir jedoch anlässlich des Endes von Teil 1 der zwei Könige wirklich auf der Seele. Also verzeiht mir bitte eventuell harsche Wortwahl. Dieses Thema liegt mir wirklich sehr am Herzen.

Spoiler-Warnung: Falls ihr vorhabt, meine Fortsetzung von ‚The Black Magician‘ zu lesen oder irgendwo mitten im ‚Spion‘ steckt, solltet ihr diesen Blogartikel nicht weiter lesen, da er sich auf Teil 2 ‚Die zwei Könige‘ bezieht.

Seit der zweite Teil meiner Trilogie online ist, ist das Feedback einfach überwältigend. So viel Resonanz hätte ich mir stellenweise auch für den ’Spion’ gewünscht. Ich weiß jedoch auch, dass der große Zuspruch der Leserschaft bei ’Die zwei Könige’ vor allem daher kommt, dass die Charaktere und ihr Zusammenspiel starke Emotionen bei den Lesern auslösen. Wo ich anfangs glaubte, dass kaum jemand lesen will, wie meine Heldin gequält wird, weil die Häufigkeit derart schonungsloser Geschichten im Black Magician Fandom regelrecht gegen Null geht, ist mir die Beliebtheit, die dieser zweite Teil sich inzwischen erfreut, inzwischen nahezu unheimlich.

Jedoch nicht auf Grund der beiden neuen Charaktere Ivasako und Danyara oder des Entwurfs einer Kultur, die sowohl grausam ist als auch einem orientalischen Märchen entsprungen sein könnte, und auch nicht wegen meines bösen heißen Königs, der für mich den perfekten Antagonisten verkörpert, an sich – nein, es geht um das Pairing Sonea und Marika.

Oder besser gesagt: das Unpairing.

Denn seien wir ehrlich: So sehr ich selbst Marika vergöttere und es genieße, wenn er meine Leser polarisiert oder sie ihn gegen ihren Willen fangirlen, so stößt mir nichts saurer auf, als wenn ich ein Review bekomme, in dem ein begeisterter Leser die Hoffnung äußert, Sonea und Marika könnten sich ineinander verlieben. Das löst jedes Mal in mir das unbändige Verlangen aus, die Moralkeule zu schwingen.

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