Schlagwort: Regin

Änderung an den noch verbleibenden Kapiteln von Yukai

Letzte Woche habe ich mich, schweren Herzens, von einem Handlungsstrang in Das Heiligtum von Yukai getrennt. Nicht komplett, aber in den kommenden Kapiteln wird Dorrien bis auf einen Auftritt am Ende nicht mehr auftauchen.

Die meisten von euch wird diese Neuigkeit vermutlich freuen. Für mich bedeutet dieser Schritt vor allem, dass ich bei diesem Charakter auf ganzer Linie versagt habe.

Für diese Entscheidung gab es keinen bestimmten Auslöser, es war vielmehr so, dass dieser Stein von einem steten Tropfen schließlich gehöhlt wurde. Seit etwa drei Jahren, seit Die zwei Könige, ist Dorrien neben Regin der unbeliebteste Charakter in meiner Fanfiction-Trilogie. Wo Regin als Ekelpaket und auf Grund seines vielseitigen Potentials für mich als Erzählcharakter seine Existenzberechtigung hat, verschwindet Dorrien in „Das Erbe der schwarzen Magier“ bis auf den einen oder anderen Gastauftritt in der Versenkung. Seine Geschichte ist für mich mit der ersten Trilogie zu Ende erzählt. Regin hingegen wird in der zweiten Trilogie noch eine tragende Rolle spielen. Continue reading „Änderung an den noch verbleibenden Kapiteln von Yukai“

Der NaNoWriMo 2016-Schreibwahnsinn: Kitsch-Vanilla-Hauptpairs, BDSM-Dreier und ein Trump’scher Writus Interruptus

Der NaNoWriMo 2016-Schreibwahnsinn: Kitsch-Vanilla-Hauptpairs, BDSM-Dreier und ein Trump’scher Writus Interruptus

Wie Schlafmangel, der Shipper-Thread und schlechte Fanfictions mir das Hirn ruinierten

Dieser Bericht sollte gefühlt vor zwei Wochen kommen, doch der alljährliche Übergang von einem Monat Schreibwahnsinn in die Vorweihnachtszeit hat mich dieses Jahr ziemlich geschafft und ich weiß nicht, wo die letzten beiden Wochen geblieben sind. Mein Hirn, das ich mir in dieser Zeit nicht nur mit zu wenig Schlaf und zu viel Schreiben ruiniert habe, hat sich inzwischen wieder weitgehend erholt, während mein Körper nach all der Action gerade in Winterschlafmodus geht.

Da man die zu erreichende Wortzahl im November nicht anpassen kann, setzte ich vorab mein persönliches Ziel auf 200k. Damit wollte ich mich möglichst dem Showdown der Geschichte nähern oder diesen vielleicht sogar schon beginnen.

Trotz der einen oder anderen Schwierigkeit war es ein wahrhaft epischer NaNoWriMo und das nicht nur, weil die Geschichte sich mir nahezu selbst diktiert hat, sondern auch wegen der großartigen Stimmung im NaNo-Forum. So viel zu schreiben ist neben gutem Zeitmanagement auch mit einer gehörigen Portion Wahnsinn verbunden. Mir ist wichtig, dass ich im Schreibfluss bleibe und solange ich meine Arbeit erledige und die Katzen nicht vernachlässige, funktioniert dieses Prinzip für mich.

Eine andere, unerfreuliche Form des Wahnsinns kam auf unerwartete Weise hinzu. Im Oktober wagte ich aus Gründen der ’’Recherche’’ zum Thema Badfic einen Blick in die Abgründe meines Fandoms und blieb darüber an einer Fanfiction hängen, die (wie so viele andere und vermutlich unfreiwilligerweise) grauenhaft war. Aus jener ’’Recherche’’ wurde rasch ein guilty pleasure, auf das ich nicht sonderlich stolz bin. Es genügt an dieser Stelle, dass ich nur immer mal wieder weiterlas, weil ich unfähig war, mich von dem Grauen abzuwenden, so wie wenn man an einem Unfallort vorbeifährt, und dass ich mich darüber in Bezug auf meine Lieblinge sehr, sehr verstört habe.

Der Start begann grandios um Mitternacht am 1. November zusammen mit der Ankündigung an meine Katzen „Ihr müsst jetzt einen Monat lang ganz lieb sein, sonst koche ich Chinesisch“. Trotz Müdigkeit und dem Bedürfnis, mich in meinem Bett zusammenzurollen, habe ich mit jeder Menge Schwarztee noch in der Nacht die ersten 1000 Wörter geschrieben. Wie in den beiden Jahren zuvor mit einer Schweinkramszene, um der Tradition treuzubleiben. Dank zahlreicher Wordwars im NaNo-Forum wurden aus den für den Start-Marathon an Tag 1 gesetzten 12k rasch 14k. Zwischendurch hatte ich sogar noch Zeit für Sport und meine Katzen und konnte gegen 22 Uhr Feierabend machen.

So etwas macht man aber auch nur einen Tag, danach ist man durch.

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Soneas Sumikränzchen: Die absurdesten Search Terms

Soneas Sumikränzchen: Die absurdesten Search Terms

Heute gibt es mit etwas Verspätung, weil Fußball und so, mal ein etwas anderes Sumikränzchen. Denn dieses Mal es geht nicht um mich und meine Geschichten, sondern um die Absurditäten, über die ich als Betreiberin dieses Blogs so stolpere.

In den mehr als zwei Jahren, die es meinen Blog nun gibt, ist es mir gelungen, mir mit diesem meine Autorenmarke zu etablieren. Wo ich am Anfang noch unsicher war, ob das Konzept etwas taugt, erfreuen meine Artikel inzwischen gleichsam Leser und andere Autoren. Und das ist ziemlich toll, weil es zeigt, dass mein Konzept aufgegangen ist.

In dieser Zeit sind mir allerdings auch einige überaus absurde Dinge untergekommen.

Für alle, die es nicht kennen: WordPress bietet (wie vermutlich andere Bloganbieter auch, aber so genau habe ich das nie in Erfahrung gebracht) eine Statistik an, in der man sieht, welche Artikel angeklickt wurden, woher die Besucher kommen, von welchen Seiten, auf denen der Blog verlinkt ist, sie hergefunden haben und welche externen Links sie angeklickt haben (also z.B. die Links zu meinen Geschichten auf FF.de) – ihr merkt schon: Ich sehe alles.

Diese wunderbare Statistik zeigt allerdings noch etwas anderes:

Was man bei Google eingibt, um zu meinem Blog zu gelangen.

Und da sind Sachen dabei, wo mir echt die Augen aus dem Kopf gefallen sind und ich nur noch sprachlos vor dem Bildschirm saß.

Neugierig, wie ich bin, klicke ich nicht nur unbekannte Links an, über die Besucher auf meinen Blog gelangen, sondern gebe die Search Terms selbst bei Google ein und schaue, was dabei so rauskommt. Manchmal muss ich mich bis zu den letzten Seiten der Suchergebnisse durchklicken, bevor ich meinen Blog finde. Also haben einige Menschen ziemlich Ausdauer.

Heute habe ich mir die Zeit genommen und bin meine Statistik der letzten zwei Jahre durchgegangen und habe geschaut, was da an Absurditäten zusammenkommt. Einiges, was ich zutage gefördert hatte, hatte ich inzwischen wieder vergessen (oder auch verdrängt).

An den absurdesten Resultaten möchte ich euch heute teilhaben lassen. Und ich sage gleich vorweg: Ganz ohne Sarkasmus ging es an manchen Stellen nicht.

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Updates von der Korrekturfront

Momentan ist es im Blog etwas ruhiger und ich bin weniger in den sozialen Medien unterwegs, was in erster Linie daran liegt, dass ich noch immer fleißig ’Das Heiligtum von Yukai’ Korrekturlese. Von 51 Kapiteln habe ich jetzt 28 korrigiert und schaffe im Schnitt ein Kapitel pro Tag. Das klingt nach wenig, ist es aber nicht, weil die Kapitel ziemlich lang sind. Außerdem versuche ich gerade ein wenig, vom Laptop wegzukommen, weil es doch sehr ablenkt.

Der Vorteil, wenn man sich den Text ausdruckt, ist, dass man sich damit weit weg vom PC niederlassen kann. Habe ich es mir einmal bequem gemacht, bin ich meistens auch zu faul, um aufzustehen und ständig nachzusehen, ob es irgendetwas Neues gibt (was es übrigens in 90% der Fälle sowieso nicht gibt).

Ich habe mich ja lange davor gedrückt, den letzten Band dieser Fanfiction-Trilogie Korrektur zu lesen. Ihn zu schreiben war bereits ziemlicher Brainfuck, weil es bei all den Intrigen der verschiedenen Charaktere und den verschiedenen Kriegsparteien Gilde, Verräter, Sachakaner und Duna so viel Politisches und Strategisches zu beachten gilt. Dazu kommt Soneas Entwicklung und die Aufarbeitung ihrer Entführung, worauf ein zweiter großer Fokus liegt, weil diese erst da wirklich einsetzt. Damit ich ausreichend Zeit habe, hatte ich mir die Zeit zwischen November und April ausgesucht, weil das die längste Zeit ohne NaNoWriMo ist.

Bis jetzt war es jedoch erstaunlich wenig Brainfuck und der Schreibstil ist viel weniger grauselig, als noch bei ’Der Spion’. Ich muss weniger Füllworter und redundante Nebensätze streichen, oder grässliche Formulierungen umformulieren, als ich es bei meiner letzten Überarbeitung von Band 1 getan habe. Dafür produziere ich wieder Kommentare, über die ich mich im Nachhinein selbst beömmeln muss, besonders weil ich die Zweideutigkeit mancher meiner Notationen einfach liebe:

Da ich nicht weiß, ob man meine Sauklaue entziffern kann - rechts oben in der Ecke steht: "Allerdings weniger, weil er sich für SM begeisterte, sondern weil seine Forschernatur im Ruhestand zu neuem Leben erwacht war."
Da ich nicht weiß, ob man meine Sauklaue entziffern kann – rechts oben in der Ecke steht: „Allerdings weniger, weil er sich für SM begeisterte, sondern weil seine Forschernatur im Ruhestand zu neuem Leben erwacht war.“

Auch war mir nicht bewusst, dass die Story so viele Textpassagen enthält, über die ich mich amüsiere. Bis jetzt habe ich mich jedoch nicht dazu überwinden können, sie auf Facebook zu posten, weil sie entweder spoilern oder ich nicht alle lustigen Stellen schon vorwegnehmen wollte. An dieser möchte ich euch trotzdem teilhaben lassen. Hier lernt Sonea gerade den Personenschutz in der Arena und das an einem denkbar undankbaren Übungsobjekt:

Vor Erheiterung hätte Regin fast laut aufgelacht, doch dann zuckte er unwillkürlich zusammen, als ein Kraftschlag gegen Soneas Schild prallte, den er nicht hatte kommen sehen. Instinktiv rückte er näher zu seiner besten Freundin.
„Bekommst du schon Angst?“, fragte sie trocken.
„Ich dachte, so ist es kuscheliger.“
Sie bedachte ihn mit einem vernichtenden Seitenblick. „Lass das bloß nicht Trassia hören!“
„Und dein Mann?“, fragte er mit einem Blick zu Akkarin.
Sonea schürzte missbilligend die Lippen. „Er kennt meine Gedanken“, sagte sie knapp. Sie lenkte Akkarins erneuten Angriff ab und antwortete darauf mit einem aufgesplitteten Feuerschlag.
„Soll das heißen, er liest deine Gedanken?“ Neugierig geworden, rückte Regin noch dichter an sie heran.
„Ja. Und er kann dich gerade sehr gut hören.“
Regin war nicht sicher, ob er das glauben sollte. Soweit er das sagen konnte, benutzten die beiden schwarzen Magier ihre Blutringe nur selten zur Kommunikation.
„Ist das nicht ziemlich erniedrigend?“
„Hat er dir gesagt, dass du es mir besonders schwermachen sollst, dich zu beschützen?“, gab sie zurück.
Regin kicherte. „Nein, aber es macht Spaß.“
Sonea fluchte, als ihr Schild fast zusammenbrach.
„Kannst du nicht aufpassen?“, knurrte Regin.
„Kannst du aufhören, mir so auf den Leib zu rücken?“
„Ich verkleinere nur die Schildfläche.“ Als er die Verärgerung in ihrem Gesicht sah, fügte er hinzu: „Ich weiß nicht, was du hast. Wenn ihr zwei zusammen kämpft, kuschelt ihr die ganze Zeit.“
„Lord Regin, hört auf Sonea abzulenken.“
Regin zuckte zusammen. „Natürlich […]“, sagte er betont unterwürfig. „Ich bitte vielmals um Verzeihung.“

Und da ich so viel Spaß daran habe zu schreiben, wie die beiden sich zanken, kommt hier noch eine Textpassage:

Endlich öffnete sich die Tür und eine kleine schwarzgewandete Gestalt trat auf den Flur. Einen tiefen Atemzug nehmend stieß Regin sich von der Wand ab.
„Pst!“, machte er.
Sie fuhr herum. Als sie ihn erblickte, verfinsterte sich ihr Gesicht für einen Moment.
„Regin! Warum versteckst du dich in dunklen Ecken?“
„Ich hatte gehört, dass du zum Büro des Rektors gerufen wurdest.“ Er betrachtete sie feixend. „Hast du etwas angestellt oder haben sie etwas herausgefunden, das du als Novizin angestellt hast und dich nachträglich bestraft?“
Sonea musterte ihn mit schmalen Augen. „Wenn du mir nur aufgelauert hast, um dich mit mir anzulegen, wird das nicht gut für dich ausgehen“, warnte sie. „Also, was soll das hier? Worauf bist du aus?“
Sie misstraut mir, erkannte er. Aber an ihrer Stelle wäre ich wohl auch misstrauisch, würde ich mir auf einem einsamen Flur auflauern. Situationen wie diese erinnerten ihn daran, dass sie ihm diese Sache in ihrem ersten Jahr noch nicht ganz verziehen hatte.
„Oh, verehrteste Sonea!“, rief er. „Bitte verzeih, wenn du an meiner Aufrichtigkeit zweifelst!“
Sie war offenkundig entnervt. „Wieso sollte ich nicht? Ich höre nur Spott aus deinem Mund kommen.“
„Ich wollte nur nett sein“, verteidigte er sich.
Sonea verschränkte die Arme vor der Brust. „Nehmen wir einmal an, das entspricht der Wahrheit. Warum lauerst du mir dann hier auf? Doch sicher nicht, weil du neugierig bist, den Grund für meinen Besuch bei Rektor Jerrik zu erfahren.“
„Nein, aber ich hoffe, du nennst ihn mir, bevor es jemand anderes tut.“
„Wenn du mir sagst, was du von mir willst, werde ich es dir vielleicht erzählen.“
„Ich muss mit dir über etwas reden. Etwas Persönliches.“
Sie hob eine Augenbraue. „So, etwas Persönliches?“
Sie wird ihrem Mann immer ähnlicher, fuhr es Regin durch den Kopf. Und irgendwie schien es deutlicher geworden zu sein, nachdem Akkarin sie aus Sachaka geholt hatte. „Können wir irgendwohin gehen, wo wir ungestört sind? Bitte, liebste Sonea! Du bist meine beste Freundin.“
Sie bedachte ihn mit einem finsteren Blick, nickte dann aber. „Komm mit.“

Diese Woche hatte ich ein paar Tage frei, allerdings bin ich in dieser Zeit auch nicht schneller vorwärtsgekommen. Das lag jedoch weniger an meiner Faulheit, als an den beiden Kätzchen, die seit letztem Freitag bei mir wohnen und die momentan nicht viel anderes machen als Schlafen und sich durch die Wohnung zu jagen. Heute werden sie zwei Monate alt und sind noch dementsprechend wild und neugierig. Allerdings können sie auch lieb sein und fangen allmählich an, sich an mich zu gewöhnen.

Marika & Isara <3
Marika & Isara <3

Eigentlich hatte ich gehofft, bis Karneval mit dem Korrekturlesen fertig zu werden, damit ich das lange Wochenende nutzen kann, um das ganze Gekritzel auf den Ausdrucken in den Laptop zu hämmern, doch wahrscheinlich werde ich noch bis Mitte/Ende Februar beschäftigt sein. Allerdings ist dies genug Zeit und danach werde ich überlegen, ob ich das letzte Drittel des Spions noch sprachlich überarbeite oder mich wieder mit der Königsmörderin auseinandersetze, bevor im April-Camp die Überarbeitung von ’Darker Than Black’ ansteht. (Auch wenn ich im Augenblick wieder einmal nicht sicher bin, ob ich die Story jemals veröffentlichen werde.)

In gelegentlichen Anfällen von „Ich muss schreiben“, arbeite ich außerdem an meiner Parodie ’Aus dem streng (!) geheimen Tagebuch des Hohen Lords’ – einer Idee, auf die ich durch das Projekt The Pointless Fanfic gekommen bin. Hin und wieder tut es richtig gut, absoluten Nonsens zu schreiben und durch den Kakao zu ziehen, was man liebt. Auf Facebook wurde ich schon gefragt, ob das der nächste Adventskalender wird. Diese Frage kann ich euch leider nicht beantworten. Ich kann an diesem Projekt nur schreiben, wenn es mich überkommt, weil ich nur dann in diesen Zustand komme, in dem eine absurde Idee die nächste jagt. Also vielleicht werden es auch wieder Drabbles. Zum Glück ist es noch ein wenig Zeit, bis ich mich entscheiden muss.

Die schon im letzten Sommer versprochene Blogreihe über die Schwächen der Bücher ist in Arbeit. Dummerweise hat das Schreiben daran mich zu der Frage geführt, ob das alles nicht Jammern auf hohem Niveau ist, weswegen ich noch zögere, den ersten Artikel zu posten. Also wenn euch ernsthafte Schwächen zu The Black Magician einfallen, zu denen ihr gerne eine Analyse von mir lesen würdet, schreibt mir diese hier in die Kommentare oder auf Twitter oder FB, dann werde ich das genauer unter die Lupe nehmen und etwas dazu schreiben.

Rückblick: NaNoWriMo November 2015

Dieser Artikel hätte eigentlich schon Anfang Dezember rauskommen sollen, was jedoch wegen des da noch nicht hochgeladenen Kapitel 23 von ’Die zwei Könige’ nicht möglich war. Warum erfahrt ihr weiter unten.

Rückblickend kann ich nur sagen, dass der November wie ein einziger Rausch vorüberging. Ich habe so viel geschrieben, wie noch nie in meinem Leben in einem ganzen Monat und wahrscheinlich werde ich das auch nicht mehr. Dieses Mal war es einfach eine großartige Konstellation mehrerer Dinge, die das begünstigt haben:

  • Der Anfang einer neuen Trilogie, die zwar auf der Vorgängertrilogie ’Die Bürde der schwarzen Magier’ aufsetzt, aber ca. 10 Jahre später spielt und damit Platz für viele neue Ideen bietet.Ekelhaft große Motivation
  • Kein Stress im Büro
  • Private Veränderungen
  • gutes Zeitmanagement
  • Und zahlreiche Word Wars.

Eigentlich habe ich fast nur in Word Wars geschrieben. In der letzten Woche habe ich damit allein an einem Abend sogar 7k rausgehauen und damit insgesamt 11k an dem Tag geschafft, obwohl es ein Wochentag war.

Aber der Reihe nach:

Der NaNoWriMo für mich persönlich

Am ersten Tag habe ich an einem Marathon in NaNo-Forum teilgenommen, für den ich mir 12k vorgenommen hatte. Das an einem Tag zu schaffen, ist für mich eine Herausforderung. Am Ende waren es sogar 13k und wäre ich nicht gegen Abend zum Sport gegangen und hätte eine Serie zum Essen geschaut, hätten daraus durchaus noch 15k werden können.

Von da an war ich so im Fluss, dass ich nicht mehr aufhören konnte. Morgens 2k vor der Arbeit, mittags 2k im Word Wars und dann abends noch einmal 3-4k, ebenfalls in Word Wars. Gegen Ende wurden aus 6k pro Wochentag sogar 8k. Ich habe wie in einem Rausch geschrieben. Die Ideen flossen von selbst und die Finger flogen über die Tasten, als wäre etwas in mir dabei, sich zu lösen. Außer einer groben Idee für die zweite Trilogie und einer dürftigen Storyline für die Haupthandlung hatte ich nichts, außer den ersten 100k, die ich im September und Oktober bereits geschrieben hatte. Denn eine detaillierte Planung funktioniert für mich nicht. Bei mehreren Storylines, die miteinander verwoben sind, und komplexen Themen entwickelt sich die Geschichte beim Schreiben.

Normalerweise, wenn ich ein neues Projekt angehe, schreibe ich immer sehr viel ins Blaue. Dann jedoch über einen sehr viel längeren Zeitraum als hier. Dass es dennoch so gut funktioniert hat, hat mich ziemlich überrascht. Die Charaktere haben mir die Geschichte mehr oder weniger diktiert. Probleme, die dabei aufgetaucht sind, haben sich ein Kapitel später in Wohlgefallen aufgelöst und zu regelrechten Geistesblitzen in Bezug auf die Gesamthandlung gesorgt. Sprich: Indem ich ins Blaue geschrieben habe, habe ich Konflikte und Seltsamkeiten produziert, die ich im weiteren wieder durch ins Blaue zu schreiben lösen konnte – Discovery Writing in seinen besten Momenten.

Wahrscheinlich ist das die Stelle, an der andere Autoren jetzt den Kopf schütteln und denken, dass bei einer solchen Methode doch nichts Gutes rauskommen kann. Dass man eine Story, gerade wenn sie komplex ist, planen muss, und dass man bitte nach Schreibratgeber schreibt. Zumindest hatte ich diesen Eindruck dieses Jahr über vermehrt, als wenn das die einzige sinnvolle Methode zu schreiben wäre. Dabei ist meine gesamte erste Trilogie auf diese Weise entstanden.

Für mich hat diese Herangehensweise auch dieses Mal wieder wunderbar funktioniert. Es war ein von-der-Seele-schreiben und ein Befreiungsschlag. Bis auf einige wenige Gelegenheiten, wie an dem Wochenende mit den Terroranschlägen in Paris, wo ich irgendwann aus Trotz und Gründen von Schreibeskapismus geschrieben habe, war ich fast ununterbrochen im Fluss. Die vorgegebenen 50k hatte ich nach einer Woche, mein eigentliches Ziel von 150k nach etwas weniger als drei Wochen. Nach einer Woche hatte ich erste Ausfallerscheinungen in Form von Schusseligkeit gegenüber allem, was nicht mit Schreiben oder meinem Job zu tun hatte, ab etwa der Hälfte wollte ich nur noch schlafen und in der letzten Woche wollte ich noch einmal alles geben, obwohl ich allmählich mein Leben wieder zurückwollte. Den kompletten Abend nach Word Wars auszurichten und das Essen und die Serie irgendwie dazwischenzuquetschen fällt für mich normalerweise schon unter Besessenheit. Aber ich wollte unbedingt das Gerüst der Story fertigbekommen.

NaNo2015 Endstand
Die Stats des Wahnsinns. Ich habe übrigens auch im NaNo-Forum Fun-Stats veröffentlicht. Ich weiß jedoch nicht, ob ich euch DAS antun kann.

Auch dieser NaNoWriMo war wieder eine ganz besondere Erfahrung. Ich habe meine Grenzen aufs Neue ausgetestet und erweitert. Ich habe unglaublich viele und liebe Menschen kennengelernt und ich habe mich gewagt, Dinge zu schreiben, an die ich mich früher nicht getraut hätte. Leider wurde die letzte Woche auch zu einem Elefantenrennen mit jemand anderem, was mich zusehends aggressiver gemacht hat. Am letzten Wochenende habe ich die Notbremse gezogen und für mich weitergeschrieben, weil ich glaubte, die Freude an der Geschichte verloren zu haben und nur noch für Wordcounts zu schreiben. Ich ging nur noch online, um meinen Wordcount zu updaten und Sonntagnachmittag hatte ich dann plötzlich den Ehrgeiz, noch die nächste runde Zahl zu schaffen, was die 240k waren. Dazu fehlten mir noch ca. 13k, also habe ich mich an jenem Abend und am nächsten Tag noch einmal richtig ins Zeug gelegt. Ganz für mich, ohne Community und ohne Word Wars. Das war schade, weil ich die Community im NaNo-Forum so sehr mag. Von allen Schreibforen, die ich ausprobiert habe, fühle ich mich dort am wohlsten. Aber ich hatte zu viel Angst zu dem zu werden, unter dem ich seit meinem ersten Camp selbst leide: den Neidern und Hatern.

Denn dieses Thema hat mich auch bei diesem NaNoWriMo wieder verfolgt, allerdings gaben die Neider nach meinem Tweet, dass jeder, der sich daran stört, mich gerne muten oder blocken darf, ruhe. Das ist auch so ein Thema, das mir bei jedem NaNo sauer aufstößt. Wenn jemand ähnlich schnell ist, dann kann ich das nachvollziehen. Das ist wie, wenn dir beim Fahrradfahren jemand die ganze Zeit hinten draufhängt, oder gerade so fährt, dass Überholen in ein Elefantenrennen ausartet. Die meisten sind jedoch sehr viel langsamer oder schneller und damit auch sofort wieder aus meiner Wohlfühlzone heraus, interessieren mich also nicht.

Letztendlich muss doch jeder selbst wissen, wie er seine Zeit im NaNoWriMo einteilt. Möchte man nebenbei noch Bücher lesen oder an sozialen Aktivitäten teilnehmen, dann hat man natürlicherweise weniger Zeit zum Schreiben. Andere wollen diese ’Störfaktoren’ vielleicht nicht, weil sie sich einen Monat lang ganz auf ihr Projekt konzentrieren wollen. Dadurch bleibt man im Fluss, wobei selbst dann kreative Schreibpausen wichtig sind. Bei mir kam dazu, dass ich das Gerüst von Band 1 fertig haben wollte, bevor ich während der nächsten Monate nicht zum Schreiben kommen werde, da Band 3 der ersten Trilogie (’Das Heiligtum von Yukai’) noch überarbeitet werden muss.

Aber bevor ich euch weiter mit meinen persönlichen Erfahrungen langweile: Was genau habe ich da eigentlich geschrieben? Und worum geht es in der Geschichte?

Ein paar Worte zum neuen Projekt

Ich werde nun versuchen, etwas über dieses Projekt zu erzählen, ohne zu viel für die verbleibenden 1 1/3 Bände der ersten Trilogie zu Spoilern. Zunächst einmal sollt ihr den Grund erfahren, warum dieser Artikel erst jetzt kommt.

Tadaaa! Ich präsentiere die noch absolut unvollständige Rohfassung von ’Das Erbe der schwarzen Magier I – Die Königsmörderin’!

NaNo2015 Winnerzertifikat

Wie der Titel schon vermuten lässt, bezieht er sich auf Sonea. Und das konnte ich euch vor Kapitel 23 von ’Die zwei Könige’ natürlich nicht sagen. Eigentlich kam mir die Idee zu diesem Titel spontan, weil Sonea im Laufe der Story immer wieder an Sachakaner gerät, deren erstes Wort, wenn sie Sonea sehen, eben ’Königsmörderin’ lautet.

Ansonsten könnt ihr euch auf folgende Dinge freuen:

  • Einen sehr üblen Streit, der sich über fast 10 Kapitel zieht und die Gilde spaltet.
  • Ein Regin, der sich wie der Barney Stintson der Magiergilde aufführt und sogar einen ’Wingman’ hat.
  • Zwei Charaktere, die sexwütiger sind, als ihnen guttut, was in zwei verstörten Kindern und einem sehr peinlichen Aufklärungsgespräch endet.
  • Eine Art Krimi/Thriller in den Hüttenvierteln.
  • Die unsägliche Blümchensexszene (hat vielleicht der eine oder andere auf FB oder Twitter mitbekommen), die zu schreiben mir seelische Qualen bereitet hat.
  • Und da wir schon beim Thema sind: Der ebenfalls auf FB und Twitter erwähnte Dreier.
  • Das schon vor dem NaNoWriMo erwähnte Worldbuilding für Lonmar, wohin es Dannyl zu Beginn der Geschichte verschlägt.
  • Dannyl und Tayend erhalten eine Einladung zu einer sachakanischen Schwulenparty, die eher die Ausmaße einer Cachika hat.
  • Es gibt ein Wiedersehen mit Danyara, die in ’Das Heiligtum von Yukai’ bis auf einen kurzen Auftritt Sendepause hat.
  • Ein epischer Endkampf.
  • Ein neuer Antagonist, der eigentlich gar nicht neu ist.
  • Und jede Menge Anspielungen auf das Original.

Das hört sich jetzt nach viel an, aber ich habe kein einziges Wort über den tatsächlichen Inhalt der Geschichte gesagt.

Weniger erfreulich dagegen wird dagegen wahrscheinlich der Tod einiger Nebencharaktere, der leider nötig war. Und einiges wird wahrscheinlich später in der Überarbeitung noch zensiert, weil ich nicht weiß, ob ich euch das wirklich zu lesen geben will. Da warte ich erst einmal ’Yukai’ ab.

Als ich sagte, dass ich das Gerüst der Geschichte geschrieben habe, meinte ich damit die Haupthandlung bis wenige Kapitel vor dem Endkampf. Mir fehlen noch zahlreiche Szenen für die Nebenhandlungen, mit denen ich insgesamt vermutlich auf weitere 340k Wörter kommen werde. Darunter auch wieder Politik und Intrigen, wenn auch nicht so extrem wie es in ’Yukai’ werden wird, wo der Schwerpunkt eben auf diesem Thema liegt. In ’Die Königsmörderin’ ist der Schwerpunkt jedoch wieder ein anderer.

Weil noch so viele Szenen fehlen, macht es auch nicht viel Sinn, den Showdown zu schreiben, weil wichtige Informationen aus diesen mit einfließen werden und ich mir ein wenig Spannung bewahren möchte. Dafür habe ich das allerletzte Kapitel geschrieben.

Fazit

Es war wieder einmal ein überaus toller, ereignis- und erkenntnisreicher Monat, in dem ich auch wieder neue Dinge über mich selbst gelernt habe. Natürlich hatte ich in den ersten Tagen ein paar Nachwirkungen, weil mir das Forum und das Updaten des Wordcounts gefehlt haben. Das wurde jedoch schnell von der Adventszeit und meinem Kätzchen-Projekt (ich bekomme nämlich bald 2 kleine Katzen) abgelöst. Außerdem mussten die letzten 14 Kapitel von ’Die zwei Könige’ an meine Testleserin und vorher musste ich sie selbst noch einmal lesen und überarbeiten. Ihr kennt das ja. Nicht zuletzt hat mich mein Adventskalender ’Die Gilde der 24 Drabbles’, den einige von euch sicher schon kennen, ab dem 1. Dezember in Atem gehalten.

Vorgestern habe ich mir dann auch endlich meine NaNo-Belohnung geholt. Und zwar habe ich mir in einvernehmlicher Körperverletzung etwas machen lassen, was ich schon sehr, sehr lange wollte, und worauf ich im Gegensatz zu meiner Prota total abfahre.

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Dazu muss ich wohl nichts mehr sagen, ihr kennt es alle. Das Rote ist übrigens nur gereizte Haut, inzwischen sieht die wieder ganz normal aus.

Irgendwie ist es schade, dass der NaNoWriMo schon wieder vorbei ist. Zugleich bin ich jedoch auch froh, weil das untypisch viele Schreiben auch eine ziemlich Belastung ist, die einfach auch sehr an die Substanz geht. Länger als einen Monat könnte ich das weder körperlich durchhalten noch mit meinem Leben vereinbaren. Und ich muss erst einmal sackenlassen, was ich da geschrieben haben. Vorher brauche ich gar nicht an die fehlenden Nebenhandlungen herangehen.

Zuletzt noch ein kleiner Tipp für all jene, die nach dem NaNoWriMo in ein tiefes Loch der Sinnlosigkeit fallen: Überlegt euch vorher schon, was ihr danach machen wollt. Nehmt euch Dinge vor, wie z.B. etwas zu korrigieren oder zu überarbeiten, weil nach einem Monat exzessiven Schreibens und ohne die Community auch irgendwie die Luft raus ist. Verabredet euch schon vorher für diese Zeit mit euren Liebsten, gönnt euch eine Belohnung. Wenn ihr es euch mit eurem Wordcount erlauben könnt, schreibt in den letzten Tagen etwas weniger und lasst den NaNo langsam ausklingen.

Und wenn das alles nicht ausreicht, gibt es genug Dinge, die in einem Monat liegenbleiben 😉

Die Bösewichte der schwarzen Magier

Vor einer kleinen Weile hatte ich anlässlich meiner Fergun-Satire Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten mit einer Leserin eine Diskussion darüber, wer von beiden der schlimmere Bösewicht ist: Regin oder Fergun, wobei wir ziemlich unterschiedlicher Meinung waren. Das und die Tatsache, dass ich die Bücher zu jener Zeit wieder einmal gelesen habe, hat mich dazu gebracht, mich etwas detaillierter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Egal, wie oft ich die Trilogie schon gelesen habe – ich habe den Eindruck, als würden die Antagonisten mit jedem Buch böser und mächtiger. Im ersten Buch ist es der intrigante Lord Fergun, der Sonea erpresst, um der Gilde zu beweisen, dass es ein Fehler ist, Novizen aus den Hüttenvierteln aufzunehmen. Im zweiten Buch ist es Soneas Klassemkamerad Regin, der sie ein ganzes Jahr lang aufs Extremste mobbt und dabei keinerlei Skrupel kennt. Und im dritten Buch ist es Kariko, der erst gegen Ende auftritt, dafür jedoch mit seinen Verbündeten Tod und Zerstörung über die Gilde bringt.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich Kariko von den Dreien am liebsten mag. Und das, obwohl er Akkarin am Ende tötet. Kariko hat Charakter. Er ist nicht nur auf eine dunkle Weise attraktiv und besitzt ein für mich unwiderstehliches Charisma, wo Regin und Fergun mich nur abstoßen – er hat auch die ehrbarsten Motive. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, inwiefern die Motive eines Antagonisten überhaupt ehrbar sein können, doch Rache für den Mord an seinem Bruder und für die Verwüstung, die die frühe Gilde in Sachaka angerichtet hat und unter der das Land noch immer leidet, ebenso wie seine Hoffnug, wieder Teil der sachakanischen Gesellschaft zu werden, erscheinen mir als weniger niederträchtig als die Motive von Regin und Fergun, die von Hass und Herablassung gegenüber einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht geprägt sind.

Neben Kariko wirken Regin und Fergun blass – und doch ist der Großteil dieses Artikels ihnen gewidmet. Insbesondere Regin wirkt auf mich flach und damit oft mehr nervtötend als alles andere. Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund seiner Taten und nichts fügt Regins Charakter weitere Facetten hinzu, die ihm Komplexität verleihen. Er hasst Sonea von dem Augenblick an, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen, und tut fortan alles, um ihr das Leben nach bestem Können zur Hölle zu machen.

Fergun gelingt es jedoch, dass man bis zu einem gewissen Grad Mitleid mit ihm empfindet. Sogar Sonea empfindet so, bevor sie erfährt, dass er ihren Freund gefangen hält. Denn wo Regin stolz ist, ein Magier zu sein, wollte Fergun das niemals sein. Trotz seines schwachen magischen Potentials haben seine Eltern ihn zur Gilde geschickt, da es seiner Familie des kyralischen Adels Ansehen einbringt, einen Magier in ihren Reihen zu haben. Damit wurde Ferguns Traum, Schwertkämpfer zu werden, ein jähes Ende bereitet. Da es ihm an magischer Stärke mangelt, musste Fergun sich in der Gilde auf andere Weise behaupten. In The Magicians’ Guild lernen wir Fergun als intriganten und arroganten Widerling kennen und das lässt darauf schließen, wie ihm das gelungen ist. Ich empfinde seine Figur daher als komplexer als die des Regin, eben weil man die Hintergründe seines Handelns kennenlernt und weil er damit (zumindest in mir) widersprüchliche Reaktionen und bis zu einem gewissen Grad Verständnis hervorruft, wo ich Regin einfach nur hasse.

Ich gehöre zu den Menschen, die ergründen wollen, warum jemand eine bestimmte Persönlichkeit entwickelt hat. Gerade die Antagonisten und Badass-Typen faszinieren mich in dieser Hinsicht. Und da hat Fergun auf Grund seiner Hintergrundgeschichte das Potential zu polarisieren, wenn man genau hinsieht. Regin fehlt dies, weil man sonst schlichtweg nichts über ihn erfährt.

Wo es Regin jedoch an Komplexität mangelt, ist er umso bösartiger und durchtriebener. Bei seinen fortwährenden Mobbing-Aktionen geht er unglaublich berechnend vor. Die Art und Weise, wie er Sonea mit den anderen Novizen auflauert, setzt eine intelligente Planung voraus. So auch seine Versuche, Sonea von anderen zu isolieren. So setzt er das Gerücht in die Welt, sie habe mit ihrem Mentor Rothen eine Affäre, und sorgt dafür, dass ihr einziger Freund unter den Novizen einen ’Unfall’ erleidet. Allein die Tatsache, dass er willentlich anderen schadet (egal ob physikalisch als durch die Zerstörung des Rufes), zeugt von einer nicht zu verachtenden Bösartigkeit und Skrupellosigkeit. Dazu kommt, dass Regin von Natur aus ein Anführer ist. Er schart seine Klassenkameraden um sich, womit er zugleich einen Mob zur Verfügung hat, den er auf Sonea hetzen kann und den er braucht, weil sie ihm an magischer Stärke überlegen ist. Er ist sogar bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen, sollten sie erwischt werden oder Sonea ihrem Mentor von diesem Vorfall berichten.

„I told you“, Regin said between strikes. „She won’t tell him [her guardian]. […] If she does, I’ll take responsibility. I’m willing to do that, just to prove it to you. What have you got to lose?“ (Kapitel 26, The Novice)

Es kümmert Regin nicht, ob Sonea dabei ernsthaften Schaden erleidet, denn sie ist nur das Hüttenmädchen, dass in der Gilde nichts zu suchen hat. Er quält Sonea selbst dann noch, als sie kraftlos am Boden liegt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu verteidigen.

The strikes ceased. In the silence, Regin looked at the others one by one and grinned. „See? Now let’s put her in her proper place.“ As he turned back to regard her, she saw the malicious glint in his eyes and realised that exhausting her hat just been the first part of his plan. […] „Well I’ve always wondered what stunstrike did“, she heard Regin say. „Like to try it?“ (Kapitel 26, The Novice)

Für mich zeigt dies, dass Regin nicht einfach nur ein dummer Novize ist, der nicht weiß, was er tut oder sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Hinter all seinen Taten steckt jede Menge Berechnung, Skrupellosigkeit und kriminelle Energie. Wenn ich solche Szenen lese, dann wird mir regelrecht schlecht – insbesondere wenn ich daran denke, was Canavan in ihrer Fortsetzung getan hat (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Regin und Sonea). Abgesehen von der Tatsache, dass aus so etwas niemals eine gesunde Beziehung entstehen kann, ist es eine Frechheit, Regins Aktionen dort als ’dumme Novizenstreiche’ zu verharmlosen.

Auch Fergun weiß, dass er mit seiner kleinen Intrige die Regeln der Gilde bricht, doch insgesamt fehlen ihm die kriminelle Energie und die Persönlichkeit, um einen glaubhaften Bösewicht abzugeben. Als er Cery unter der Universität gefangen hält, bringt er ihm Essen und Decken und heilt sogar seinen Arm, als Cery ihn angreift und Fergun sich aus Reflex verteidigt. Ich scheitere an der Vorstellung, dass Regin so etwas tun würde. Fergun ist sich der Konsequenzen seines Tuns bewusst, sein Plan wirkt auf mich jedoch ziemlich willkürlich und mangelhaft durchdacht. Eine intelligente Vorgehensweise wie bei Regins Aktionen fehlt mir dabei weitgehend.

„I don’t know [if he’ll let me go]. He hasn’t been nasty. Thieves would’ve been worse.“ He hesitated. „I don’t think, he knows what he’s doing.“ (Cery, Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Fergun ist nur gegenüber jenen stark, die schwächer sind als er. Er hat keine Probleme damit, ein ganzes Haus auseinanderzunehmen und seine Bewohner obdachlos zu machen, aber ich bezweifle, dass er in der Lage wäre, Cery zu töten, so wie er es immer wieder androht. Er würde ihn verhungern lassen, ja, aber er ich traue ihm nicht zu, einen Menschen aktiv zu töten. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Charakterstärke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Regin zutrauen würde, doch in jedem Fall kennt er weitaus weniger Skrupel gegenüber seinen Opfern.

An einigen Stellen kann man Fergun die Unsicherheit sogar anmerken:

„Trust you?“ She snorted loudly and forced herself to stare into his eyes. „I want to see him. If I don’t, I might have to ask Administrator Lorlen if blackmail is a crime in the Guild.“

His lips curled into a sneer. „You’re in no position to make such threats.“

„Aren’t I? […] I know all about this kind of blackmail. I’ve lived with the Thieves, remember? You need to make it clear that you can carry out your threat. All I’ve seen is a dagger. Why should I believe you have its owner?“ She turned to meet his gaze and was gratified to see his stare falter. (Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Durch seine Vorgeschichte ist Fergun für mich eher unfreiwillig böse. Ich kann mir vorstellen, dass Regin sich mit dem Erwachsenwerden ein wenig mäßigt, aber diese Berechnung, die Skrupellosigkeit und seine Arroganz werden bestehenbleiben und ihn weiterhin zu solchen Aktionen befähigen. Fergun war nicht einmal in seiner Jugend nicht so schlimm, wie Regin es ist. Wir erfahren nicht viel über seine Zeit als Novize, doch seine Fehde mit Dannyl beruht auf Gegenseitigkeit. Beide spielen einander Streiche wie rivalisierende pubertierende Jungs es tun und Fergun rächt sich schließlich auf ziemlich widerwärtige Weise.

Fergun und Regin sind von ähnlichen Motiven getrieben. Beide sind aus reichem Haus, arrogant und der Meinung, dass Novizen aus den Hüttenvierteln in der Gilde nichts zu suchen haben, doch darüber hinaus sind sie zwei sehr unterschiedliche Personen.

Die Frage, welcher von beiden der Bösere ist, beantwortet sich für mich unter anderem durch ihre jeweilige Charakterstärke, ihre Skrupellosigkeit und das Maß ihrer kriminellen Energie. Und da liegt Regin für mich weit vorne. Fergun ist der komplexere Bösewicht von beiden, aber Regin ist eindeutig der skrupellosere. Angesichts dessen, was mir beim Schreiben dieses Artikels über Regin durch den Kopf ging (und das so zeitnah zum erneuten Lesen der Bücher), macht mich das Wissen um Canavans Fortsetzung noch einmal wütender.

Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir mit dieser Analyse zu oder findet ihr Fergun sehr viel schlimmer? Oder seid ihr sogar der Meinung, Regin und Sonea würden das perfekte Paar geben?

Das Klischee des gemobbten Waisenkindes mit Superkräften und warum wir es brauchen

In diesem Artikel geht es strenggenommen um zwei Klischees, die man in etwa wie folgt zusammenfassen kann:

Der Protagonist oder einer der Hauptcharaktere (im Folgenden der Einfachheit halber nur als Held bezeichnet) kommt aus einer sozial benachteiligten Gruppe in eine Gesellschaft, in der er als Außenseiter gilt (der klassische Underdog). Oft hat er seine Eltern verloren oder eine andere tragische Vergangenheit. Die neue Gruppe, in der er sich nun zurechtfinden muss, steht ihm ablehnend gegenüber, was bis hin zu Mobbing reichen kann. Das Ziel des Helden ist es, sich zu behaupten und den Respekt seiner Mitmenschen zu erlangen. In der Fantasy kommt oft noch hinzu, dass der Held außergewöhnliche Kräfte besitzt und/oder eine Prophezeiung erfüllen muss oder die Welt auf eine andere Weise rettet – und das unter Einsatz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten. Dies muss übrigens nicht zwingend in Kombination mit der Außenseiterrolle geschehen, denn wie gesagt, geht es hier eigentlich im zwei Klischees. Eine Kombination beider Klischees bietet jedoch mehr Potential für Konflikte und somit mehr Chancen für den Helden sich zu entwickeln, was die Spannung der Handlung steigert. Gerne hat der Held auch einen väterlichen Mentor, der ihm zur Seite steht. Manchmal verliert er diesen im Laufe der Geschichte auf die eine oder andere Weise und muss sich fortan allein durchschlagen.

Das gemobbte Waisenkind mit den Superkräften als Held einer Romanreihe kommt in seinen verschiedenen Varianten und Kombinationen der obengenannten Punkte zum Einsatz. J.K. Rowling verwendet es in Harry Potter, Trudi Canavan in The Black Magician, Brandon Sanderson in Mistborn, Rick Riordan in der Percy Jackson Reihe oder Suzanne Collins in der Hunger Games Trilogy – nur um einige zu nennen. Aber auch Filme wie Krieg der Sterne oder Karate Kid funktionieren auf diese Weise hervorragend.

Über Aussagen wie „Das Buch ist scheiße, weil es dieses Klischee enthält“ kann ich um ehrlich zu sein nur den Kopf schütteln. Natürlich muss man dieses Klischee nicht mögen und kann sich meinetwegen darüber ärgern, dass es so häufig in seinen unterschiedlichen Varianten aufgegriffen wird. Aber es gibt auch genug andere Bücher. Oft genügt es, sich den Klappentext eines Buches und einige Rezensionen durchzulesen, um zu wissen, worauf man sich einlässt. Die Frage, ob ein Buch schlecht ist, weil es ein bestimmtes Klischee aufgreift, begründet sich meines Erachtens vielmehr in seiner Umsetzung.

Bei keinem, der von mir gelesenen Bücher, die dieses Klischee in der einen oder anderen Weise enthalten, hatte ich bis jetzt den Eindruck, dass es an der Umsetzung scheitert. Stattdessen unterscheiden sich die Umsetzungen in ihrer Gesamtheit, so dass jedes Mal etwas Neues daraus entsteht. Dazu möchte ich kurz zwei Beispiele aus meinen Lieblingsbuchreihen vorstellen:

So besteht Harrys tragischer Hintergrund darin, seine Eltern verloren zu haben und von seiner Pflegefamilie schlecht behandelt zu werden. Kaum, dass er nach Hogwarts kommt, gerät er zudem in einer Rivalität mit Draco Malfoy, wie sie typisch für Jugendliche an einem Internat ist. Trotz der beiden Freunde, die Harry durch alle sieben Bücher treu zur Seite stehen, hat er dadurch, dass er Voldemort überlebt hat und der Auserwählte ist, eine Außenseiterposition inne. Er hat sogar zwei väterliche Mentoren, von denen einer im sechsten Band stirbt. Eine Superkraft besitzt Harry in dem Sinne nicht, zumal die Tatsache, dass er Voldemort zwei Mal überlebt, auf dem in dieser Buchreihe propagierten Prinzip der Liebe basiert. Dafür ist Harry jedoch Teil einer Prophezeiung und derjenige, der Voldemort am Ende aufhält. Eigentlich stehe ich Prophezeiungen immer ein wenig kritisch gegenüber, doch hier gefällt mir, dass Harry nur durch Zufall der Auserwählte ist, da es auch Neville Longbottom hätte treffen können. Und mir gefällt, dass Dumbledore durch die Offenlegung seiner Motive sich von dem Klischee des väterlichen Mentors schließlich fortentwickelt.

Vin aus der Mistborn-Trilogie hat sich mit ihrem Bruder in Diebesbanden durchgeschlagen, bis dieser eines Tages verschwindet. Ihre ’Superkraft’ besteht darin, eine außergewöhnlich starke Mistborn zu sein, was in ihren Blutlinien begründet liegt. Eine weitere scheinbare Superkraft basiert tatsächlich auf einem Artefakt der Hemalurgie, das sie unwissentlich trägt. In Kelsier findet sie einen Mentor, der am Ende des ersten Buches stirbt, und fortan muss sie ihr Training allein fortsetzen. Sie ist diejenige, die den Lord Ruler tötet, und wird im zweiten Teil der Reihe als der Hero of Ages gehandelt, was sich jedoch als eine Irreführung durch das eigentlich Böse herausstellt. An dieser Umsetzung gefällt mir besonders gut, dass Brandon Sanderson mit den bekannten Klischees spielt und sie ad absurdum führt. Ein ausführliches Review zum ersten Teil der Mistborn-Reihe findet ihr auch in meinem Zweitblog die anderen beiden folgen hoffentlich bald.

Da dieser Artikel im Zusammenhang meines Unmuts einer gewissen Forumsdiskussion steht, möchte ich an dieser Stelle auf die Umsetzung dieses Klischees in The Black Magician intensiver eingehen.

Das Klischee des gemobbten Waisenkindes mit Superkräften in ’The Black Magician’

Sonea ist das Mädchen aus der Unterschicht, deren magische Fähigkeiten sich durch Zufall von selbst entwickeln. Wie sich herausstellt, ist sie sogar eine besonders starke Magierin, da magische Kräfte durch einen anderen Magier entfesselt werden müssen. Wo andere Charaktere sich über diese Möglichkeit gefreut hätten, empfindet Sonea ihre Begabung jedoch als Fluch. Die Magie entgleitet mehr und mehr ihrer Kontrolle bis hin zu Soneas Beinahe-Tod, während sie von den Magiern gejagt wird. Es dauert, bis Sonea deren gute Absichten erkennt. Vertrauen fasst sie nur zu Rothen, dem väterlichen Mentor in dieser Geschichte. Auch wenn ich vielschichtige Charaktere für gewöhnlich vorziehe, so wirkt Rothen damit auf mich wie ein angenehmer Ruhepol – eine liebevoll gezeichnete Konstante, die einen Teil des Charmes der Bücher ausmacht. Ich würde ihn nicht anders wollen.

Als Sonea im zweiten Buch ihre Ausbildung an der Universität der Magier beginnt, widerfährt ihr sehr heftiges Mobbing durch die anderen Novizen, von denen sich genug zusammentun, dass sie trotz ihrer magischen Stärke nicht viel ausrichten kann. Mit einer Rivalität wie zwischen Harry und Draco hat das nicht mehr viel zu tun, obwohl auch dies ein häufiges Verhalten von Kindern gegenüber Außenseitern ist. Hier fällt dieses jedoch ganz besonders extrem aus, weil Regin aus einer reichen Familie stammt, in deren Augen Menschen wie Sonea Abschaum sind und er dementsprechend ohne Rücksicht auf Verluste vorgeht. Sonea hofft, Regin und seine Bande würden irgendwann von alleine aufhören, wenn sie sich nicht wehrt. Sie versucht ihren Peinigern aus dem Weg zu gehen, will nicht, dass andere davon erfahren, und traut sich nicht einmal, sich mit ihrer Magie zu verteidigen aus Furcht, jemanden ernsthaft zu verletzen.

Die Mobbing-Attacken werden schlimmer, als Sonea ihren väterlichen Mentor verliert und die Novizen herausfinden, dass sie ihren neuen Mentor zu sehr fürchtet, um ihn um Unterstützung zu bitten. Wo Sonea auf ihrer Flucht vor den Magiern Hilfe von ihren Freunden hatte, ist sie nun völlig auf sich gestellt und von Menschen umgeben, die auf sie herabsehen. Letztendlich gelingt es Sonea jedoch, sich gegenüber ihrem Peiniger zu behaupten und damit den Respekt der Magier und der anderen Novizen zu erlangen.

Im dritten Buch spielt Sonea eine tragende Rolle bei der Rettung Kyralias. Jedoch nicht auf Grund ihrer magischen Stärke, sondern weil sie bestrebt ist, das Richtige zu tun und zu schützen, was ihr lieb und teuer ist. Indem sie schwarze Magie erlernt, kann sie beliebig viel Magie in sich speichern, wodurch ihr eigenes magisches Potential, was zu Beginn so nach Klischee geschrien hat, hinfällig wird. Schwarze Magie fällt für mich nicht unter den Begriff Superkraft, weil jeder sie erlernen und mit genügend Quellen zu einer entsprechenden Macht gelangen kann. Ohne Soneas starkes magisches Potential wäre sie jedoch niemals von der Gilde entdeckt worden, hätte niemals die Magier ausspioniert und dabei deren Anführer beobachtet – und das hätte niemals dazu geführt, dass sie seine Novizin wird und sich seinem Kampf gegen die Feinde der Gilde schließlich anschließt.

Für mich liegt Soneas Superkraft weniger in ihrer natürlichen magischen Stärke, mit der sie Regin die Lektion seines Lebens erteilt, als in ihrem Kampfgeist. Dieser braucht zwar eine Weile, um geweckt zu werden, aber ist dieser erst einmal erwacht, kann man sich davon eine dicke Scheibe abschneiden. Sonea besitzt eine überaus starke Moral und ist bereit, ihre Vorurteile gegenüber anderen zu überwinden. Und nicht zuletzt schafft sie all dies aus eigener Kraft, weil sie die meiste Zeit über auf sich gestellt ist und die Personen, die ihr wohlgesonnen sind, jenseits ihrer Reichweite liegen.

An Canavans Umsetzung gefällt mir vor allem die Entwicklung, die Sonea durchlebt, indem sie scheinbar unüberwindliche Hürden überwindet und an sich wächst. Diese ist in meinen Augen sehr realistisch gehalten. Auch gefällt mir, dass die Bücher verschiedene Aspekte des gesamten Klischees in sich abgeschlossenen Storylines behandeln und damit Stationen von Soneas Entwicklung sind. Das macht ihren Werdegang in meinen Augen umso realistischer, weil man nicht mit dem Klischee in seiner Gesamtheit erschlagen wird. Allerdings ist es auch anstrengend ein ganzes Buch lang zu lesen, wie Sonea den Mobbing-Attacken der anderen Novizen ausgesetzt ist. Man will, dass es aufhört und denkt, die Figur entwickelt sich nicht weiter. Aber genau das macht die Schilderung so realistisch, da Sonea ein typisches Opferverhalten zeigt. Gut gefällt mir auch, dass Sonea zwar durch ihr magisches Potential eine Art ’Superkraft’ besitzt, diese am Ende jedoch nicht dafür verantwortlich ist, dass sie Kyralia rettet, sondern dass sie ein Prinzip verwendet, das jeder Magier lernen kann und das zumindest innerhalb der Gilde als höchst verwerflich angesehen wird. Sie und Akkarin zeigen auf diese Weise außerdem auch, dass schwarze Magie nicht böse ist, womit im Übrigen ein weiteres Klischee aufgelöst wird.

Es gibt auch einige Punkte, die mich an der Umsetzung stören. Zu Soneas extrem starken, magischen Potential habe ich im ersten Artikel dieser Reihe schon etwas geschrieben. Als Antagonist ist Regin ein sehr flacher Charakter, der sich nicht entwickelt und nach dem Finale des zweiten Buches bis zum Ende der Reihe in der Versenkung verschwindet. Dort wird angedeutet, dass er seine Taten bereut und Wiedergutmachung leisten will. Doch dies tut er nie. Außerdem stört mich, dass nachdem Canavan das Mobbing-Thema in The Novice so realistisch behandelt hat, es in ihrer Fortsetzung so extrem unsensibel angeht (siehe dazu auch diesen Artikel). Dies ist jedoch strenggenommen kein Fehler an der Umsetzung in The Black Magician. Auch stört mich trotz der realistischen Schilderung, dass der Fokus im zweiten Buch so sehr auf der Sonea-Storyline liegt, während die eigentliche Handlung in den Hintergrund rückt. Aber dies vertage ich auf einen anderen Artikel.

Warum brauchen wir gemobbte Waisenkinder mit Superkräften?

Oft sind Bücher wie Harry Potter oder The Black Magician für Jugendliche und Erwachsene gut zu lesen. Als Erwachsener fühlt man sich bei ihrer Lektüre auf magische Weise wieder ein kleines Stück in seine Kindheit versetzt. Sie bedienen unsere Träume und Sehnsüchte und lassen uns Abenteuer erleben, die uns in unserem Erdendasein verwehrt sind.

Aber sie schaffen noch viel mehr als das. Die in diesen Büchern dargestellten Helden sind wie Freunde. Sie sind Figuren, mit denen wir uns identifizieren und in denen wir uns zu einem gewissen Teil wiederfinden. Wir lieben und leiden mit ihnen, weil sie uns so nahe sind, und schöpfen daraus Kraft. Und sie lehren uns wichtige Lektionen, mit denen wir unser eigenes Leben meistern können. So lehrt uns Harry echte Freundschaft, und dass Liebe stärker als der Tod ist, und entführt den Leser auf magische Weise in die eigene Kindheit. Ich habe sogar von Menschen gehört, die sich mit Harry Potter aus einer Depression gekämpft haben.

Sonea lehrt uns, nicht aufzugeben, egal wie viele Steine einem das Leben in den Weg legt. Sie lehrt uns zu kämpfen und über sich hinauszuwachsen und für das einzustehen, was einem lieb und teuer ist. Ein Mensch, der selbst gemobbt wird, findet durch sie möglicherweise sogar den entscheidenden Anstoß, aufzustehen und sich endlich gegen seine Peiniger durchzusetzen. Durch Sonea habe ich mich selbst gefunden. Und sie hat mich gelehrt, dass eine Begabung eine Bereicherung für andere Menschen sein kann, wenn man sie zu beherrschen lernt. Denn dann hört sie auch auf, ein Fluch für einen selbst zu sein.

Ist dieses Klischee ausgelutscht? Vielleicht ist es das. Aber das gilt dann auch für andere Klischees und andere Genres. Und es ist gewiss auch eine Frage von Angebot und Nachfrage, welche Art von Buch gerade gehypt wird und ob andere Autoren auf diesen Zug auspringen. Es existieren so viele Geschichten, dass es schier unmöglich geworden ist, das Rad neu zu erfinden. Man kann Setting, Charakterkonstellationen und Rahmenhandlungen ändern, aber auch dort werden sich Elemente finden, die auch anderswo enthalten sind. Am Ende läuft es auf die Art und Weise der Umsetzung einer Idee hinaus. Und ich finde nicht, dass das etwas Positives ist. Denn es schafft zahlreiche Facetten von ein und derselben Ausgangsidee. Ein altbewährtes Thema in einem völlig neuen Kontext zu bringen, kann somit auch überaus spannend sein.

Nicht zuletzt sind für viele Leser dieser Art von Geschichten von essentieller Bedeutung, weil sie ihr Leben verändern oder einfach nur Balsam für die geschundene Seele sind.

Der Underdog, der sich aus seiner Situation emanzipiert und vielleicht sogar die Welt rettet, ist und bleibt ein Symbol für die Träume und Sehnsüchte der Leser. Deswegen wird sich dieses Klischee mit Sicherheit noch lange der Beliebtheit vieler Leser erfreuen.

Nächster Artikel: Magier in Parallelgesellschaften und warum es nicht der menschlichen Natur entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben

Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin

Oder auch: Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, gesunder Menschenverstand ist ein anderes Thema

Warnung: Der folgende Artikel ist nicht nett. Ich nehme mit seiner Veröffentlichung in Kauf, dass ich mir Feinde mache und beleidigte Leser meine Geschichten aus ihren Favoriten nehmen oder sich weigern, mir weiterhin Reviews zu schreiben. Aber dieses Thema macht mich unglaublich wütend und ich kann meine Meinung dazu nicht länger zurückhalten. Mein Verstand weigert sich zu begreifen, wie man das Pairing Sonea & Regin gutheißen kann und es kotzt mich an, wenn ich irgendwo jemanden deswegen rumquietschen sehe oder entsprechende Geschichten finde.

Als ich in meiner Anfangszeit auf Fanfiktion.de erstmals erfuhr, dass Sonea und Regin in Canavans Fortsetzung von ’The Black Magician’ ein Paar werden, war mein erster Gedanke „Das klingt nach einer schlechten Fanfiction.“

Dieser Gedanke ist bis heute geblieben. Er hat mir das Lesevergnügen von ’The Novice’ verdorben, weil mir auf Grund dieses Wissens jedes Mal schlecht wird, wenn Regin und Sonea sich begegnen. Ich verspüre einen inneren Ekel, wenn ich für meine eigene Fortsetzung Szenen schreibe, in denen die beiden aufeinandertreffen. Ich will hier nicht darüber spekulieren, warum Canavan das getan hat* – Fakt ist, dass sie es getan hat. In jedem Fall ist es ein unsensibler Umgang mit dem Thema Mobbing. Aber dazu gleich mehr.

Regin und Sonea als Paar – das ist die schlimmstmögliche Charakterkonstellation, die ’The Black Magician’ zu bieten hat. Und im Folgenden erläutere ich, warum.

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