Schlagwort: The Magicians‘ Guild

Fan zu sein bedeutet nicht, das Hirn abzustellen

Von überarbeiteten Rezensionen und warum es wichtig ist, reflektiert zu sein

Nachdem Blood Mirror, der vierte Band der Lightbringer-Reihe, mich auf Grund mäßig entwickelter Storylines und nicht nachvollziehbarer Charakterentwicklung (bis auf eine einzige Ausnahme) derart angefixt hat, dass ich nach langem Überlegen meine Rezension überarbeitet und das Rating drastisch heruntergestuft habe, wurde mir klar, dass ich viel zu lange über Schwachstellen meiner Lieblingsbücher hinweggesehen habe. So leidenschaftlich ich meine Lieblingsbücher verteidige, wenn sie zu unrecht zerrissen werden, so sehr habe ich die mir bewussten Schwächen mit einem Schulterzucken abgetan und dem Buch fünf Sterne gegeben, selbst wenn die Schwächen essentiell waren.

So auch mit The Black Magician Trilogy, meiner Lieblingsbuchreihe aller Zeiten und dem Stoff, aus dem meine Fanfictions sind. Längen? Logikfehler? Charaktere, deren Verhalten auf die Story hingebogen wird? Gibt es, aber Hauptsache, die Bücher erzeugen Fangirlgefühle und der Schreibstil ist schön. Das Ende ist so ziemlich jeder Hinsicht unterirdisch? Geben wir The High Lord doch trotzdem fünf Sterne, weil ich Akkarin so sehr liebe und er hier unglaublich ehrfurchtgebietend ist. Und natürlich wiegt das jede Kritik auf. Selbst das unsägliche Ende.

Ich kann und will das so nicht fortführen. Es fühlt sich falsch an, die Augen vor Schwächen und Fehlern zu verschließen und diese nach außen schönzureden, nur weil ich diese Bücher so abgöttisch liebe. Bei Menschen funktioniert es ja auch. Und bei Büchern, die ich nicht mag. In Reviewantworten diskutiere ich diverse Schwächen von Black Magician seit ich auf Fanfiktion.de veröffentliche, also seit mehr als vier Jahren. Weil diese Schwächen viel zu häufig in meine Fanfictions intervenieren und ich eine plausible Erklärung finden oder in ganz harten Fällen den Canon zugunsten der Logik missachten muss, komme ich gar nicht daran vorbei. Die alten Rezensionen auf meinem Blog reden all dies schön und übersehen außerdem noch einige wichtige Punkte. Als ich das neulich gesehen habe, habe ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

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Monatsrückblick März: Frühlingserwachen

Monatsrückblick März: Frühlingserwachen

Ich kann kaum glauben, dass seit meinem letzten ernsthaften Blogartikel ein Monat vergangen ist. Ich dachte immer, der Februar sei kurz, aber der März ist nur so dahingeflogen.

Im vergangenen Monat ist so viel passiert, wie in sonst nicht einmal in einem Jahr. So kommt es mir zumindest vor. Mein Leben ist immer noch dasselbe, die Veränderungen fanden in mir statt. Ich weiß nicht, ob es der Frühling ist, oder die Tatsache, dass ich mit Mitte 30 an einem Punkt bin, an dem ich mein bisheriges Leben bewerte und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Zukunft in Frage stelle. (Ich glaube übrigens, dass eine solche Evaluierung alle paar Jahre sinnvoll und wichtig ist)

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Monatsrückblick Februar – Karnevalseskapismus & Homecoming

Irgendwie ist der Februar einer dieser Monate, die viel zu schnell vergehen, und das nicht, weil er 2-3 Tage kürzer als die übrigen ist. Jetzt, wo ich den Monat Revue passieren lasse, fällt mir jedoch einiges ein, was sich in dieser Zeit in meinem Autorenleben getan hat. Insgesamt habe ich im Februar sogar recht viel geschafft, auch wenn ich insgesamt nicht so viele Kapitel überarbeitet habe, wie im Januar und Dezember. Aber Überarbeiten und eine Geschichte zu beenden ist eben mehr als nur Kapitel zu lesen und beim Lesen zu korrigieren.

Überarbeitungsstatus der ’Königsmörderin’

Auch diesen Monat konnte ich meinen Plan ein Kapitel pro Tag zu überarbeiten, nicht immer einhalten, was neben Arbeit und allgemeiner Müdigkeit auch davon abhängt, wie viel es bei einem Kapitel zu tun gibt. Da ich mich dem Ende nähere, gibt es in jedem Kapitel mehr zu tun, weil mehr Szenen angepasst oder aufgefüllt werden müssen. Die zweite Februar-Hälfte bestand weitgehend aus einer längeren ToDo-Liste für den Mittelteil, die vor dem Finale abgearbeitet werden wollte. Da ich nur die Mittagspausen und die zu kurzen Abende zur Verfügung hatte, zog sich das über eine Woche hin. Als ich anschließend mit den Folgekapiteln weitermachte, wurde mir schnell klar, dass für den weiteren Verlauf ein Brainstorming erforderlich war. Insbesondere für die Sachaka-Storyline, womit die letzte Februar-Woche dann auch gefüllt war.

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Vorbereitungen für den CampNaNoWriMo Juli 2016

Vorbereitungen für den CampNaNoWriMo Juli 2016

Oder auch: Wer mir in dieses Camp interveniert, dem bereite ich die Hölle auf Erden

Seit letzter Woche Sonntag stecke ich in der heißen Phase der Vorbereitungen auf den CampNaNoWriMo im Juli, wo ich Teil 3 meiner Akkarin-Trilogie schreiben werde. Auf Twitter habe ich darüber auch unter den Hashtags #50SoA3 für das Projekt und #NaNoPrep gespammt. Dabei steht #50SoA3 für ’50 Shades Of Akkarin Pt. III’, dem Arbeitstitel, passend zum flaspigen Arbeitstitel der gesamten Trilogie, der nichts, aber auch rein gar nichts mit der unsäglichen Twilight-Fanfiction zu tun hat, sondern mit meinem Humor.

Zur Vorbereitung und für das Camp habe ich mir ’The High Lord’ als eBook gekauft und angefangen, die Szenen, in denen Akkarin auftritt, oder die er in irgendeiner Weise per Blutjuwel mitbekommt, aufzulisten und in Kapitel zu gliedern. Dazu habe ich einen Nachmittag und eine Frühschicht am darauffolgenden Morgen gebracht. Dafür, dass ich beim Überfliegen der Szenen gefangirlt und gelitten habe, als würde ich das Buch richtig lesen, war das erstaunlich schnell.

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Die Bösewichte der schwarzen Magier

Vor einer kleinen Weile hatte ich anlässlich meiner Fergun-Satire Die Meisterin und ihr Wurm – Ein Drama in drei Akten mit einer Leserin eine Diskussion darüber, wer von beiden der schlimmere Bösewicht ist: Regin oder Fergun, wobei wir ziemlich unterschiedlicher Meinung waren. Das und die Tatsache, dass ich die Bücher zu jener Zeit wieder einmal gelesen habe, hat mich dazu gebracht, mich etwas detaillierter mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Egal, wie oft ich die Trilogie schon gelesen habe – ich habe den Eindruck, als würden die Antagonisten mit jedem Buch böser und mächtiger. Im ersten Buch ist es der intrigante Lord Fergun, der Sonea erpresst, um der Gilde zu beweisen, dass es ein Fehler ist, Novizen aus den Hüttenvierteln aufzunehmen. Im zweiten Buch ist es Soneas Klassemkamerad Regin, der sie ein ganzes Jahr lang aufs Extremste mobbt und dabei keinerlei Skrupel kennt. Und im dritten Buch ist es Kariko, der erst gegen Ende auftritt, dafür jedoch mit seinen Verbündeten Tod und Zerstörung über die Gilde bringt.

An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass ich Kariko von den Dreien am liebsten mag. Und das, obwohl er Akkarin am Ende tötet. Kariko hat Charakter. Er ist nicht nur auf eine dunkle Weise attraktiv und besitzt ein für mich unwiderstehliches Charisma, wo Regin und Fergun mich nur abstoßen – er hat auch die ehrbarsten Motive. Man kann jetzt natürlich darüber streiten, inwiefern die Motive eines Antagonisten überhaupt ehrbar sein können, doch Rache für den Mord an seinem Bruder und für die Verwüstung, die die frühe Gilde in Sachaka angerichtet hat und unter der das Land noch immer leidet, ebenso wie seine Hoffnug, wieder Teil der sachakanischen Gesellschaft zu werden, erscheinen mir als weniger niederträchtig als die Motive von Regin und Fergun, die von Hass und Herablassung gegenüber einer sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht geprägt sind.

Neben Kariko wirken Regin und Fergun blass – und doch ist der Großteil dieses Artikels ihnen gewidmet. Insbesondere Regin wirkt auf mich flach und damit oft mehr nervtötend als alles andere. Der Leser erfährt nichts über den Hintergrund seiner Taten und nichts fügt Regins Charakter weitere Facetten hinzu, die ihm Komplexität verleihen. Er hasst Sonea von dem Augenblick an, in dem die beiden sich das erste Mal begegnen, und tut fortan alles, um ihr das Leben nach bestem Können zur Hölle zu machen.

Fergun gelingt es jedoch, dass man bis zu einem gewissen Grad Mitleid mit ihm empfindet. Sogar Sonea empfindet so, bevor sie erfährt, dass er ihren Freund gefangen hält. Denn wo Regin stolz ist, ein Magier zu sein, wollte Fergun das niemals sein. Trotz seines schwachen magischen Potentials haben seine Eltern ihn zur Gilde geschickt, da es seiner Familie des kyralischen Adels Ansehen einbringt, einen Magier in ihren Reihen zu haben. Damit wurde Ferguns Traum, Schwertkämpfer zu werden, ein jähes Ende bereitet. Da es ihm an magischer Stärke mangelt, musste Fergun sich in der Gilde auf andere Weise behaupten. In The Magicians’ Guild lernen wir Fergun als intriganten und arroganten Widerling kennen und das lässt darauf schließen, wie ihm das gelungen ist. Ich empfinde seine Figur daher als komplexer als die des Regin, eben weil man die Hintergründe seines Handelns kennenlernt und weil er damit (zumindest in mir) widersprüchliche Reaktionen und bis zu einem gewissen Grad Verständnis hervorruft, wo ich Regin einfach nur hasse.

Ich gehöre zu den Menschen, die ergründen wollen, warum jemand eine bestimmte Persönlichkeit entwickelt hat. Gerade die Antagonisten und Badass-Typen faszinieren mich in dieser Hinsicht. Und da hat Fergun auf Grund seiner Hintergrundgeschichte das Potential zu polarisieren, wenn man genau hinsieht. Regin fehlt dies, weil man sonst schlichtweg nichts über ihn erfährt.

Wo es Regin jedoch an Komplexität mangelt, ist er umso bösartiger und durchtriebener. Bei seinen fortwährenden Mobbing-Aktionen geht er unglaublich berechnend vor. Die Art und Weise, wie er Sonea mit den anderen Novizen auflauert, setzt eine intelligente Planung voraus. So auch seine Versuche, Sonea von anderen zu isolieren. So setzt er das Gerücht in die Welt, sie habe mit ihrem Mentor Rothen eine Affäre, und sorgt dafür, dass ihr einziger Freund unter den Novizen einen ’Unfall’ erleidet. Allein die Tatsache, dass er willentlich anderen schadet (egal ob physikalisch als durch die Zerstörung des Rufes), zeugt von einer nicht zu verachtenden Bösartigkeit und Skrupellosigkeit. Dazu kommt, dass Regin von Natur aus ein Anführer ist. Er schart seine Klassenkameraden um sich, womit er zugleich einen Mob zur Verfügung hat, den er auf Sonea hetzen kann und den er braucht, weil sie ihm an magischer Stärke überlegen ist. Er ist sogar bereit, die Konsequenzen auf sich zu nehmen, sollten sie erwischt werden oder Sonea ihrem Mentor von diesem Vorfall berichten.

„I told you“, Regin said between strikes. „She won’t tell him [her guardian]. […] If she does, I’ll take responsibility. I’m willing to do that, just to prove it to you. What have you got to lose?“ (Kapitel 26, The Novice)

Es kümmert Regin nicht, ob Sonea dabei ernsthaften Schaden erleidet, denn sie ist nur das Hüttenmädchen, dass in der Gilde nichts zu suchen hat. Er quält Sonea selbst dann noch, als sie kraftlos am Boden liegt und nicht mehr in der Lage ist, sich zu verteidigen.

The strikes ceased. In the silence, Regin looked at the others one by one and grinned. „See? Now let’s put her in her proper place.“ As he turned back to regard her, she saw the malicious glint in his eyes and realised that exhausting her hat just been the first part of his plan. […] „Well I’ve always wondered what stunstrike did“, she heard Regin say. „Like to try it?“ (Kapitel 26, The Novice)

Für mich zeigt dies, dass Regin nicht einfach nur ein dummer Novize ist, der nicht weiß, was er tut oder sich der Konsequenzen nicht bewusst ist. Hinter all seinen Taten steckt jede Menge Berechnung, Skrupellosigkeit und kriminelle Energie. Wenn ich solche Szenen lese, dann wird mir regelrecht schlecht – insbesondere wenn ich daran denke, was Canavan in ihrer Fortsetzung getan hat (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Regin und Sonea). Abgesehen von der Tatsache, dass aus so etwas niemals eine gesunde Beziehung entstehen kann, ist es eine Frechheit, Regins Aktionen dort als ’dumme Novizenstreiche’ zu verharmlosen.

Auch Fergun weiß, dass er mit seiner kleinen Intrige die Regeln der Gilde bricht, doch insgesamt fehlen ihm die kriminelle Energie und die Persönlichkeit, um einen glaubhaften Bösewicht abzugeben. Als er Cery unter der Universität gefangen hält, bringt er ihm Essen und Decken und heilt sogar seinen Arm, als Cery ihn angreift und Fergun sich aus Reflex verteidigt. Ich scheitere an der Vorstellung, dass Regin so etwas tun würde. Fergun ist sich der Konsequenzen seines Tuns bewusst, sein Plan wirkt auf mich jedoch ziemlich willkürlich und mangelhaft durchdacht. Eine intelligente Vorgehensweise wie bei Regins Aktionen fehlt mir dabei weitgehend.

„I don’t know [if he’ll let me go]. He hasn’t been nasty. Thieves would’ve been worse.“ He hesitated. „I don’t think, he knows what he’s doing.“ (Cery, Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Fergun ist nur gegenüber jenen stark, die schwächer sind als er. Er hat keine Probleme damit, ein ganzes Haus auseinanderzunehmen und seine Bewohner obdachlos zu machen, aber ich bezweifle, dass er in der Lage wäre, Cery zu töten, so wie er es immer wieder androht. Er würde ihn verhungern lassen, ja, aber er ich traue ihm nicht zu, einen Menschen aktiv zu töten. Dazu fehlt ihm schlichtweg die Charakterstärke. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Regin zutrauen würde, doch in jedem Fall kennt er weitaus weniger Skrupel gegenüber seinen Opfern.

An einigen Stellen kann man Fergun die Unsicherheit sogar anmerken:

„Trust you?“ She snorted loudly and forced herself to stare into his eyes. „I want to see him. If I don’t, I might have to ask Administrator Lorlen if blackmail is a crime in the Guild.“

His lips curled into a sneer. „You’re in no position to make such threats.“

„Aren’t I? […] I know all about this kind of blackmail. I’ve lived with the Thieves, remember? You need to make it clear that you can carry out your threat. All I’ve seen is a dagger. Why should I believe you have its owner?“ She turned to meet his gaze and was gratified to see his stare falter. (Kapitel 27, The Magicians’ Guild)

Durch seine Vorgeschichte ist Fergun für mich eher unfreiwillig böse. Ich kann mir vorstellen, dass Regin sich mit dem Erwachsenwerden ein wenig mäßigt, aber diese Berechnung, die Skrupellosigkeit und seine Arroganz werden bestehenbleiben und ihn weiterhin zu solchen Aktionen befähigen. Fergun war nicht einmal in seiner Jugend nicht so schlimm, wie Regin es ist. Wir erfahren nicht viel über seine Zeit als Novize, doch seine Fehde mit Dannyl beruht auf Gegenseitigkeit. Beide spielen einander Streiche wie rivalisierende pubertierende Jungs es tun und Fergun rächt sich schließlich auf ziemlich widerwärtige Weise.

Fergun und Regin sind von ähnlichen Motiven getrieben. Beide sind aus reichem Haus, arrogant und der Meinung, dass Novizen aus den Hüttenvierteln in der Gilde nichts zu suchen haben, doch darüber hinaus sind sie zwei sehr unterschiedliche Personen.

Die Frage, welcher von beiden der Bösere ist, beantwortet sich für mich unter anderem durch ihre jeweilige Charakterstärke, ihre Skrupellosigkeit und das Maß ihrer kriminellen Energie. Und da liegt Regin für mich weit vorne. Fergun ist der komplexere Bösewicht von beiden, aber Regin ist eindeutig der skrupellosere. Angesichts dessen, was mir beim Schreiben dieses Artikels über Regin durch den Kopf ging (und das so zeitnah zum erneuten Lesen der Bücher), macht mich das Wissen um Canavans Fortsetzung noch einmal wütender.

Wie seht ihr das? Stimmt ihr mir mit dieser Analyse zu oder findet ihr Fergun sehr viel schlimmer? Oder seid ihr sogar der Meinung, Regin und Sonea würden das perfekte Paar geben?

Der Camp-NaNoWriMo Juli 2015 – Was mich nicht umbringt, macht mich härter

Der Camp-NaNoWriMo Juli 2015 – Was mich nicht umbringt, macht mich härter

Im Juli habe ich wieder am NaNoWriMo teilgenommen. Dieses Mal endlich mit der Geschichte, die mir seit letztem Herbst im Kopf herumspukt und die ich eigentlich schon im April-Camp schreiben wollte, wobei mir Überarbeitung des „Heiligtum von Yukai“ dazwischen kam. Ende Juni war Yukai endlich so weit gediehen, dass jetzt nur noch einige wenige Kapitel zu Ende zu schreiben sind, in die ich leicht wieder einsteigen kann, weil die große Arbeit getan ist.

Lady Soneas NaNoWriMo-Projekt

In diesem Camp habe ich die Fortsetzung von „Unter tausend schwarzen Sonnen“ geschrieben, die nach Akkarins Rückkehr aus Sachaka spielt. Sie handelt von seinem Doppelleben zwischen langweiligen Gildenversammlungen, Parties im Palast, Heiratsanträgen und schmachtenden Liebesbriefen lüsterner Frauen aus dem kyralischen Adel – und seiner Jagd nach Sachakanern und dem Kampf gegen seine dunklen Seiten und seiner Vergangenheit. Und natürlich beschäftigt sie sich mit seiner Freundschaft zu Lorlen und Takan und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Anfangs lief die Geschichte unter dem flapsigen Arbeitstitel „Die Abenteuer des Hohen Lords“. Nach den ersten drei Tagen war ich von diesem Titel jedoch vollkommen entnervt, weil er der Story eine unerwünschte Slapstick-Komponente verlieh. Seitdem trägt sie den klangvollen Titel „Darker Than Black“*, was dem Akkarin in dieser Geschichte sehr viel gerechter wird.

Wie „Unter tausend schwarzen Sonnen“ hat „Darker Than Black“ diese Momente, die beim Schreiben unter die Haut gehen. Besonders die Szene, als Akkarin das Blutjuwel für Takan gemacht hat, hat mir eine emotional sehr aufwühlende Mittagspause eingehandelt. Über die Stelle, an der Akkarin herausfindet, dass sein bester Freund ihm nicht aus dem Weg geht, weil er überarbeitet ist, sondern weil er sein Geheimnis herausgefunden hat, bin ich sogar ein komplettes Wochenende versackt.

NaNoJuli2015Winner

Ursprünglich sollte „Darker Than Black“ auch „The High Lord“ und einen Epilog, der während des „Spions“ spielt und den ich während des Camps geschrieben habe, beinhalten. In der letzten Camp-Woche wurde mir jedoch klar, dass ich den Cut besser am Ende von „The Novice“ setzte und aus dem Rest eine weitere Geschichte mache. Ab hier verlagert sich der Schwerpunkt der Handlung sehr stark und allein mit den Ereignissen und Akkarins Wandlung in „The High Lord“ könnte ich eine komplette Story füllen. Nicht zuletzt wird für den letzten Teil der Trilogie sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich sein, damit es keine Nacherzählung aus Akkarins Perspektive wird.

Das Problem mit der Nacherzählung begegnete mir allerdings schon in „Darker Than Black“. Nach 25 Kapiteln, in denen Akkarin lüsternen Frauen aus dem Weg ging, durch finstere Gassen oder die Tunnel unter der Universität streifte, Anurischen Dunkelwein trank, sich in Bolhäusern herumtrieb, Sachakaner tötete oder mit Blutjuwelen experimentierte, gerät sein Leben plötzlich durcheinander, als ein magisch begabtes Mädchen in den Hüttenvierteln auftaucht und er bei seiner Jagd nach einem neuen Spion sich mit den anderen Magiern in die Quere zu geraten droht. Für jemanden, der dank Sachaka und seines finsteren Geheimnisses einen latenten Kontrollzwang entwickelt hat, eine absolute Katastrophe, wenn auch die Ereignisse in der Mitte von „The Novice“ diese gewaltig übertreffen. Mir war es sehr wichtig, Akkarins Auftritte in „The Magicians’ Guild“ und „The Novice“ in meine Story einzubetten, weil diese Schlüsselszenen eine Brücke zwischen den Büchern und seiner eigenen Story schlagen.

Indem ich jene Szenen aus dem Englischen übersetzt und die Dialoge an die Sprechweise der Charaktere in meinen Geschichten angepasst habe (bei mir drücken sich die Magier allesamt ein wenig gewählter als in den Büchern aus) und Akkarins Gedankengänge eingefügt habe, war schon ein erster Schritt getan, die Nacherzählung zu vermeiden. Der Trick bei dieser Sache besteht allerdings darin, die Szenen anders einzuleiten und an einer Stelle enden zu lassen, die für Akkarin und nicht für den Erzählcharakter aus dem Original relevant ist, und diese dann in den Kontext von Akkarins Storyline zu bringen. Nachdem ich das ein paarmal gemacht und das Ergebnis gelesen hatte, war ich überrascht, dass dabei eine völlig neue Szene herauskam.

Für den Teil, der parallel zu „The High Lord“ läuft, wird dem jedoch einiges an Planung und Überlegungen vorausgehen. Zudem werde ich darauf achten müssen, dass die Story nicht in eine Romanze abdriftet, zumal Akkarin zu diesem Zeitpunkt schon so lange alleine ist, dass er nicht nur Schwierigkeiten haben wird, seine Gefühle zu akzeptieren, sondern diese auch noch sehr heftig ausfallen dürften.

Das Schreiben aus Akkarins Perspektive war für mich eine überaus faszinierende und spannende Erfahrung. In diesen 31 Tagen habe ich meinen Lieblingscharakter noch besser kennengelernt und verstanden, wie als ich im Jahr zuvor „Unter tausend schwarzen Sonnen“ geschrieben habe. Akkarin ist kein Fangirl-Objekt. Er ist düster, ein ziemlicher Misanthrop, hadert mit seinen dunklen Seiten und leidet unter Schuldgefühlen, weil er die Menschen verletzen muss, die er liebt. Er hadert damit, Takan zu seiner Quelle zu machen und ihm das zu geben, was dieser sich für ihr Miteinander wünscht. Er hat Schwierigkeiten, seine Freundschaft zu Lorlen wiederaufleben zu lassen, nachdem fünf Jahre Sachaka eine riesige Kluft zwischen ihnen aufgerissen haben. Irgendwie gelingt es ihm dennoch, und Lorlen bildet fortan für ihn eine Verbindung zur Gilde und zur Normalität, während Akkarin den Rest der Zeit mit seinem geheimen Doppelleben beschäftigt ist. Diese Verbindung bröckelt, als Lorlen sich von ihm zurückzieht und der Blutring offenbart schließlich Dinge, die Akkarin über seinen besten Freund niemals wissen wollte.

Auch sein Verhältnis zu Sonea hat mich überrascht. Zuerst war sie nur das Mädchen, das seine Jagd gestört hat, dann stellt sich sein Leben völlig auf dem Kopf, als er herausfindet, dass sie sein Geheimnis kennt. Dadurch, dass sie fortan bei ihm wohnen muss, fühlt er sich wie ein Eindringling in seinem eigenen Haus. Wo er sonst immer so redegewandt ist, scheitert er an ihrem Trotz, obwohl sie eine hervorragende Diskussionspartnerin sein könnte. Es fällt ihm schwer, sich mit ihrer Anwesenheit in seinen Räumlichkeiten zu arrangieren und zu akzeptieren, dass sie wirklich seine Novizin ist.

„Darker Than Black“ ist der zweite Teil einer Trilogie, für die ich noch keinen offiziellen Namen habe. Mein flapsiger Arbeitstitel „50 Shades of Akkarin“ hat weniger mit der Twilight-Fanfiction zu tun, als damit, dass angefangen mit „Unter tausend schwarzen Sonnen“ so unglaublich viele Facetten dieses wunderbaren Charakters hervorgeholt werden, von denen einige zum Niederknien sind, während andere die tiefen Abgründe seiner Seele offenbaren. In jedem Fall ist Akkarin in dieser Trilogie ein Charakter, der mich beim Schreiben immer wieder aufs Neue überraschen kann. Durch ihn erhalten meine Lieblingsszenen in den Büchern zudem eine völlig neue Bedeutung.

Was das Camp sonst für mich bereitgehalten hat

Irgendwie war dieser NaNoWriMo nicht für Akkarin ein Kampf gegen die eigenen Dämonen, sondern auch für mich. Es ging darum zu schreiben, auch wenn es einem dreckig geht und damit Abstand von den Dingen zu gewinnen, die man nicht ändern kann. Und es ging darum, mich wieder auf das Gefühl zu besinnen, etwas wirklich nur für mich zu schreiben. Nach zwei Jahren auf Fanfiction.de hatte ich dieses Gefühl ein Stück weit verloren.

Meine Hoffnung, die 31 Tage ohne persönliche Dramen zu überstehen, wurde gleich am zweiten Wochenende zunichtegemacht. Wie es mir trotzdem gelungen ist, die mehr als 160k Wörter zusammenzukriegen, weiß ich nicht. Das Hinarbeiten auf ein Wortziel, das tägliche Aktualisieren des Wordcounts und das Schreiben mit anderen in einer Gruppe hatten daran vermutlich ebenso viel Anteil wie meine Sturheit, das durchzuziehen, obwohl es Tage gab, an denen mich lieber in irgendeinem finsteren Loch verkrochen hätte.

Stats Darker Than Black

„Darker Than Black“ zu schreiben war in gewisser Weise auch eine Therapie, um mit den Dingen, die mir seit einer Weile vermehrt das Leben schwermachen, zurechtzukommen. Es war eine Flucht und eine Verarbeitung. Indem ich über den post-Sachaka Akkarin geschrieben habe, habe ich etwas kompensiert, was ich bei dem Menschen, der mir am meisten auf dieser Welt bedeutet, nicht heilen kann.

In meinem Schreibzimmer konnte ich in dieser Zeit überhaupt nicht schreiben. Ich habe es an einem oder zwei Abenden mit schlechtem Wetter versucht, doch irgendwie verbinde ich mit diesem Ort momentan zu viel emotionalem Stress. Stattdessen habe ich die Wochenenden und die langen warmen Abende auf meinem Balkon verbracht und mich bei schlechterem Wetter auf der Couch gelümmelt. Auch meine Kamelot-Playlist konnte ich nicht so exzessiv hören, wie ich mir das gewünscht hatte, weil sie mir „zu fröhlich“ war. Selbst das neue Album, das ich als Soundtrack für „Darker Than Black“ auserkoren hatte, war für meine Gemütsstimmung zu fröhlich. Die Alternativen, Dream Theater und Insomnium haben dagegen umso besser funktioniert.

Auch wenn ich in meiner Cabin oft durch Abwesenheit geglänzt habe, habe ich dort ein paar wundervolle, neue Bekanntschaften gemacht. Auf diese Weise habe ich einige andere HSP kennengelernt, was für mich eine unglaubliche Erleichterung war. Sich mit Leuten auszutauschen, die die gleiche Veranlagung haben und mit den gleichen Schwierigkeiten sowohl beim Schreiben als auch im realen Leben zu kämpfen haben, tut verdammt gut und hat gemacht, dass ich mich selbst ein Stück weniger neurotisch gefühlt habe.

Fazit

Dieses Camp hat mir nicht nur ein tieferes Verständnis meines Lieblings-Buchcharakters ermöglichst – es hat mich auch härter gemacht. Wie schon im November habe ich mir bewiesen, dass ich auch in Krisenzeiten schreiben kann – ja, sogar schreiben muss, um mit den Dingen, die ich nicht ändern kann, fertig zu werden. Vielleicht kann ich ein Stück davon in die restliche Zeit des Jahres retten. Zu Schreiben ist für mich unheimlich wichtig. Von allen Dingen, an denen mein Herz hängt und bei denen ich zu mir selbst finden kann, ist es aktuell die einzige Konstante in meinem Leben. Es ist wichtig, dass ich mir diese auch dann noch bewahre, wenn alles um mich herum zusammenbricht.

Ich weiß noch nicht, ob „Darker Than Black“ jemals online gehen wird. Das hängt davon ab, ob ich „Unter tausend schwarzen Sonnen“ irgendwann weiter hochlade und ob ich es schaffe, das auch bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Und das hängt wiederum davon ab, ob es mir gelingt, mich emotional so weit von der Story und ihrem Protagonisten zu distanzieren, dass Desinteresse und schlechte Kritiken mich nicht mehr so treffen. Und das hängt davon ab, ob ich die nötige Stabilität finde, die meinem Leben momentan fehlt.

* Für eine Veröffentlichung würde der Titel wahrscheinlich „Schwärzer als die Nacht“ lauten, da ich es nicht so mit englischen Titeln habe.

Klischees im Black Magician Universum (6)

Nr. 6 Der Intrigant, der sich selbst zum Narren macht

Er ist schön, er ist attraktiv, er ist gebildet, er hat güldenes Haar, über das er sich mit Vorliebe streicht, er kommt aus einem reichen und einflussreichen Hause – er ist …

Nein, er ist nicht der Kingslayer, denn dieser hat Klasse. Und lebt in Westeros.

Er ist Fergun.

In der Gilde ist nur unter Seinesgleichen beliebt. Kleine Schleimer und Intriganten, die wie er zu verhindern suchen, dass sich die überall in den Verbündeten Ländern und jenseits davon anerkannte Gilde dem Pöbel öffnet. Jeder Magier, der ein wenig Hirn besitzt, hält nicht viel von Fergun. Und das zu recht.

Der Hohe Lord hat keine allzu hohe Meinung von ihm:

„So what did you tell him?“

„That uncle Fergun had done a bad, bad thing, but not to worry, as the nice men at the Fort would make sure, he was well looked after for all the years he stayed there.“

„I mean what did you tell Nefin?“

„Precisely the same. Well, not in exactly the same words, of course. Not only do they give me the satisfaction of refusing, but I’ve had no marriage proposals from House Maron since Fergun departed. That is an even better reason to keep the man tucked away in the Fort.“

Konversation zwischen Akkarin und Lorlen, Kapitel 4, The Novice

Bei Jerrik ist er unten durch, nachdem er diesem offenbart hat, dass er mit Vorliebe elynische Trivialliteratur liest.

Sogar die Ichani halten nicht besonders viel von seinen magischen Fähigkeiten:

„But he’s weak. I can’t believe they bothered to teach him. He probably can’t even boil water.“

Avala, Kapitel 28, The High Lord

Offengestanden: Ein wenig bedauere ich, dass Avala ihn getötet hat. Auch wenn ich jedes Mal, wenn ein ungeliebter Charakter stirbt, dabei insgeheim eine tiefe Befriedigung verspüre. Als ich diesen Artikel geschrieben habe, kam mir die glorreiche Idee, eine Badfic zu schreiben: Avala setzt sich über Kariko hinweg und behält Fergun und macht ihn zu ihrem Lustsklaven. Tatsächlich wollte ich schon immer eine Geschichte aus der Perspektive einer dominanten Frau schreiben. Die bloße Vorstellung, wie Fergun vor der heißen und begehrenswerten Ichani-Magierin im Staub kriecht und sich wie ein unwürdiger Wurm zu ihren Füßen windet, beinhaltet ein unglaubliches Amüsement, auf das ich nur schwerlich verzichten kann, jetzt wo es sich in meinem sadistischen Fangirl-Hirn erst manifestiert hat.*

Fergun gibt wirklich sein Bestes, um als intriganter Bösewicht anerkannt zu werden, doch es will ihm einfach nicht gelingen. Er schwingt große Reden im Abendsaal, mit denen er seinen Standpunkt zum Thema Abschaum und Hüttenviertel nur allzu deutlich macht. Wirklich begeistern kann er damit jedoch nur seine Anhänger. Er hält sich für überaus gerissen, weil er Cery unter der Universität einsperrt und Sonea, die von all den Magiern völlig eingeschüchtert ist, mit ihm erpresst, um seine kleine schmutzige Intrige durchzusetzen. Doch er hat die Rechnung ohne den Hohen Lord gemacht, welcher mit Vorliebe durch die finsteren Geheimgänge streift, weil er dort seine Ruhe vor den anderen Magiern hat. Und ohne seinen früheren Widersacher Dannyl natürlich. Das hat man davon, wenn man andere mobbt.

Feige ist Fergun nämlich auch. Und homophob, wobei man das vermutlich über den Großteil des kyralischen Adels sagen könnte, der sich im Gegensatz zu seinem Nachbarn im Norden aufklärungstechnisch noch im tiefsten Mittelalter befindet. Ferguns Feigheit ist seine herausragendste Charaktereigenschaft. Nur feige Menschen mobben und piesacken andere, vergreifen sich an schwächeren und verstecken sich vor den bösen Feinden, anstatt heldenhaft unterzugehen. Dass Fergun eigentlich Schwertkämpfer werden wollte und frustriert ist, weil seine Eltern ihn stattdessen zur Gilde geschickt haben – und das, obwohl sein magisches Potential so gering ist, dass er mit Mühe und Not Wasser kochen kann – ist für mich keine Entschuldigung für sein Verhalten. Andere Magier wurden weitaus mehr vom Schicksal gebeutelt und wurden dennoch nicht zum Charakterschwein. Selbst jene, die von Fergun persönlich gebeutelt wurden.

Auch hier habe ich wieder einmal nicht die geringste Ahnung, ob Canavan versucht hat, einen Bösewicht zu parodieren oder ob sie einen echten Bösewicht schaffen wollte und ihr das einfach nur misslungen ist. Für mich ist Fergun vor allem Ersteres. Ein Bösewicht, der unfreiwillig komisch ist.

* Ich streite noch mit mir selbst bezüglich des Ratings und wie viel Handlung ich der Story zugestehen soll, da eine Badfic meiner Meinung nach keine nennenswerte Handlung haben sollte. Aber wie soll ich ohne bloß leben?