Überarbeitung „Die zwei Könige“ Teil 1: Ivasako – Vom viel zu netten Palastmeister zum Evil Overlord

Nach dem neusten Feedback zur „Königsmörderin“ hat sich herauskristallisiert, dass Ivasakos Charakterentwicklung anscheinend nicht so konsequent ist, wie ich das lange Zeit dachte. Das ist ärgerlich und schade, zumal es dazu geführt hat, dass einige Leser den Charakter nicht mehr verstehen oder was noch schlimmer ist: Nicht mehr mögen.

Nun ist es sicher auch Geschmackssache, ob man einen Charakter, der von einem durch und durch lieben Menschen allmählich zum Evil Overlord mutiert, auf Grund seiner Verwandlung noch mögen will. Und das ganz unabhängig von der Authentizität seiner Entwicklung.

Eine Prämisse, unter der ich Charaktere schreibe ist, dass ihre Handlungen nachvollziehbar sein müssen. Eine weitere ist, dass Leser einen Charakter selbst dann noch gut finden oder zumindest verstehen können, wenn er abscheuliche Dinge tut. Selbst, wenn die Sympathie schwindet, soll der Charakter zumindest auf Grund seiner Motive, seiner Handlungsweise, seines inneren Konflikts, etc. polarisieren. Ein guter Antagonist ist für mich kein absolut hassenswerter Charakter, dessen Auftritte man nur überfliegt, sondern ein Charakter, der polarisiert und der interessant und spannend ist. So wie Marika, mein böser heißer König, wie ich ihn liebevoll bei mir nenne, einst polarisiert hat.

Ich will, dass Ivasako polarisiert. Dass sein Verlangen nach Rache nachvollziehbar ist, selbst wenn man ja eigentlich auf Soneas Seite ist und nicht will, dass sie stirbt. Bei einer guten Umsetzung der Charaktere und ihrer Motive sollte sich idealerweise ein Verständnis für die Motive der bösen Charaktere einstellen, auch wenn man ihr Handeln insgesamt verurteilt. Denn letztendlich ein Bösewicht der Held seiner eigenen Geschichte.

Aus Ivasakos Sicht ist Sonea eine Mörderin, die seinen König und Meister getötet hat. Einen Menschen, zu dem er ein solch inniges Verhältnis hatte, dass diese Tat unverzeihlich ist. Also strebt er nach Rache, doch auf Grund seiner Position sind ihm die Hände gebunden. Er kann nicht einfach ausziehen und sie töten.

Sonea hat Marika getötet, um frei zu sein. Für sie war es etwas zutiefst Persönliches, aber das hatte nichts mit Ivasako zu tun. Trotzdem ist er jetzt ihr Feind (auch wenn sie das noch nicht weiß).

Es geht also immer auch um Perspektiven und verschiedene Blickwinkel. Die Welt ist nur auf den ersten Blick schwarz und weiß, aber darunter gibt es sehr viele Abstufungen von Grau.

Ein Wort zum nachträglichen Überarbeiten von Charakteren

Ich mag es nicht, Charaktere im Nachhinein zu verändern. Da ich immer mehrere Teile im Voraus schreibe, bevor ich einen „Band“ meiner Fanfiction-Reihe auf die Welt loslasse, ist die Gefahr gering, dass dies bereits veröffentlichte Kapitel betrifft. Charaktere verändern sich nicht nur im Laufe der Geschichte – je mehr ich mich mit ihnen beschäftige, desto mehr lerne ich über sie und ein desto besseres Gefühl bekomme ich für sie. Es ist eine natürliche Entwicklung, eine Reise, so wie man im Laufe des Lebens immer mehr über sich selbst lernt.

Aus diesem Grund lassen sich kleinere Anpassungen über mehrere „Bände“ hinweg nicht immer vermeiden. Ich halte sie sogar für notwendig, um einen Charakter greifbarer und realistischer zu machen. Es macht mehr Freude, solche Charaktere zu schreiben und zu lesen und von ihnen profitiert die Handlung, weil sie tiefer in die Geschichte integriert sind.

In Ivasakos Fall ist diese Überarbeitung jedoch dringend notwendig. Dasselbe gilt übrigens für Danyara, aber dazu komme ich im nächsten Artikel.

Die Problematik

Als ich anfing „Die zwei Könige“ zu schreiben (das war vor 9 Jahren), wusste ich schon, wie Ivasako sich in der zweiten Trilogie entwickeln wird. Genaugenommen wusste ich es schon vorher, da ich die ersten Ideen dazu hatte, als ich noch am „Spion“ schrieb. Allerdings war „Das Erbe der schwarzen Magier“ damals nur ein sehr vages Konstrukt mit einigen wenigen Szenen und einer Handvoll Notizen. Nur das Ende hatte ich damals schon relativ klar vor Augen.

Dann, im Sommer 2011, fing ich also mit den Arbeiten „Die zwei Könige“ an und hatte plötzlich zwei neue Charaktere, die bis dahin bis auf Ivasakos Statistenrolle im „Spion“ nicht in der Story aufgetreten waren und in die ich mich eindenken und einfühlen musste. Dahinter steckt ein relativ länglicher Prozess, da sich neue Charaktere zu Beginn seltsam anfühlen. Um sie zu verstehen, brauche ich Daten, die ich, sofern es kein Originalcharakter ist, nur beim Schreiben sammeln kann. Manche Denk- und Verhaltensweisen muss ich zudem analysieren (für die Schwarze-Sonnen-Trilogie habe ich das z.B. sehr exzessiv betrieben). Und irgendwann stellt sich dann das „Gefühl“ für den Charakter ein.

Mit Danyara hatte ich in diesem speziellen Punkt weniger Schwierigkeiten, während ich zu Ivasako einen schlechteren Zugang hatte. Ich habe ihn mir immer als eine Mischung aus Lorlen und Takan vorgestellt, was er auch war. Allerdings habe ich dabei zu wenig berücksichtigt, dass er Sachakaner ist.

Die bisher überarbeiteten Kapitel von „Die zwei Könige“ verdeutlichen mir, dass ich Ivasako als „zu nett“ beschrieben habe. Ich erinnere mich an ein Review, in dem angemerkt wurde, dass er ziemlich häufig darüber nachdenkt, wie sehr er Sonea doch für ihre Situation bemitleidet. Nach dreizehn Kapiteln muss ich dem zustimmen.

Unter anderem ist dies der Tatsache verschuldet, dass ich früher weniger auf Redundanzen geachtet habe. Wenn ich mit zu vielen Unterbrechungen und Ablenkungen überarbeite oder den Fokus anderswo setzte, fallen sie mir oft nicht einmal auf. Unglücklicherweise verschieben genau Redundanzen auch den Eindruck, den man von Ivasakos Charakter bekommt.

Wie wird sich Ivasako verändern?

Ich werde den Mitleidsanteil reduzieren, er ist wirklich auf exorbitante Weise redundant. Zugleich werde ich mehr auf Ivasakos Verhältnis zu Marika und seine politischen Ansichten eingehen. Im Idealfall kann ich damit ein wenig Foreshadowing betreiben, doch zumindest ist es meine Hoffnung, dass seine spätere Entwicklung dadurch etwas nachvollziehbarer wird.

An einigen Stellen merke ich sehr deutlich, wie schlecht ich mich damals in den Charakter hineinversetzen konnte. Sonea kommt als Kriegsbeute in den Palast, als die Frau, die Ivasakos Meister versucht hat zu töten. Anstatt dass das im Vordergrund steht, denkt Ivasako jedoch darüber nach, wie schlimm es sein muss, dass sie ihre Freiheit und ihre Magie verliert und wie sehr er sie dafür bemitleidet. So ergeben, wie er seinem Meister ist, ergibt das überhaupt keinen Sinn. Anstatt mehr zwischen den Perspektiven zu differenzieren (Sklaven und Halbfreie, die Marika vergöttern, versus Sklavin, die Marika abgrundtief hasst), habe ich Soneas Perspektive auf Ivasako (und auf Danyara) projiziert, was überhaupt keinen logischen Sinn ergibt. Und doch zieht sich das durch den gesamten 1. Teil.

Dennoch wird auch der überarbeitete Ivasako anfangen, Sonea zu respektieren und zu mögen. Indem er sie zu Beginn als Feind sieht, kann ich hier eine Charakterentwicklung schaffen, wo der Palastmeister ansonsten in Teil 1 über ein flacher Charakter wäre. Und zu Beginn von Teil 3 schließt sich der Kreis und Ivasakos weitere Entwicklung kann endlich beginnen. Über dieses Thema habe ich ein wenig mit einer Freundin und Leserin diskutiert und hoffe, dass die Umsetzung dem gerecht wird.

Es ist wichtig, dass er Sonea anfängt zu mögen und glaubt, sie hätte sich Marika unterworfen. Denn desto mehr fühlt er sich betrogen, wenn Sonea seinen König und Meister tötet. Und ich muss noch deutlicher machen, warum er zwar Verständnis für Soneas Leid, aber nicht für ihre Tat hat und auch niemals haben wird, wozu ich auf zusätzlich auf die kulturellen Unterschiede eingehen werde.

Werde ich „Yukai“ und die „Königsmörderin“ auch überarbeiten?

„Yukai“ eher nicht. In dem Teil hat Ivasako ausreichend Platz, um zum Badass zu werden und seine Skrupellosigkeit unter Beweis zu stellen, wenn es um Marikas Erbe geht. Auch würde mir dazu momentan die Zeit fehlen. Die eigentliche Baustelle ist „Die zwei Könige“ und mein Überarbeitungszeitplan ist sehr straff, so dass ich bald wieder Zeit für das Projekt habe, an dem ich eigentlich gerade arbeite.

Sehr wahrscheinlich werde ich jedoch die eine oder andere Szene in der „Königsmörderin“ überarbeiten, da sich durch den Zeitsprung Lücken aufgetan haben, die noch gefüllt werden müssen. Ein Leser war so lieb, das mit mir zu analysieren und Licht ins Dunkel zu bringen. Hier ist das Problem, dass ich Ivasakos Handlungsstrang zunächst obskur halten wollte. Die Leser sollten sich fragen, ob seine Intrige sich auf Imardin bezieht oder ob er etwas mit mehreren Ashaki innerhalb Sachakas plant. Doch habe ich meine Leser unterschätzt, da ich Schwierigkeiten habe einzuschätzen, wie viel oder wenig Information erforderlich ist, um eine gewünschte Wirkung zu erzielen.

Deswegen bin ich für jedes Feedback und jede Diskussion dankbar. Denn nur so kann ich herausfinden, was überhaupt das Problem ist und es beheben.

Warum betreibe ich diesen ganzen Aufwand überhaupt?

Nun, zunächst einmal ist Ivasako nicht der einzige Grund für diese Überarbeitung, doch er ist ein sehr zentraler, weil seine Rolle in „Das Erbe der schwarzen Magier“ so zentral ist. Es würde sowohl seine Glaubwürdigkeit, als auch die Qualität der Geschichte mindern, wenn ich die Dinge so lasse, wie sie sind.

Ein weiterer Grund ist der Lerneffekt. Endlich habe ich ein wenig Feedback, um die Problematik zu verstehen und entsprechend daraus zu lernen und es besser zu machen. Das ist nicht nur für dieses Fanfiction-Epos wichtig, sondern auch für zukünftige und andere, laufende Projekte.

Ich will konsistente authentische Charaktere und ich fühle mich äußerst unwohl bei dem Gedanken, dass andere das lesen. Ich weiß, wie ärgerlich es ist, wenn ein geliebter Charakter plötzlich eine seltsame und nicht nachvollziehbare Entwicklung durchläuft. Mein Bestreben nach Perfektion, Konsistenz und Logik verlangt von mir, dieses Problem zu beheben.

Ich will, dass Ivasako nicht so endet, wie ein gewisser anderer Charakter, der so gehasst wurde, dass ich ihn aus der Handlung rausgenommen habe. Ivasako ist so zentral, dass ich ihn nicht einfach aus der zweiten Trilogie streichen könnte, wenn ich es denn wollte, um mir die Hasskommentare zu ersparen. Ich will, dass seine Motive verstanden werden, dass sein Schmerz über Soneas Tat fühlbar wird, und dass er zu einem spannenden und facettenreichen Antagonisten wird. Und das nicht nur in meinen Augen.

Während ich nicht von den aktuellen Lesern verlangen kann und will, „Die zwei Könige“ nach der Überarbeitung erneut zu lesen (auch wenn ich von einigen weiß, die meine Geschichten mehrfach lesen), werden zumindest zukünftige Leser mit Ivasako hoffentlich keine oder weniger Schwierigkeiten haben.

Zum Schluss noch eine Aufforderung/Einladung

Wenn ihr euch noch an Dinge erinnert, die euch in „Die zwei Könige“ unlogisch, unrealistisch oder nicht nachvollziehbar vorkamen, bitte lasst es mich zeitnah wissen. Das ist eure große Chance. Da ich schon einmal an der Geschichte dran bin, werde ich alle Unstimmigkeiten, die mir oder euch auffallen, ebenfalls beseitigen. Seit dem Hochladen von Herbst 2014 bis Sommer 2016 habe ich diese Geschichte nicht mehr überarbeitet. Ich betreibe hier sozusagen ein umfangreiches Bugfixing und freue mich über sachdienliche Hinweise.

Ihr könnt mich dazu per PN auf Fanfiktion.de oder eMAil sonea.von.delvon@gmail.com kontaktieren.

Bitte habt Verständnis, dass ich keine Leserwünsche umsetzen werde.

Im nächsten Teil geht es um Danyara und meine Gründe, sie zu überarbeiten. Allerdings kann das noch ein wenig dauern, weil ich mich damit schwertue, ihr Thema verständlich und sensibel zu vermitteln.

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