Kategorie: Charakterstudien

Alles nur geklaut: Von Crossover-Charakteren, Interferenzen und der Wahrheit über meine OCs

Alles nur geklaut: Von Crossover-Charakteren, Interferenzen und der Wahrheit über meine OCs

Es ist unglaublich, wie eine Erkenntnis manchmal zu etwas völlig anderem führt. Wie sie dabei einen Zauber schafft und in letzter Konsequenz einen anderen Zauber aufhebt. Wie in diesem Fall die Wahrheit über die OCs (OC = Own Character) in meinen Geschichten.

Aber der Reihe nach.

Vor ein paar Tagen, nach ausgiebigem Schwelgen meinem NaNo-Projekt „The Project which may not be named“, wurde mir klar, dass ich dem Hauptcharakter hoffnungslos verfallen bin. Der Prozess war schleichend und ich hatte nicht einkalkuliert, dass es so eskaliert. Und der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein. Als wäre es nicht schon genug, dass ich neben Akkarin einen zweiten Buchcharakter zum Lieblingscharakter erhoben habe! Die Wahrheit ist jedoch: Es ist strenggenommen kein dritter Charakter. Ich habe etwas getan, das ich früher schon unbewusst getan habe, wenn auch nicht in diesem Extrem:

Ich habe zwei großartige Charaktere miteinander gekreuzt.

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Der ’schwache’ Akkarin – warum Liebe nicht zu einem romantischen Helden machen kann

Der ’schwache’ Akkarin – warum Liebe nicht zu einem romantischen Helden machen kann

Erinnert ihr euch an diesen bösen, bösen Artikel? Dort habe ich mich recht ausführlich der Beziehung von Akkarin und Sonea gewidmet und in diesem Zusammenhang Akkarins Darstellung, ab ihrer Verbannung nach Sachaka kritisiert.

Damals war ich der Meinung, dass Canavan an dieser Stelle zu einfach gedacht hat und Akkarins Verhalten einer anfänglichen Verliebtheit zuzuschreiben ist, weil die Tatsache, dass er sich verliebt, nicht mal eben fünf Jahre Sklaverei heilt. Und ich schrieb, dass diese Entwicklung und ihre „Liebe heilt alle Wunden“-Message vermutlich dafür sorgt, dass er in so vielen Fanfictions weichgespült wird.

Und dieser Meinung bin ich noch immer.

Allerdings sehe ich inzwischen einen weiteren Grund für sein Verhalten während der Verbannung. Und unabhängig davon, was Canavan sich bei dieser Entwicklung gedacht oder auch nicht gedacht hat, erklärt dies aus psychologischer Sicht mehr, als Verliebtheit könnte. Die Verliebtheit ist dabei zwar ein nicht unerheblicher Faktor, doch dass Akkarin während dieser Kapitel so überhaupt nicht akkarin wirkt, hat einen schwerwiegenden Grund.

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Schreibst du noch oder fangirlst du schon? – Wenn ein perfekter Charakter noch perfekter wird

Schreibst du noch oder fangirlst du schon? – Wenn ein perfekter Charakter noch perfekter wird

Seit ca. zwei Wochen arbeite ich mich als Vorbereitung auf den NaNoWriMo im November wieder in ’Die Königsmörderin’ ein. Zu diesem Thema kommt demnächst auch noch ein ausführlicher Blogartikel, doch momentan treibt mich dabei vor allem ein bestimmtes Thema um, das mich regelmäßig in die höchsten Höhen des Fangirlhimmels katapultiert.

Ihr könnt es euch vielleicht schon denken, es geht um niemand anderen als um Akkarin.

Oder besser gesagt: Akkarin und seine ’dunkle Seite’, wie er sich immer so schön ausdrückt.

Denn o-mein-Gott ehrlich, das war eine meiner besten Eingebungen, die ich bei diesem Charakter jemals hatte. Weil sie ihn auf eine Weise komplettiert, die die Bücher nur erahnen lassen.

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt: Ihr lest eine Fanfiction und schüttelt den Kopf, weil euer Lieblingscharakter überhaupt nicht so wie im Original ist. Mir ergeht es manchmal so, wenn ich ein Projekt nach längerer Zeit wiederaufnehme, oder während der Überarbeitung. Jedes Mal, wenn ich dieses Gefühl habe, wenn der Charakter weder zu seiner Vorlage noch zu dem bisher Geschriebenen passt, weiß ich, dass er an dieser speziellen Stelle aus welchen Gründen auch immer (müde, abgelenkt, nicht richtig im Schreibfluss, Zeitdruck im Word War etc.) ein kleines bisschen ooc geraten ist.

In allem, was ich bis jetzt von meiner zweiten Trilogie geschrieben habe, ist das mit Akkarin jedoch das genaue Gegenteil.

Ich habe das Gefühl, dass er noch perfekter – noch mehr akkarin, als in den Büchern ist.

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Akkarin, der introvertierte Hohe Lord

Akkarin, der introvertierte Hohe Lord


Warum es leichter ist, sich einem Fremden anzuvertrauen

Im heutigen Artikel geht es um ein Thema, über das ich vor wenigen Wochen mit einer meiner Testleserinnen diskutiert habe, während sie sich ’Schwärzer als die Nacht’ vorgeknöpft hat. Und weil ich dieses Thema nicht nur für diese Geschichte wichtig finde, sondern weil es sich lohnt darüber nachzudenken, will man Akkarin als Figur verstehen, habe ich diesem Thema einen Artikel gewidmet.

Es geht um die Frage, warum Akkarin sich in ’The High Lord’ ausgerechnet seiner Novizin anvertraut, wenn doch Lorlen sein bester Freund ist.

Motivation

Für Teil zwei und drei meiner ’Schwarze-Sonnen’ Trilogie habe ich mich verschiedene Fragen rund um Akkarins und Lorlens Verhalten auseinandergesetzt. Zahlreiche Passagen, die beim Lesen der Bücher auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheinen, brauchen eine plausible Erklärung, will man sie canontreu aus Akkarins Perspektive schreiben und diese Lücken in den Büchern schließen.

Einige dieser Themen habe ich auch unabhängig von meiner Akkarin-Trilogie mit anderen Fans diskutiert, darunter Testleser, Autorenfreunde und Leser, mit denen ich inzwischen auch privat in Kontakt stehe. Und ich finde es immer wieder faszinierend, wie andere diese Stellen interpretieren, auch wenn sich im Laufe einer Diskussion häufig herausstellt, dass unsere Theorien sich ähneln.

Sobald es jedoch um Akkarin geht, sobald dieser etwas tut, was ihn auf den ersten Blick in ein schlechtes Licht rückt, werden auch seine Gegner wach und verurteilen ihn für sein Verhalten. Besonders in Forumsdiskussionen, aber auch in Rezensionen, stößt seine Entscheidung, sich seiner Novizin anzuvertrauen, häufig auf ein Unverständnis, das mich gelinde gesagt schockiert.

In ’The High Lord’ ist dies ein zentraler Punkt, der die Handlung maßgeblich beeinflusst, und daher eine  Erklärung wert.

Vielleicht ist es jedoch auch eine Frage von Veranlagung und persönlicher Erfahrung, ob man Akkarins Entscheidungen und Motive nachvollziehen kann. Hier sehe ich vor allem zwei Aspekte, die sich bei Akkarin gegenseitig bedingen und die viele seiner Handlungen in den Büchern beeinflussen:

Introvertiertheit und Kontrollzwang.

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Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 2)

Von D/s-Beziehungen, BDSM und den schwarzen Magiern (Teil 2)

Teil 2 – Akkarin & Sonea

Nachdem ich mich in Teil 1 mit Sachaka und schwarzer Magie im Kontext von BDSM beschäftigt habe, komme ich nun zu dem etwas ’unbequemeren’ Teil. Also liebe Fangirls, entweder ihr lest diesen Artikel nicht oder seid jetzt ganz tapfer.

Die Beziehung von Akkarin und Sonea in The Black Magician ist von einem Machtgefälle geprägt, das zunächst von beiden Seiten widerwillig ist, mit der Zeit jedoch einvernehmlich wird. Auch ohne sich Gedanken über die Figuren und ihre Hintergründe zu machen, zeigt ’The High Lord’, dass die beiden mit einem einvernehmlichen Machtgefälle am besten harmonieren. Machtgefälle bedeutet jedoch nicht zwingend D/s-Beziehung und BDSM-Praktiken. Dennoch halte ich das Zustandekommen dieser in einer langfristigen Beziehung der beiden für plausibler als die möglichen Alternativen. Warum, erkläre ich in diesem Artikel.

Für alle, die noch nichts oder noch nicht viel von mir gelesen haben, aber mit dem Gedanken spielen: Es ist nicht so schlimm, wie dieser Artikel euch vielleicht glauben lässt. Ich stehe nicht so auf Porno und Sexszenen, die nur zum Löcherfüllen dienen. Der Rest von euch darf sich seinen Teil gerne denken.

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Die Bösewichte der schwarzen Magier

Vor einer kleinen Weile hatte ich anlässlich meiner Fergun-Satire Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten mit einer Leserin eine Diskussion darüber, wer von beiden der schlimmere Bösewicht ist: Regin oder Fergun, wobei wir ziemlich unterschiedlicher Meinung waren. Das und die Tatsache, dass ich die Bücher zu jener Zeit wieder einmal gelesen habe, hat mich dazu gebracht, mich etwas detaillierter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Egal, wie oft ich die Trilogie schon gelesen habe – ich habe den Eindruck, als würden die Antagonisten mit jedem Buch böser und mächtiger. Im ersten Buch ist es der intrigante Lord Fergun, der Sonea erpresst, um der Gilde zu beweisen, dass es ein Fehler ist, Novizen aus den Hüttenvierteln aufzunehmen. Im zweiten Buch ist es Soneas Klassemkamerad Regin, der sie ein ganzes Jahr lang aufs Extremste mobbt und dabei keinerlei Skrupel kennt. Und im dritten Buch ist es Kariko, der erst gegen Ende auftritt, dafür jedoch mit seinen Verbündeten Tod und Zerstörung über die Gilde bringt.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich Kariko von den Dreien am liebsten mag. Und das, obwohl er Akkarin am Ende tötet. Kariko hat Charakter. Er ist nicht nur auf eine dunkle Weise attraktiv und besitzt ein für mich unwiderstehliches Charisma, wo Regin und Fergun mich nur abstoßen – er hat auch die ehrbarsten Motive. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, inwiefern die Motive eines Antagonisten überhaupt ehrbar sein können, doch Rache für den Mord an seinem Bruder und für die Verwüstung, die die frühe Gilde in Sachaka angerichtet hat und unter der das Land noch immer leidet, ebenso wie seine Hoffnug, wieder Teil der sachakanischen Gesellschaft zu werden, erscheinen mir als weniger niederträchtig als die Motive von Regin und Fergun, die von Hass und Herablassung gegenüber einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht geprägt sind.

Neben Kariko wirken Regin und Fergun blass – und doch ist der Großteil dieses Artikels ihnen gewidmet. Insbesondere Regin wirkt auf mich flach und damit oft mehr nervtötend als alles andere. Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund seiner Taten und nichts fügt Regins Charakter weitere Facetten hinzu, die ihm Komplexität verleihen. Er hasst Sonea von dem Augenblick an, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen, und tut fortan alles, um ihr das Leben nach bestem Können zur Hölle zu machen.

Fergun gelingt es jedoch, dass man bis zu einem gewissen Grad Mitleid mit ihm empfindet. Sogar Sonea empfindet so, bevor sie erfährt, dass er ihren Freund gefangen hält. Denn wo Regin stolz ist, ein Magier zu sein, wollte Fergun das niemals sein. Trotz seines schwachen magischen Potentials haben seine Eltern ihn zur Gilde geschickt, da es seiner Familie des kyralischen Adels Ansehen einbringt, einen Magier in ihren Reihen zu haben. Damit wurde Ferguns Traum, Schwertkämpfer zu werden, ein jähes Ende bereitet. Da es ihm an magischer Stärke mangelt, musste Fergun sich in der Gilde auf andere Weise behaupten. In The Magicians’ Guild lernen wir Fergun als intriganten und arroganten Widerling kennen und das lässt darauf schließen, wie ihm das gelungen ist. Ich empfinde seine Figur daher als komplexer als die des Regin, eben weil man die Hintergründe seines Handelns kennenlernt und weil er damit (zumindest in mir) widersprüchliche Reaktionen und bis zu einem gewissen Grad Verständnis hervorruft, wo ich Regin einfach nur hasse.

Ich gehöre zu den Menschen, die ergründen wollen, warum jemand eine bestimmte Persönlichkeit entwickelt hat. Gerade die Antagonisten und Badass-Typen faszinieren mich in dieser Hinsicht. Und da hat Fergun auf Grund seiner Hintergrundgeschichte das Potential zu polarisieren, wenn man genau hinsieht. Regin fehlt dies, weil man sonst schlichtweg nichts über ihn erfährt.

Wo es Regin jedoch an Komplexität mangelt, ist er umso bösartiger und durchtriebener. Bei seinen fortwährenden Mobbing-Aktionen geht er unglaublich berechnend vor. Die Art und Weise, wie er Sonea mit den anderen Novizen auflauert, setzt eine intelligente Planung voraus. So auch seine Versuche, Sonea von anderen zu isolieren. So setzt er das Gerücht in die Welt, sie habe mit ihrem Mentor Rothen eine Affäre, und sorgt dafür, dass ihr einziger Freund unter den Novizen einen ’Unfall’ erleidet. Allein die Tatsache, dass er willentlich anderen schadet (egal ob physikalisch als durch die Zerstörung des Rufes), zeugt von einer nicht zu verachtenden Bösartigkeit und Skrupellosigkeit. Dazu kommt, dass Regin von Natur aus ein Anführer ist. Er schart seine Klassenkameraden um sich, womit er zugleich einen Mob zur Verfügung hat, den er auf Sonea hetzen kann und den er braucht, weil sie ihm an magischer Stärke überlegen ist. Er ist sogar bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen, sollten sie erwischt werden oder Sonea ihrem Mentor von diesem Vorfall berichten.

„I told you“, Regin said between strikes. „She won’t tell him [her guardian]. […] If she does, I’ll take responsibility. I’m willing to do that, just to prove it to you. What have you got to lose?“ (Kapitel 26, The Novice)

Es kümmert Regin nicht, ob Sonea dabei ernsthaften Schaden erleidet, denn sie ist nur das Hüttenmädchen, dass in der Gilde nichts zu suchen hat. Er quält Sonea selbst dann noch, als sie kraftlos am Boden liegt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu verteidigen.

The strikes ceased. In the silence, Regin looked at the others one by one and grinned. „See? Now let’s put her in her proper place.“ As he turned back to regard her, she saw the malicious glint in his eyes and realised that exhausting her hat just been the first part of his plan. […] „Well I’ve always wondered what stunstrike did“, she heard Regin say. „Like to try it?“ (Kapitel 26, The Novice)

Für mich zeigt dies, dass Regin nicht einfach nur ein dummer Novize ist, der nicht weiß, was er tut oder sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Hinter all seinen Taten steckt jede Menge Berechnung, Skrupellosigkeit und kriminelle Energie. Wenn ich solche Szenen lese, dann wird mir regelrecht schlecht – insbesondere wenn ich daran denke, was Canavan in ihrer Fortsetzung getan hat (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Regin und Sonea). Abgesehen von der Tatsache, dass aus so etwas niemals eine gesunde Beziehung entstehen kann, ist es eine Frechheit, Regins Aktionen dort als ’dumme Novizenstreiche’ zu verharmlosen.

Auch Fergun weiß, dass er mit seiner kleinen Intrige die Regeln der Gilde bricht, doch insgesamt fehlen ihm die kriminelle Energie und die Persönlichkeit, um einen glaubhaften Bösewicht abzugeben. Als er Cery unter der Universität gefangen hält, bringt er ihm Essen und Decken und heilt sogar seinen Arm, als Cery ihn angreift und Fergun sich aus Reflex verteidigt. Ich scheitere an der Vorstellung, dass Regin so etwas tun würde. Fergun ist sich der Konsequenzen seines Tuns bewusst, sein Plan wirkt auf mich jedoch ziemlich willkürlich und mangelhaft durchdacht. Eine intelligente Vorgehensweise wie bei Regins Aktionen fehlt mir dabei weitgehend.

„I don’t know [if he’ll let me go]. He hasn’t been nasty. Thieves would’ve been worse.“ He hesitated. „I don’t think, he knows what he’s doing.“ (Cery, Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Fergun ist nur gegenüber jenen stark, die schwächer sind als er. Er hat keine Probleme damit, ein ganzes Haus auseinanderzunehmen und seine Bewohner obdachlos zu machen, aber ich bezweifle, dass er in der Lage wäre, Cery zu töten, so wie er es immer wieder androht. Er würde ihn verhungern lassen, ja, aber er ich traue ihm nicht zu, einen Menschen aktiv zu töten. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Charakterstärke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Regin zutrauen würde, doch in jedem Fall kennt er weitaus weniger Skrupel gegenüber seinen Opfern.

An einigen Stellen kann man Fergun die Unsicherheit sogar anmerken:

„Trust you?“ She snorted loudly and forced herself to stare into his eyes. „I want to see him. If I don’t, I might have to ask Administrator Lorlen if blackmail is a crime in the Guild.“

His lips curled into a sneer. „You’re in no position to make such threats.“

„Aren’t I? […] I know all about this kind of blackmail. I’ve lived with the Thieves, remember? You need to make it clear that you can carry out your threat. All I’ve seen is a dagger. Why should I believe you have its owner?“ She turned to meet his gaze and was gratified to see his stare falter. (Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Durch seine Vorgeschichte ist Fergun für mich eher unfreiwillig böse. Ich kann mir vorstellen, dass Regin sich mit dem Erwachsenwerden ein wenig mäßigt, aber diese Berechnung, die Skrupellosigkeit und seine Arroganz werden bestehenbleiben und ihn weiterhin zu solchen Aktionen befähigen. Fergun war nicht einmal in seiner Jugend nicht so schlimm, wie Regin es ist. Wir erfahren nicht viel über seine Zeit als Novize, doch seine Fehde mit Dannyl beruht auf Gegenseitigkeit. Beide spielen einander Streiche wie rivalisierende pubertierende Jungs es tun und Fergun rächt sich schließlich auf ziemlich widerwärtige Weise.

Fergun und Regin sind von ähnlichen Motiven getrieben. Beide sind aus reichem Haus, arrogant und der Meinung, dass Novizen aus den Hüttenvierteln in der Gilde nichts zu suchen haben, doch darüber hinaus sind sie zwei sehr unterschiedliche Personen.

Die Frage, welcher von beiden der Bösere ist, beantwortet sich für mich unter anderem durch ihre jeweilige Charakterstärke, ihre Skrupellosigkeit und das Maß ihrer kriminellen Energie. Und da liegt Regin für mich weit vorne. Fergun ist der komplexere Bösewicht von beiden, aber Regin ist eindeutig der skrupellosere. Angesichts dessen, was mir beim Schreiben dieses Artikels über Regin durch den Kopf ging (und das so zeitnah zum erneuten Lesen der Bücher), macht mich das Wissen um Canavans Fortsetzung noch einmal wütender.

Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir mit dieser Analyse zu oder findet ihr Fergun sehr viel schlimmer? Oder seid ihr sogar der Meinung, Regin und Sonea würden das perfekte Paar geben?

50 Shades of Akkarin – warum Akkarin kein romantischer Held ist

In Vorbereitung auf diesen Artikel hatte ich vor einer Weile meine Meinung zum OOC-Phänomen im Allgemeinen geschrieben. Ich finde, damit genug Verständnis gezeigt zu haben. Bei meiner Lieblingsbuchreihe – insbesondere meinem Lieblings-Buchcharakter – findet alles Verständnis jedoch ein jähes Ende.

Da Akkarin das Fangirl-Objekt von so ziemlich jedem weiblichen Leser von The Black Magician ist, wird sein Charakter am stärksten und häufigsten verzerrt und zu einer Art romantischem Helden idealisiert. Oft hat er mit seiner facettenreichen und faszinierenden Vorlage nicht viel mehr als seinen Namen und die schwarzen Roben gemein und er wird auf etwas reduziert, was einfach nicht mehr akkarin ist.

Obwohl ich die Gründe nachvollziehen kann, verstören mich die Resultate. Wäre es gewollte OOC-ness, so könnte ich dem unter Umständen etwas abgewinnen, wenn die Umsetzung amüsant ist. Aber ich habe außer einer AU-Fanfiction, in der Akkarin und Sonea böse sind, bis jetzt noch Geschichte gefunden, in der das der Fall wäre.

Wenn ich eine fiktive oder reale Person toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich würde sie niemals ändern wollen und ihre negativen Seiten als Teil ihrer selbst akzeptieren. Fange ich an, jene Person zu ändern, so ist das frei nach Max Frisch das Gegenteil von Liebe. Denn in unserem Geist entsteht ein Bildnis dieser Person, das sie uns so sehen lässt, wie wir sie sehen wollen. Dabei ignorieren wir beflissentlich, was wir nicht sehen wollen und projizieren in die Person ein Stück von uns selbst. Egal ob Buchcharakter oder reale Person – sobald der Punkt, an dem ich anfange jemand anderen zu verbiegen, erreicht ist, ist dieser Mensch nur noch ein Platzhalter für meine eigenen Wünsche und Phantasien.

Tue ich dies einem Buchcharakter an, der sich dagegen nicht einmal wehren kann, so ist das in gewisser Weise eine Vergewaltigung dieser Figur. Wie kann das dann noch Fan-Liebe sein?

Wir alle, die wir Akkarin anhimmeln, tun dies, weil er so ist, wie er ist: finster, mysteriös, skrupellos, hart und unberechenbar – und vor allem absolut ehrfurchtgebietend. Ihn dieser Eigenschaften zu berauben ist, als würde man eine andere Figur aus ihm machen – eine Figur, in die wir uns nicht verliebt haben.

Liebe Fangirls, bitte nehmt diesen Artikel, so provokant er sein mag, nicht persönlich. Betrachtet ihn als Augenöffner. Und vielleicht stimmt ihr mir nach dieser Lektüre sogar zu, dass euer geliebter Akkarin kein romantischer Held ist.

Akkarin ist nicht ’schön’. Er betrinkt sich nicht sinnlos, prügelt sich nicht mit anderen Magiern, macht keine Strandausflüge mit den Novizen, schreitet nicht wie der strahlende Ritter ein, wenn Sonea von anderen Novizen gemobbt wird – und er raspelt garantiert kein Süßholz.

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Warum Sonea keine Mary Sue ist

Die Idee, diesen Artikel zu schreiben, hatte ich schon länger. Tatsächlich bin ich jedoch durch diesen Post im Fanfiktion.de-Forum auf die Idee gekommen.

Eigentlich ging es um magische Ausbildungssysteme und ich hatte mich in der Hoffnung, dass dies eine sinnvolle Diskussion würde, daran zu beteiligen versucht. Den Zusammenhang der folgenden Posts mit meinem eigenen suche ich übrigens immer noch vergebens.

Ich hatte die erste Antwort verspätet gesehen und wie das so ist, wenn ich etwas in einem Forum schreiben will, antworten in der Zwischenzeit tausend andere Leute und machen meinen Beitrag damit hinfällig. Ich hatte kurz überlegt, trotzdem etwas zu schreiben und auf die anderen User einzugehen, aber bei dem Niveau, auf dem sich die Diskussionen in diesem Forum leider viel zu häufig bewegen, wollte ich mir den damit verbundenen emotionalen Stress ersparen. Zumal ich mich nicht gerne an Off-Topic-Diskussionen beteilige.

Da ich nun seit fast auf den Tag genau sechs Jahren in der Welt von Black Magician mein geistiges und emotionales Refugium etabliert habe, verspüre ich dennoch das Bedürfnis, zu dieser Antwort in irgendeiner Weise Stellung zu beziehen. Zumal ich der Meinung bin, dass man als Fan auch zu den Schwachpunkten des geliebten Fandoms stehen können sollte.

Deswegen habe ich mich für eine Reihe von Blogartikeln entschlossen, in denen ich zuerst mit den Vorurteilen aufräumen will und anschließend einige wirkliche Schwächen der Bücher aufzeigen möchte, die im weiteren Verlauf jenes Threads auch angesprochen wurden.

von lydiakang.blogspot.com – einige dieser Kriterien lassen sich in so ziemlich jedem fiktiven Charakter finden. Kritisch wird es erst, wenn fast alle Punkte zutreffen, zumal die Superkräfte für fast alle Charaktere aus Black Magician gelten.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema „Warum Sonea keine Mary Sue ist“

Such characters were generally original female adolescents who had romantic liaisons with established canonical adult characters, or in some cases were the younger relatives or protégées of those characters. By 1976 Menagerie’s editors stated that they disliked such characters, saying:

Mary Sue stories—the adventures of the youngest and smartest ever person to graduate from the academy and ever get a commission at such a tender age. Usually characterized by unprecedented skill in everything from art to zoology, including karate and arm-wrestling. This character can also be found burrowing her way into the good graces/heart/mind of one of the Big Three [Kirk, Spock, and McCoy], if not all three at once. She saves the day by her wit and ability, and, if we are lucky, has the good grace to die at the end, being grieved by the entire ship. (aus: https://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Sue)

Zugegebenermaßen habe ich den Eindruck, dass Mary Sue ein beliebtes Totschlagargument ist, sobald man einen Charakter nicht leiden kann.

Sonea ist nicht perfekt. Sie hat Ecken und Kanten. Sie besitzt einen gewissen Intellekt und hat eine rasche Auffassungsgabe. Ohne dies hätte sie nicht so lange in den Hüttenvierteln überlebt. Tatsächlich ist es sogar so, dass sie nicht einmal immer rationale Entscheidungen trifft. Man kann jetzt darüber streiten, ob ihre Figur damit konsequent entwickelt ist, oder ob Charaktere sich auch hin und wieder unlogisch verhalten dürfen und auch müssen. Doch ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich an jeder Stelle exakt wie sie gehandelt hätte. Deswegen kann ich sie nur als überaus menschlichen Charakter empfinden.

Eine Mary Sue ist ein flacher Charakter, der sich nicht mehr entwickelt, weil er bereits perfekt ist. Sonea macht jedoch von allen Erzählcharakteren die größte Entwicklung durch, weil ihr Leben sich während der gesamten Trilogie am meisten verändert (bei den Non-Erzählcharakteren ist es übrigens Akkarin). So überwindet sie ihre Vorurteile und ihre Furcht vor den Magiern, passt sich an deren Sitten an. Allerdings kommt sie mit den anderen Novizen nicht zurecht und lässt sich völlig eingeschüchtert von ihnen mobben, bis sie schließlich über sich hinauswächst und sich wehrt und sich damit den Respekt der Magier und Novizen erarbeitet. Im dritten Buch macht sie noch einmal eine weitere große Wandlung durch, als sie erneut ihre Vorurteile und Furcht überwindet und sich Akkarin anschließt, um für die Verteidigung der Gilde zu kämpfen. Danach kommen übrigens Dannyl und Ceryni, während Rothen und Lorlen sich fast gar nicht entwickeln, dafür aber eine Art moralisches Rückgrat bilden. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Weil eine Mary Sue perfekt ist, fällt ihr alles in den Schoß. Sonea dagegen muss sich alles hart erarbeiten. Dass ihr das gelingt, lässt sich leicht mit ihrer Herkunft begründen. Sie ist es gewohnt, dass ihr das Leben nichts schenkt und eigene Anstrengungen unternehmen muss, um ihre Ziele zu erreichen. In den Hüttenvierteln musste sie jeden Tag ums Überleben kämpfen. Dementsprechend fällt es ihr leicht, die Anforderungen des Studiums zu erfüllen, wo die Novizen aus den Häusern ein verwöhnter Haufen sind.

Eine Mary Sue ist schön, sexy und begehrenswert und die Verehrer stehen Schlange. Im Idealfall hat sie zudem mehrere Beziehungen. Sonea ist alles andere als das. Sie ist kleinwüchsig, unterernährt und könnte vielleicht ganz passabel aussehen, wenn sie genug zu essen bekäme. Im Verlaufe der Bücher hat sie zwei Verehrer, denen sie jeweils einen Korb gibt, weil der Funke einfach nicht überspringt (Ceryni und Dorrien), und einen ernstzunehmenden Loveinterest (Akkarin), der sich allerdings erst sehr spät entwickelt. Ceryni verliebt sich übrigens im dritten Buch in eine andere Frau. Der Rest der Charaktere steht ihr bis zum Ende des zweiten Buches, wo sich dies aus bekannten Gründen ändert, entweder misstrauisch bis herablassend gegenüber oder ist im Fall der übrigen Erzählcharaktere ihr wohlgesonnen. Allerdings macht die Tatsache, dass die übrigen Erzählcharaktere ihr gegenüber wohlgesonnen sind, noch lange keine Mary Sue, zumal diese Figuren sich auch untereinander wohlgesonnen sind, lässt man einmal Ceryni außen vor, der außer mit Sonea mit keinem der Erzählcharaktere ernsthafte Berührungspunkte hat.

Es ist übrigens nicht richtig, dass Sonea die Protagonistin der Bücher ist. Die Übersetzung der deutschen Titel suggeriert dies, aber tatsächlich ist sie nur einer von fünf Erzählcharakteren, die alle in etwa den gleichen Anteil an Szenen haben.

Der einzige Punkt, an dem Sonea etwas sueig ist, ist ihr außergewöhnlich starkes, magisches Potential. Ich finde, hier hat Canavan tatsächlich etwas übertrieben. Allerdings muss es allein aus Gründen der Statistik Ausreißer wie sie unter den Menschen mit magischem Potential geben. Canavan hätte das etwas weniger drastisch machen können, aber ich finde es für das Lesevergnügen nicht als störend, weil Sonea genug andere Schwächen hat, die sie menschlich machen. Und sind es nicht die Menschen, die in irgendeiner Weise herausragen, die Großes vollbringen?

Und seien wir einmal ehrlich: Wer liest denn gerne eine Geschichte über einen durchschnittlichen Charakter, mit 0815-Fähigkeiten, der nichts erlebt und nichts bewirkt und immer nur ein Mitläufer ist?

Nächste Blogartikel zu dieser Reihe

  1. Das Klischee des gemobbten Waisenkindes und warum wir es brauchen
  2. Magier in Parallelgesellschaften und warum es nicht der menschlichen Natur entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben
  3. Schwächen in Black Magician: Tiefe und Komplexität der Charaktere
  4. Schwächen in Black Magician: Handlungsschwerpunkte
  5. Schwächen in Black Magician: Ist es konsequent, dass Sonea sich von den anderen Novizen einschüchtern lässt?
  6. Schwächen in Black Magician: Das Ende von The High Lord

Klischees im Black Magician Universum (6)

Nr. 6 Der Intrigant, der sich selbst zum Narren macht

Er ist schön, er ist attraktiv, er ist gebildet, er hat güldenes Haar, über das er sich mit Vorliebe streicht, er kommt aus einem reichen und einflussreichen Hause – er ist …

Nein, er ist nicht der Kingslayer, denn dieser hat Klasse. Und lebt in Westeros.

Er ist Fergun.

In der Gilde ist nur unter Seinesgleichen beliebt. Kleine Schleimer und Intriganten, die wie er zu verhindern suchen, dass sich die überall in den Verbündeten Ländern und jenseits davon anerkannte Gilde dem Pöbel öffnet. Jeder Magier, der ein wenig Hirn besitzt, hält nicht viel von Fergun. Und das zu recht.

Der Hohe Lord hat keine allzu hohe Meinung von ihm:

„So what did you tell him?“

„That uncle Fergun had done a bad, bad thing, but not to worry, as the nice men at the Fort would make sure, he was well looked after for all the years he stayed there.“

„I mean what did you tell Nefin?“

„Precisely the same. Well, not in exactly the same words, of course. Not only do they give me the satisfaction of refusing, but I’ve had no marriage proposals from House Maron since Fergun departed. That is an even better reason to keep the man tucked away in the Fort.“

Konversation zwischen Akkarin und Lorlen, Kapitel 4, The Novice

Bei Jerrik ist er unten durch, nachdem er diesem offenbart hat, dass er mit Vorliebe elynische Trivialliteratur liest.

Sogar die Ichani halten nicht besonders viel von seinen magischen Fähigkeiten:

„But he’s weak. I can’t believe they bothered to teach him. He probably can’t even boil water.“

Avala, Kapitel 28, The High Lord

Offengestanden: Ein wenig bedauere ich, dass Avala ihn getötet hat. Auch wenn ich jedes Mal, wenn ein ungeliebter Charakter stirbt, dabei insgeheim eine tiefe Befriedigung verspüre. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, kam mir die glorreiche Idee, eine Badfic zu schreiben: Avala setzt sich über Kariko hinweg und behält Fergun und macht ihn zu ihrem Lustsklaven. Tatsächlich wollte ich schon immer eine Geschichte aus der Perspektive einer dominanten Frau schreiben. Die bloße Vorstellung, wie Fergun vor der heißen und begehrenswerten Ichani-Magierin im Staub kriecht und sich wie ein unwürdiger Wurm zu ihren Füßen windet, beinhaltet ein unglaubliches Amüsement, auf das ich nur schwerlich verzichten kann, jetzt wo es sich in meinem sadistischen Fangirl-Hirn erst manifestiert hat.*

Fergun gibt wirklich sein Bestes, um als intriganter Bösewicht anerkannt zu werden, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Er schwingt große Reden im Abendsaal, mit denen er seinen Standpunkt zum Thema Abschaum und Hüttenviertel nur allzu deutlich macht. Wirklich begeistern kann er damit jedoch nur seine Anhänger. Er hält sich für überaus gerissen, weil er Cery unter der Universität einsperrt und Sonea, die von all den Magiern völlig eingeschüchtert ist, mit ihm erpresst, um seine kleine schmutzige Intrige durchzusetzen. Doch er hat die Rechnung ohne den Hohen Lord gemacht, welcher mit Vorliebe durch die finsteren Geheimgänge streift, weil er dort seine Ruhe vor den anderen Magiern hat. Und ohne seinen früheren Widersacher Dannyl natürlich. Das hat man davon, wenn man andere mobbt.

Feige ist Fergun nämlich auch. Und homophob, wobei man das vermutlich über den Großteil des kyralischen Adels sagen könnte, der sich im Gegensatz zu seinem Nachbarn im Norden aufklärungstechnisch noch im tiefsten Mittelalter befindet. Ferguns Feigheit ist seine herausragendste Charaktereigenschaft. Nur feige Menschen mobben und piesacken andere, vergreifen sich an schwächeren und verstecken sich vor den bösen Feinden, anstatt heldenhaft unterzugehen. Dass Fergun eigentlich Schwertkämpfer werden wollte und frustriert ist, weil seine Eltern ihn stattdessen zur Gilde geschickt haben – und das, obwohl sein magisches Potential so gering ist, dass er mit Mühe und Not Wasser kochen kann – ist für mich keine Entschuldigung für sein Verhalten. Andere Magier wurden weitaus mehr vom Schicksal gebeutelt und wurden dennoch nicht zum Charakterschwein. Selbst jene, die von Fergun persönlich gebeutelt wurden.

Auch hier habe ich wieder einmal nicht die geringste Ahnung, ob Canavan versucht hat, einen Bösewicht zu parodieren oder ob sie einen echten Bösewicht schaffen wollte und ihr das einfach nur misslungen ist. Für mich ist Fergun vor allem Ersteres. Ein Bösewicht, der unfreiwillig komisch ist.

* Ich streite noch mit mir selbst bezüglich des Ratings und wie viel Handlung ich der Story zugestehen soll, da eine Badfic meiner Meinung nach keine nennenswerte Handlung haben sollte. Aber wie soll ich ohne bloß leben?

Klischees im Black Magician Universum (5)

Hach, der hier lag schon etwas länger bei mir rum. Vor gestern Abend konnte ich ihn aber nicht bringen.

Viel Spaß damit!

Nr. 5 Der Anführer, der nichts zu sagen hat (FF)

Sonea unterdrückte ein Kichern. „Nein. Und wir wollen doch ganz bestimmt auch nicht, dass Balkans Roben schmutzig werden.“ „Was Luzille wohl dazu sagen würde?“, murmelte Akkarin mehr zu sich selbst. Sonea kicherte erneut. „Sie wäre sicher alles andere als erfreut.“ Kapitel 32, Der Spion

Balkan war der Letzte, der sich seine schwarze Robe überzog und Blutring und Speicherstein erhielt. „So fühlt man sich also als Hoher Lord“, bemerkte er, nachdem er die Robe über seine eigene gezogen hatte. Kapitel 55, Der Spion

Dieses Klischee ist eher ein satirisches. Meine Parodierung von Balkan entstand aus meiner Frustration über das Ende von The High Lord und der Nichtexistenz eines plausiblen Weges, Akkarin so kurz nach seiner Verbannung wieder zum Oberhaupt der Gilde zu machen. Balkan ist ein brillanter Krieger, aber in meinen Augen mangelt es ihm an diplomatischem und politischem Geschick. Für mich ist er eher ein Vertreter der Basta-Politik.

Davon abgesehen ist er alles andere als ehrfurchtgebietend.

Und dann die weißen Roben! Damit hat Canavan mir ohne es zu wissen die perfekte Vorlage für einen Anführer, der von seinen Gefolgsleuten nicht ernstgenommen wird, geliefert. Beim Schreiben dieses Artikels kam mir kurz der Gedanke, dass sie das vielleicht getan hat, weil sie Akkarin insgeheim auch für den einzig wahren Hohen Lord hält. Aber nachdem ich wieder an ihre Einstellung zum Ende der Trilogie und dem, was sie Akkarin in der Fortsetzung posthum antut, erinnert habe (ich verdränge das ja gerne erfolgreich), bezweifle ich das jedoch.

Nichtsdestotrotz habe ich unglaublichen Spaß daran, Balkan in seinen nicht vorhandenen Bart grummeln zu lassen, wenn seine Autorität wieder einmal untergraben wird. Sei es, weil die anderen Magier sich insgeheim über seine weißen Roben lustig machen, weil es Dannyl irritiert, diesen Mann nicht zu fürchten, oder weil Akkarin sich allenthalben über den Willen der höheren Magier hinwegsetzt und seine eigenen Entscheidungen zum Wohl der Gilde trifft.

Um es auf die Spitze zu treiben, hat der arme Balkan nicht nur in der Gilde nichts zu sagen, sondern auch nicht bei seiner Frau (sonst wäre es schließlich nur der halbe Spaß). Obwohl sie keine Magierin ist, hat Luzille in dieser Beziehung im wahrsten Sinne des Wortes die Roben an. Ursprünglich habe ich ihm Luzille nur deswegen zur Seite gestellt, weil ich der Meinung war, dass es noch einen privaten Grund geben muss, warum der „kleine brummige Bovar“ immer so brummig und grimmig ist. Doch daraus wurde schnell ein Gegenpol zur Beziehung von Sonea und Akkarin, die so ziemlich das komplette Gegenteil ist. Unter diesen Gesichtspunkt ist es umso widersinniger, dass Sonea und Luzille Freundinnen werden konnten. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Der arme Balkan!, werden manche von euch jetzt vielleicht denken. Und ja, wahrscheinlich kann er einem leidtun. Mir tut er jedoch eher wenig leid. Solange er Hoher Lord ist, werde ich ihn piesacken. Und er sollte mir dankbar sein, weil ich ihn nicht lieb genug habe, um ihn ernsthaft zu quälen.

Wäre Canavan nicht auf die Idee gekommen, Balkan zum Hohen Lord zu machen und ihn in weiße (!) Roben zu hüllen, wäre ich wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, ihn derart subtil durch den Kakao zu ziehen. Aber so gehört es wie unter anderem die übertriebene Furcht der Gilde vor allem, was mit schwarzer Magie zu tun hat, zu meinen persönlichen Lieblingsklischees, die meiner nicht immer offensichtlichen Parodierung standhalten müssen.

Und ich denke, wir sind uns alle einig: Es gibt nur einen einzig wahren Hohen Lord.