Schlagwort: Rothen

Missetat vollbracht: Die Rohfassung von „Das Erbe 2“ ist fertig!

Am Samstagabend habe ich den Epilog von „Das Erbe der schwarzen Magier II“ aka „Das Erbe 2“ geschrieben. Was im Herbst 2017 begann und mehr als 15 Monate wegen meines englischen Projekts pausieren musste, hat nun eine komplette Rohfassung. Dafür, dass ich mich im März so schwergetan hatte, wieder in die Geschichte reinzukommen und dafür, dass es nach dem April-Camp eher schleppend weiterging, lag ich am Ende doch besser in meinem Zeitplan als erwartet, wobei mir auch mein neuer Teilzeitvertrag und der Schreiburlaub in diesem Monat sehr zugutegekommen sind.

„Das Erbe 2“ umfasst momentan 47 Kapitel mit insgesamt ca. 622k Wörtern (kann sich in der Überarbeitung noch ändern), was deutlich kürzer ist als die Bände der „Bürde“ oder die „Königsmörderin“. Insofern hat sich meine Hoffnung, dass ich durch meine Erfahrungen mit dem englischen Projekt kürzerfassen kann, erfüllt. Die Charaktere haben natürlich allesamt noch ihre eigene Story in der Story, doch ich habe insgesamt das Gefühl, dass ich weniger schwafele und mehr auf den Punkt komme. Wenn man bedenkt, dass ich für das englische Projekt fünf Erzählcharaktere in ca. 200k je Band unterbringe, müsste ich bei „Das Erbe 2“ eigentlich bei 400k rauskommen, hätte ich es genauso machen wollen. Damit hätte die Geschichte aber das eingebüßt, was meine alternative Fortsetzung unter anderem ausmacht: dass die Handlungsstränge der jeweiligen Charaktere auch außerhalb der Haupthandlung exisitieren.

Mittlerweile habe ich für Teil 2 auch einen Titel gefunden:

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Der Camp-NaNoWriMo im April und ein Update zu „Das Erbe 2“

Der Camp-NaNoWriMo im April und ein Update zu „Das Erbe 2“

Seit Anfang März arbeite ich endlich wieder an Teil 2 der Fortsetzung der alternativen Fortsetzung aka „Das Erbe der schwarzen Magier“. Eigentlich wollte ich dazu schon viel eher einen Blogartikel schreiben, doch nach einer fünfzehnmonatigen Pause von dem Projekt hatte ich Schwierigkeiten mich wieder in der Welt der schwarzen Magier einzufinden und mich wieder daran zu gewöhnen, in der deutschen Sprache zu schreiben. Daher wollte ich mich mit großen Ankündigungen zunächst bedeckt halten.

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Rückblick auf mein 2015 als Fanfiction-Autorin und Ausblick auf 2016

2015 war nun wirklich alles andere als ’mein’ Jahr. Sowohl in Bezug auf mein Doppelleben als Fanfiction-Autorin als auch in Bezug auf mein Privatleben, auf das in an dieser Stelle nicht eingehen werde. Also beschränke ich mich auf meine schriftstellerischen Highlights und Tiefpunkte.

Eigentlich fing es ganz gut an. Ende Januar ging das letzte Kapitel von Soneas Erzählstrang in ’Die zwei Könige’ zu Ende. Die Begeisterung der Leser war riesig, ich hätte nie gedacht, dass dieser Teil, der nur von Sonea und zwei sachakanischen OCs bestritten wird und ziemlich harter Tobak ist, die Leser derart fesseln würde. Zu meinem Entsetzen stellte ich jedoch fest, dass einige Leser angefangen hatten, sich zwischen Sonea und Marika eine Romanze auszumalen, was in meinen ersten kritischen Blogartikel, der Missbrauchsbeziehungen als Thema hatte, endete.

Im April nahm ich am Camp-NaNoWriMo teil, indem ich mit der Überarbeitung von Band 3 meiner Trilogie, ’Das Heiligtum von Yukai’, fortgefahren bin. Dort bin ich ein gutes Stück weitergekommen. Ich habe ca. 300k der Story überarbeitet und dabei auch diverse neue Szenen geschrieben (mehr dazu auch hier).

Mit dem Beginn des zweiten Teils der zwei Könige stieg ich von wöchentlichen Updates auf zweiwöchentlich um und lud in den dazwischenliegenden Wochen die Geschichte über Akkarins Zeit in Sachaka ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ hoch. Leider erwies sich das sehr schnell als Fehler. Die Zeit, die Teil 2 braucht, um ein komplett neues Setting aufzubauen und die Grundsteine für den Rest der Trilogie zu legen, sorgte für reichlich Unmut. Zugleich ging das Interesse an Akkarins Geschichte nach wenigen Kapiteln zurück, bis ich diese nur noch unter Bauchschmerzen hochladen konnte. Dazu kamen einige Kommentare, die für mich wie ein Schlag ins Gesicht waren, was dazu geführt hat, dass ich das Projekt schließlich eingestellt habe (Traurige Entscheidung).

Das Ganze hat mich in eine ausgewachsene Krise gestürzt, die durch meinen gescheiterten Versuch, Anschluss an andere Autoren zu finden, noch schlimmer wurde. Mir war schon länger klar, dass ich mit meiner Schreibe und meinen Ansichten in das Forum von Fanfiktion.de nicht wirklich reinpasse. Also habe ich es in einer anderen Autoren-Community versucht. Das schien zunächst vielversprechend, nach kurzer Zeit hatte ich jedoch das Gefühl, als jemand, der ausschließlich Fanfiction schreibt, dort nicht akzeptiert zu werden. Meine Vorgehensweise beim Schreiben hat dazu geführt, mich noch mehr als Außenseiter zu fühlen.

Denn ich bin nicht nur Fanfiction-Autorin, sondern auch Chaos-Discovery-Writer, wie ich es selbst nenne. Ich schreibe nicht nach Plan, ich kann mit Schreibratgebern nichts anfangen, ich mache keine Rollenspiele oder Interviews mit meinen Charakteren oder schreibe Steckbriefe – ich lerne sie beim Schreiben kennen. Bereisen meine Charaktere ein neues Land, das im Original nur erwähnt, aber nicht ausgearbeitet ist, so entdecke ich dieses und seine Kultur mit ihnen. Ich schreibe nicht chronologisch, sondern das, was mich gerade anfixt. Und ob man es glaubt, oder nicht: Es funktioniert! Auf diese Weise habe ich eine komplette Trilogie geschrieben. Mir kam es jedoch so vor, als würde ich mir damit keine Freunde machen, denn ich fand ums Verrecken keinen Anschluss, was zu der ernüchternden Erkenntnis geführt hat, nirgendwo reinzupassen. Auf meine Bewerbung für das Schreibmagazin erhielt ich nicht einmal eine Absage.*

Damit waren die Selbstzweifel maximal, mein Selbstbewusstsein  am Ende. Ich habe mich wie ein Versager gefühlt, wie ein Nichts. Ich wusste nicht mehr, warum ich überhaupt schreibe – das alles erschien mir mit einem Mal so unendlich sinnlos, weil es ja doch nur scheiße ist. Und ich musste einen Weg finden, damit irgendwie fertigzuwerden, nachdem mein Fels in der Brandung wenige Monate zuvor weggebrochen war.

Ab dem Sommer kam dann allmählich die Wende zum Besseren. Im Juli nahm ich erneut am Camp-NaNoWriMo teil. Dieses Mal mit der Fortsetzung von ’Unter tausend schwarzen Sonnen’, die unter dem Arbeitstitel ’Darker Than Black’ läuft. Nach dem Desaster mit Ersterem, wollte ich zuerst ein anderes Projekt schreiben, obwohl ich mich seit fast einem Jahr darauf gefreut hatte, Akkarins Geschichten fortzuführen. Am Ende schrieb ich diese Geschichte für mich, auch weil mein Gemütszustand aus privaten Gründen einen erneuten Tiefpunkt erreichte. Ich blendete alles um mich herum aus und schrieb, um mich von dem abzulenken, was ich nicht ändern kann, und an meinem Lieblingscharakter zu heilen, was ich bei dem wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht heilen kann. Es war ein überaus therapeutisches Schreibcamp, während dem ich innerlich gewachsen bin und mich von allem gelöst habe, was mir nicht guttut und allmählich wieder die Liebe zum Schreiben und zu meinen Charakteren wiederfand (mehr dazu auch hier).

Zum Ende des Schreibcamps veröffentlichte ich meine erste Satire zu Black Magician Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten. Es war meine erste Satire überhaupt und deswegen und angesichts ihres sehr BDSM-lastigen Inhalts war ich ein wenig nervös, wie sie bei den Lesern wohl ankommen würde. Mir war klar, dass eine solche Geschichte nicht viele Leser haben würde. Aber so wie ich beim Schreiben und Korrigieren gekichert und damit meine Nachbarn und in der Mittagspause meine Kollegen unterhalten habe (die zum Glück nicht wussten, warum ich kichere – bis auf den, der die Story unter mindestens genauso großem Gekicher testgelesen hat), musste ich sie einfach hochladen. Und das war eine gute Entscheidung, denn das Ding hat immerhin fünf Empfehlungen bekommen. Also anscheinend ist es gut, hin und wieder ein wenig mutig zu sein.

Ende Juli kam ein weiteres Highlight. Ben Lesser hat mich gefragt, ob ich Artikel für sein und Tinka Beeres Schreibmeer-Magazin schreiben möchte, weil eine liebe Freundin mich empfohlen hatte. Ich hatte mächtig Respekt davor, weil das Magazin einen hohen Anspruch hat und ich fürchtete, dem nicht gewachsen zu sein. Zugleich konnte ich nicht glauben, dass ich, die Fanfiction-Autorin, nach meinem gescheiterten ersten Versuch bei einem richtigen Schreibmagazin mitmachen darf. Inzwischen habe ich unter dem Namen Sonea (mein RL-Vorname hätte zu Verwechslung geführt) vier Artikel herausgebracht und habe an einer Weihnachts-Anthologie mitgewirkt. Seit vielen, vielen Jahren wieder eine Geschichte zu schreiben, die keine Fanfiction ist, war eine ziemliche Herausforderung, hat aber auch sehr viel Spaß gemacht.

Das Schreibmeer ist eines der besten Dinge, die mir in diesem Jahr passiert sind. Ich merke, dass ich, mein Humor und meine Art, Artikel zu schreiben und die Dinge zu sehen, dort bestens aufgehoben sind. Besonders Ben und Tinka gelingt es immer wieder, mir einen miesen Tag zu verschönern, spätestens wenn man in den Chat kommt, steigt die Laune exponentiell.

Von da an ging es bergauf. Ich gewann ein zweites Mal beim Fanfiktion Award, dieses Mal als Autorin und mit meiner Kurzgeschichte über Dannyl und Rothen Die Hoffnung stirbt in Moll. Auch meine Hauptstory lief wieder besser und ich war dankbar, weil so viele Leser noch immer Geduld mit mir und Vertrauen in mich hatten, und sich dieses allmählich auszuzahlen begann. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Ich weiß, das ist nicht immer leicht, wenn man nicht die ganze Story am Stück lesen kann.

Anfang September beendete ich ’Das Heiligtum von Yukai’ so weit, dass ich es nur noch auszudrucken und zu korrigieren brauchte. Direkt im Anschluss begann ich mit Band 1 meiner zweiten Fanfiction-Trilogie ’Das Erbe der schwarzen Magier’ und als ich Mitte September für ein paar Tage in Paris war, wo ich zum x-tem Mal Black Magician las, begann ich ein exzessives Brainstorming sowohl für die gesamte Trilogie als auch für Band 1 im Konkreten.

Nach Paris war ich so motiviert, dass ich beschloss, ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ noch eine Chance zu geben und habe eine Leserumfrage gestartet, mit dem Ergebnis, dsas es ab Oktober mit einem neuen Kapitel jeden Samstag weiterging. Bis jetzt läuft das auch recht gut, obwohl ich zwischendurch wieder Sorge hatte, dass die Tendenz ähnlich wie zum Jahresbeginn ist. Zugleich beschäftigte ich mich intensiver mit meiner zweiten Trilogie und nachdem ich Black Magician ausgelesen hatte, führte ich eine sprachliche Überarbeitung der ersten 21 Kapitel von ’Der Spion’ durch. Und ich versuchte mich erstmals an Drabbles für einen Adventskalender.

In diese Zeit fiel leider auch die Sache mit diesem Hater, die mich dazu veranlasst hat, über meine Verpflichtungen als Autor nachzudenken. Ich bin jetzt noch hingerissen, wie viel Rückhalt ich von Lesern und anderen Autoren bekommen habe.

Das Gefühl, ein Außenseiter zu sein, hat sich inzwischen verflüchtigt. Viel hat dazu auch der offizielle NaNoWriMo im November beigetragen, bei dem sich die Twitter-Followerzahl traditionsgemäß explosionsartig erhöht. Auch fand ich einige liebe Menschen, deren Herangehensweise an Projekte der meinen ähnelt und mit denen ich mich austauschen konnte, was unglaublich gutgetan hat. Überhaupt verging der November in einem einzigen Rausch, in nur 30 Tagen habe ich ganze 240k von Band 1 der zweiten Trilogie geschrieben, womit ich insgesamt 340k habe. Inzwischen hat das Kind auch einen Namen und schimpft sich ’Die Königsmörderin’. Mein aktueller Twittername ist übrigens keine Werbekampagne für diese Fanfiction, die in frühestens zweieinhalb Jahren zu lesen ist, sondern Ausdruck meiner Trauer darüber, dass mein böser heißer König mit dem Mitte Dezember hochgeladenen Kapitel von ’Die zwei Könige’ offiziell sterben musste.

Irgendwo zwischendurch habe ich auch mit meiner Kurzgeschichte über Akkarin und Lorlen Von Strippenziehern und besten Freunden den Bromance-Wettbewerb auf Fanfiktion.de gewonnen und erweiterte Karten für mein Black Magician-Universum gezeichnet, Worldbuilding in Sachaka, Duna und Lonmar durchgeführt und Ansätze einer fiktiven Sprache ’modern Lonmars’ entwickelt.

Den Dezember habe ich damit verbracht, die verbleibenden 14 Kapitel von ’Die zwei Könige’ für meine Testleserin fertigzumachen und habe die sprachliche Überarbeitung von ’Der Spion’ bis Kapitel 37 weitergeführt. Den Rest der Zeit habe ich die zahlreichen Reviews beantwortet, die durch den Adventskalender kamen, der wie eine Bombe bei den Lesern eingeschlagen ist. Ich hätte nie gedacht, dass ich, die zum Schwafeln neigt, Drabbles schreiben könnte und dass die Idee dahinter von den Lesern so gut angenommen wird, nachdem ein ähnlicher Versuch mit meiner Kurzgeschichtensammlung gescheitert ist. Damit haben meine Leser mir 24 Tage am Stück jeden Tag ein kleines Weihnachten beschert.

Kurz nach Weihnachten habe ich schließlich mit den Korrekturen zu ’Das Heiligtum von Yukai’ angefangen. Bis jetzt bin ich überrascht, wie wenig ich in den ersten Kapiteln korrigieren musste, nachdem mich das Schreiben an dieser Geschichte während der vergangenen zweieinhalb Jahre oft in den Wahnsinn getrieben hat. Es macht Freude, die Kapitel zu lesen, mein Schreibstil hat sich anscheinend gefestigt und ich fangirle die Charaktere wie nie.

Wie geht es nun 2016 weiter?

Die ersten Monate werden der Korrektur von ’Das Heiligtum von Yukai’ gewidmet sein. Währenddessen werde ich wahrscheinlich kleinere Zitate daraus auf meiner Facebook-Seite posten. Zwischendurch werde ich an der Königsmörderin weiterschreiben, wenn spontane Ideen kommen. Der Fokus wird jedoch auf der Korrektur von Yukai liegen. Außerdem kommt im Januar noch das ausstehende Märchen von Tavara und Hariko.

Im April werde ich wieder am Camp NaNoWriMo teilnehmen. Entweder mit der Überarbeitung von ’Darker Than Black’ oder falls die Korrektur von ’Yukai’ sehr schnell läuft und ich beides vor April abschließen kann, würde ich an der Königsmörderin weiterschreiben. Andernfalls tue ich dies im Mai und Juni.

Im Juli werde ich Teil 3 meiner Akkarin-Trilogie im Camp schreiben. Allerdings werde ich dafür einiges an Planung vornehmen müssen, weil diese Story parallel zu The High Lord spielt und ich die zahlreichen Akkarin-Szenen im Buch aus seiner Perspektive und in den Kontext seiner eigenen Geschichte bringen muss. Das heißt, ich werde sehr viele Szenen aus dem Buch übersetzen, abtippen und umformulieren und die Lücken mit seiner kompletten Storyline füllen, bis es sich wie ein eigenes Buch über ihn liest. So ähnlich bin ich bei ’Darker Than Black’ vorgegangen, nur dass die ersten beiden Bücher weniger Szenen mit Akkarin haben, was die Arbeit erleichtert hat.

Im September geht ’Unter tausend schwarzen Sonnen’ und im Anschluss werde ich den zweiten Teil meiner Akkarin-Trilogie ’Darker Than Black’ hochladen. Außerdem endet im Juni ’Die zwei Könige’, das heißt Ende Juni / Anfang Juli geht es mit Band 3 ’Das Heiligtum von Yukai’ weiter.

Den Rest der Zeit, auch den offiziellen NaNoWriMo werde ich mit dem Schreiben an ’Die Königsmörderin’ verbringen. Auch das wird noch viel Arbeit. Nachdem sich das Gerüst so runtergeschrieben hat, brauche ich nun konkrete Ideen für die Nebenhandlungen, ohne die komplette Geschichte nicht existieren kann. Und darin liegt die eigentliche Herausforderung.

Zwischendurch werde ich voraussichtlich weitere Karten zeichnen, mein Sachakanisch-Dictionary erweitern und die ausstehenden Kapitel vom Spion sprachlich überarbeiten. Außerdem werde ich im Herbst an einem neuen Drabble-Adventskalender arbeiten – zu welchem Thema weiß ich jedoch noch nicht. Ganz vielleicht auch, werde ich meine Kurzgeschichtensammlung Die Gilde der ungelüfteten Geheimnisse wieder aufnehmen.

Fazit

Ein in weiten Teilen sehr mieses Jahr liegt hinter mir. Ich habe euch nur an meinen schrifstellerischen Tiefpunkten teilhaben lassen, weil der Rest zu privater Natur ist. Dadurch, dass mein Fels in der Brandung zerbrochen ist, musste ich mich allem anderen allein stellen, was besonders um den Sommer herum dazu geführt hat, dass ich selbst fast zerbrochen wäre. Im Nachhinein könnte ich nicht einmal sagen, wie ich dort wieder herausgekommen bin – nur, dass Juli-Camp und meine sture Entschlossenheit, diese eine Geschichte schreiben zu müssen und ihr ganz spezieller Inhalt dazu beigetragen haben. So auch wie Tatsache, dass ich mich von allem befreit habe, was mir nicht guttut und mir Kraft raubt, sofern es in meiner Macht liegt.

Wenn ich etwas Positives über 2015 sagen kann, dann dass ich an den Schwierigkeiten gewachsen bin und sowohl im RL als auch im Netz schließlich einige sehr liebe Menschen getroffen habe, die (wenn auch oft indirekt) dazu beigetragen haben. Trotzdem bin ich froh, dass dieses Jahr nun ein Ende hat und gehe mit dem Gefühl, dass es nur besser werden kann, ins nächste Jahr.

Vorsätze für 2016 mache ich mir keine, weil ich lieber dann etwas ändere, wenn es notwendig ist. Alles andere kommt mir nur wie eine bequeme Ausrede vor, um etwas Unbequemes hinauszuzögern.

Ich danke von Herzen allen, die mich 2015 unterstützt haben – sei es durch Gespräche, Trost, moralische Unterstützung, Herumalbern, Kommentare zu meinen Geschichten oder Blogartikeln, ihrer Geduld mit mir und meinen Autorenneurosen oder einfach dafür, dass ihr mir und/oder meinen Geschichten eine Chance gegeben habt <3

Ich wünsche euch allen einen guten Start in 2016 und wünsche euch viel Erfolg, Motivation und Kreativität! Mögen eure Träume in Erfüllung gehen!

Eure Lady Sonea


*Inzwischen habe ich damit abgeschlossen, weil ich gemerkt habe, dass es einfach nicht meine Welt ist und ich mich mit der dort herrschenden Philosophie nicht identifizieren kann.

Das Klischee des gemobbten Waisenkindes mit Superkräften und warum wir es brauchen

In diesem Artikel geht es strenggenommen um zwei Klischees, die man in etwa wie folgt zusammenfassen kann:

Der Protagonist oder einer der Hauptcharaktere (im Folgenden der Einfachheit halber nur als Held bezeichnet) kommt aus einer sozial benachteiligten Gruppe in eine Gesellschaft, in der er als Außenseiter gilt (der klassische Underdog). Oft hat er seine Eltern verloren oder eine andere tragische Vergangenheit. Die neue Gruppe, in der er sich nun zurechtfinden muss, steht ihm ablehnend gegenüber, was bis hin zu Mobbing reichen kann. Das Ziel des Helden ist es, sich zu behaupten und den Respekt seiner Mitmenschen zu erlangen. In der Fantasy kommt oft noch hinzu, dass der Held außergewöhnliche Kräfte besitzt und/oder eine Prophezeiung erfüllen muss oder die Welt auf eine andere Weise rettet – und das unter Einsatz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten. Dies muss übrigens nicht zwingend in Kombination mit der Außenseiterrolle geschehen, denn wie gesagt, geht es hier eigentlich im zwei Klischees. Eine Kombination beider Klischees bietet jedoch mehr Potential für Konflikte und somit mehr Chancen für den Helden sich zu entwickeln, was die Spannung der Handlung steigert. Gerne hat der Held auch einen väterlichen Mentor, der ihm zur Seite steht. Manchmal verliert er diesen im Laufe der Geschichte auf die eine oder andere Weise und muss sich fortan allein durchschlagen.

Das gemobbte Waisenkind mit den Superkräften als Held einer Romanreihe kommt in seinen verschiedenen Varianten und Kombinationen der obengenannten Punkte zum Einsatz. J.K. Rowling verwendet es in Harry Potter, Trudi Canavan in The Black Magician, Brandon Sanderson in Mistborn, Rick Riordan in der Percy Jackson Reihe oder Suzanne Collins in der Hunger Games Trilogy – nur um einige zu nennen. Aber auch Filme wie Krieg der Sterne oder Karate Kid funktionieren auf diese Weise hervorragend.

Über Aussagen wie „Das Buch ist scheiße, weil es dieses Klischee enthält“ kann ich um ehrlich zu sein nur den Kopf schütteln. Natürlich muss man dieses Klischee nicht mögen und kann sich meinetwegen darüber ärgern, dass es so häufig in seinen unterschiedlichen Varianten aufgegriffen wird. Aber es gibt auch genug andere Bücher. Oft genügt es, sich den Klappentext eines Buches und einige Rezensionen durchzulesen, um zu wissen, worauf man sich einlässt. Die Frage, ob ein Buch schlecht ist, weil es ein bestimmtes Klischee aufgreift, begründet sich meines Erachtens vielmehr in seiner Umsetzung.

Bei keinem, der von mir gelesenen Bücher, die dieses Klischee in der einen oder anderen Weise enthalten, hatte ich bis jetzt den Eindruck, dass es an der Umsetzung scheitert. Stattdessen unterscheiden sich die Umsetzungen in ihrer Gesamtheit, so dass jedes Mal etwas Neues daraus entsteht. Dazu möchte ich kurz zwei Beispiele aus meinen Lieblingsbuchreihen vorstellen:

So besteht Harrys tragischer Hintergrund darin, seine Eltern verloren zu haben und von seiner Pflegefamilie schlecht behandelt zu werden. Kaum, dass er nach Hogwarts kommt, gerät er zudem in einer Rivalität mit Draco Malfoy, wie sie typisch für Jugendliche an einem Internat ist. Trotz der beiden Freunde, die Harry durch alle sieben Bücher treu zur Seite stehen, hat er dadurch, dass er Voldemort überlebt hat und der Auserwählte ist, eine Außenseiterposition inne. Er hat sogar zwei väterliche Mentoren, von denen einer im sechsten Band stirbt. Eine Superkraft besitzt Harry in dem Sinne nicht, zumal die Tatsache, dass er Voldemort zwei Mal überlebt, auf dem in dieser Buchreihe propagierten Prinzip der Liebe basiert. Dafür ist Harry jedoch Teil einer Prophezeiung und derjenige, der Voldemort am Ende aufhält. Eigentlich stehe ich Prophezeiungen immer ein wenig kritisch gegenüber, doch hier gefällt mir, dass Harry nur durch Zufall der Auserwählte ist, da es auch Neville Longbottom hätte treffen können. Und mir gefällt, dass Dumbledore durch die Offenlegung seiner Motive sich von dem Klischee des väterlichen Mentors schließlich fortentwickelt.

Vin aus der Mistborn-Trilogie hat sich mit ihrem Bruder in Diebesbanden durchgeschlagen, bis dieser eines Tages verschwindet. Ihre ’Superkraft’ besteht darin, eine außergewöhnlich starke Mistborn zu sein, was in ihren Blutlinien begründet liegt. Eine weitere scheinbare Superkraft basiert tatsächlich auf einem Artefakt der Hemalurgie, das sie unwissentlich trägt. In Kelsier findet sie einen Mentor, der am Ende des ersten Buches stirbt, und fortan muss sie ihr Training allein fortsetzen. Sie ist diejenige, die den Lord Ruler tötet, und wird im zweiten Teil der Reihe als der Hero of Ages gehandelt, was sich jedoch als eine Irreführung durch das eigentlich Böse herausstellt. An dieser Umsetzung gefällt mir besonders gut, dass Brandon Sanderson mit den bekannten Klischees spielt und sie ad absurdum führt. Ein ausführliches Review zum ersten Teil der Mistborn-Reihe findet ihr auch in meinem Zweitblog die anderen beiden folgen hoffentlich bald.

Da dieser Artikel im Zusammenhang meines Unmuts einer gewissen Forumsdiskussion steht, möchte ich an dieser Stelle auf die Umsetzung dieses Klischees in The Black Magician intensiver eingehen.

Das Klischee des gemobbten Waisenkindes mit Superkräften in ’The Black Magician’

Sonea ist das Mädchen aus der Unterschicht, deren magische Fähigkeiten sich durch Zufall von selbst entwickeln. Wie sich herausstellt, ist sie sogar eine besonders starke Magierin, da magische Kräfte durch einen anderen Magier entfesselt werden müssen. Wo andere Charaktere sich über diese Möglichkeit gefreut hätten, empfindet Sonea ihre Begabung jedoch als Fluch. Die Magie entgleitet mehr und mehr ihrer Kontrolle bis hin zu Soneas Beinahe-Tod, während sie von den Magiern gejagt wird. Es dauert, bis Sonea deren gute Absichten erkennt. Vertrauen fasst sie nur zu Rothen, dem väterlichen Mentor in dieser Geschichte. Auch wenn ich vielschichtige Charaktere für gewöhnlich vorziehe, so wirkt Rothen damit auf mich wie ein angenehmer Ruhepol – eine liebevoll gezeichnete Konstante, die einen Teil des Charmes der Bücher ausmacht. Ich würde ihn nicht anders wollen.

Als Sonea im zweiten Buch ihre Ausbildung an der Universität der Magier beginnt, widerfährt ihr sehr heftiges Mobbing durch die anderen Novizen, von denen sich genug zusammentun, dass sie trotz ihrer magischen Stärke nicht viel ausrichten kann. Mit einer Rivalität wie zwischen Harry und Draco hat das nicht mehr viel zu tun, obwohl auch dies ein häufiges Verhalten von Kindern gegenüber Außenseitern ist. Hier fällt dieses jedoch ganz besonders extrem aus, weil Regin aus einer reichen Familie stammt, in deren Augen Menschen wie Sonea Abschaum sind und er dementsprechend ohne Rücksicht auf Verluste vorgeht. Sonea hofft, Regin und seine Bande würden irgendwann von alleine aufhören, wenn sie sich nicht wehrt. Sie versucht ihren Peinigern aus dem Weg zu gehen, will nicht, dass andere davon erfahren, und traut sich nicht einmal, sich mit ihrer Magie zu verteidigen aus Furcht, jemanden ernsthaft zu verletzen.

Die Mobbing-Attacken werden schlimmer, als Sonea ihren väterlichen Mentor verliert und die Novizen herausfinden, dass sie ihren neuen Mentor zu sehr fürchtet, um ihn um Unterstützung zu bitten. Wo Sonea auf ihrer Flucht vor den Magiern Hilfe von ihren Freunden hatte, ist sie nun völlig auf sich gestellt und von Menschen umgeben, die auf sie herabsehen. Letztendlich gelingt es Sonea jedoch, sich gegenüber ihrem Peiniger zu behaupten und damit den Respekt der Magier und der anderen Novizen zu erlangen.

Im dritten Buch spielt Sonea eine tragende Rolle bei der Rettung Kyralias. Jedoch nicht auf Grund ihrer magischen Stärke, sondern weil sie bestrebt ist, das Richtige zu tun und zu schützen, was ihr lieb und teuer ist. Indem sie schwarze Magie erlernt, kann sie beliebig viel Magie in sich speichern, wodurch ihr eigenes magisches Potential, was zu Beginn so nach Klischee geschrien hat, hinfällig wird. Schwarze Magie fällt für mich nicht unter den Begriff Superkraft, weil jeder sie erlernen und mit genügend Quellen zu einer entsprechenden Macht gelangen kann. Ohne Soneas starkes magisches Potential wäre sie jedoch niemals von der Gilde entdeckt worden, hätte niemals die Magier ausspioniert und dabei deren Anführer beobachtet – und das hätte niemals dazu geführt, dass sie seine Novizin wird und sich seinem Kampf gegen die Feinde der Gilde schließlich anschließt.

Für mich liegt Soneas Superkraft weniger in ihrer natürlichen magischen Stärke, mit der sie Regin die Lektion seines Lebens erteilt, als in ihrem Kampfgeist. Dieser braucht zwar eine Weile, um geweckt zu werden, aber ist dieser erst einmal erwacht, kann man sich davon eine dicke Scheibe abschneiden. Sonea besitzt eine überaus starke Moral und ist bereit, ihre Vorurteile gegenüber anderen zu überwinden. Und nicht zuletzt schafft sie all dies aus eigener Kraft, weil sie die meiste Zeit über auf sich gestellt ist und die Personen, die ihr wohlgesonnen sind, jenseits ihrer Reichweite liegen.

An Canavans Umsetzung gefällt mir vor allem die Entwicklung, die Sonea durchlebt, indem sie scheinbar unüberwindliche Hürden überwindet und an sich wächst. Diese ist in meinen Augen sehr realistisch gehalten. Auch gefällt mir, dass die Bücher verschiedene Aspekte des gesamten Klischees in sich abgeschlossenen Storylines behandeln und damit Stationen von Soneas Entwicklung sind. Das macht ihren Werdegang in meinen Augen umso realistischer, weil man nicht mit dem Klischee in seiner Gesamtheit erschlagen wird. Allerdings ist es auch anstrengend ein ganzes Buch lang zu lesen, wie Sonea den Mobbing-Attacken der anderen Novizen ausgesetzt ist. Man will, dass es aufhört und denkt, die Figur entwickelt sich nicht weiter. Aber genau das macht die Schilderung so realistisch, da Sonea ein typisches Opferverhalten zeigt. Gut gefällt mir auch, dass Sonea zwar durch ihr magisches Potential eine Art ’Superkraft’ besitzt, diese am Ende jedoch nicht dafür verantwortlich ist, dass sie Kyralia rettet, sondern dass sie ein Prinzip verwendet, das jeder Magier lernen kann und das zumindest innerhalb der Gilde als höchst verwerflich angesehen wird. Sie und Akkarin zeigen auf diese Weise außerdem auch, dass schwarze Magie nicht böse ist, womit im Übrigen ein weiteres Klischee aufgelöst wird.

Es gibt auch einige Punkte, die mich an der Umsetzung stören. Zu Soneas extrem starken, magischen Potential habe ich im ersten Artikel dieser Reihe schon etwas geschrieben. Als Antagonist ist Regin ein sehr flacher Charakter, der sich nicht entwickelt und nach dem Finale des zweiten Buches bis zum Ende der Reihe in der Versenkung verschwindet. Dort wird angedeutet, dass er seine Taten bereut und Wiedergutmachung leisten will. Doch dies tut er nie. Außerdem stört mich, dass nachdem Canavan das Mobbing-Thema in The Novice so realistisch behandelt hat, es in ihrer Fortsetzung so extrem unsensibel angeht (siehe dazu auch diesen Artikel). Dies ist jedoch strenggenommen kein Fehler an der Umsetzung in The Black Magician. Auch stört mich trotz der realistischen Schilderung, dass der Fokus im zweiten Buch so sehr auf der Sonea-Storyline liegt, während die eigentliche Handlung in den Hintergrund rückt. Aber dies vertage ich auf einen anderen Artikel.

Warum brauchen wir gemobbte Waisenkinder mit Superkräften?

Oft sind Bücher wie Harry Potter oder The Black Magician für Jugendliche und Erwachsene gut zu lesen. Als Erwachsener fühlt man sich bei ihrer Lektüre auf magische Weise wieder ein kleines Stück in seine Kindheit versetzt. Sie bedienen unsere Träume und Sehnsüchte und lassen uns Abenteuer erleben, die uns in unserem Erdendasein verwehrt sind.

Aber sie schaffen noch viel mehr als das. Die in diesen Büchern dargestellten Helden sind wie Freunde. Sie sind Figuren, mit denen wir uns identifizieren und in denen wir uns zu einem gewissen Teil wiederfinden. Wir lieben und leiden mit ihnen, weil sie uns so nahe sind, und schöpfen daraus Kraft. Und sie lehren uns wichtige Lektionen, mit denen wir unser eigenes Leben meistern können. So lehrt uns Harry echte Freundschaft, und dass Liebe stärker als der Tod ist, und entführt den Leser auf magische Weise in die eigene Kindheit. Ich habe sogar von Menschen gehört, die sich mit Harry Potter aus einer Depression gekämpft haben.

Sonea lehrt uns, nicht aufzugeben, egal wie viele Steine einem das Leben in den Weg legt. Sie lehrt uns zu kämpfen und über sich hinauszuwachsen und für das einzustehen, was einem lieb und teuer ist. Ein Mensch, der selbst gemobbt wird, findet durch sie möglicherweise sogar den entscheidenden Anstoß, aufzustehen und sich endlich gegen seine Peiniger durchzusetzen. Durch Sonea habe ich mich selbst gefunden. Und sie hat mich gelehrt, dass eine Begabung eine Bereicherung für andere Menschen sein kann, wenn man sie zu beherrschen lernt. Denn dann hört sie auch auf, ein Fluch für einen selbst zu sein.

Ist dieses Klischee ausgelutscht? Vielleicht ist es das. Aber das gilt dann auch für andere Klischees und andere Genres. Und es ist gewiss auch eine Frage von Angebot und Nachfrage, welche Art von Buch gerade gehypt wird und ob andere Autoren auf diesen Zug auspringen. Es existieren so viele Geschichten, dass es schier unmöglich geworden ist, das Rad neu zu erfinden. Man kann Setting, Charakterkonstellationen und Rahmenhandlungen ändern, aber auch dort werden sich Elemente finden, die auch anderswo enthalten sind. Am Ende läuft es auf die Art und Weise der Umsetzung einer Idee hinaus. Und ich finde nicht, dass das etwas Positives ist. Denn es schafft zahlreiche Facetten von ein und derselben Ausgangsidee. Ein altbewährtes Thema in einem völlig neuen Kontext zu bringen, kann somit auch überaus spannend sein.

Nicht zuletzt sind für viele Leser dieser Art von Geschichten von essentieller Bedeutung, weil sie ihr Leben verändern oder einfach nur Balsam für die geschundene Seele sind.

Der Underdog, der sich aus seiner Situation emanzipiert und vielleicht sogar die Welt rettet, ist und bleibt ein Symbol für die Träume und Sehnsüchte der Leser. Deswegen wird sich dieses Klischee mit Sicherheit noch lange der Beliebtheit vieler Leser erfreuen.

Nächster Artikel: Magier in Parallelgesellschaften und warum es nicht der menschlichen Natur entspricht, die einem gegebene Macht auszuüben

Klischees im Black Magician Universum (1)

In dieser Reihe von Blogs möchte ich Euch die Klischees vorstellen, derer Canavan sich gewollt oder ungewollt bedient (um ehrlich zu sein, habe ich nicht die geringste Ahnung, ob sie das so beabsichtigt hat), und wie diese dazu beitragen, den Büchern ihren unwiderstehlichen Charme zu verleihen. Denn auch wenn Canavan mit ihrer ersten Trilogie eine völlig neue Art der Fantasy-Literatur erschaffen hat, finden sich darin altbewährte Muster, die trotz ihrer Klischeehaftigkeit ein Erfolgsrezept für gute Unterhaltung bieten.

Daneben werde ich Euch die Klischees vorstellen, die ich selbst in meine Fanfictions einbaue, und Euch etwas darüber erzählen, warum und wie ich sie verwende. Diese werdet Ihr an einem (FF) hinter dem Titel erkennen können.

Klischees sind nämlich etwas Wunderbares, wenn man sie geschickt und mit Bedacht verwendet. Sie können überaus unterhaltsam sein und überhaupt sind sie ein wundervolles Stilmittel.

Und los geht’s mit Klischee Nr. 1:

„Der gutmütige Vater-Typ“

Oder auch der Mentor ist eine beliebte Figur in der bunten Welt der Fiktion. Er ist sehr viel älter als der Protagonist, er ist ein Mensch, der zu Vertrauen inspiriert – und er ist weise. Für den Protagonisten ist er von essentieller Bedeutung, denn er ist sein Mentor und seine Person des Vertrauens. Obi Wan Kenobi ist so ein Charakter, Meister Miyagi, oder auch Albus Dumbledore (zumindest zu Beginn von Harry Potter, da er sich während der letzten 3 Bücher stark von diesem Image wegbewegt).

Es braucht nicht viel Phantasie, um zu erraten, um welchen Charakter aus The Black Magician es hier geht. Richtig, es ist Rothen.

Rothen ist der Erste, der Soneas magisches Potential erkennt. Von allen Magiern wirkt er am intensivsten an der Suche nach ihr mit (außer vielleicht Dannyl mit seinem Alleingang bei den Dieben) und nimmt sich ihr auf Grund von ehrlichen und aufrichtigen Motiven an. Schon bald fasst Sonea zu ihm Vertauen, und als sie von Fergun in dessen Intrige gezogen wird, tut es ihr weh, Rothen zu hintergehen. Doch Rothen ist über alle Maßen verständnisvoll und hat ein gutes Herz. Er würde Sonea vermutlich so ziemlich alles verzeihen, was sie anstellen könnte. Schon bald entwickelt er eine väterliche Zuneigung für sie und setzt sich in jeder Hinsicht für ihr Wohl ein. Und Sonea profitiert in der Anfangszeit sehr von seinen Engagement.

Rothen spielt in der ersten Hälfte der Bücher eine wichtige Rolle. Er kümmert sich liebevoll um Sonea, so als wäre sie seine leibliche Tochter und er wird zu ihrem Fels in der Brandung, als die anderen Novizen sie schikanieren. Er hilft ihr, das erste Halbjahr zu überspringen und unterstützt sie, wo er nur kann. Kurz: Ohne Rothen wäre Sonea in dieser ersten Zeit völlig verloren. Seine Gutmütigkeit verhindert jedoch auch, ihr die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie bräuchte, um ihr Potential voll und ganz zu entfalten, was sich auf Dauer negativ auf Sonea ausgewirkt hätte.

Ab der zweiten Hälfte von The Novice wird Rothen zu meinem Bedauern mehr und mehr zu einer Randfigur. Er sorgt sich weiterhin um Soneas Wohlergehen, kann jedoch nichts mehr für sie tun. Zwischendurch sorgt er sich auch um Dannyl, jedoch weitaus weniger, weil er Sonea durch Akkarin der größeren Bedrohung ausgesetzt sieht. Seine Überfürsorglichkeit wird daher zuweilen ein wenig anstrengend zu lesen. Dennoch halte ich Rothen für einen großartigen Charakter. Ich durfte selbst bereits zwei solcher Menschen kennenlernen und bin wirklich dankbar für diese Bekanntschaften. Allerdings hätte ich mir für die Zeit, nachdem Rothen seine Ziehtochter an Akkarin verloren hat, für seine Storyline ein wenig mehr Charakterentwicklung gewünscht, wie z.B. eine Entwicklung in seiner Karriere, die am Ende dazu führt, dass er Leiter der alchemistischen Studien wird. Denn so sympathisch Rothen ist, bleibt er somit ein wenig flach, was ich schade finde, weil ich in ihm durchaus Potential für eine Weiterentwicklung sehe.

Nichtsdestotrotz ist er eine wichtige Figur, die Canavan liebevoll entworfen hat, und die ich in den Büchern nicht missen will. Die Story lebt von Rothens väterlicher Gutmütigkeit und seinem herzlichen Verhältnis zu Sonea. Und eine Protagonistin wie Sonea hat einen solchen Menschen in ihrem Leben bitter nötig.