Kategorie: Kritisches

Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 3)

Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 3)

Teil 3 – Wie Akkarin sich über Sachaka emanzipiert und was das Abstrahieren von Sexpraktiken von Missbrauch mit Traumabewältigung zu tun hat

Vor einer Weile hatte ich eine etwas längere eMail-Diskussion, ausgelöst durch Horrorvorstellungen zu meinen Geschichten durch Lesen meines Blogartikels 50 Shades of Akkarin – Warum Akkarin kein romantischer Held ist. Diese führten, als ich Teil 2 des unsäglichen Blogartikels veröffentlichte, zu einigen Missverständnissen in Bezug auf den Inhalt.* Da ich nicht weiß, ob es meinen Lesern auch so ergeht und hier evtl. Erklärungen fehlen, wo Dinge für mich intrinsisch klar sind, habe ich beschlossen, diese unsägliche Reihe noch ein wenig weiterzuführen und den meinen Lieblingscharakter betreffenden Teil noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

In diesem Artikel geht es daher um zwei Themen, die jedoch miteinander verknüpft sind, weil sie in Bezug auf Akkarins Entwicklung eine Rolle spielen. Zuerst werde ich auf den Unterschied zwischen Missbrauch und BDSM-artigen Sexpraktiken eingehen, zumal ich dazu auch Fragen von einigen den Lesern von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ hatte. Dann erläutere ich, wieso jemand nach fünf Jahren als Sklave eines Ichani seinen Erlebnissen zum Trotz nicht wie ein Mönch lebt. Oder besser gesagt, warum das bei Akkarin funktioniert. Und warum das sogar durch die Bücher zu begründen ist.

Betrachtet diesen Artikel daher als Ergänzung zu den Abschnitten ’Wie die Realität in den ’Büchern (und in meinen Fanfictions) aussieht’ in Teil 1 und ’Akkarin und seine dunkle Seite’ in Teil 2.

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Warum ich die 50 Schattierungen des Grauens lese

… und warum ich mich von Vergleichen mit meinen Geschichten distanziere

Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, haben durch meine Lästertweets ja schon mitbekommen, dass ich seit einer Weile die ’50 Shades’-Trilogie lese. Seitdem werde ich ständig gefragt, warum ich mir das antue, und nicht wenige schütteln mit dem Kopf. Ich verstehe das nur zu gut, weil ich mich auch lange gegen diese Bücher gesträubt habe, und sie schon jetzt niemandem empfehlen kann.

Und weil ich jetzt schon so häufig gefragt worden bin, musste ich darüber einen Blogartikel schreiben.

Wenn man mich fragt, warum ich mir das antue und meine Lebenszeit mit solchen Büchern verschwende, wenn es doch so viele gute Bücher gibt, gebe ich für gewöhnlich flapsige Antworten, die von „Faszination des Grauens“ bis hin zu „ausgeprägtem Masochismus“ reichen. Auch wenn ich mir sowohl als Leserin als auch Autorin einen gewissen latenten Masochismus zuschreibe, der für mich in der Natur des Lesers bzw. des Autors liegt, ist das nicht der eigentliche Grund.

Ich brauche diese Bücher nicht zu lesen, um gute Bücher zu schätzen. Ich brauche sie nicht zu lesen, um zu wissen, wie man es als Autor tunlichst nicht tun sollte. Ich brauche sie nicht, um zu wissen, dass ich es besser kann (auch wenn das vielleicht arrogant klingt). Und ganz sicher brauche ich sie nicht zu lesen, um einen BDSM-Roman zu lesen. Denn zumindest bis zu der Stelle, an der ich gerade bin, (Anfang Buch 2) ist 50 Shades alles andere als das.

Mit jeder Seite steigt in mir das Verlangen danach, wieder einen richtig guten Erotikroman zu lesen. Vielleicht sogar noch einmal den Klassiker ’Die Geschichte der O’. Für alle, die das nicht kennen: In diesem Buch geht es unter anderem um Emanzipation und Unterwerfung aus Liebe. Oder ich lese anschließend ein bisschen gute Fantasy. Ich habe noch Bücher von meinem Lieblingsautor Brandon Sanderson und von Patrick Rothfuss auf meinem SuB und ich sehe diese Aussicht als Belohnung fürs Durchhalten.

Also, warum tue ich mir das alles an?

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Fünf Fragen, die einen Fanfiction-Autor ankotzen

… und was man darauf antworten kann

Die Idee für diesen Artikel kam mir schon vor einer ganzen Weile durch 5 Fragen, die Autoren zum Hals raushängen und was man auf sie antworten kann von Marcus Johanus (ein sehr empfehlenswerter Blog rund ums Thema Schreiben, ich hoffe es ist ok, wenn ich das hier verlinke). Ich schreibe zwar ’nur’ Fanfiction, aber auch ich bin nicht vor blöden Fragen gefeit. Oder besser gesagt: Weil ich Fanfiction-Autorin bin, bin ich mit dummen Sprüchen ganz besonders gebeutelt.

Daher möchte ich euch heute einmal vorstellen, was mich so richtig ankotzt.

Here we go …

1) Was bringt es überhaupt, über eine Welt zu schreiben, die nicht die eigene ist?

Auch wenn man in einer geliehenen Welt unterwegs ist, so tut man auch dort die Dinge, die jeder Autor tut, wenn er schreibt: Man verbessert seinen Schreibstil und lernt die essentiellen Dinge des Schreibhandwerks wie zum Beispiel den logischen Aufbau einer Story, das Erschaffen von Spannungsbögen, das Verweben von Handlungssträngen sowie die Entwicklung von Charakteren und ihre zwischenmenschlichen Konflikte. Außerdem man lernt mehr über die Konventionen und Besonderheiten des Genres, in dem man schreibt. Und man hat dabei auch noch jede Menge Spaß, weil man über das schreiben kann, was man liebt.

Legt man wie ich in seinen Fanfictions Wert auf Canontreue und Authentizität, lernt man außerdem sich an fixe Vorgaben zu halten. Das Original muss sehr genau recherchiert werden, wenn man die Fakten angemessen wiedergeben will. Die Charaktere wollen originalgetreu umgesetzt werden, was bedeutet, dass man sich sehr intensiv in sie hineinversetzen muss. Natürlich muss man bei eigenen Werken auch Recherche betreiben und sich in die eigenen Charaktere hineinversetzen. Doch es ist ein Unterschied, ob man den Charakter selbst erschafft und in ihn hineinwächst, als wenn er bereits existiert und man an gewisse Vorgaben gebunden ist. Dies erfordert eine ähnliche Empathie, als bei realen Personen.

Beide Aspekte können dem Fanfiction-Autor im Vergleich zu einem eigenen Werk Arbeit abnehmen. Geht man mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit an die Sache heran, so ist dies außerdem eine ziemliche Herausforderung, weil man zahlreichen Einschränkungen unterworfen ist.

Doch auch Fanfiction erfordert hin und wieder das Erschaffen eigener Charaktere (OCs) und den Ausbau der Welt. Bei einem OC hat man mehr Freiheiten, als bei einem Canoncharakter. Mir persönlich ist es wichtig, meine OCs so zu schreiben, als hätten sie schon immer in dieser Welt existiert. Dasselbe gilt für das Worldbuilding. Besonders in Fantasywelten gibt es oft blinde Flecken auf der Landkarte oder Orte und Völker, die nur am Rande erwähnt werden. Beginnt man diese glaubhaft in seine Story zu integrieren, muss man sich Gedanken über Geographie, Klima, Kultur etc. machen. Aus diesen Gründen wird das Schreiben von Fanfictions von nicht wenigen Autoren gerne als Übung für den eigenen Roman betrachtet.

Nicht zuletzt entwickelt man sein schriftstellerisches Talent selbst dann, wenn man nur Schund schreibt. Aber um Schund zu schreiben, muss man keine Fanfiction schreiben.

2. Kann man damit überhaupt Geld verdienen?

Höchstens, wenn die Piraten eines schönen Tages an die Macht kommen und die Urheberrechte gelockert werden. Bis dahin werden Fanfictions in einer rechtlichen Grauzone bleiben. Oder man hat Glück und schreibt Star Wars Romane für George Lucas oder heißt G. Norman Lippert und die inoffizielle Fortsetzung von Harry Potter wurde bereits in mehrere Sprachen übersetzt.

Weil diese Antwort viele Leute irritiert, ganz so als müsste man mit seinem Hobby Geld verdienen, kommt an dieser Stelle oft folgende Bonusfrage:

2a. Stört dich das denn nicht?

Nein. Schreiben ist eine Leidenschaft, mit der ich kein Geld verdienen will, weil es dann zur Pflicht wird und mir die Freude daran verlorengeht. Ich habe einen Job, der mich erfüllt und durch den ich die nötige emotionale Distanz zum Schreiben bekomme, damit ich nicht irgendwann nur noch verbissen an meinen Stories arbeite und die Muse mich verlässt. So gerne ich auch einen ganzen Tag in fiktive Welten abtauche und in die Haut meiner Charaktere schlüpfe, so werde ich auch irgendwann etwas Banane im Kopf, wenn ich das über mehrere Tage am Stück praktiziere.

Seit ich vor zweieinhalb Jahren angefangen habe, meine Fortsetzung der Bücher Die Bürde der schwarzen Magier auf Fanfiktion.de zu veröffentlichen, habe ich unzählige Reviews erhalten, in denen die Leser mir schreiben, dass ich ihr Herz geheilt habe, das brach, als Akkarin in The High Lord starb. Andere schreiben mir, dass sie durch meine Geschichten ihre Liebe zu den Büchern wiederfanden, nachdem Canavan ihnen diese mit ihrer eigenen Fortsetzung nahm. Und wieder anderen helfe ich damit durch eine miese Zeit oder rette ihnen mit einem neuen Kapitel das Ende eines beschissenen Tages. Ich brauche kein Geld. Das Gefühl, andere glücklich zu machen, kann kein Geld der Welt aufwiegen.

Trotzdem würde ich, wenn ich Geld für meine Fanfictions bekäme, nicht nein sagen, denn in meinen Werken steckt die Arbeit von Jahren.

3. Woher willst du wissen, dass Trudi Canavan sich bei Akkarins Tod nicht etwas gedacht hat, und akzeptierst das?

Diese Frage kotzt mich neben dem letzten Punkt am meisten an. Ja, ich gestehe, ich habe nur mit diesem Fanfiction-Ding überhaupt erst angefangen, weil mein Lieblingscharakter am Ende von Trudi Canavans The Black Magician Trilogy stirbt. Nie zuvor und auch nicht in all den Jahren danach hat mich ein Charaktertod so dermaßen aufgeregt und mich mit dem Gefühl des Betrogenwordenseins zurückgelassen. Daher macht mich diese Frage regelrecht wütend. Sie führt mein Geschreibsel unter dem Aspekt, dass Akkarins Tod einen Sinn gehabt haben könnte, ad absurdum und unterstellt, es würde mir nur um ihn gehen (auch wenn das sicher zu einem nicht geringen Anteil der Wahrheit entspricht). Akkarin ist ein Teil der Bücher, ohne ihn wären sie nicht einmal annähernd so toll, aber ohne den gesamten Rest würde auch er nicht funktionieren. Beides bildet für mich eine perfekte Symbiose, über die zu schreiben, mich erfüllt. Und es gibt so viel, was Canavan nicht geschrieben hat oder hätte schreiben können – für mich ein unglaublich großes ungenutztes Potential, das ich ausschöpfen will.

Zufällig weiß ich, dass Canavan sich bei Akkarins Tod nicht viel gedacht hat. Auf ihrer Homepage gibt sie zu, dass sie Akkarin nur deswegen umgebracht hat, weil sie keinen Bock hatte, ein Happy End zu schreiben (guckst du auch hier). Die Diskussion, dass sein Überleben mit einem Happy End nicht gleichzusetzen ist und welche Alternativen es gäbe, um die Kitsch-Explosion am Ende der Trilogie zu vermeiden, erspare ich euch an dieser Stelle. Das allein ist einen Blogartikel für sich wert und ich werde mich dazu noch ausführlich äußern, wenn ich die vor einer Weile erwähnte Blogreihe über die Schwächen der Bücher starte. Mit dem Argument, sein Tod sei wichtig für die spätere Handlung oder die persönliche Entwicklung der betroffenen Charaktere, braucht man mir nicht kommen. Das würde ich einem George R.R. Martin oder einem Brandon Sanderson abkaufen, aber nicht der Canavan. Nur, dass diese Autoren das dann auch entsprechend umsetzen würden.

Dieser Punkt lässt sich übrigens auch auf andere Charaktertode oder andere Unzufriedenheiten mit einem Originalwerk übertragen, die Motiv für das Schreiben einer Fanfiction sein können.

4. Sind Fanfictions nicht etwas für Nerds, pubertierende Teenager und andere Gestörte, die darin ihre perversen Phantasien ausleben?

Also quasi Fanficktion? Ja! Und weiß du was? Ich bin auch ein gestörter Nerd, der auf dem geistigen Niveau eines Teenagers stehengeblieben ist, und hin und wieder lebe auch ich meine perversen Phantasien in meinen Geschichten aus. Nur, mit dem Unterschied, dass Letztere niemand außer mir zu lesen bekommt, weil das Ausmaß meiner Perversion meine Privatangelegenheit ist und allenfalls meinen Partner etwas angeht.

Einen solchen Spruch würde ich allerdings nur denjenigen reindrücken, die dementsprechend dreist daherkommen. Den anderen erkläre ich mit viel Geduld und Liebe, dass ich sehr viele Fanfiction-Autoren jenseits der zwanzig kenne, die ihrer Leidenschaft mit großer Ernsthaftigkeit nachgehen – egal, ob Nerd oder nicht (was übrigens im Umkehrschluss nicht bedeutet, dass schlechte Fanfictions einzig aus den Federn pubertierender Teenager stammen). Und dann frage ich: „Hast du noch nie ein Buch gelesen oder einen Film gesehen und dir gewünscht, die Handlung hätte an einer bestimmten Stelle einen anderen Verlauf genommen, dass ein Charakter nicht gestorben wäre oder dass das Ende anders ausgegangen wäre? Hast du dir noch nie vorgestellt, wie es nach Ende deines Lieblingsbuches oder -Filmes weitergehen könnte?“ Die meisten, denen ich diese Fragen stelle, geben hinterher zu, dass sie das schon getan haben. Und dann kommt oft so etwas wie: „Aber ich hätte nie die Ausdauer, mich hinzusetzen und das aufzuschreiben!“ Aber genau das ist es, was wir Fanfiction-Autoren tun. Wir bringen diese Ausdauer auf, weil wir uns für die fiktive Welt, die Handlung und die Charaktere so sehr begeistern können, dass wir einfach nicht genug von ihnen bekommen. Wir haben Ideen, Vorstellungen und Wünsche, die im Original nicht ausgeführt wurden. Sei es, weil der Autor eine andere Absicht verfolgt oder weil er ein bestimmtes Thema schlichtweg nicht intensiv genug behandelt hat. Außerdem widmen wir uns Lücken und offenen Fragen, die vielleicht bewusst vom Autor geschaffen wurden, die uns aber keine Ruhe lassen und auf die wir eine Antwort suchen.

5. Warum schreibst du nicht etwas Eigenes?

Ich habe mir diese Frage bis zuletzt aufgespart, weil sie mich direkt nach Frage 3 von allen am meisten ankotzt. In dieser Frage schwingen verschiedene Unterstellungen mit: Dass man nicht in der Lage oder zu faul ist, etwas Eigenes zu schreiben. Dass man sein Talent vergeudet. Dass man Fanfiction als Witz oder als etwas für Nerds, gestörte und schwerpubertierende Teenager auffasst (siehe dazu auch Punkt 4).

Und dann antworte ich, dass ich schlichtweg keine Lust habe, etwas Eigenes zu schreiben. Ich könnte es, wenn ich wollte, aber ich will es nicht. Weil es mich nicht interessiert. Ebenso wie es mir nicht aufs Geld ankommt. Ich schreibe über das, was mich tief in meinem Herzen bewegt und was mir etwas bedeutet. Und das ist seit inzwischen mehr als sechs Jahren The Black Magician. Vielleicht erscheint das auf den ersten Blick einseitig, aber das ist es nicht. In den vergangenen sechs Jahren habe ich ein riesiges Fortsetzungswerk geschaffen und außerdem zahlreiche Geschichten, die vor oder während der Bücher spielen und sich mit gezielten Thematiken und Problemen der Figuren auseinandersetzen – und das alles als ein in sich konsistentes Universum, dem Headcanon. Es gibt sogar eine komplette Geschichte über Akkarins Vergangenheit, über die Canavan aus welchen Gründen auch immer nicht schreiben wollte. Ich habe die Welt ausgebaut, neue Charaktere erschaffen und die zwischenmenschlichen Beziehungen der existierenden Charaktere näher unter die Lupe genommen. Die Bücher mögen ihre Schwächen haben, aber all das zu schreiben, ist unheimlich spannend. Und es macht mich glücklich.

Es ist das, wofür ich brenne.

Ich sehe das nicht als Talentverschwendung. Ich schreibe schon mehr als mein halbes Leben, doch in den vergangenen sechs Jahren hat meine Schreibe eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Dabei habe ich zugleich viel über mich selbst und die Menschen im Allgemeinen gelernt. Das wäre nie passiert, würde ich nicht so sehr für diese Bücher und ihre Charaktere brennen und mein ganzes Herzblut in meine Stories stecken.

Und wie kann es eine Verschwendung sein, wenn ich damit inzwischen sogar andere glücklich mache?

Sollte ich eines Tages für etwas anderes brennen, so werde ich das schreiben. Doch bis dahin wird zum Glück noch viel Wasser den Tarali hinunterfließen, da ich noch immer unzählige Ideen habe, die aufgeschrieben werden wollen. Selbst wenn ihr euch schreiend und weinend auf den Boden werft. Ich erst dann etwas Eigenes schreiben, wenn ich das selbst will. Punkt.

Autorenprobleme: Wie viel Sex verträgt (m)eine Geschichte?

Dieser Artikel entstand aus meinen Gedanken zu meinen neusten schriftstellerischen Ergüssen – sprich dem Auftakt meiner zweiten Fanfiction-Trilogie. Potentielle Wortspiele sind kein Zufall.

Sex in Geschichten ist ein ziemliches Streitthema. So kommt es mir zumindest vor. Abgesehen von Erotik- und Liebesromanen kann Sex quer durch alle Genres eine Rolle spielen, besonders wenn Genre-Grenzen verwischen oder das Sexleben der Figuren von Bedeutung für die Handlung und die Entwicklung der Figuren ist.

Es gibt aber auch Leute, die sagen, dass Sex außer in Erotik und Romanzen nichts zu suchen hat. Mir persönlich wäre dies zu krass, weil Sex abgesehen davon, dass es die schönste Nebensache der Welt ist, ein wundervolles Stilmittel darstellt, um die Beziehung zweier Figuren zu definieren. Sex sollte nicht (ausschließlich) verwendet werden, um den Leser zu fesseln. Gekonnt eingesetzt erfüllt er das Leben der Figuren jedoch mit Lebendigkeit und arbeitet ihre Beziehungen und Dynamiken auf eine Weise heraus, wie es anders nicht möglich wäre.

Für mich hat sich lange Zeit nicht die Frage gestellt, ob und wie viel Sex gut und richtig – und auch notwendig ist. Wie mit allem folge ich beim Schreiben auch hier meinem Instinkt. Beim Schreiben der ’Königsmörderin’ habe ich das jedoch erstmals in Frage gestellt.

Meine Fanfictions sind ein Mix aus verschiedenen Genres. Es ist nicht einfach nur eine Fantasygeschichte, sondern stößt wie das Original in andere Genres vor, zumal Fantasy für mich vor allem bedeutet, dass die Handlung in einer fiktiven Welt mit phantastischen Elementen spielt. Angepasst an das Setting erleben die Figuren ihre persönlichen Dramen, Abenteuer, und Glücksmomente und nicht selten dreht sich die Rahmenhandlung um Krieg, Politik und Intrigen – nur eben auf die fiktive Welt zugeschnitten. Erotische Szenen dienen mir dazu, die Beziehung von zwei Figuren unter bestimmten Aspekten genauer zu beleuchten. Das ist inbesondere dann der Fall, wenn die Beziehung auf mehreren Ebenen stattfindet und die Sex-Ebene dabei eine sehr tiefe, emotionale Ebene darstellt, auf der das Ausmaß und die Tiefe von Liebe, Vertrauen und Loyalität der jeweiligen Figuren erst wirklich offenbar wird. Sexuelle und erotische Anspielungen und frühzeitig ausgeblendete Szenen verwende ich dagegen, um der Beziehung der Figuren Leben einzuhauchen und bestimmte Aspekte ihrer Persönlichkeit zu ergänzen. Es macht mir Spaß das zu schreiben, weil ich die damit verbundene Lebendigkeit und Paar-Dynamiken als liebenswert empfinde und mir manche Figuren ohne das unvollständig vorkämen. Und aus demselben Grund lese ich das auch gerne.

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Die Bösewichte der schwarzen Magier

Vor einer kleinen Weile hatte ich anlässlich meiner Fergun-Satire Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten mit einer Leserin eine Diskussion darüber, wer von beiden der schlimmere Bösewicht ist: Regin oder Fergun, wobei wir ziemlich unterschiedlicher Meinung waren. Das und die Tatsache, dass ich die Bücher zu jener Zeit wieder einmal gelesen habe, hat mich dazu gebracht, mich etwas detaillierter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Egal, wie oft ich die Trilogie schon gelesen habe – ich habe den Eindruck, als würden die Antagonisten mit jedem Buch böser und mächtiger. Im ersten Buch ist es der intrigante Lord Fergun, der Sonea erpresst, um der Gilde zu beweisen, dass es ein Fehler ist, Novizen aus den Hüttenvierteln aufzunehmen. Im zweiten Buch ist es Soneas Klassemkamerad Regin, der sie ein ganzes Jahr lang aufs Extremste mobbt und dabei keinerlei Skrupel kennt. Und im dritten Buch ist es Kariko, der erst gegen Ende auftritt, dafür jedoch mit seinen Verbündeten Tod und Zerstörung über die Gilde bringt.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich Kariko von den Dreien am liebsten mag. Und das, obwohl er Akkarin am Ende tötet. Kariko hat Charakter. Er ist nicht nur auf eine dunkle Weise attraktiv und besitzt ein für mich unwiderstehliches Charisma, wo Regin und Fergun mich nur abstoßen – er hat auch die ehrbarsten Motive. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, inwiefern die Motive eines Antagonisten überhaupt ehrbar sein können, doch Rache für den Mord an seinem Bruder und für die Verwüstung, die die frühe Gilde in Sachaka angerichtet hat und unter der das Land noch immer leidet, ebenso wie seine Hoffnug, wieder Teil der sachakanischen Gesellschaft zu werden, erscheinen mir als weniger niederträchtig als die Motive von Regin und Fergun, die von Hass und Herablassung gegenüber einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht geprägt sind.

Neben Kariko wirken Regin und Fergun blass – und doch ist der Großteil dieses Artikels ihnen gewidmet. Insbesondere Regin wirkt auf mich flach und damit oft mehr nervtötend als alles andere. Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund seiner Taten und nichts fügt Regins Charakter weitere Facetten hinzu, die ihm Komplexität verleihen. Er hasst Sonea von dem Augenblick an, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen, und tut fortan alles, um ihr das Leben nach bestem Können zur Hölle zu machen.

Fergun gelingt es jedoch, dass man bis zu einem gewissen Grad Mitleid mit ihm empfindet. Sogar Sonea empfindet so, bevor sie erfährt, dass er ihren Freund gefangen hält. Denn wo Regin stolz ist, ein Magier zu sein, wollte Fergun das niemals sein. Trotz seines schwachen magischen Potentials haben seine Eltern ihn zur Gilde geschickt, da es seiner Familie des kyralischen Adels Ansehen einbringt, einen Magier in ihren Reihen zu haben. Damit wurde Ferguns Traum, Schwertkämpfer zu werden, ein jähes Ende bereitet. Da es ihm an magischer Stärke mangelt, musste Fergun sich in der Gilde auf andere Weise behaupten. In The Magicians’ Guild lernen wir Fergun als intriganten und arroganten Widerling kennen und das lässt darauf schließen, wie ihm das gelungen ist. Ich empfinde seine Figur daher als komplexer als die des Regin, eben weil man die Hintergründe seines Handelns kennenlernt und weil er damit (zumindest in mir) widersprüchliche Reaktionen und bis zu einem gewissen Grad Verständnis hervorruft, wo ich Regin einfach nur hasse.

Ich gehöre zu den Menschen, die ergründen wollen, warum jemand eine bestimmte Persönlichkeit entwickelt hat. Gerade die Antagonisten und Badass-Typen faszinieren mich in dieser Hinsicht. Und da hat Fergun auf Grund seiner Hintergrundgeschichte das Potential zu polarisieren, wenn man genau hinsieht. Regin fehlt dies, weil man sonst schlichtweg nichts über ihn erfährt.

Wo es Regin jedoch an Komplexität mangelt, ist er umso bösartiger und durchtriebener. Bei seinen fortwährenden Mobbing-Aktionen geht er unglaublich berechnend vor. Die Art und Weise, wie er Sonea mit den anderen Novizen auflauert, setzt eine intelligente Planung voraus. So auch seine Versuche, Sonea von anderen zu isolieren. So setzt er das Gerücht in die Welt, sie habe mit ihrem Mentor Rothen eine Affäre, und sorgt dafür, dass ihr einziger Freund unter den Novizen einen ’Unfall’ erleidet. Allein die Tatsache, dass er willentlich anderen schadet (egal ob physikalisch als durch die Zerstörung des Rufes), zeugt von einer nicht zu verachtenden Bösartigkeit und Skrupellosigkeit. Dazu kommt, dass Regin von Natur aus ein Anführer ist. Er schart seine Klassenkameraden um sich, womit er zugleich einen Mob zur Verfügung hat, den er auf Sonea hetzen kann und den er braucht, weil sie ihm an magischer Stärke überlegen ist. Er ist sogar bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen, sollten sie erwischt werden oder Sonea ihrem Mentor von diesem Vorfall berichten.

„I told you“, Regin said between strikes. „She won’t tell him [her guardian]. […] If she does, I’ll take responsibility. I’m willing to do that, just to prove it to you. What have you got to lose?“ (Kapitel 26, The Novice)

Es kümmert Regin nicht, ob Sonea dabei ernsthaften Schaden erleidet, denn sie ist nur das Hüttenmädchen, dass in der Gilde nichts zu suchen hat. Er quält Sonea selbst dann noch, als sie kraftlos am Boden liegt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu verteidigen.

The strikes ceased. In the silence, Regin looked at the others one by one and grinned. „See? Now let’s put her in her proper place.“ As he turned back to regard her, she saw the malicious glint in his eyes and realised that exhausting her hat just been the first part of his plan. […] „Well I’ve always wondered what stunstrike did“, she heard Regin say. „Like to try it?“ (Kapitel 26, The Novice)

Für mich zeigt dies, dass Regin nicht einfach nur ein dummer Novize ist, der nicht weiß, was er tut oder sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Hinter all seinen Taten steckt jede Menge Berechnung, Skrupellosigkeit und kriminelle Energie. Wenn ich solche Szenen lese, dann wird mir regelrecht schlecht – insbesondere wenn ich daran denke, was Canavan in ihrer Fortsetzung getan hat (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Regin und Sonea). Abgesehen von der Tatsache, dass aus so etwas niemals eine gesunde Beziehung entstehen kann, ist es eine Frechheit, Regins Aktionen dort als ’dumme Novizenstreiche’ zu verharmlosen.

Auch Fergun weiß, dass er mit seiner kleinen Intrige die Regeln der Gilde bricht, doch insgesamt fehlen ihm die kriminelle Energie und die Persönlichkeit, um einen glaubhaften Bösewicht abzugeben. Als er Cery unter der Universität gefangen hält, bringt er ihm Essen und Decken und heilt sogar seinen Arm, als Cery ihn angreift und Fergun sich aus Reflex verteidigt. Ich scheitere an der Vorstellung, dass Regin so etwas tun würde. Fergun ist sich der Konsequenzen seines Tuns bewusst, sein Plan wirkt auf mich jedoch ziemlich willkürlich und mangelhaft durchdacht. Eine intelligente Vorgehensweise wie bei Regins Aktionen fehlt mir dabei weitgehend.

„I don’t know [if he’ll let me go]. He hasn’t been nasty. Thieves would’ve been worse.“ He hesitated. „I don’t think, he knows what he’s doing.“ (Cery, Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Fergun ist nur gegenüber jenen stark, die schwächer sind als er. Er hat keine Probleme damit, ein ganzes Haus auseinanderzunehmen und seine Bewohner obdachlos zu machen, aber ich bezweifle, dass er in der Lage wäre, Cery zu töten, so wie er es immer wieder androht. Er würde ihn verhungern lassen, ja, aber er ich traue ihm nicht zu, einen Menschen aktiv zu töten. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Charakterstärke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Regin zutrauen würde, doch in jedem Fall kennt er weitaus weniger Skrupel gegenüber seinen Opfern.

An einigen Stellen kann man Fergun die Unsicherheit sogar anmerken:

„Trust you?“ She snorted loudly and forced herself to stare into his eyes. „I want to see him. If I don’t, I might have to ask Administrator Lorlen if blackmail is a crime in the Guild.“

His lips curled into a sneer. „You’re in no position to make such threats.“

„Aren’t I? […] I know all about this kind of blackmail. I’ve lived with the Thieves, remember? You need to make it clear that you can carry out your threat. All I’ve seen is a dagger. Why should I believe you have its owner?“ She turned to meet his gaze and was gratified to see his stare falter. (Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Durch seine Vorgeschichte ist Fergun für mich eher unfreiwillig böse. Ich kann mir vorstellen, dass Regin sich mit dem Erwachsenwerden ein wenig mäßigt, aber diese Berechnung, die Skrupellosigkeit und seine Arroganz werden bestehenbleiben und ihn weiterhin zu solchen Aktionen befähigen. Fergun war nicht einmal in seiner Jugend nicht so schlimm, wie Regin es ist. Wir erfahren nicht viel über seine Zeit als Novize, doch seine Fehde mit Dannyl beruht auf Gegenseitigkeit. Beide spielen einander Streiche wie rivalisierende pubertierende Jungs es tun und Fergun rächt sich schließlich auf ziemlich widerwärtige Weise.

Fergun und Regin sind von ähnlichen Motiven getrieben. Beide sind aus reichem Haus, arrogant und der Meinung, dass Novizen aus den Hüttenvierteln in der Gilde nichts zu suchen haben, doch darüber hinaus sind sie zwei sehr unterschiedliche Personen.

Die Frage, welcher von beiden der Bösere ist, beantwortet sich für mich unter anderem durch ihre jeweilige Charakterstärke, ihre Skrupellosigkeit und das Maß ihrer kriminellen Energie. Und da liegt Regin für mich weit vorne. Fergun ist der komplexere Bösewicht von beiden, aber Regin ist eindeutig der skrupellosere. Angesichts dessen, was mir beim Schreiben dieses Artikels über Regin durch den Kopf ging (und das so zeitnah zum erneuten Lesen der Bücher), macht mich das Wissen um Canavans Fortsetzung noch einmal wütender.

Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir mit dieser Analyse zu oder findet ihr Fergun sehr viel schlimmer? Oder seid ihr sogar der Meinung, Regin und Sonea würden das perfekte Paar geben?

Wenn der Sieg einen schalen Beigeschmack hat

Diese Woche kamen endlich die Ergebnisse zum Bromance-Wettbewerb, an dem ich vor einigen Monaten mit meiner Kurzgeschichte über Akkarin und Lorlen Von Strippenziehern und besten Freunden teilgenommen habe. Die Geschichte spielt während des noch unveröffentlichten Darker Than Black.

Die Bekanntgabe der Ergebnisse hatte sich auf Grund von Problemen in der Jury um mehrere Wochen verzögert, was bei einigen Teilnehmern für Unmut gesorgt hatte, weil man uns komplett im Dunkeln gelassen hatte.

Die Gute Nachricht vielleicht zuerst:

Mein Beitrag hat den 1. Platz belegt!!!

Das ist mir bis jetzt noch nie mit einer Kurzgeschichte zu The Black Magician, die ich für einen Wettbewerb geschrieben habe, passiert. Immer war ich knapp am Sieg vorbei, meistens, weil mir dusselige Tipp- und Editierfehler, die ich übersehen hatte, das Genick gebrochen hatten. Nur ein einziges Mal habe ich bis jetzt bei einem Schreibwettbewerb den 1. Platz belegt, doch das war in einem anderen Fandom und es gab auch nur fünf Teilnehmer (und vermutlich Vitamin B). Und jener Sieg bedeutet mir nicht einmal ansatzweise so viel, wie wenn in dem Fandom, in dem ich mich zuhause fühle, gewesen wäre.

Nachdem ich am Mittwochabend total geflasht Twitter mit meiner Euphorie vollgespammt habe – meine Follower erinnern sich vermutlich an den Tweet –

Sieger-Tweet

und ich allmählich wieder runterkam, kam leider auch die Ernüchterung. Anscheinend waren der Jury bei einigen Teilnehmern Fehler unterlaufen. Außerdem war zu den vier Bewertungskriterien, die in der Ausschreibung standen, das ominöse Kriterium ’Fandomtreue’ hinzugekommen, über das sich einige der Teilnehmer, darunter auch ich, gewundert bis geärgert hatten. Es gab also plötzlich Punkte für etwas, von dem wir vorher nicht gewusst hatten. Sinngemäß sollte mit diesem Kriterium die Canontreue der Beiträge bewertet werden. Problem war nur, dass nicht alle Jurymitglieder alle Fandoms kannten. Meines war beispielsweise nur einem Jurymitglied bekannt und das bei weitem nicht so gut, wie mir selbst.

Generell ist es eine schöne Idee, die Canontreue mit zu bewerten, aber dann müssen alle Jurymitglieder in den zu bewertenden Fandoms fit sein. Denn sonst ist eine Bewertung nicht nur aus statistischen Gründen Mist, sondern ist auch unfair. Es ist eben kein allgemeines Kriterium wie Stil, Rechtschreibung, Umsetzung der Vorgabe, für deren Beurteilung man das Fandom nicht kennen muss. Meiner Meinung macht es nur Sinn, wenn der Wettbewerb in einem einzigen Fandom stattfindet. Und da bei Wettbewerben, die nicht für ein bestimmtes Fandom ausgeschrieben sind, auch gerne mal Teilnehmer Beiträge in exotischen Fandoms schreiben, kann das nur schiefgehen.

Und ich muss ehrlich sagen, dass es mich nicht gerade begeistert, meine Geschichte unter diesem Aspekt von jemandem beurteilen zu lassen, der The Black Magician irgendwann einmal gelesen hat. Wäre ich Jurymitglied, wäre mir das zu vage, um mir ein Urteil darüber anzumaßen, ob die Geschichte canontreu ist.

Abgesehen davon, dass ein solches Kriterium nicht für alle Teilnehmer gleichsam bewertet werden kann, war es nicht in der Ausschreibung angekündigt. Sollte es zwischendurch beschlossen sein (was ich nicht mehr nachvollziehen kann), so wäre das den Teilnehmern gegenüber jedoch auch nicht fair. Nicht jeder schaut jeden Tag ins Forum und bei den vielen neuen Beiträgen überliest man auch schnell etwas. Dass gleich mehrere Teilnehmer sich darüber gewundert haben, zeigt, dass es nicht richtig kommuniziert wurde. Auch wenn diese Wettbewerbe von Usern für andere User ausgerichtet werden, sollte sich die Organisation von Beginn an über die Bedingungen einig sein oder zumindest spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem die Vorgaben an die Teilnehmer rausgegangen sind.

Eine andere Teilnehmerin hat in der Nacht auf Donnerstag noch für uns alle erkämpft, dass dieser Punkt wieder gestrichen wurde, und hat die Jury noch einmal tatkräftig bei der Auswertung unterstützt. Dadurch hat sich die Rangfolge noch einmal geringfügig verändert. Für einige Teilnehmer zum Positiven.

Es gab noch einige weitere Unschönheiten, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, die man jedoch im Forum nachlesen kann.

Letztendlich konnte alles zur Zufriedenheit von Jury und Teilnehmern geklärt werden, ohne dass Köpfe eingeschlagen wurden oder ein Moderator eingreifen musste. Mich hat das sehr erleichtert, denn ich hätte mich nicht gut dabei gefühlt, einen Wettbewerb gewonnen zu haben, bei dem in der Bewertung einige grobe Fehler passiert sind. Aber der schale Beigeschmack bleibt trotzdem. Und im Nachhinein finde ich mein Twitter-Gespamme in meiner ersten Euphorie mehr als unangemessen. Die Bekanntgabe der Ergebnisse und diverse organisatorische Probleme und Unklarheiten und Unsicherheiten bei den Teilnehmern, weil wichtige Informationen nicht ausreichend kommuniziert wurden, sorgen leider dafür, dass dieser Wettbewerb nicht nur mir in nicht wirklich positiver Erinnerung bleibt, auch wenn es der erste ist, bei dem eine meiner Black-Magician-Fanfictions den ersten Platz belegt hat.

50 Shades of Akkarin – warum Akkarin kein romantischer Held ist

In Vorbereitung auf diesen Artikel hatte ich vor einer Weile meine Meinung zum OOC-Phänomen im Allgemeinen geschrieben. Ich finde, damit genug Verständnis gezeigt zu haben. Bei meiner Lieblingsbuchreihe – insbesondere meinem Lieblings-Buchcharakter – findet alles Verständnis jedoch ein jähes Ende.

Da Akkarin das Fangirl-Objekt von so ziemlich jedem weiblichen Leser von The Black Magician ist, wird sein Charakter am stärksten und häufigsten verzerrt und zu einer Art romantischem Helden idealisiert. Oft hat er mit seiner facettenreichen und faszinierenden Vorlage nicht viel mehr als seinen Namen und die schwarzen Roben gemein und er wird auf etwas reduziert, was einfach nicht mehr akkarin ist.

Obwohl ich die Gründe nachvollziehen kann, verstören mich die Resultate. Wäre es gewollte OOC-ness, so könnte ich dem unter Umständen etwas abgewinnen, wenn die Umsetzung amüsant ist. Aber ich habe außer einer AU-Fanfiction, in der Akkarin und Sonea böse sind, bis jetzt noch Geschichte gefunden, in der das der Fall wäre.

Wenn ich eine fiktive oder reale Person toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich würde sie niemals ändern wollen und ihre negativen Seiten als Teil ihrer selbst akzeptieren. Fange ich an, jene Person zu ändern, so ist das frei nach Max Frisch das Gegenteil von Liebe. Denn in unserem Geist entsteht ein Bildnis dieser Person, das sie uns so sehen lässt, wie wir sie sehen wollen. Dabei ignorieren wir beflissentlich, was wir nicht sehen wollen und projizieren in die Person ein Stück von uns selbst. Egal ob Buchcharakter oder reale Person – sobald der Punkt, an dem ich anfange jemand anderen zu verbiegen, erreicht ist, ist dieser Mensch nur noch ein Platzhalter für meine eigenen Wünsche und Phantasien.

Tue ich dies einem Buchcharakter an, der sich dagegen nicht einmal wehren kann, so ist das in gewisser Weise eine Vergewaltigung dieser Figur. Wie kann das dann noch Fan-Liebe sein?

Wir alle, die wir Akkarin anhimmeln, tun dies, weil er so ist, wie er ist: finster, mysteriös, skrupellos, hart und unberechenbar – und vor allem absolut ehrfurchtgebietend. Ihn dieser Eigenschaften zu berauben ist, als würde man eine andere Figur aus ihm machen – eine Figur, in die wir uns nicht verliebt haben.

Liebe Fangirls, bitte nehmt diesen Artikel, so provokant er sein mag, nicht persönlich. Betrachtet ihn als Augenöffner. Und vielleicht stimmt ihr mir nach dieser Lektüre sogar zu, dass euer geliebter Akkarin kein romantischer Held ist.

Akkarin ist nicht ’schön’. Er betrinkt sich nicht sinnlos, prügelt sich nicht mit anderen Magiern, macht keine Strandausflüge mit den Novizen, schreitet nicht wie der strahlende Ritter ein, wenn Sonea von anderen Novizen gemobbt wird – und er raspelt garantiert kein Süßholz.

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Fanfiction-Klischees: Das OOC-Phänomen – ein Erklärungsversuch

Dieser Artikel ist eine Vorbereitung auf meinen geplanten Artikel „Warum Akkarin kein romantischer Held ist“. Beim Verfassen jenes Artikels habe ich schnell bemerkt, dass ich ziemlich weit ausholen muss, bevor ich überhaupt zu der Essenz meiner Aussage vordringen kann. Daher habe ich dem einen Artikel über OOC-ness im Allgemeinen vorangestellt.

Im Fachjargon von Fanfiction-Autoren steht OOC für out of character, was so viel bedeutet wie, dass ein Charakter nicht seiner Vorlage entspricht.

Dieses Phänomen ist (so weit ich das beurteilen kann, Studien liegen mir leider nicht vor) in der Fanfiction-Welt relativ weit verbreitet und nimmt verschiedene Ausprägungen an. Unter den Schreibern und Lesern von Fanfictions ist es ein wenig verpönt und für mich zählt es zu den Gründen, warum Fanfiction als Genre einen so schlechten Ruf hat.

Generell unterscheide ich zwischen zwei Ausprägungen: der gewollten und der ungewollten OOC-ness.

Die gewollte OOC-ness

Wir kennen das unter anderem aus Science-Fiction Serien. Die Crew eines Raumschiffs begegnet ihren bösen Zwillingen aus einem Paralleluniversum oder eins ihrer Mitglieder wird von der Präsenz eines Aliens besessen. In beiden Fällen erleben wir die Charaktere, die wir im Laufe der Serie kennen und lieben gelernt haben, in einem völlig neuen Kontext. Sie handeln so, wie es nicht ihrem Naturell entspricht und wir bekommen dafür noch eine logische Erklärung geliefert.

Das Tolle an gewollter OOC-ness ist, dass man mit den Figuren experimentieren kann. Wenn Mr. Spock in einer Folge von Raumschiff Enterprise plötzlich super gefühlsbetont ist, weil er von einem Virus befallen wurde, der seine menschliche Seite dominieren lässt, kann das überaus amüsant und spannend sein – oder mit anderen Worten: faszinierend. So sehr wir den kühlen und beherrschten Vulkanier lieben, entdecken wir dadurch völlig neue Seiten an ihm. Etwas Ähnliches erleben wir, wenn ihn das Pon Farr befällt. Star Trek Fans wissen, so wird der Zustand bezeichnet, in dem Vulkanier paarungsbereit sind, wobei ihre animalische Seite zum Vorschein kommt. Dieser Zustand trifft nur alle sieben Jahre ein und man kann davon ausgehen, dass dies in der gesamten Serie nur einmal geschieht. Obwohl Teil seiner Persönlichkeit, ist dies im weitgefassten Sinne ebenfalls OOC, weil die Zuschauer ihren Lieblingsvulkanier nicht in dieser Form kennen.

Als Autorin von Fanfictions gestehe ich dem selbst einen gewissen Reiz zu. Einen Charakter ständig in-canon zu schreiben, ist sehr restriktiv. Das in-canon Schreiben erfüllt mich und ist Grundlage für meine Geschichten. Doch hin und wieder will ich entweder einfach nur Schund schreiben, um eine Schreibblockade zu überwinden, oder ich ziehe meine Lieblingscharaktere oder meine eigenen Werke durch den Kakao (wie in meiner Parodie zu Die zwei Könige Von bösen Königen und altersschwachen Limeks, in der OOC-ness nicht meine einzige Schandtat ist). Ich habe sogar eine Szene, die es nicht in „Das Heiligtum von Yukai“ geschafft hat und in der Sonea herausfinden will, wie es ist, wenn sie im Bett das Sagen hat, und hinterher zugibt, noch nie so schlechten Sex gehabt zu haben. Ok, ich gebe zu, das ist Headcanon, weil wir in den Büchern nicht viel über diese Thema erfahren. Aber es ist konsistent von Soneas und Akkarins Beziehung in The High Lord fortgesponnen und was sie in dieser Szene tut, kann ich nicht im Geringsten mit ihrem Charakter in Einklang bringen.

Ich fasse gewollte OOC-ness als Gedankenexperiment mit spannenden Resultaten auf. Man lässt den Charakter von der Leine und hält ihm zugleich einen Spiegel vor. Ich erwähnte bereits, dies kann auch helfen, um Schreibblockaden zu überwinden. Und das tut es nicht nur, weil es Hirnwindungen frei bläst – das tut es auch, weil man dadurch neue Ideen für die Aktionen des in-canon Charakters erhalten kann.

Ungewollte OOC-ness ist dagegen ein ganz anderes Thema. Und es ist sehr viel komplexer.

Die ungewollte OOC-ness

Ungewollte OOC-ness geschieht meines Erachtens mangels besseren Wissens oder Reflektionsvermögens, aber auch, weil man etwas in die Charaktere projiziert, was dort nicht ist.

Am besten erzähle ich euch dazu einmal ein wenig aus meinem eigenen Leben.

In der schlimmsten Phase meiner Pubertät, die von ca. 11 bis 16 ging, war ich eines der nervigsten und quietschigsten Fangirls unter dem Antlitz Gottes. Ich war nacheinander (und teilweise auch gleichzeitig) verliebt in Captain Kirk, Mr. Spock, Han Solo und Horst Schimanski. Die Menschen in meiner Umgebung haben sehr unter meinem Gesülze über einen eher gefühlsbetonten Mr. Spock und einen süßholzraspelnden Han Solo gelitten. Man merkt schon, das ist eine ziemlich bunte Mischung, denn damals war ich noch in der Selbstfindungsphase und ich wusste noch nicht so recht, was ich vom Leben oder von einem zukünftigen Partner erwarte. Ja, die Vorstellung eines idealen Partners hat sehr viel damit zu tun, wenn man sich in eine fiktive Figur verliebt.

Ich kann von Glück sagen, dass es damals (also Mitte der 90er) noch kein richtiges Internet gab und ich nicht die Ausdauer hatte, die Fanfictions, die in meinem Kopf abliefen, auf Papier zu bringen. Denn sonst hätte ich genau das getan, was viele junge Autoren tun, wenn sie Fanfiction schreiben: Ich hätte meine schlecht durchdachten Geschichten, die jeglicher Logik entbehren und deren Charaktere völlig OOC sind, dem breiten Publikum zur Verfügung gestellt. Und ich hätte mich einige Jahre später dafür in Grund und Boden geschämt.

Damals hätte ich jedoch nicht einmal gewusst, das eine von dem anderen zu unterscheiden. Selbst, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, meine Geschichten nach einer Weile noch einmal zu lesen, wäre mir nicht aufgefallen, was für einen Schund ich da fabriziert habe. Weil ich meine Träume, Phantasien und Wunschvorstellungen so stark in das Fandom und meinen jeweiligen Lieblingscharakter projiziert habe, dass ich blind für die Realität war.

Auch in späteren Jahren ist mir das noch passiert. Meine ersten Versuche Fanfiction zu schreiben endeten in Texten, die Vorlage für das Drehbuch einer Seifenoper hätten sein können. Ja, es ging um Sonea und Akkarin in einer alternativen Fortsetzung von The Black Magician. Damals war ich 27 und hatte die Pubertät schon lange hinter mir. Meine Selbstfindungsphase war lange vorbei und ich brauchte nicht mehr zu projizieren oder meine Vorstellungen von dem perfekten Mann in das Fangirl-Objekt meiner Begierde zu projizieren. Einmal davon abgesehen, dass Akkarin zufällig all genau das verkörpert. Die ersten Versuche einer Umsetzung waren dennoch grauenhaft, wie mir beim Korrigieren auffiel (insofern bin ich dankbar, dass ich Fanfiktion.de erst ein paar Jahre später entdeckt habe und mit der Veröffentlichung meiner Fortsetzung erst angefangen habe, als ich schon beim dritten ’Buch’ war). Das Problem war hier allerdings, dass ich noch nicht das richtige Gefühl für die Charaktere hatte, denn wäre nicht dementsprechend entsetzt gewesen. Für mich ist es dann richtig, wenn ich beim Lesen der Szene denke, diese könnte auch aus dem Original stammen und die Figuren sich so anfühlen, wie sie es tun, wenn ich die Bücher lese. Heute beömmele ich mich über meine ersten Versuche in diesem Genre und stelle meinen Lesern die genialsten Stücke in Bonuskapiteln zur Verfügung. Hätte ich diese Szenen jedoch unmittelbar nach ihrem Schreiben veröffentlicht, so würde ich mich heute in Grund und Boden schämen.

Was ich damit sagen will: Es ist schwer, einen Charakter in-canon zu schreiben. Verdammt schwer. Es ist ein langwieriger und frustrierender Prozess. Ganz besonders dann, wenn es der Lieblingscharakter ist. Denn wir neigen dazu, in das was wir lieben, all unsere Wünsche und Phantasien zu projizieren und das Geliebte zu romantisieren und zu verzerren. Ich denke, besonders im Teenager-Alter geschieht dies häufig. Ich sehe ja rückblickend bei mir selbst den Schund, den ich mir damals zusammengesponnen habe, was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass alle Teenies ihre Charaktere ohne es zu bemerken OOC schreiben. Es ist sicher auch eine Frage der Persönlichkeit und geistigen Reife und wie sehr man seine eigene Schreibe reflektiert. Denn auch im Erwachsenenalter sind wir nicht immer davon gefeit, weil wir entgegen jeglicher aktueller Brillenmode zu dem rosaroten Modell greifen, wenn wir verliebt sind oder schwärmen. Darüber ignorieren wir jedoch oft die Realität und die dunklen Seiten einer fiktiven oder realen Person. Wir wollen nur sehen, was wir sehen wollen und das Erwachen ist oft jäh und schmerzhaft.

Aber lieben wir dann überhaupt wahrhaftig?

Wenn ich eine fiktive (oder auch reale Person) toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich akzeptiere sie als Ganzes mitsamt ihrer dunklen Seiten. Fange ich jedoch an, jene Person zu ändern, so ist das das Gegenteil von Liebe.

Ein weiterer Faktor ist unsere eigene Interpretation. Selbst wenn diese nicht von unseren Wünschen und Vorstellungen beeinflusst wird, haben unterschiedliche Personen unterschiedliche Interpretationen von ein und derselben Sache. Denn wir alle sind ein Produkt aus unseren Erfahrungen und unserer Umwelt und beides fließt in unsere Persönlichkeit ein und färbt unseren Blick auf die Welt.

Auch ich könnte nicht sagen, ob ich wirklich davon gefeit bin. Ich glaube jedoch, mich sehr nahe am Original zu bewegen. Denn sonst würde mir beim Korrigieren der Unterschied zu den Büchern förmlich ins Auge stechen und ich hätte nicht so viele Leser, die sich nur wegen meiner Geschichten auf Fanfiktion.de anmelden und mir schreiben, dass meine Geschichten all ihre Vorurteile über Fanfictions ausgeräumt haben. Ich lege sehr viel Wert darauf, OOC-ness zu vermeiden, weil ich sonst nicht glücklich mit dem Resultat bin. Aber was ist mit den blinden Flecken der Charaktere, die Interpretationsspielraum bieten? Gestalte ich diese konsequent? Und was ist mit Sonea, die mir so ähnlich ist, wie keine andere fiktive Figur? Führe ich sie in meiner Fortsetzung und ihrer Einstellung und ihren Gefühlen gegenüber Akkarin konsequent fort, weil es das ist, was ich aus ihrem Verhalten in den Büchern, insbesondere in The High Lord, heraus interpretiere? Oder meine ich nur, das zu tun, weil die Grenzen zwischen mir und ihr verschwimmen? Und was bedeutet das dann für ‚meinen‘ Akkarin? Auch er besitzt in meinen Fanfictions Eigenschaften, die für mich aus seinem Verhalten in den Büchern folgen, weitere sind Überlegungen, zu denen ich auf Grund seiner Vorgeschichte gelangt bin. Wenn ich das Gefühl habe, dabei zu weit zu gehen, dann nehme ich diese Szenen aus meinen Geschichten raus. Aber vielleicht projiziere sogar ich bei ihm, um ihn für mich noch perfekter zu machen, indem ich diese blinden Flecken seiner Persönlichkeit nach meinem Gutdünken ausgestalte. Nur, dass der Rest seiner Figur konsistent immerhin mit den Büchern ist. Aber indem ich immer wieder hinterfrage, ob meine Charaktere noch so wie im Original sind und kleine Ausreißer korrigiere, habe ich schon einen großen Schritt getan, ihrer Vorlage gerecht zu werden und ihnen den Respekt zu erweisen, den sie verdienen.

Ich glaube, dass diese Projektion der Grund dafür ist, warum beliebte Charaktere in Fanfictions so oft OOC geschrieben werden. Die Autoren jener Geschichten bemerken das nicht, weil sie in ihren Wunschvorstellungen gefangen sind. Und auch die Leser, die solche Geschichten mit „Akkarin ist bei dir genau so wie ich mir ihn immer vorstelle!“ und „das Pairing ist ja sooo süüüüß!“ kommentieren, sehen dies nicht, weil auch sie in ihren Wunschvorstellungen gefangen sind. Beunruhigend wird das erst, wenn sie Selbiges zu meinen Geschichten schreiben, denn ich kann ihnen in diesem Fall nicht glauben. Zum Glück sind das die Ausnahmen, jene Leser rühren meine Geschichten nämlich in der Regel nicht an und ich schenke lieber denen Glauben, die nicht rumquietschen, die konstruktiv sind und die ihre Vorurteile überwinden konnten.

So sehr ich ungewollte OOC-ness auch nachvollziehen kann – mir selbst tut es in der Seele weh, so etwas zu lesen. Denn ich liebe meine Lieblingscharaktere, weil sie so sind, wie sie sind, und ich lese Geschichten über sie, weil ich nicht genug von ihnen bekommen kann.

Nein, ich will kein unfreiwilliges OOC lesen. Meine bisherigen Erfahrungen damit waren verstörend und ich habe keine dieser Geschichten länger als ein Kapitel ausgehalten. Das gilt insbesondere für mein eigenes Fandom. Ich will weder von einem süßholzraspelnden, verweichlichten Akkarin lesen noch von einer Sonea, die sich wie ein pubertärer Teenager aufführt und ihren Mentor ohrfeigt. Denn dann bin ich verstört. Zutiefst.

Warum man Rückschlüsse auf den Autor nur mit Bedacht ziehen sollte

… und was wirklich hinter den in Geschichten bearbeiteten Themen steckt

Eigentlich wollte ich mich ab diesem Artikel den Schwächen von Black Magician widmen, habe jedoch entschieden, dies nach hinten zu schieben, da ich die Bücher jetzt bald wieder einmal lesen wollte. Jeder Lesedurchgang findet bei mir unter einem anderen Aspekt statt und ich denke, dass die Artikel über die Schwachstellen davon nur profitieren können.

Deswegen muss ich heute leider noch einmal auf jenen Forumspost zurückgreifen, durch den diese Blogreihe überhaupt erst zustande gekommen ist. Dort fiel ein Satz, der mir ganz besonders sauer aufgestoßen ist, auch wenn ich davon ausgehe, dass jener User* nur angewendet hat, was er im Deutschunterricht gelernt hat. Für einen Autor ist das dennoch nicht immer witzig:

„3 Bände lang muss man sich kapitelweise durch immer gleiche Mobbingattacken durch diesen Deppen quälen. Gähn…… Offenbar musste die Autorin damit irgendwelche eigenen Mobbingerfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit psychologisch aufarbeiten…..“

Ich bin wahrlich nicht mit allem einverstanden, was Canavan schreibt. Aber eine solche Unterstellung ist einfach nur anmaßend, unsensibel und verletzend (abgesehen davon, dass der Verfasser dieser Zeilen anscheinend nicht weiß, wovon er spricht). Vielleicht ist das eine meiner Hochsensiblen-Macken, dass ich auf solche Unterstellungen anspringe. Allerdings teilten die Personen, mit denen ich über diesen Post diskutiert habe, meine Meinung und hatten wie ich selbst schon negative Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Aber dazu später mehr.

Warum solche Rückschlüsse unangenehm sein können

Nach dieser Logik müsste J.K. Rowling von ihren Zieheltern in einen Schrank unter einer Treppe eingesperrt worden sein, wo sie anfing, sich in Phantasiewelten zu träumen. Autoren wie Chris Carter, Sebastian Fitzek oder Simon Beckett wären in ihrem Herzen psychopathische Serienkiller und Stephen King würde vielleicht unter irgendwelchen seltsamen Wahnvorstellungen leiden. Und ich hätte Die zwei Könige nur geschrieben, weil ich irgendwann einmal entführt und zur Sexsklavin ausgebildet worden wäre. Und das bezieht sich nur auf eine meiner multiplen Persönlichkeiten, da ich noch über andere Figuren schreibe (bisexuelle Amazonen, menschenscheue angehende Wissenschaftler, Diebe mit jeder Menge krimineller Energie, skrupellose Kontrollfreaks, widerwärtige Intriganten und liebeskranke Vanillas, bei denen nicht nur meine Leser das Bedürfnis verspüren, ihren Kopf in die Tastatur ihres Laptops zu hauen – um nur einige zu nennen). Und natürlich sind meine Geschichten voll mit meinen perversen sexuellen Phantasien. Denn schließlich bin ich ja Fanfiction-Autorin.

Aussagen wie in dem obigen Zitat erinnern mich ein wenig an den Deutschunterricht in der Schule, wo wir unsere Lektüren unter anderem danach interpretieren mussten, was uns der Autor damit sagen will. Wenn wir dabei den persönlichen Hintergrund des Autors in unsere Interpretation mit einbezogen haben, gab es dafür auch ein Sternchen. Das ist in etwa so, wie in Vincent van Goghs Sternennacht nach Anzeichen für seine fortschreitende Erkrankung zu suchen.

Mir stoßen derartige Rückschlüsse auf den Autor auch noch aus einem anderen Grund sauer auf. Denn ich bin nicht allzu angetan, wenn man dies bei mir tut. Was meine Leser im Stillen über mich denken, kümmert mich nicht. Doch manchmal artet so etwas auch aus. Erst vor kurzem hatte ich diesbezüglich selbst ein weniger schönes Erlebnis: Ich habe über Twitter jemanden kennengelernt, der mir nach nur wenigen gemeinsamen Vielfachen von 140 Zeichen sagte, er fühle sich mit mir ‚verbunden‘. Deswegen wolle er nun erst Black Magician und dann meine Fanfictions lesen, um mich ‚zu verstehen‘. Mir ist unbegreiflich, wie man mich auf Grund meiner Fanfictions verstehen soll – besonders, wenn man mich kaum kennt (einige gemeinsame Vielfache von 140 Zeichen sind für mich gleichbedeutend mit ‚kaum kennen‘). Jedenfalls war mir die ganze Sache so unheimlich, dass ich die Flucht ergriff und den Kerl geblockt habe, zumal ich mich anfing gestalkt zu fühlen, weil er alles von mir geliket, retweetet und kommentiert hat. Leider kann ich ihn nicht auf Fanfiktion.de blocken und mir graut schon vor dem Tag, an dem er mich in Reviews psychoanalysiert.

Ein weiteres unschönes Erlebnis dieser Art liegt schon etwas länger zurück. Als ich 2010 anfing Die zwei Könige zu schreiben, erzählte ich bei einem Pärchenabend der Freundin des besten Kumpels meines Freundes davon. Dummerweise hatte ich dabei nicht bedacht, dass sie Psychologie studiert und meine Aussage, dass mein Antagonist (der böse heiße König von Sachaka) in einigen Charakterzügen von meinem Freund inspiriert war, wurde für den Rest des Abends bis ins kleinste Detail meine dahintersteckende Motivation analysiert so wie meine Person und unsere Beziehung. Ich bin kläglich daran gescheitert zu erklären, dass es dabei nur um einige kleine Eigenheiten meines Freundes ging, die rein zufällig auch in meine Vorstellung von einem perfekten Antagonisten passen.

Wer mein Vorwort zu Die zwei Könige gelesen hat, weiß übrigens, dass die Story nur deswegen so hart wurde, weil alles andere im Zusammenhang mit einer Entführung durch die Sachakaner Augenwischerei gewesen wäre.

Was beim Schreiben tatsächlich passiert

Aus diesem Grund gebe ich meine Geschichten auch ungern Freunden und Bekannten zu lesen, sofern ich ihnen in dieser Hinsicht nicht absolut vertraue. Meine Leser könnten diese kleinen Details niemals erraten und ich würde sie ihnen auch nicht verraten. Aber genau diese kleinen Details sind es, die Figuren lebendig werden lassen. Indem wir ihnen etwas mitgeben, was wir kennen, fügen wir ihnen eine weitere Facette hinzu und lassen sie dadurch realistischer werden. Und das hat nicht im entferntesten etwas mit Verarbeitung zu tun. Verarbeitung geschieht indirekt. Lasse ich einen Charakter Liebeskummer erleiden, so erinnere ich mich an meine Gedanken von Sinnlosigkeit und das Gefühl schmerzender Leere während meines letzten Liebeskummers. Indem ich die Erinnerungen wieder aufleben lasse, wird die Situation des Charakters für den Leser lebendig. Das zu schreiben macht mir große Freude, auch wenn ich dabei selbst Tränen in den Augen habe, weil ich an dem Tag etwas emotional bin oder mir der Charakter so sehr am Herzen liegt, dass ich mit ihm leide.

In den meisten Fällen stehen die Erlebnisse des Charakters, steht nur in sehr weitgefasster Assoziation mit etwas aus meinem Leben – einer Situation oder einem Gefühl, dass ich auf die Szene anwende. Ich kann nur erahnen, wie es ist, einen Menschen zu töten oder vergewaltigt zu werden. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, etwas sehr Falsches zu tun, was sich nicht mehr gutmachen lässt und kenne das Gefühl absoluter Ohnmacht. Für mich genügt das, um mich in einen Charakter hineinzuversetzen, auch wenn diese Gefühle aus einem völlig anderen Zusammenhang stammen.

Natürlich verarbeitet man beim Schreiben auch Dinge aus dem eigenen Leben und ich würde lügen, würde ich das nicht auch tun. Doch tatsächlich ist dieser Prozess oft sehr komplex und die Verarbeitung geschieht eher indirekt. Meist sind es nur Kleinigkeiten, manchmal wird mir erst im Nachhinein bewusst, dass ich durch das Beschreiben eines gewissen Ereignisses oder Leidensprozess einer Figur etwas verarbeite oder kompensiere. Doch das ist selten das Offensichtliche und man muss mich persönlich schon sehr gut kennen, um diese Stellen herauszufinden.

Nicht nur ich, sondern auch andere Autoren, mit denen ich mich austausche, schreiben einen Konflikt oder eine dramatische Storyline um des Schreibens willen oder weil es an dieser Stelle schlicht und ergreifend passt. Und nicht etwa, weil sie vergewaltigt wurden, Depressionen haben oder kriminell sind. Dass Sonea in The Novice von den anderen Novizen gemobbt wird, ist eine logische Schlussfolgerung aus ihrer durch ihre niedere Geburt bedingte Außenseiterrolle in der Gilde und einem Haufen schwerpubertierender arroganter Sprösslinge aus dem Adel. Ich behaupte sogar, dass wenn Canavan damit etwas kompensieren wollte, hätte sie Sonea und Regin in ihrer Fortsetzungstrilogie sensibler gehandhabt. Denn wenn man einmal selbst in dieser Opferrolle gesteckt hat, dann reagiert man auf ein solches Thema sehr empfindlich anstatt es zu verherrlichen (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin).

In allen Geschichten steckt auch immer ein wenig von einem selbst. Doch umgekehrt findet man sich auch beim Lesen immer ein Stück weit in der einen oder anderen Figur wieder. Derselbe Prozess findet sogar statt, wenn man einen Menschen näher kennenlernt. Nur, dass dies ein wenig Aufwand erfordert, während man bei Romanfiguren schnell einen Einblick in deren Innenleben erhält.

Autoren sind keine Psychopathen. Wir schreiben um des Schreibens willen und über nicht nur über Dinge, die uns selbst bewegen, sondern oft auch einfach nur über das, was die Geschichte erfordert. Als Leser darf man gerne Vermutungen anstellen, warum ein Autor eine Geschichte so schreibt, wie er sie schreibt. Aber dabei sollte man einen gewissen Respekt gegenüber dem Autor wahren. Denn auch wenn er eine öffentliche Person ist, so ist auch er ein Mensch mit Persönlichkeitsrechten und Gefühlen.

Mir ist übrigens herzlich egal, ob meine Leser mich für pervers halten. Für einen Großteil der Bevölkerung bin ich das vermutlich. Aber für mich ist Schluss mit lustig, wenn man anfängt, mich anhand meiner Geschichten zu psychoanalysieren und mir vielleicht sogar psychische Probleme unterstellt. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin.

* Allmählich tut mir der arme Kerl ja ein wenig leid, weil er andauernd für meine Blogartikel hinhalten muss …

Magier in fiktiven Gesellschaften und warum Macht nicht mit Machtmissbrauch einhergehen muss

In der Reaktion auf meinen Beitrag zu magischen Ausbildungssystemen fiel ein Satz zu Black Magician, bei dem ich mich ernsthaft gefragt habe, ob ich vielleicht in einer Art Paralleluniversum lebe:

„Was ich an dem Magiesystem aber absolut unglaubwürdig fand ist, dass die zT recht mächtigen Magier völlig offen in der Gesellschaft leben, aber ohne das jemals auch nur irgendwie in Frage zu stellen, dass sie unter der Herrschaft von nichtmagischen Königen steht. Das tun sie seit Jahrhunderten, völlig freiwillig. Sorry, aber das entspricht einfach nicht dem menschlichen Naturell.“

Die allererste Frage, die mir dabei durch den Kopf schoss, war: „Was ist so unnatürlich daran, eine Macht zu besitzen und sich trotzdem einer höheren Instanz unterzuordnen? Warum sollte es der Natur des Menschen entsprechen, diese zu benutzen, um sich in eine herrschende Position begeben?“

Ich weiß nicht, ob es Naivität ist oder in meinem eigenen Naturell begründet liegt, dass ich eine solche Aussage nicht nachvollziehen kann. Doch ich behaupte auch ohne ein sozialwissenschaftliches oder psychologisches Studium hinter mir zu haben, dass die Menschheit sich schon längst selbst ausgelöscht hätte, wenn dies in unserer Natur läge.

Die Stellung von Personengruppen mit Macht in unserer Gesellschaft

Auch in unserer Welt gibt es Personengruppen, die gegenüber der restlichen Bevölkerung eine gewisse Machtposition innehaben, aber dennoch einer höheren Instanz unterstehen. Und diese teilen sogar eine der Funktionen der Gildenmagier aus Black Magician: Sie verteidigen ihr Land im Falle eines Krieges. Ganz genau, ich spreche vom Militär eines Staates oder einer Staatengruppe (z.B. die Nato oder die UN als Äquivalent zu den Verbündeten Ländern). Seine Macht besteht indes nicht in Magie, sondern in Waffen – Waffen und auf deren Benutzung trainierte Soldaten. Damit besitzt das Militär ein potentielles Instrument, mit dem es die Macht im Land an sich reißen und eine Militärdiktatur errichten könnte. Weder die Regierung noch die Bevölkerung hätten dem viel entgegenzusetzen.

In vielen Ländern dient das Militär seinem Land nicht nur im Fall einer kriegerischen Bedrohung, sondern auch bei anderen Katastrophen und schützt damit die Bevölkerung. Aber es gibt auch Länder, in denen diejenigen mit Macht diese nutzen, um über den Rest der Bevölkerung zu herrschen, was nicht selten mit Menschenrechtsverletzungen und Beschneidung von Persönlichkeitsrechten einhergeht. Oft unterscheidet sich die dort gelebte Kultur von der unseren. Natürlich gibt es auch in den westlichen Ländern Fälle von Größenwahn, die in sowas wie Hitler oder Stalin gipfeln. Doch wir wissen alle, wie das ausging.

Bevor das hier zu politisch wird und mir nachher noch unterstellt wird, ich wäre ein Terrorist oder würde hier eine Anleitung zum Ergreifen der Weltherrschaft bereitstellen, begebe ich mich wieder in sicherere Gefilde. Zudem kann ich die psychologischen und sozialwissenschaftlichen Aspekte der Frage, warum man sich unabhängig von der eigenen Macht einer höheren Instanz unterordnet, nicht hinreichend abdecken und nur auf Grund dessen argumentieren, was sich für mich instinktiv richtig oder falsch anfühlt.

 

Die Stellung der Magier in Black Magician

Die Gildenmagier werden zwar im Kriegsfall als Streitmacht eingesetzt, aber hinter ihrer politischen Passivität und der Loyalität zu ihrem König und der zivilisierten Lebensweise der Kyralier steckt ein noch sehr viel essentiellerer Grund: In erster Linie sind die Gildenmagier nichts als ein Haufen verschrobener Gelehrter, die in ihrer eigenen Welt leben. Sie interessieren sich kaum bis gar nicht für die Dinge, die sich außerhalb ihrer Gilde ereignen – sind ihnen gegenüber oft sogar blind – und sie sind glücklich damit, übereinander zu tratschen oder ihre kleinen Intrigen gegeneinander auszuspielen. Nachdem ich selbst vier Jahre einem Institut einer deutschen Universität gearbeitet habe, kann ich die Lebensweise der Gildenmagier mehr als nachvollziehen und finde mich darin wieder. Die an meinem ehemaligen Institut angestellten Wissenschaftler hatten außer dem Unterrichten von Studenten, dem Schreiben von Papern und Forschungsanträgen und ihren Kleinkriegen darüber, welche Theorie zu einem Phänomen nun die Richtige ist, nicht viel anderes im Kopf. Die Wissenschaft und die Lehre haben ihr Leben dominiert. Natürlich gab es auch hier ein paar statistische Ausreißer, aber wo gibt es die nicht?

In Black Magician gebieten diese verschrobenen Gelehrten zusätzlich über Magie, womit sie gegenüber der Bevölkerung die obenerwähnte Machtposition erlangen. Das rechtfertigt für mich dennoch nicht, wieso sie ihre Macht nutzen sollten, um gegen den König zu rebellieren oder an seiner statt zu herrschen. Muss denn bloß, weil es Magie gibt, auch ein Magier herrschen? Zudem ist Kyralia ein zivilisiertes Land und mit einem zivilisierten Wertesystem und entsprechenden Gesetzen. Wie bei uns das Militär dürfen auch die Gildenmagier keine Willkür an Nichtmagiern walten lassen, sondern dienen vielmehr zu deren Schutz. Um diesen zu gewährleisten, verbietet das Gesetz zudem, dass Magier außerhalb der Gilde existieren und es ist eine der Aufgaben der Gilde, diese aufzuspüren und unter ihre Kontrolle zu bringen.

Für eine mittelalterliche Fantasywelt ist das gewiss ungewöhnlich, doch die Welt von Black Magician ist nicht die einzige Fantasywelt mit fortschrittlichen Elementen. Was meiner Meinung nach auch völlig legitim ist. Schon die Menschen der Antike (Griechen, Römer etc.) verfügten über Staatsformen, die den heutigen ähneln, während das Mittelalter in dieser Hinsicht ein krasser Rückschritt war. In einer fiktiven Welt, deren Technologie und Wissenschaft sich auf mittelalterlichem Stand befindet, muss dies nicht zwingend auch geschehen sein. In den Büchern finden sich zudem Hinweise auf altertümliche Hochkulturen von Magiern, die bereits ähnlich zivilisiert waren.

Wenn man die Vorgeschichte zu Black Magician, The Magician’s Apprentice, liest, wird zudem klar, dass die Lebensweise der Magier historisch bedingt ist. Einst war Kyralia von feindlichen Magiern besetzt, die die Bevölkerung unterdrückt haben. Es wird zwar nicht erwähnt, doch nachdem Kyralia seine Unabhängigkeit erlangt hat, ist es naheliegend, dass die Bewohner keinen Magier als König wollten. Natürlich gab es in Kyralia noch immer Magier, doch diese lebten damals über das Land verstreut und genossen hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Sie hatten in etwa den Stellenwert von Lehnsherren. Nach einem erneuten Krieg gegen die einstigen Besatzer haben sie ihre Gilde gegründet. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden die strengen Gesetze eingeführt, denen die Gildenmagier während Black Magician unterliegen. In jene Zeit fällt auch das Verbot höherer Magie, nachdem ein Magier vom Größenwahn befallen wurde und anfing, seine Macht zu missbrauchen. Daraufhin wurden sämtliche Referenzen über höhere Magie aus der Geschichte getilgt, was gewiss einen leicht utopischen Eindruck der Lebensweise der Magier bewirkt. Meiner Meinung nach ist dies eine natürliche Reaktion, die aus dem Wunsch resultiert, ein solches Szenario nicht noch einmal erleben zu müssen. Die Furcht der Herrscher Kyralias in Bezug auf nicht kontrollierbare Magier hat sich nichtsdestotrotz bis heute gehalten.

Die Gildenmagier sind jedoch nicht die einzigen Magier in dem von Canavan geschaffenen Universum. Mit Sachaka, jenem Land, dessen Magier Kyralia einst besetzt gehalten hatten, hat Canavan ein zu den friedliebenden Gildenmagiern krasses Gegenbeispiel erschaffen. Dort herrschen die Magier über den Rest der Bevölkerung und selbst der König ist ein Magier. Die Lebensweise der Sachakaner geht nach unserem Verständnis mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen einher und auch die Kultur unterscheidet sich grundlegend von der Kultur der Kyralier und damit auch unserer eigenen. Auch die Sachakaner haben ein System, um ihre Magier zu bestrafen, doch da sie höhere Magie beherrschen, bleibt oft nur die Verbannung in die Ödländer. Diese kommt jedoch einem Todesurteil gleich. Die Ödländer bieten nicht viel Nahrung und die dort lebenden Magier kämpfen gegeneinander und ums Überleben. Nichtsdestotrotz zeigt Canavan an Sachaka, was geschieht, wenn Menschen ihre Macht auszunutzen, um über andere zu herrschen. Ich wage daher zu behaupten, dass dies auch eine Frage von Kultur und Wertesystem ist.

 

Magier in anderen fiktiven Welten und in Parallelgesellschaften

Die Magier bei Black Magician sind nicht die Einzigen, die ihre Magie nicht ausnutzen. Die Zauberer in Harry Potter leben in einer Parallelgesellschaft verborgen vor den Augen der Muggel. Damit sind sie zwar nur indirekt mit den Gildenmagiern vergleichbar, trotzdem kann man fragen, warum sie so leben, wenn es doch angeblich dem menschlichen Naturell entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben? Ich habe die Bücher vor Jahren gelesen, x-mal die Hörbücher gehört und mindestens ebenso oft die Filme gesehen und ich kann mich an keine Stelle erinnern, wo eine Begründung geliefert wird. Als Zauberer wären sie mächtig genug, über die Muggel zu herrschen, doch stattdessen ziehen sie ein Leben in ihrer eigenen Welt vor (sieht man jetzt einmal von dem guten alten Voldemort und seinem Größenwahn ab). Warum entscheidet das Zaubereiministerium nicht, die britische Regierung und die Queen zu stürzen und selbst zu regieren?

Tatsächlich liefert Frau Rowling dazu keine Begründung (sollte es doch eine geben, so dürft ihr mir dies gerne mitteilen!). Vielmehr habe ich den Eindruck, dass es hier darum geht, den Leser gemeinsam mit Harry in eine magische Welt zu entführen, mit sowohl Leser als auch Protagonist ihrem Leben entfliehen können. Da Harry Potter als Kinderbuch begann, käme dies zumindest nicht überraschend. Natürlich kann man hinterfragen, warum die Zauberer im Verborgenen leben, aber wenn ich ein Zauberer wäre, hätte ich vermutlich auch keinen Bock unter Muggeln zu leben.

Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig. Die Zauberer in Harry Potter unterstehen keiner nichtmagischen Instanz, sondern nur dem Zaubereiminister. Sie bilden ihre eigene, in sich geschlossene Parallelgesellschaft. Die Gildenmagier haben zwar ihre höheren Magier und den Hohen Lord, unterstehen aber letztendlich dem König und sind Teil einer überwiegend nichtmagischen Gesellschaft. Dennoch könnte man auch hier fragen, warum sie ihre Macht nicht einsetzen, um über die Muggel zu herrschen, wenn das doch angeblich der menschlichen Natur entspricht.

Eine andere fiktive Gruppe, deren Prinzip den Gildenmagiern ähnlicher ist, sind die Jedi der Alten Republik. Über Jahrtausende haben sie für Recht und Ordnung in ihrer weit, weit entfernten Galaxie gesorgt, während der Senat die Alte Republik regierte. Auch die Jedi unterlagen Regeln, die besagten, dass sie sich nicht in die Politik einmischen, und diese stimmten mit ihrem Wertesystem überein. Ich sehe nicht, was daran fragwürdig oder unnatürlich sein sollte.

Es gibt Dinge, die sind so natürlich und entsprechen dem gesunden Menschenverstand, dass man sie nicht hinterfragen muss. Im Falle meiner Lieblingsbücher habe ich mir dennoch einmal die Zeit genommen, diese Sache genauer zu analysieren, was für mich persönlich überaus spannend und erkenntnisreich war. Letztendlich kann ich in der von Canavans Lebensweise der Gildenmagier keinen Fehler sehen. Sie sind vielmehr ein Beispiel für eine sehr moderne und zivilisierte Kultur.

Ab dem nächsten Artikel werde ich mich mit ernsthaften Schwächen der Bücher befassen. Als erstes wird es dabei um die Tiefe und Komplexität der Charaktere gehen.