Schlagwort: Hochsensibilität

Von Neid, Angst und Unsicherheit und dem Bedürfnis alles hinschmeißen zu wollen

Von Neid, Angst und Unsicherheit und dem Bedürfnis alles hinschmeißen zu wollen

Eigentlich sollte es in diesem Artikel um einen Artikel des Autors Sven Hensel gehen, den ich heute Morgen gelesen habe und der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. In jenem Artikel geht es um Neid unter Autoren, wo dessen Ursachen liegen und wie man damit umgehen kann.

Dieser Artikel löste eine ganze Kettenreaktion unerwünschte Emotionen aus, angefangen von der Erkenntnis, dass ich gegenüber anderen Autoren in meinem Fandom einen unausgesprochenen Neid empfinde, über das Begreifen, dass dieser aus Ängsten und Selbstzweifeln resultiert, was schließlich in dem unbändigen Bedürfnis endete, alles hinzuschmeißen, weil es ohnehin keinen Zweck hat.

Und dabei ging mir auf, dass es nicht mit der Zeit besser wird, weil ich abhärte und mit Niederlagen und Reviewflauten umzugehen lerne. Im Gegenteil. Es wird schlimmer. Weil ich mit jedem Mal sensibler werde, bis meine Ängste und Zweifel mich zu ersticken drohen.

Ich höre schon wieder diejenigen, die mir sagen, dass ich doch überhaupt keinen Grund habe, neidisch zu sein, weil meine Geschichten doch so viel besser wären, als die durchschnittliche Fanfiction. Aber zählt das in diesem Genre? Ist in einem Genre, in dem die meisten Leser Fanfictions lesen wollen, überhaupt Platz für Geschichten wie meine?

Oft habe ich das Gefühl, gegen Windmühlen zu kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass ich mir noch so den Arsch aufreißen kann, um gute in-canon Geschichten abzuliefern – Geschichten, die den Geist des Originals leben – und kann damit weder den typischen Fanfiction-Leser noch die nicht-Fanfiction-Leser erreichen. Weil meine Geschichten weder klassische Fanfictions noch echte Bücher sind. Von einhundert potentiellen Lesern (= Fans des Originals) kann ich gefühlt einen für meine Geschichten begeistern. Die anderen lesen vermutlich lieber klassische Fanfictions oder echte Bücher. 1/100 mag für andere nach Erfolg klingen. Für mich schmeckt es nach Versagen.

So fühlt es sich zumindest an.

Auch fühlt es sich an, als müsste ich darum kämpfen, die Leser zu halten. Ich bemühe mich, regelmäßige Updates über meinen Schreibprozess auf Twitter, FB und meinem Blog zu posten, veröffentliche Leseproben und kleine Textausschnitte. Ich antworte freudig auf Reviews und Mails, habe es ohne einleitendes Blabla vor einem neuen Kapitel versucht, sowie mit einleitendem Blabla und Danksagungen an die Reviewschreiber. Ich habe es ohne Fragen am Ende der Kapitel versucht, mit Fragen und sogar mit dem wiederholten Hinweis, dass diese optional sind, weil ich den Eindruck hatte, dass sie auf einige Leser eher verunsichernd wirken,

Vielleicht bin ich zu ungeduldig, aber seit dem Ende von ’Die zwei Könige’ ist das Interesse an meiner alternativen Fortsetzung bemerkenswert rückläufig. Bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ ist es ähnlich. In den vergangenen beiden Monaten war ich wiederholt kurz davor, die Geschichte ein drittes Mal abzubrechen und habe mich dann (obwohl es mich zu viel meiner Kraft kostet) dazu entschieden, die Geschichte noch zu Ende zu bringen und anschließend zu pausieren.

Im Augenblick fällt es mir schwer, diese Kraft weiterhin aufzubringen. Wenn ich bei einer der fraglichen Geschichten ein Review pro Kapitel bekomme, kann ich mich schon glücklich schätzen. Ich weiß, dass andere Autoren froh wären, überhaupt einmal ein Review zu bekommen, aber ich weiß, dass es bei mir einmal anders war.

Ich kann es nicht als vorübergehende Reviewflaute abhaken, auch wenn ich das gerne würde. Es wirft in mir die Frage auf, ob die Geschichten überhaupt noch etwas taugen. Es verursacht Angst.

Die Angst, hinter vorgehaltener Hand für meine Geschichten ausgelacht zu werden.

Die Angst, nicht zu genügen.

Und die Angst, versagt zu haben.

Im Hinblick auf ’Schwärzer als die Nacht’ bereitet mir das jetzt schon Bauchschmerzen. Und doch habe ich den Start auf nächsten Januar angesetzt, weil mir die Geschichte wichtig genug ist, um ihr diese Chance zu geben. Als wenn es mich der aktuelle Verlauf von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ nicht schon genug plagen würde, frage ich mich zugleich, ob die dreimonatige Pause bis zur Fortsetzung eine so gute Idee ist. Was, wenn sie mich auch den Rest der Leser kostet, die noch still mitlesen? Was, wenn in dieser Zeit eine andere Geschichte gepostet wird, die diese in den Schatten steht? Was, wenn eine lange vernachlässigte, aber einst beliebte Geschichte wieder aufgegriffen wird? Was, wenn meine Geschichten sich allmählich ausgelutscht haben?

Ihr seht es vermutlich schon: Neid, Zweifel und Ängste lassen wieder grüßen.

Mit ’Yukai’ ist es ähnlich. Hier frage ich mich, ob der 3. Teil die Erwartungen der Leser überhaupt noch halten kann, nachdem ’Die zwei Könige’ so voll mit Drama war. Meine Testleser, obwohl ich ihrem Urteil absolut vertraue, können dabei auch nur bedingt Abhilfe verschaffen. Sie können mich darin bestärken, dass ich mir keinen Schrott zusammengeschrieben habe. Aber sie können nicht verhindern, dass ich mich vor dem Rest entblößt fühle. Als würde ich nackt vor eine Menschenmenge stellen und alle würden mich nur anstarren oder hinter vorgehaltener Hand tuscheln.

Die Angst, Leser zu verlieren ist immer präsent. So wie die Angst vor Kritik, die Angst nicht wahrgenommen zu werden und die Angst zerrissen zu werden. Bei jeder neuen Geschichte. Bei jeder Reviewflaute

Meine Zielgruppe ist sehr klein, obwohl ich mich durch Social Media bemühe, sowohl die typischen Fanfiction-Leser, als auch nicht Nicht-Fanfiction-Leser zu erreichen. Aber das ist häufig eher mit Frust als mit Spaß verbunden. Und mit der Angst, den Leuten auf die Nerven zu gehen.

Und damit beißt sich die Katze in den Schwanz. Und damit kommt der Neid. Egal, ob die anderen wirklich beliebter und erfolgreicher sind oder bessere Geschichten schreiben, sie werden als potentielle Bedrohung angesehen, was bei genauerem Betrachten idiotisch ist. Sven hat das in seinem Artikel sehr schön beschrieben und ich kann es aus meiner Erfahrung nur unterschreiben.

Manchmal droht dieser Kampf mich aufzufressen. Ich versuche, Content zu posten, freudig und ausführlich auf Mails und Reviews zu antworten und die Leser auf dem Laufenden zu halten. Aber wenn ich mir ansehe, wie es gerade wieder einmal bei meinen aktuellen Geschichten läuft, möchte ich mich lieber tröstend unter der Dusche umarmen, als mich weiterhin fröhlich zu geben. Und dann möchte ich am liebsten alles hinschmeißen und nur noch für mich schreiben. Wissend, dass mich das auf Dauer auch nicht glücklich machen würde, weil das Bedürfnis zu teilen, was mich bewegt und erfüllt zu groß ist.

Wenn es mir so geht wie heute, dann glaube ich, dass es ein Fehler war, meine Geschichten zu veröffentlichen. Es wirft die Frage auf, ob ich für diesen ’Job’ überhaupt geeignet bin. So glücklich es mich macht, wenn ich andere glücklich machen kann, so häufig frisst es mich auf, macht mich verletzlich und stürzt mich in Selbstzweifel, die ich nicht hatte, als ich meine einzige Leserin war.

Vielleicht hätte ich es einfach lassen sollen. Ich wusste schon, als ich erstmals mit dem Gedanken spielte, meine Geschichten zu veröffentlichen, dass ich dem nicht gewachsen bin. Dass ich zu sensibel bin. Dass ich vielleicht daran kaputtgehe. Ich habe es trotzdem getan. Und jetzt stecke ich zu tief drin, als dass ich unbeschadet wieder aus der Sache rauskomme. Ich könnte mein Profil auf FF.de löschen, den Blog einstampfen und meine Social Media Profile löschen. Aber damit würde ich mir mindestens ebenso weh tun, als wenn ich es bis zum bitteren Ende durchziehe.

Diesen Schritt würde ich nur tun, wenn Weitermachen meiner Gesundheit zu massiv schaden würde. Ich hoffe zu sehr darauf, dass es eines Tages besser wird oder dass ich irgendwann endlich daran wachse. Für den Augenblick geht es mir damit jedoch schlecht und ich versuche nach dem Motto „The Show Must Go On“ weiterzumachen.

Was bleibt also?

Ich weiß, woher mein Neid kommt. Ich weiß, woher die Selbstzweifel kommen. Aber das löst das Problem für mich nicht. Ich kann mir noch so sehr vor Augen führen, was ich mit meinen Geschichten alles schon erreicht habe, mir ins Gedächtnis rufen, dass ich auf die Meinung und Kompetenz meiner Testleser vertrauen kann – es wird nicht gegen die Angst helfen, nicht wahrgenommen zu werden, nicht zu genügen und dass meine Geschichten nicht taugen, um die vielen Fans der Bücher zu erreichen. Es wird das Gefühl bleiben, mich auf unangenehme Weise zu entblößen, weil ich mit meinem Geschichten sehr Persönliches von mir preisgebe und mein Innerstes nach außen kehre.

Vielen Dank fürs Lesen.

PS: Falls jemand den ultimativen Tipp hat, wie man als hochsensibler Autor mit solchen Dingen umgehen kann, nur her damit. Was das betrifft, bin ich mit meinem Latein allmählich am Ende.

Starttermin für Teil 2 der Akkarin-Trilogie steht endlich

Nachdem ich euch gestern mit den Covern bombardiert und in der Zeit davor bei einigen von euch Andeutungen gemacht habe, dass Teil 2 meiner der Schwarze-Sonnen-Trilogie*, wie meine Trilogie über Akkarin jetzt offiziell heißt, fürchte ich, dass ich euch eine Erklärung schuldig bin.

Teil 2, der, um ins Namenskonzept zu passen, jetzt offiziell unter dem Titel ’Schwärzer als die Nacht’ läuft wird nicht wie geplant am 18. Oktober starten.

Der Grund ist folgender:

Vor ca. drei Wochen habe ich von einer der beiden Testleserinnen, denen ich die Geschichte schon geschickt hatte, das Feedback zu den ersten 10 Kapitelb bekommen, wobei sich herausstellte, dass noch einiges an der Geschichte getan werden muss. Beim Schreiben habe ich mich so sehr auf Akkarins Entwicklung konzentriert, dass mir dabei ein paar andere Dinge, die jedoch wichtig sind, um die Geschichte rund zu machen, durch die Lappen gegangen sind.

Das ist mir in dieser Form noch nie passiert und ich denke, das hat zum Teil auch mit meiner persönlichen Situation zu tun, als ich die Geschichte vergangenes Jahr schrieb. Weil ich bei Akkarin etwas heilen wollte, was ich bei einem anderen Menschen nicht heilen kann. Zudem war die Überarbeitung im April dank meines Stalkers eine regelrechte Katastrophe.

Daraufhin sagte ich der zweiten Testleserin, sie solle mit dem Lesen warten, bis ich die Anmerkungen übernommen habe – was sie zum Glück nicht getan hat. Eine weitere Meinung zu bekommen, war sehr hilfreich und ich bin den beiden Damen für ihre Arbeit und ihre Geduld in Bezug auf meinen Diskussionsbedarf zutiefst dankbar.

Also habe ich die vergangenen zweieinhalb Wochen mit der mittlerweile dritten Überarbeitung verbracht. Dieses Wochenende habe ich beiden noch einmal die ersten 10 Kapitel geschickt, weil ich unsicher war, ob ich sie nicht verschlimmbessert habe. Gerade in der ersten Woche der Überarbeitung hat mich das wiederholt in Selbstzweifel gestürzt. Ich habe mich gefragt, ob ich mit einer Geschichte über Akkarin an die Grenzen meines Schreibtalents stoße, oder ob ich in Wirklichkeit genauso schlimm bin, wie jene, über die ich mich so gerne im Stillen ärgere.

Continue reading „Starttermin für Teil 2 der Akkarin-Trilogie steht endlich“

Wie ein Baby so stark polarisieren kann und mich damit so viele Nerven kostet

Wie ein Baby so stark polarisieren kann und mich damit so viele Nerven kostet

Seit dem letzten Kapitel von ’Die zwei Könige’ habe ich so viele polarisierende Meinungen zu einem gewissen Baby erhalten, dass ich die ganzen Diskussionen darüber gerade so ein bisschen leid bin. Ich habe im Laufe meiner Trilogie häufig mit Unverständnis und Kritik gerechnet und war überrascht, wenn keine kam, wie etwa bei den folgenden Themen:

  • Die Entscheidung des Königs, die Diebe als Stadtwache der Hüttenviertel einzusetzen
  • Die D/s-Beziehung von Sonea und Akkarin (jene Leser verschwinden jedoch meistens schnell, weil ihnen Akkarin nicht weichgespült genug ist)
  • Soneas Entführung durch Marika
  • Dass die Gilde Akkarin schließlich wieder zum Hohen Lord wählt

Dass es jedoch ausgerechnet bei einer Sache passiert, der ich in dieser Hinsicht nur wenig Bedeutung beimesse, hat mich ziemlich von den Socken gehauen. Es hat mich schockiert, dass ein Baby das auslösen kann und in mir die Frage aufgeworfen, ob ich mit dieser Entwicklung etwas Grundsätzliches falsch gemacht habe. Während ich Babies in Geschichten und Serien häufig als störend empfinde, wenn um sie viel übertriebenes Drama gemacht wird und sie den Hauptcharakteren die Show stehlen, ging ich davon aus, dass dieses eine Baby bei der überwiegend weiblichen Leserschaft auf Begeisterung stoßen würde. Denn ich dachte immer ganz naiv, dass jeder Babies liebt.

Continue reading „Wie ein Baby so stark polarisieren kann und mich damit so viele Nerven kostet“

Wenn man nirgendwo so richtig hingehört

Ich habe lange überlegt, ob ich zu diesem Thema etwas schreiben soll, weil es mich inzwischen seit mehr als einem Jahr beschäftigt. Nachdem ich dazu heute jedoch eine Twitterdiskussion gestartet habe, bei der ich wieder einmal Schwierigkeiten hatte, mein „Problem“ in 140 Zeichen zu fassen, ließ es sich dann jedoch nicht mehr aufhalten. Im Laufe des Tages habe ich versucht zu ergründen, warum ich mich im Bezug auf das Autorendasein so sehr als Außenseiter empfinde und warum ich häufig regelrecht darunter leide.

Dieser Artikel soll übrigens nicht zerreden, was mehrere liebe Menschen heute mit viel Geduld und Nachsicht versucht haben, mir beizubringen, sondern einfach nur beschreiben, wie es mir auf meinem einsamen Posten „Chaos-Discovery-Autorin-die-Fanfictions-wie-ein-Fantasyepos-schreibt“ ergeht.

Nämlich scheiße.

Schon solange ich denken kann, habe ich Probleme damit, mich in einer Gruppe nicht als Außenseiter zu fühlen. In glaube, dass meine Hochsensibilität und meine Introvertiertheit mir da häufig einen Strich durch die Rechnung machen, wo andere einfach drüber wegsehen würden. Aber wenn man HSP ist, dann ist alles per Definition erst einmal schwerer, herausfordernder und komplizierter.

Continue reading „Wenn man nirgendwo so richtig hingehört“

Soneas Sumikränzchen: Kamelot, Faust und die Leiden des jungen Akkarin

Soneas Sumikränzchen: Kamelot, Faust und die Leiden des jungen Akkarin

Beim heutigen Sumikränzchen möchte ich euch erzählen, was die Musik der Band Kamelot mit meiner Geschichte über Akkarins Zeit als Sklave ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ zu tun hat.

Musik war für mich schon immer ein zentraler Bestandteil meines Lebens und ich brauche sie wie die Luft zum Atmen. Sie wirkt wie ein Verstärker auf meine Emotionen, sie tröstet, sie bewegt, sie macht mich glücklich, sie inspiriert und sie motiviert. Ohne sie wären mein Leben ein ganzes Stück weniger farbenfroh.

Zu vielen Liedern habe ich Szenen und Bilder im Kopf, die zu den Geschichten gehören, an denen ich gerade arbeite, oder zu Geschichten, die erst noch geschrieben werden wollen. Häufig sind das einzelne Lieder, selten ein ganzes Album. Diese Lieder machen mir gute Laune, motivieren mich und versetzen mich in einen Flow, in dem ich arbeiten, lernen oder schreiben kann, ohne damit jemals wieder aufhören zu wollen. Damit kann ich Prokrastination häufig sogar im Keim ersticken und beim Schreiben sprudeln die Ideen mit Musik wie von selbst. Es gibt auch Lieder, die nur dieses Gefühl auslösen, letztendlich ist es für das Schreiben jedoch irrelevant, weil ich meine Playlist einfach laufen lasse und die Phantasien häufig in Situationen kommen, in denen ich nicht schreibe, wie z.B. beim Joggen oder beim Kochen.

Auf diese Weise funktioniere ich kreativ und schöpferisch, solange ich denken kann. Musik ist ein Ventil, ein Katalysator, um meine Emotionen auf Papier zu bringen.

Und dann habe ich auf der Suche nach guter Musik vor ungefähr zwei Jahren die wunderbare Band Kamelot entdeckt. Kamelot machen sehr anspruchsvollen Power-Metal mit melodischen und progressiven Elementen und die meisten ihrer Alben sind Konzeptalben. Ich habe sie ungefähr zu der Zeit entdeckt, zu der ich meine Kurzgeschichte über Takan ’Die Erfüllung’ schrieb, wozu ich mich erstmals mit Akkarins Vergangenheit intensiver auseinandersetzte. Ich fand sehr schnell Gefallen an Memento Mori, einem einfach epischen Song, dessen Melodie und Text sofort Assoziationen zu Akkarin auslösten. Durch Memento Mori kam ich auch mit den übrigen Songs auf dem Album ’The Black Halo’ in Berührung und fand darüber heraus, dass es eine Interpretation Goethes Faust II ist. Das Vorgängeralbum ’Epica’, nachdem sich die Band um die wunderbare Simone Simons benannt hat, entspricht dabei Faust I.

Schon in der Schule war ich ein großer Fan von Faust – es war eine der einzigen wenigen guten Lektüren, mit denen meine Deutschlehrer mich gefoltert haben. Bei Faust faszinierte mich als angehende Physikerin vor allem das Gott vs. Wissenschafts-Thema. Und Mephisto war der erste Antagonist, der mich begeistern konnte.

Irgendwie kam dann im Frühjahr 2014 alles zusammen. Die Geschichte über Takan, die Musik, Faust und Akkarin. Ich war so begeistert, dass ich mir die beiden Alben kaufte und über Tage und Wochen rauf und runter hörte. Dabei entstanden immer mehr Gedankenfetzen zu ’Unter tausend schwarzen Sonnen’, so dass ich Ende April 2014 anfing, erste Szenen aufzuschreiben.

Weil ’The Black Halo’ und ’Epica’ nur eine Interpretation von Faust I+II sind, war einiges anders, doch die Texte lösten bei mir unzählige Assoziationen zu einem Akkarin aus, der auszog, um die Geheimnisse der Magie zu erforschen und dabei mit dem Bösen in Kontakt gerät. Einem Akkarin, der die Frau verliert, die er liebt, und der sich schließlich dieser dunklen Macht hingibt. Natürlich ist nicht alles bei Kamelot und Goethe gleich. So wie die Parallelen zwischen Akkarins Geschichte und beiden Dingen wiederum speziell sind.

Aber es muss auch nicht zu 100 % oder zu 50 % oder welchem Anteil auch immer übereinstimmen. Wenn man sich die Zitate über den Kapiteln ansieht, dann ist die Geschichte, die Kamelot in ihren beiden Alben erzählen durcheinandergewürfelt und es fehlen Stücke. Weil es eine andere Geschichte ist. Aber die Zitate passen auf die Kapitel und sie haben mich inspiriert. Als ich ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ im Camp-NaNoWriMo Juli 2014 schrieb, habe ich diese Alben und alle anderen von Kamelot noch exzessiver gehört (mit einem mehrwöchigen Verbot zuvor, um beim Schreiben so richtig abzugehen). Trotzdem würde ich ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ nicht als Songfic bezeichnen, weil ich die Zitate nur als Ergänzung und Bereicherung der Geschichte sehe.

Da aus meinen Ideen inzwischen eine Trilogie mit dem flapsigen Arbeitstitel ’50 Shades Of Akkarin’ geworden ist (was nichts mit dem Schundroman zu tun hat, sondern darauf anspielt, wie viele Facetten seiner Persönlichkeit ich durch das Schreiben über seine Vergangenheit hervorgeholt habe), werden natürlich auch in den Kapiteln von Teil 2 ’Darker Than Black’ und Teil 3, den ich diesen Juli im Camp schreiben werde, passende Songzitate vorkommen. Das neuste Album ’Haven’ hat mich letztes Jahr sehr zum Schreiben von ’Darker Than Black’ inspiriert. Ihr könnt euch also denken, was ich letzten Sommer bevorzugt gehört habe. (Wobei ich zugeben muss, das meistens frühmorgens gehört zu haben und an heißen Tagen und Abenden habe ich sehr viel Dream Theater gehört, was überhaupt keine Akkarin-Assoziationen bei mir auslöst).

Aber auch ’Ghost Opera’ und ’Poetry For The Poisoned’ haben mich zu ’Darker Than Black’ inspiriert. Ich bin gespannt, was es diesen Sommer wird. Ein neues Album steht leider gerade nicht an, aber das macht nichts, weil ’Haven’ und ’The Black Halo’ noch sehr viel Inspiration bieten.

Aber Kamelot ist mehr als das. Ihre Musik ist für mich zu einem musikalischen ’The Black Magician’ geworden. So wie ich es nie leid werde, die Bücher zu lesen, könnte ich die Alben täglich rauf und runter hören. Häufig tue ich das sogar noch immer, weil es einfach etwas für die Seele ist. Ich könnte stundenlang in dem Zusammenspiel von Klängen, harten und weichen Elementen, dem Heraushören klassischer Instrumente, der Stimme von Roy Khan bzw. seit zwei Alben Tommy Karevik und den Texten schwelgen. Obwohl ich sehr viel großartige Musik vor allem im Bereich Metal kenne, ist Kamelot in dieser Hinsicht für mich außergewöhnlich und einzigartig. Ich kann nur jedem empfehlen, sie sich einmal anzuhören.

Und vielleicht ist es auch einfach so, dass eine außergewöhnliche Sache bei mir eine andere außergewöhnliche Sache bedingt, weil sie irgendwo tief unten auf denselben Ursprung zurückzuführen sind.

Soneas Sumikränzchen: Die Buch-Sonea & ich

Soneas Sumikränzchen: Die Buch-Sonea & ich

Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu meinem allerersten Sumikränzchen. Es war nicht gerade leicht, ein Thema zu finden, um diese Reihe zu eröffnen, weil es so viele Dinge gibt, über die ich erzählen könnte. Am Ende habe ich mich jedoch dazu entschieden, euch von meiner ganz persönlichen Heldin zu erzählen. Und davon, was mich mit ihr verbindet.

Denn diese Verbindung hat viel dazu beigetragen, dass ich angefangen habe, Fanfiction zu meinen Lieblingsbüchern zu schreiben. Und sie hat mich persönlich verändert.

Continue reading „Soneas Sumikränzchen: Die Buch-Sonea & ich“

Ein Schrecken ohne Ende oder lieber ein Ende mit Schrecken?

Ich habe lange überlegt, ob ich das hier schreiben soll, während ich noch im Prozess der Entscheidungsfindung stecke oder euch vor vollendete Tatsachen stellen soll. Beides erscheint mir auf die eine oder andere Weise unfair. Ersteres, weil mir Rumgeheule wie ein Heischen nach Aufmerksamkeit vorkommt und ich mich selbst damit der Hoffnung aussetze, dass es vielleicht etwas ändert. Letzteres, weil es mir irgendwie grausam erscheint und euch die Chance nimmt, sich dazu zu äußern, sofern ihr das wollt, zumal ich selbst viel zu gut weiß, wie sich das anfühlt.

Da ich mit meiner Entscheidung jedoch noch nicht zu einem Ergebnis gekommen bin und das, was in mir vorgeht, raus muss, weil ich es schon zu lange mit mir herumtrage und es mir damit immer schlechter ergeht, habe ich mich für Ersteres entschieden.

Ich bin kurz davor, das Hochladen von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ erneut abzubrechen. Dieses Mal vielleicht sogar für immer.

An den letzten beiden Samstagen habe ich kein neues Kapitel hochgeladen. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil ich es einfach nicht mehr über mich bringen konnte. Es zu tun, war mit zu viel emotionalem Stress und Ängsten verbunden.

Nach der Leserabstimmung im Herbst hatte ich der Geschichte noch eine Chance gegeben. Im Nachhinein komme ich mir dumm vor, weil ich damals geglaubt habe, es würde dieses Mal besser laufen. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, hatte ich auch da schon diese Angst, dass alles genau so kommen würde, wie beim ersten Versuch die ganze Zeit im Hinterkopf.

Im November waren bereits erste Anzeichen zu sehen, dass es wieder genau so läuft wie beim ersten Versuch, aber ich entschied, mich da durchzubeißen und bis Weihnachten weiterzumachen, zumal der NaNoWriMo mich in einen solchen Schreibrausch versetzte, dass ich dieses Problem ein Stück beiseiteschieben konnte. Tatsächlich lief es im Dezember auch wieder besser, was vermutlich auch dem Adventskalender zu verdanken war. Ich hatte sogar die Hoffnung auf einige neue Leser. Inzwischen kann ich jedoch wieder froh sein, wenn ich überhaupt ein Review für ein neues Kapitel bekomme.

Ich weiß nicht, ob es an der alljährlichen Weihnachtspause lag, doch danach war es mit einem Mal vorbei. Und jetzt stehe ich wieder da, wo ich letztes Jahr im Frühsommer stand.

Im Augenblick kämpfe ich noch mit mir. Ich kämpfe mit mir, ob ich diesen Schritt wirklich tun soll, denn wenn ich das tue, dann wird es dieses Mal vielleicht für immer sein. Letzte Woche hatte ich für einen oder zwei Tage (auch dank eines sehr motivierenden Mailverkehrs mit einem lieben Leser oder einer lieben Leserin – das weiß ich leider nicht so genau) die Zuversicht, es am Samstag noch einmal zu versuchen und am Ende des Kapitels einige konkrete Fragen zu stellen in der Hoffnung, dann das Feedback zu bekommen, was ich so dringend brauche, um nicht das Gefühl zu haben, dass diese Geschichte in den letzten Wochen nicht einen total grottigen Verlauf genommen hat und ich mit meinem Lieblingscharakter etwas ganz Furchtbares fabriziere.

Dann kam der Samstag und die Angst war mit einem Mal wieder so groß, dass ich es gelassen habe.

Noch versuche ich mich dazu durchzuringen, ein neues Kapitel einzustellen, aber die Angst ist weiterhin da. Dass es nun schon zwei Kapitel sind, die nicht fristgerecht hochgeladen wurden, und das nur einer einzigen Person aufgefallen ist, bestärkt mich zudem in meinem Entschluss.

Es geht mir nicht mehr gut damit, neue Kapitel hochzuladen und fürchten zu müssen, schon wieder kein Feedback dazu zu bekommen. Es verunsichert mich zutiefst und wirft in mir die Frage auf, ob ich überhaupt in der Lage bin, Geschichten dieser Art zu schreiben.

Liebe Leser, ich weiß, dass auf Fanfiktion.de Autoren, die ihre Geschichte aus Mangel an Feedback abbrechen, nicht gerade beliebt sind. Und wahrscheinlich erhöht es auch nicht gerade meine Beliebtheit und die dieser einen Geschichte, dass ich mich nun vielleicht bei ihnen einreihen muss. Ich denke nicht darüber nach, diese Geschichte abzubrechen, um euch zu bestrafen oder zu erpressen nach dem Motto „schreibt mir Reviews, damit die Geschichte weitergeht“, denn ich weiß, dass diese nicht von Herzen kommen würden und damit wäre weder mir noch euch geholfen.

Ich denke darüber nach, diese Geschichte abzubrechen, weil es mir mit ihrer Veröffentlichung nicht mehr gutgeht.

Freunde in der Autorencommunity sagen mir oft, ich soll doch einfach nur für mich schreiben. Aber genau das tue ich. Ich habe nie etwas anderes getan. Ich schreibe das, was ich selbst lesen will. Doch indem ich das mit anderen teile, mache ich mich verletzlich. Oder besser gesagt: Ich habe den Anspruch an mich selbst, dass das, was andere Menschen von meinen Werken zu Gesicht bekommen, gut ist, weil ich mich andernfalls zutiefst schämen würde. Nur hier ist eben wieder das Problem mit dem mangelnden Feedback: Ich kann es nicht wissen, wenn nichts zurückkommt. Nur mit Feedback kann man sich als Autor verbessern und weiterentwickeln. Da ich mit meinen Fanfictions kein Geld verdienen kann, habe ich keinen Lektor, der das für mich erledigt, und auch ein Betaleser kann diese Aufgabe nur zum Teil erfüllen, weil jeder Mensch eine andere Meinung hat und andere Dinge sieht und für wichtig befindet.

Bei meiner Trilogie bin ich inzwischen einigermaßen sicher, dass ich dort nicht völligen Mist gebaut habe. Mittlerweile ist diese Geschichte auch weit gediehen, dass ich Phasen mit nur wenig oder gar keinem Feedback aussitzen kann, auch wenn es mir damit ebenfalls nicht gutgeht. Aber es geht mir damit immer noch gut genug, dass ich klarkomme und es ausblenden kann.

Bei ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ kann ich das nicht, weil es ein Herzensprojekt ist. Vielmehr noch als die Fortsetzung, die ich mir immer von der Trilogie gewünscht habe. Zugleich war es auch ein Experiment, weil ich eine Geschichte wie diese noch nie zuvor geschrieben habe. Deswegen bin ich bei ihr umso mehr auf Feedback angewiesen. Da diese Geschichte wegen ihrer Thematik von Natur aus weniger Leser hat, fällt es umso mehr ins Gewicht, wenn plötzlich gar nichts mehr zurückkommt. Nur ist kein Feedback leider auch ein Feedback und hat für mich den Beigeschmack, dass die Geschichte nicht gut ist. Denn seien wir ehrlich: Oft trauen wir uns doch gar nicht etwas Negatives zu sagen und konzentrieren uns auf das Positive. Und wenn es nichts Positives zu sagen gibt, dann schweigen wir lieber.

Das muss bei dieser Geschichte nicht zwingend auch so sein. Aber das kann ich nicht wissen. Ich weiß nur, dass ich verunsichert bin und es mir damit überhaupt nicht mehr gutgeht.

Ich veröffentliche meine Geschichten zu einem nicht unwesentlichen Teil auch in der Hoffnung, damit andere glücklich zu machen. Es ist etwas, das ich freiwillig und gerne gebe. Aber wenn nichts zurückkommt, dann bleibt neben der Frage, ob die Geschichte überhaupt etwas taugt, das bittere Gefühl, zu viel von sich gegeben zu haben.

Ein Abbruch der Veröffentlichung würde auch bedeuten, dass ’Darker Than Black’ nicht wie geplant im September online geht, weil es die Fortsetzung ist. Den dritten Teil meiner Akkarin-Trilogie werde ich wahrscheinlich wie geplant im NaNo-Camp im Juli schreiben. Weil ich das für mich schreiben muss. Weil ich Akkarin verstehen will.

Um ehrlich zu sein, bewundere ich Autoren, die ihre Geschichten hochladen, auch wenn sie keine Reviews bekommen, aber so ein dickes Fell habe ich nicht. Ganz besonders nicht, wenn mir eine Geschichte so nahe geht, wie diese. Ich wünschte, es wäre anders, weil ich mir damit auch selbst das Leben schwermache. Aber im Augenblick ist es nun einmal so.

Es tut mir leid für alle, denen ich damit unrecht tue, die vielleicht etwas schreiben wollten, sich aber nicht getraut haben, aus Zeitgründen keine Reviews schreiben können, oder nicht wussten, wie sie ihre Gedanken dazu formulieren sollten. Vielleicht hätten hier konkrete Fragen am Ende des Kapitels geholfen. Aber im Augenblick kann ich mich nicht dazu durchringen, damit einen erneuten Versuch zu starten. Vielleicht geht es nächste oder übernächste Woche, doch das kann ich nicht versprechen.

Für mich ist in erster Linie wichtig, dass es mir mit meinen Geschichten gutgeht. Wenn ich mich dabei schlecht fühle, etwas zu teilen, weil ich nicht sicher bin, ob es gemocht wird oder überhaupt etwas taugt, behalte ich das Geschriebene lieber für mich. Aber so wie es jetzt ist, kann ich nicht weitermachen. Ich muss mich in dieser Hinsicht selbst schützen und verhindern, dass meine Kreativität und mein übriges Leben – selbst mein Job – darunter leiden und ich nicht mehr schreiben kann, weil ich entweder blockiert bin oder nur tote und leblose Sätze herauskommen, während im Hinterkopf mir eine Stimme flüstert, dass ich nur Scheiße zusammenschreibe.

Bitte schreibt mir jetzt nicht, wie toll ihr meine Geschichten findet und wie viel sie euch geben. Das würde mir im Augenblick ebenso wenig helfen, wie zu schreiben, dass man ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ doch einfach lesen muss, um Akkarin zu verstehen.

Mich würde vielmehr interessieren, wie das für euch ist, die ihr vor ein paar Monaten wolltet, dass die Geschichte weitergeht. Ist ein Kapitel pro Woche zu häufig? Schafft ihr das mit D2K daneben generell einfach nicht? Findet ihr die Geschichte scheiße? Lest ihr überhaupt noch mit? Fällt es euch einfach nur schwer, euch dazu zu äußern? Würden euch konkrete Fragen dabei helfen?

Ich kann euch leider nicht versprechen, dass es irgendwann wieder weitergeht, weil ich nicht weiß, ob ich es ertragen könnte, wenn ich einen dritten Versuch starte und dieser wieder so endet. Ich weiß nicht, ob ich dafür die Kraft aufbringe. Oder ob ich die Kraft aufbringe, in einer der nächsten Wochen ohne offiziellen Abbruch weiterzumachen (offizieller Abbruch = mindestens mehrere Monate und den Status der Geschichte auf „abgebrochen“ setzen). Und es tut mir leid für alle, die jetzt traurig oder enttäuscht sind. Ich hoffe, ihr versteht, dass ich das Veröffentlichen dieser Geschichte auf Kosten meiner eigenen Gesundheit vielleicht nicht fortführen kann. Denn leider bin ich auch nur ein Mensch mit Ängsten, Schwächen und Unsicherheiten.

Vielen Dank fürs Lesen! <3

Warum man Rückschlüsse auf den Autor nur mit Bedacht ziehen sollte

… und was wirklich hinter den in Geschichten bearbeiteten Themen steckt

Eigentlich wollte ich mich ab diesem Artikel den Schwächen von Black Magician widmen, habe jedoch entschieden, dies nach hinten zu schieben, da ich die Bücher jetzt bald wieder einmal lesen wollte. Jeder Lesedurchgang findet bei mir unter einem anderen Aspekt statt und ich denke, dass die Artikel über die Schwachstellen davon nur profitieren können.

Deswegen muss ich heute leider noch einmal auf jenen Forumspost zurückgreifen, durch den diese Blogreihe überhaupt erst zustande gekommen ist. Dort fiel ein Satz, der mir ganz besonders sauer aufgestoßen ist, auch wenn ich davon ausgehe, dass jener User* nur angewendet hat, was er im Deutschunterricht gelernt hat. Für einen Autor ist das dennoch nicht immer witzig:

„3 Bände lang muss man sich kapitelweise durch immer gleiche Mobbingattacken durch diesen Deppen quälen. Gähn…… Offenbar musste die Autorin damit irgendwelche eigenen Mobbingerfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit psychologisch aufarbeiten…..“

Ich bin wahrlich nicht mit allem einverstanden, was Canavan schreibt. Aber eine solche Unterstellung ist einfach nur anmaßend, unsensibel und verletzend (abgesehen davon, dass der Verfasser dieser Zeilen anscheinend nicht weiß, wovon er spricht). Vielleicht ist das eine meiner Hochsensiblen-Macken, dass ich auf solche Unterstellungen anspringe. Allerdings teilten die Personen, mit denen ich über diesen Post diskutiert habe, meine Meinung und hatten wie ich selbst schon negative Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Aber dazu später mehr.

Warum solche Rückschlüsse unangenehm sein können

Nach dieser Logik müsste J.K. Rowling von ihren Zieheltern in einen Schrank unter einer Treppe eingesperrt worden sein, wo sie anfing, sich in Phantasiewelten zu träumen. Autoren wie Chris Carter, Sebastian Fitzek oder Simon Beckett wären in ihrem Herzen psychopathische Serienkiller und Stephen King würde vielleicht unter irgendwelchen seltsamen Wahnvorstellungen leiden. Und ich hätte Die zwei Könige nur geschrieben, weil ich irgendwann einmal entführt und zur Sexsklavin ausgebildet worden wäre. Und das bezieht sich nur auf eine meiner multiplen Persönlichkeiten, da ich noch über andere Figuren schreibe (bisexuelle Amazonen, menschenscheue angehende Wissenschaftler, Diebe mit jeder Menge krimineller Energie, skrupellose Kontrollfreaks, widerwärtige Intriganten und liebeskranke Vanillas, bei denen nicht nur meine Leser das Bedürfnis verspüren, ihren Kopf in die Tastatur ihres Laptops zu hauen – um nur einige zu nennen). Und natürlich sind meine Geschichten voll mit meinen perversen sexuellen Phantasien. Denn schließlich bin ich ja Fanfiction-Autorin.

Aussagen wie in dem obigen Zitat erinnern mich ein wenig an den Deutschunterricht in der Schule, wo wir unsere Lektüren unter anderem danach interpretieren mussten, was uns der Autor damit sagen will. Wenn wir dabei den persönlichen Hintergrund des Autors in unsere Interpretation mit einbezogen haben, gab es dafür auch ein Sternchen. Das ist in etwa so, wie in Vincent van Goghs Sternennacht nach Anzeichen für seine fortschreitende Erkrankung zu suchen.

Mir stoßen derartige Rückschlüsse auf den Autor auch noch aus einem anderen Grund sauer auf. Denn ich bin nicht allzu angetan, wenn man dies bei mir tut. Was meine Leser im Stillen über mich denken, kümmert mich nicht. Doch manchmal artet so etwas auch aus. Erst vor kurzem hatte ich diesbezüglich selbst ein weniger schönes Erlebnis: Ich habe über Twitter jemanden kennengelernt, der mir nach nur wenigen gemeinsamen Vielfachen von 140 Zeichen sagte, er fühle sich mit mir ‚verbunden‘. Deswegen wolle er nun erst Black Magician und dann meine Fanfictions lesen, um mich ‚zu verstehen‘. Mir ist unbegreiflich, wie man mich auf Grund meiner Fanfictions verstehen soll – besonders, wenn man mich kaum kennt (einige gemeinsame Vielfache von 140 Zeichen sind für mich gleichbedeutend mit ‚kaum kennen‘). Jedenfalls war mir die ganze Sache so unheimlich, dass ich die Flucht ergriff und den Kerl geblockt habe, zumal ich mich anfing gestalkt zu fühlen, weil er alles von mir geliket, retweetet und kommentiert hat. Leider kann ich ihn nicht auf Fanfiktion.de blocken und mir graut schon vor dem Tag, an dem er mich in Reviews psychoanalysiert.

Ein weiteres unschönes Erlebnis dieser Art liegt schon etwas länger zurück. Als ich 2010 anfing Die zwei Könige zu schreiben, erzählte ich bei einem Pärchenabend der Freundin des besten Kumpels meines Freundes davon. Dummerweise hatte ich dabei nicht bedacht, dass sie Psychologie studiert und meine Aussage, dass mein Antagonist (der böse heiße König von Sachaka) in einigen Charakterzügen von meinem Freund inspiriert war, wurde für den Rest des Abends bis ins kleinste Detail meine dahintersteckende Motivation analysiert so wie meine Person und unsere Beziehung. Ich bin kläglich daran gescheitert zu erklären, dass es dabei nur um einige kleine Eigenheiten meines Freundes ging, die rein zufällig auch in meine Vorstellung von einem perfekten Antagonisten passen.

Wer mein Vorwort zu Die zwei Könige gelesen hat, weiß übrigens, dass die Story nur deswegen so hart wurde, weil alles andere im Zusammenhang mit einer Entführung durch die Sachakaner Augenwischerei gewesen wäre.

Was beim Schreiben tatsächlich passiert

Aus diesem Grund gebe ich meine Geschichten auch ungern Freunden und Bekannten zu lesen, sofern ich ihnen in dieser Hinsicht nicht absolut vertraue. Meine Leser könnten diese kleinen Details niemals erraten und ich würde sie ihnen auch nicht verraten. Aber genau diese kleinen Details sind es, die Figuren lebendig werden lassen. Indem wir ihnen etwas mitgeben, was wir kennen, fügen wir ihnen eine weitere Facette hinzu und lassen sie dadurch realistischer werden. Und das hat nicht im entferntesten etwas mit Verarbeitung zu tun. Verarbeitung geschieht indirekt. Lasse ich einen Charakter Liebeskummer erleiden, so erinnere ich mich an meine Gedanken von Sinnlosigkeit und das Gefühl schmerzender Leere während meines letzten Liebeskummers. Indem ich die Erinnerungen wieder aufleben lasse, wird die Situation des Charakters für den Leser lebendig. Das zu schreiben macht mir große Freude, auch wenn ich dabei selbst Tränen in den Augen habe, weil ich an dem Tag etwas emotional bin oder mir der Charakter so sehr am Herzen liegt, dass ich mit ihm leide.

In den meisten Fällen stehen die Erlebnisse des Charakters, steht nur in sehr weitgefasster Assoziation mit etwas aus meinem Leben – einer Situation oder einem Gefühl, dass ich auf die Szene anwende. Ich kann nur erahnen, wie es ist, einen Menschen zu töten oder vergewaltigt zu werden. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, etwas sehr Falsches zu tun, was sich nicht mehr gutmachen lässt und kenne das Gefühl absoluter Ohnmacht. Für mich genügt das, um mich in einen Charakter hineinzuversetzen, auch wenn diese Gefühle aus einem völlig anderen Zusammenhang stammen.

Natürlich verarbeitet man beim Schreiben auch Dinge aus dem eigenen Leben und ich würde lügen, würde ich das nicht auch tun. Doch tatsächlich ist dieser Prozess oft sehr komplex und die Verarbeitung geschieht eher indirekt. Meist sind es nur Kleinigkeiten, manchmal wird mir erst im Nachhinein bewusst, dass ich durch das Beschreiben eines gewissen Ereignisses oder Leidensprozess einer Figur etwas verarbeite oder kompensiere. Doch das ist selten das Offensichtliche und man muss mich persönlich schon sehr gut kennen, um diese Stellen herauszufinden.

Nicht nur ich, sondern auch andere Autoren, mit denen ich mich austausche, schreiben einen Konflikt oder eine dramatische Storyline um des Schreibens willen oder weil es an dieser Stelle schlicht und ergreifend passt. Und nicht etwa, weil sie vergewaltigt wurden, Depressionen haben oder kriminell sind. Dass Sonea in The Novice von den anderen Novizen gemobbt wird, ist eine logische Schlussfolgerung aus ihrer durch ihre niedere Geburt bedingte Außenseiterrolle in der Gilde und einem Haufen schwerpubertierender arroganter Sprösslinge aus dem Adel. Ich behaupte sogar, dass wenn Canavan damit etwas kompensieren wollte, hätte sie Sonea und Regin in ihrer Fortsetzungstrilogie sensibler gehandhabt. Denn wenn man einmal selbst in dieser Opferrolle gesteckt hat, dann reagiert man auf ein solches Thema sehr empfindlich anstatt es zu verherrlichen (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin).

In allen Geschichten steckt auch immer ein wenig von einem selbst. Doch umgekehrt findet man sich auch beim Lesen immer ein Stück weit in der einen oder anderen Figur wieder. Derselbe Prozess findet sogar statt, wenn man einen Menschen näher kennenlernt. Nur, dass dies ein wenig Aufwand erfordert, während man bei Romanfiguren schnell einen Einblick in deren Innenleben erhält.

Autoren sind keine Psychopathen. Wir schreiben um des Schreibens willen und über nicht nur über Dinge, die uns selbst bewegen, sondern oft auch einfach nur über das, was die Geschichte erfordert. Als Leser darf man gerne Vermutungen anstellen, warum ein Autor eine Geschichte so schreibt, wie er sie schreibt. Aber dabei sollte man einen gewissen Respekt gegenüber dem Autor wahren. Denn auch wenn er eine öffentliche Person ist, so ist auch er ein Mensch mit Persönlichkeitsrechten und Gefühlen.

Mir ist übrigens herzlich egal, ob meine Leser mich für pervers halten. Für einen Großteil der Bevölkerung bin ich das vermutlich. Aber für mich ist Schluss mit lustig, wenn man anfängt, mich anhand meiner Geschichten zu psychoanalysieren und mir vielleicht sogar psychische Probleme unterstellt. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin.

* Allmählich tut mir der arme Kerl ja ein wenig leid, weil er andauernd für meine Blogartikel hinhalten muss …

Traurige Entscheidung

Nachdem ich ziemlich lange über diese Frage gegrübelt und in meinem letzten Artikel zu diesem Thema schon einiges darüber geschrieben habe, warum mir das so nahe geht, ist gestern Abend die Entscheidung gefallen:

Meine Story über Akkarins Zeit in Sachaka (Unter tausend schwarzen Sonnen) pausiert bis auf Weiteres.

Einige haben es vermutlich schon gestern Nachmittag mitbekommen, als ich auf Twitter gefragt habe, ob grundsätzlich Interesse an einer solchen Story besteht, denn ich hatte mal wieder versucht, Ursachenforschung zu betreiben. Darauf kamen sogar ein paar Antworten, womit ich ehrlich gesagt nicht gerechnet habe. Von Menschen, die prinzipiell daran interessiert wären und von einigen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie die Story überhaupt lesen. Im Laufe des Nachmittags konnte ich dennoch nicht aufhören, weiter über dieses Problem zu grübeln und habe erkannt, dass mir diese Gesamtsituation im Augenblick einfach nicht guttut. Ein neues Kapitel von Unter tausend schwarzen Sonnen hochzuladen, bedeutet für mich inzwischen immensen emotionalen Stress. Früher war Dienstag immer der Tag, an dem ich morgens aufstand und dachte: „Yay! Heute ist wieder Kapitel-Tag! Heute kann ich wieder einmal meine Leser quälen!“, seit einer Weile stehe ich an diesem Tag jedoch mit einem Grummeln im Magen auf, das im Laufe des Tages immer schlimmer wird. So sollte es nicht sein.

Es heißt, als Autor sollte man sich vor seinen Lesern keine Schwäche geben. Weil sie das den Respekt der Fans kosten kann. Aber ich bin kein übernatürliches Wesen mit Superkräften, das Geschichten ohne Ende produziert – ich bin auch nur ein Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen. Und mit Grenzen. Und ich merke, dass ich bei mir gerade an eine solche Grenze stoße und dringend die Notbremse ziehen muss, bevor ich daran kaputt gehe. Ich kann nicht mehr stark sein und so tun, als wäre mir egal, was die Leser von mir oder dieser Story denken. In einer Zeit, in der die Dinge von allen Seiten auf mich einstürmen und ich einen Weg finden muss, das alles zu verarbeiten, bröckelt die Fassade zuerst dort, wo ich mit meinem Herzen am meisten involviert bin.

Als ich gestern Abend nach Hause kam, habe ich meinen Herzensmenschen angerufen. Meine ersten Worte waren „Ich werde meine Akkarin-Story vorerst auf Eis legen“. Und dann kam mein ganzes Elend aus mir raus. Es war ein ziemlich hartes Gespräch, doch er hat mich darin bestärkt, das für mich Richtige zu tun. Denn sehr viel schlimmer kann es ohnehin nicht mehr kommen.

Diese Entscheidung ist mir wahrlich nicht leicht gefallen. Ich habe Angst, dass ich mir damit auch die letzten Leser vergraule. Große Angst. Aber wenn ich daran denke, wie es jetzt ist, dann kann ich dabei nicht mehr viel verlieren. Lange vor dem ersten Kapitel dieser Geschichte wurde mir von vielen Seiten großes Interesse bekundet. Ich hatte trotz meines Bedürfnisses, diese Geschichte mit anderen zu teilen, große Angst davor. Dieses Interesse hat mir ein Stück darüber hinweggeholfen. Aber leider hat das bei mir eine Erwartungshaltung ausgelöst, die nicht erfüllt wurde, was mich auch zu der Frage bringt, wie weit ich auf die Meinung anderer vertrauen darf. Von den damaligen Interessenten hat weniger als eine Handvoll die Story dann wirklich angefangen. Ob sie noch dabei sind, kann ich nicht sagen und ich traue mich auch nicht nachzufragen. Dafür kamen anderen Leser, hielten jedoch auch nur die ersten paar Kapitel durch. Und das bringt mich zu der Frage, was mit dieser verdammten Story nicht stimmt.

Ich weiß, dass es Leser gibt, die einfach nur still lesen und ich weiß, dass es Leser gibt, die sich nur alle paar Kapitel melden oder abwarten, bis mehrere Kapitel draußen sind, um diese dann am Stück zu lesen. Aber das ist ok. Darum geht es nicht. Es geht auch nicht um die Leser, die einfach keine Reviews schreiben können, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Und es geht auch nicht darum, dass eine Geschichte dieser Art wegen des speziellen Themas grundsätzlich weniger Leser anzieht (das war mir von Anfang an klar). Es geht um das, was bei mir ankommt, und das wird mit jedem Kapitel, das ich hochlade, mit dem ich tiefer in die Story einsteige und mit dem ich mehr von meinem Innersten offenbare, weniger.

Vor zwei Monaten hatte ich ein paar Fragen gestellt, was ich hinter dem zurückgehenden Interesse vermutet habe. Ein Teil von mir hatte gehofft, das würde etwas ändern oder mir Gewissheit bringen. Aber das hat es leider nicht. Nachdem mir ein paar Leser gesagt haben, dass sie die Story toll fänden, aber nicht wüssten, was sie außer dass Akkarin ihnen leidtut schreiben sollen, kamen die Rückmeldungen sogar noch spärlicher. Ich hatte geglaubt, wenn meine Testleserin die Geschichte liest, würde mir das helfen. Ich hatte gehofft, sie würde etwas finden, das verbesserungswürdig ist. Aber das hat sie nicht. Widersinnigerweise hätte mich das beruhigt, weil dann hätte ich eine Ursache für das zurückgehende Interesse gehabt, an der ich hätte arbeiten können.

Angesichts dessen, was ich in diese Geschichte investiert habe, was sie emotional und ideell für mich bedeutet, komme ich damit nicht klar. Ich dachte, ich könnte es. Ich habe es versucht und bin gescheitert. Das hätte ich nie gedacht, weil ich in dem letzten Blogartikel zu diesem Thema noch geschrieben habe, dass ich eine Geschichte nie wegen mangelnden Feebacks abbrechen würde. Ich finde das auch jetzt noch kindergarten, aber ich gehe diesen Schritt nicht aus Gründen von beleidigter Leberwurst und gekränktem Ego. Ich komme mit dem, was das persönlich für mich bedeutet, einfach nicht mehr klar. Diese Geschichte bedeutet mir tausendmal mehr als meine Fortsetzung. Was dort dazu führt, dass ich mit mir hadere, löst hier starken emotionalen Stress aus. Stress, mit dem ich im Augenblick nicht umgehen kann. Wo ich bei Die zwei Könige darauf vertrauen kann, dass trotz des sich aktuell ausbreitenden Unmuts über mangelnde Action etc. genug Menschen da sind, denen die Geschichte etwas bedeutet, ist der Stress bei Unter tausend schwarzen Sonnen so hoch, dass ich neue Kapitel nur noch unter Bauchschmerzen einstellen kann.

So sollte es nicht sein. Ich hatte das wie erwähnt schon beim „Spion“ und habe mich damals durchgebissen. Aber dazu fehlt mir im Augenblick die Kraft. Wo ich zu meiner Fortsetzung kaum emotionalen Abstand habe, weil sie das ist, was Canavan für mich hätte schreiben sollen, stecke ich bei Unter tausend schwarzen Sonnen so tief drin, dass ich mich auf diese Weise höchst verletzlich mache, indem ich diese Geschichte mit anderen teile. Ohne es verhindern zu können, erhalten die Leser dadurch eine unheimliche Macht über mich, der ich mich nicht entziehen kann.

Jedes Kapitel dieser Geschichte kommt aus den Tiefen meines Herzens. Liebevolle Details, Verbindungen zu den Büchern und zu meiner Fortsetzung, Anspielungen und Parallelen, Stilmittel und noch vieles mehr sind darin enthalten. Auf ihre Weise finde ich sie besser als all meine anderen Werke. Und ich habe einen viel persönlicheren Bezug dazu. Andere daran teilhaben zu lassen, war mir ein unheimlich großes Bedürfnis. Obwohl ich wusste, dass diese Story weniger Leser haben wird*, habe ich darauf gefreut sie zu veröffentlichen. Für mich ist das leider völlig nach hinten losgegangen. Das ist etwas, was ich nie erwartet hätte.

Wenn ich daran denke, wie viel von meiner Seele in dieser Geschichte steckt, fühle ich mich mit meinem Herzen bloßgestellt. Mit jedem Kapitel entblöße ich ein weiteres Stück der Tiefen meines Herzens, aus denen diese Geschichte kommt. Und das macht es für mich im Augenblick unmöglich, diese Flaute auszusitzen und darauf zu hoffen, dass sich dieser Zustand wieder bessert.

Das zweite Juni-Kapitel kommt planmäßig am 23. Juni, danach ist erst einmal Schluss. Im Juli ist wieder Camp-NaNoWriMo und dort wollte ich die Fortsetzung dieser Story schreiben (Arbeitstitel: Die Abenteuer des Hohen Lords). Momentan weiß ich nicht, ob ich nicht doch etwas anders schreiben werde, weil mir das ganze Thema zu nahe geht, was bei mir ein Gefühl von Sinnlosigkeit in Bezug auf dieses Projekt auslöst, aber ich habe noch knapp drei Wochen, das zu entscheiden. Um welche Geschichte auch immer entspannt schreiben zu können, kann ich den emotionalen Stress, den die Veröffentlichung Unter tausend schwarzen Sonnen mir seit einer Weile bereitet, jedoch nicht gebrauchen. Die zwei Könige wird wie gewohnt weiterlaufen. Obwohl es auch hier momentan frustrierend ist, kann ich darauf vertrauen, dass sich das in ein paar Kapiteln wieder legt, zumal ich mich mit dieser Geschichte und anhand so mancher Rückmeldung doch bestärkt fühle, dort nichts falsch gemacht zu haben.

Ob Unter tausend schwarzen Sonnen ab August weiterläuft, kann ich noch nicht endgültig sagen. Die Geschichte wird so lange pausieren, wie ich brauche, um mich von diesem emotionalen Stress zu befreien und eine Distanz zu finden, mit der ich es ertragen kann, diese Geschichte weiterhin mit anderen zu teilen und meine Erwartungshaltung abzustellen und mich selbst zum Weitermachen zu motivieren. Ich wurde schon gefragt, ob ich dann denjenigen, die weiterlesen wollen, die restlichen 46 Kapitel zuschicken werde. Das werde ich nicht. Weil es für mich nichts an dem Problem ändert.

Ich will nicht die Mühe der Leser, die sich in den letzten Monaten zu dieser Geschichte gemeldet und mich motiviert haben, schlecht reden. Ich will nicht die stillen Leser anschwärzen. Ich will nicht all jenen, die die Geschichte gut finden und es nur nicht sagen können, unrecht tun. Ich danke allen von Herzen, die mir auf irgendeine Weise für diese Geschichte ihr Feedback gegeben haben – egal, ob sie noch dabei sind oder ob ich sie inzwischen vergrault habe. Ohne euch hätte ich nicht bis hierhin durchgehalten. Es tut mir leid für alle, die diese Geschichte noch immer mit Freude und Spannung verfolgen. Und es tut mir leid für alle, die sich durch diesen Artikel in irgendeiner Form vor den Kopf gestoßen fühlen oder enttäuscht von mir sind.

Es geht nicht gegen euch. Es ist nicht euer Fehler. Ihr könnt nichts für das, was in mir vorgeht. Ihr seid so, wie ihr seid, und ich bin so, wie ich bin.

Ich kann diese Geschichte nur im Moment einfach nicht mehr weiterführen. Weil mir dazu die Kraft fehlt. Und weil mein Herz an dieser Story hängt.

* Zum Vergleich: Ein neues Kapitel von Die zwei Könige bekommt im Schnitt sagenhafte 5 Reviews pro Kapitel. Unter tausend schwarzen Sonnen hat halb so viele Leser, aber ich kann mich seit einer Weile glücklich schätzen, wenn überhaupt 1 Review pro Kapitel kommt. Ich weiß, dass es anderen Autoren, die über Nischenthemen schreiben, ähnlich wie mir ergeht. Für mich ist das mit einer großen Unsicherheit verbunden und damit komme ich gerade nicht klar.

Von unverstandenen Subtilitäten und zu sensibler Wahrnehmung

Oder auch: Autor und hochsensibel sein ist scheiße

Irgendwie ist gerade wieder so eine Phase, in der meine mir von der Natur aus mitgegebene Wahrnehmung mich in Bezug aufs Schreiben um den Verstand bringt. Aus den Reviews zu meinen Geschichten lese ich immer wieder heraus, dass meine Intentionen nicht verstanden werden oder beim Lesen der Bücher oder meiner Fortsetzung dessen Details auf der Strecke geblieben sind oder nicht zwischen den Zeilen herausgelesen wurden. Ich weiß, dass ich auch sehr viele junge und unerfahrene Leser habe, und ich nehme mir gerne die Zeit, ihnen bestimmte Sachverhalte zu erklären. Doch in letzter Zeit tritt das weiter oben erwähnte Problem sehr gehäuft auf. Und das stimmt mich nachdenklich und traurig.

Ich weiß, dass dies abgesehen von unterschiedlicher Lebenserfahrung und Menschenkenntnis auch ein Problem unterschiedlicher Wahrnehmungen ist. Ich gehöre (leider) zu dem kleinen Prozentsatz Menschen, die zu viel wahrnehmen. Das ermöglicht mir einerseits, Geschichten mit großem Tiefgang zu schreiben, zum anderen wird vieles davon von anderen Menschen nicht wahrgenommen und mir dann als Nachlässigkeit oder Fehler angekreidet.

Einige Themen, bei denen mir diese Schwierigkeiten bewusst sind, habe ich in meinen beiden letzten ’Behind the Scenes’-Artikeln bereits ausführlich behandelt (und zwar hier und hier) und werde sie daher nicht noch einmal ausführen. Ein Thema, dem ich mich noch nicht gewidmet habe, möchte ich hier als Beispiel nehmen.

Continue reading „Von unverstandenen Subtilitäten und zu sensibler Wahrnehmung“