Schlagwort: Writing

Wanted: Test readers (native and non-native) for English project

Hallo ihr Lieben, für mein englischsprachiges Projekt suche ich dringend Testleser (Muttersprachler und Leute mit sehr guten Englischkenntnissen). Die Details findet ihr im untenstehenden Text. Falls die Kriterien nicht auf euch zutreffen, ihr aber jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt … bitte, bitte leitet diesen Post weiter! Ihr helft mir damit sehr!

The following text is in English.

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Von missglückten Aprilscherzen, nackten Tatsachen und echten Zukunftsplänen

Die besten Lügen sind bekanntlich jene, die mit einem Hauch Wahrheit gespickt sind. Ich bin kein Mensch, der lügt, aber am 1. April erlaube ich mir hier gerne mal eine Ausnahme und lasse meinen inneren Schalk raus. Weil es immer wieder Spaß macht. Letztes Jahr habe ich ja anscheinend einigen mit meiner Ankündigung, von nun an nur noch Lightbringer-Fanfiction zu schreiben, einen Schrecken eingejagt – etwas womit ich so überhaupt nicht gerechnet hatte.

Der böse Aprilscherz: Was bisher geschah

Auch dieses Jahr versuchte ich es mit einer Halbwahrheit. Die Idee kam mir spontan, nachdem ich am Abend zuvor per Post Rückmeldung von einer Testleserin meines englischen Projekts erhalten hatte. Jene Testleserin (zweisprachig aufgewachsen) hat sich so sehr für mein gutes Englisch begeistert, dass der Ostersamstag zu einer kleinen Feier ausartete. Und diese freudige Begebenheit veranlasste mich Ostersonntagmorgen spontan zu folgendem Aprilscherz:

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Autorenwahnsinn Tag 15: Schreibratgeber? Geh mir weg!

Über Schreibrategeber und wie ich meine persönlichen Dos und Don’ts aus Bestsellern und Badfics ziehe

Mit Schreibratgebern konnte ich noch nie etwas anfangen. Ich habe mir mal einen gekauft, aber nachdem ich ihn durchgeblättert hatte, festgestellt, dass die dort enthaltenen Tipps nicht auf meine Arbeitsweise und meine Bedürfnisse zugeschnitten sind, während andere Themen ganz offenkundig für Anfänger galten. Seitdem habe ich der Sache keine zweite Chance gegeben.

Schreibratgeber sind oft so: „Beginnen Sie ein Kapitel niemals mit der Beschreibung des Wetters.“ – strenge Vorschriften, was man möglichst tun und lassen sollte und das so allgemein, dass dabei weder auf die Arbeitsweise und den Schreibstil des Autors als auch auf das Genre Rücksicht genommen wird. Zumindest ist das mein Eindruck von den Schreibtipps, die auf ich so oft stoße. In anderen Schreibratgebern steht vermutlich so etwas wie „Beginnen Sie ein Kapitel unbedingt mit der Beschreibung des Wetters, so schaffen Sie Atmosphäre.“*

Ganz ehrlich? Wenn ich es für eine gute Idee halte, eine Szene oder ein Kapitel mit dem Wetter zu beginnen, dann tue ich das. Manchmal schaffe ich damit bewusst die passende Atmosphäre, oder eine Metapher für die Stimmung des gegenwärtigen Erzählcharakters oder ich lasse das Wetter im krassen Gegensatz zu dieser stehen – ganz so, wie es mir gefällt und passt.

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Inspiration – kann man das essen? (Autorenwahnsinn Tag 3)

Die heutige Frage bei der Autorenwahnsinn-Challenge, der ich mich diesen Monat verschrieben habe, lautete: Was hat dich zu deinem aktuellen Projekt inspiriert?

Tatsächlich konnte ich die Frage, woher ich meine Inspiration beziehe, noch nie beantworten. Weil es das in dieser Form für mich nicht gibt. Dennoch hat diese Frage mich dazu gebracht, den ganzen Tag im Hintergrund darüber nachzudenken.

Zugegebenermaßen bewundere ich andere Autoren ein wenig für ihre Quellen der Inspiration. Sie schauen sich Bilder auf Pinterest an, Postkarten oder hören ein Lied und bekommen darüber die Idee für ihren nächsten Roman. Ich kann so etwas nicht. Wenn ich das könnte, dann würde ich vermutlich keine Fanfiction mehr schreiben, sondern wäre längst bei eigenen Romanen.

Aber so funktioniert das bei mir nicht.

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Alle Jahre wieder – Neid und Missgunst im NaNoWriMo

Alle Jahre wieder – Neid und Missgunst im NaNoWriMo

Für mehr Toleranz unter Autoren.

Der NaNoWriMo sollte ein Monat sein, in dem man das Schreiben feiert. Oder ein Monat der Toleranz, wie es der Thriller-Autor Marcus Johanus in seinem Blog schreibt. Aber jedes Jahr wird man mit Neid und Häme konfrontiert, ganz besonders dann, wenn man zu den Vielschreibern gehört.

Und das ist unsportlich, Leute.

Der NaNoWriMo ist ein Monat des Wettkampfes. Aber nicht des Wettkampfes gegen andere Autoren, sondern gegen sich selbst und den inneren Schweinehund. Die ursprüngliche Idee des NaNoWriMos ist es, eine Geschichte von 50k Wörtern in einem Monat zu schreiben. Viele Geschichten sind jedoch länger als das, Autoren schreiben unterschiedlich schnell und daher entstehen Geschichten unterschiedlichster Längen in völlig verschiedenen Zeitspannen.

Daher würde ich den Geist des NaNoWriMos eher so beschreiben:

Der NaNoWriMo ist ein Monat, in dem man sich intensiv mit seiner Geschichte auseinandersetzt, seiner Kreativität freien Lauf lässt und die Geschichte soweit vorwärtstreibt, wie es einem nur möglich ist.

Letztendlich hängt es auch von jedem Autor selbst ab, wie viel Zeit er bereit ist, in diesem Monat in sein Projekt zu stecken. Manche wollen nicht auf ihr Sozialleben verzichten, andere leben einen Monat lang nur für ihre Geschichte. Und nicht zuletzt spielt auch immer die persönliche Situation eine Rolle.

Und trotzdem wird man als Vielschreiber schnell blöd von der Seite angemacht, wenn man stolz seinen Wordcount auf Twitter postet, um ihn mit anderen Autoren zu feiern. Und weil man, verständlicherweise, stolz ist, dass es so super läuft. Da kommen dann Sprüche wie: „Wenn du nach einer Woche schon die 50k hast, dann kannst du ja jetzt aufhören.“ Oder man bekommt durch die Blume gesagt, dass wenn man so schnell schreibt, dabei ja nichts qualitativ Hochwertiges bei rumkommen kann.*

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Soneas Sumikränzchen: Die Buch-Sonea & ich

Soneas Sumikränzchen: Die Buch-Sonea & ich

Hallo ihr Lieben und herzlich willkommen zu meinem allerersten Sumikränzchen. Es war nicht gerade leicht, ein Thema zu finden, um diese Reihe zu eröffnen, weil es so viele Dinge gibt, über die ich erzählen könnte. Am Ende habe ich mich jedoch dazu entschieden, euch von meiner ganz persönlichen Heldin zu erzählen. Und davon, was mich mit ihr verbindet.

Denn diese Verbindung hat viel dazu beigetragen, dass ich angefangen habe, Fanfiction zu meinen Lieblingsbüchern zu schreiben. Und sie hat mich persönlich verändert.

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Lady Sonea lädt zum Sumikränzchen ein

Hallo ihr Lieben,

Trotz (oder vielleicht auch wegen) einiger schlechter Erfahrungen in der jüngsten Vergangenheit spiele ich seit ein paar Tagen mit dem Gedanken, eine Reihe von Blogartikeln zu machen, in denen ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudere.

In dieser neuen Reihe soll es um Themen rund um mich und meine Geschichten gehen – also um die Verbindung zwischen den Geschichten und ihrer Autorin, aber auch um Hintergrundinformationen, die ich hier und da in Reviewantworten gebe, weil ich Spaß habe, darüber zu erzählen. Dazu habe ich eine neue Kategorie namens Soneas Sumikränzchen eröffnet. Wegen der Alliteration und nicht etwa, weil die Buch-Sonea finden würde, dass Sumi so ein unglaublich leckeres Getränk ist.

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Fanfiction-Klischees: Das OOC-Phänomen – ein Erklärungsversuch

Dieser Artikel ist eine Vorbereitung auf meinen geplanten Artikel „Warum Akkarin kein romantischer Held ist“. Beim Verfassen jenes Artikels habe ich schnell bemerkt, dass ich ziemlich weit ausholen muss, bevor ich überhaupt zu der Essenz meiner Aussage vordringen kann. Daher habe ich dem einen Artikel über OOC-ness im Allgemeinen vorangestellt.

Im Fachjargon von Fanfiction-Autoren steht OOC für out of character, was so viel bedeutet wie, dass ein Charakter nicht seiner Vorlage entspricht.

Dieses Phänomen ist (so weit ich das beurteilen kann, Studien liegen mir leider nicht vor) in der Fanfiction-Welt relativ weit verbreitet und nimmt verschiedene Ausprägungen an. Unter den Schreibern und Lesern von Fanfictions ist es ein wenig verpönt und für mich zählt es zu den Gründen, warum Fanfiction als Genre einen so schlechten Ruf hat.

Generell unterscheide ich zwischen zwei Ausprägungen: der gewollten und der ungewollten OOC-ness.

Die gewollte OOC-ness

Wir kennen das unter anderem aus Science-Fiction Serien. Die Crew eines Raumschiffs begegnet ihren bösen Zwillingen aus einem Paralleluniversum oder eins ihrer Mitglieder wird von der Präsenz eines Aliens besessen. In beiden Fällen erleben wir die Charaktere, die wir im Laufe der Serie kennen und lieben gelernt haben, in einem völlig neuen Kontext. Sie handeln so, wie es nicht ihrem Naturell entspricht und wir bekommen dafür noch eine logische Erklärung geliefert.

Das Tolle an gewollter OOC-ness ist, dass man mit den Figuren experimentieren kann. Wenn Mr. Spock in einer Folge von Raumschiff Enterprise plötzlich super gefühlsbetont ist, weil er von einem Virus befallen wurde, der seine menschliche Seite dominieren lässt, kann das überaus amüsant und spannend sein – oder mit anderen Worten: faszinierend. So sehr wir den kühlen und beherrschten Vulkanier lieben, entdecken wir dadurch völlig neue Seiten an ihm. Etwas Ähnliches erleben wir, wenn ihn das Pon Farr befällt. Star Trek Fans wissen, so wird der Zustand bezeichnet, in dem Vulkanier paarungsbereit sind, wobei ihre animalische Seite zum Vorschein kommt. Dieser Zustand trifft nur alle sieben Jahre ein und man kann davon ausgehen, dass dies in der gesamten Serie nur einmal geschieht. Obwohl Teil seiner Persönlichkeit, ist dies im weitgefassten Sinne ebenfalls OOC, weil die Zuschauer ihren Lieblingsvulkanier nicht in dieser Form kennen.

Als Autorin von Fanfictions gestehe ich dem selbst einen gewissen Reiz zu. Einen Charakter ständig in-canon zu schreiben, ist sehr restriktiv. Das in-canon Schreiben erfüllt mich und ist Grundlage für meine Geschichten. Doch hin und wieder will ich entweder einfach nur Schund schreiben, um eine Schreibblockade zu überwinden, oder ich ziehe meine Lieblingscharaktere oder meine eigenen Werke durch den Kakao (wie in meiner Parodie zu Die zwei Könige Von bösen Königen und altersschwachen Limeks, in der OOC-ness nicht meine einzige Schandtat ist). Ich habe sogar eine Szene, die es nicht in „Das Heiligtum von Yukai“ geschafft hat und in der Sonea herausfinden will, wie es ist, wenn sie im Bett das Sagen hat, und hinterher zugibt, noch nie so schlechten Sex gehabt zu haben. Ok, ich gebe zu, das ist Headcanon, weil wir in den Büchern nicht viel über diese Thema erfahren. Aber es ist konsistent von Soneas und Akkarins Beziehung in The High Lord fortgesponnen und was sie in dieser Szene tut, kann ich nicht im Geringsten mit ihrem Charakter in Einklang bringen.

Ich fasse gewollte OOC-ness als Gedankenexperiment mit spannenden Resultaten auf. Man lässt den Charakter von der Leine und hält ihm zugleich einen Spiegel vor. Ich erwähnte bereits, dies kann auch helfen, um Schreibblockaden zu überwinden. Und das tut es nicht nur, weil es Hirnwindungen frei bläst – das tut es auch, weil man dadurch neue Ideen für die Aktionen des in-canon Charakters erhalten kann.

Ungewollte OOC-ness ist dagegen ein ganz anderes Thema. Und es ist sehr viel komplexer.

Die ungewollte OOC-ness

Ungewollte OOC-ness geschieht meines Erachtens mangels besseren Wissens oder Reflektionsvermögens, aber auch, weil man etwas in die Charaktere projiziert, was dort nicht ist.

Am besten erzähle ich euch dazu einmal ein wenig aus meinem eigenen Leben.

In der schlimmsten Phase meiner Pubertät, die von ca. 11 bis 16 ging, war ich eines der nervigsten und quietschigsten Fangirls unter dem Antlitz Gottes. Ich war nacheinander (und teilweise auch gleichzeitig) verliebt in Captain Kirk, Mr. Spock, Han Solo und Horst Schimanski. Die Menschen in meiner Umgebung haben sehr unter meinem Gesülze über einen eher gefühlsbetonten Mr. Spock und einen süßholzraspelnden Han Solo gelitten. Man merkt schon, das ist eine ziemlich bunte Mischung, denn damals war ich noch in der Selbstfindungsphase und ich wusste noch nicht so recht, was ich vom Leben oder von einem zukünftigen Partner erwarte. Ja, die Vorstellung eines idealen Partners hat sehr viel damit zu tun, wenn man sich in eine fiktive Figur verliebt.

Ich kann von Glück sagen, dass es damals (also Mitte der 90er) noch kein richtiges Internet gab und ich nicht die Ausdauer hatte, die Fanfictions, die in meinem Kopf abliefen, auf Papier zu bringen. Denn sonst hätte ich genau das getan, was viele junge Autoren tun, wenn sie Fanfiction schreiben: Ich hätte meine schlecht durchdachten Geschichten, die jeglicher Logik entbehren und deren Charaktere völlig OOC sind, dem breiten Publikum zur Verfügung gestellt. Und ich hätte mich einige Jahre später dafür in Grund und Boden geschämt.

Damals hätte ich jedoch nicht einmal gewusst, das eine von dem anderen zu unterscheiden. Selbst, wenn ich die Gelegenheit gehabt hätte, meine Geschichten nach einer Weile noch einmal zu lesen, wäre mir nicht aufgefallen, was für einen Schund ich da fabriziert habe. Weil ich meine Träume, Phantasien und Wunschvorstellungen so stark in das Fandom und meinen jeweiligen Lieblingscharakter projiziert habe, dass ich blind für die Realität war.

Auch in späteren Jahren ist mir das noch passiert. Meine ersten Versuche Fanfiction zu schreiben endeten in Texten, die Vorlage für das Drehbuch einer Seifenoper hätten sein können. Ja, es ging um Sonea und Akkarin in einer alternativen Fortsetzung von The Black Magician. Damals war ich 27 und hatte die Pubertät schon lange hinter mir. Meine Selbstfindungsphase war lange vorbei und ich brauchte nicht mehr zu projizieren oder meine Vorstellungen von dem perfekten Mann in das Fangirl-Objekt meiner Begierde zu projizieren. Einmal davon abgesehen, dass Akkarin zufällig all genau das verkörpert. Die ersten Versuche einer Umsetzung waren dennoch grauenhaft, wie mir beim Korrigieren auffiel (insofern bin ich dankbar, dass ich Fanfiktion.de erst ein paar Jahre später entdeckt habe und mit der Veröffentlichung meiner Fortsetzung erst angefangen habe, als ich schon beim dritten ’Buch’ war). Das Problem war hier allerdings, dass ich noch nicht das richtige Gefühl für die Charaktere hatte, denn wäre nicht dementsprechend entsetzt gewesen. Für mich ist es dann richtig, wenn ich beim Lesen der Szene denke, diese könnte auch aus dem Original stammen und die Figuren sich so anfühlen, wie sie es tun, wenn ich die Bücher lese. Heute beömmele ich mich über meine ersten Versuche in diesem Genre und stelle meinen Lesern die genialsten Stücke in Bonuskapiteln zur Verfügung. Hätte ich diese Szenen jedoch unmittelbar nach ihrem Schreiben veröffentlicht, so würde ich mich heute in Grund und Boden schämen.

Was ich damit sagen will: Es ist schwer, einen Charakter in-canon zu schreiben. Verdammt schwer. Es ist ein langwieriger und frustrierender Prozess. Ganz besonders dann, wenn es der Lieblingscharakter ist. Denn wir neigen dazu, in das was wir lieben, all unsere Wünsche und Phantasien zu projizieren und das Geliebte zu romantisieren und zu verzerren. Ich denke, besonders im Teenager-Alter geschieht dies häufig. Ich sehe ja rückblickend bei mir selbst den Schund, den ich mir damals zusammengesponnen habe, was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass alle Teenies ihre Charaktere ohne es zu bemerken OOC schreiben. Es ist sicher auch eine Frage der Persönlichkeit und geistigen Reife und wie sehr man seine eigene Schreibe reflektiert. Denn auch im Erwachsenenalter sind wir nicht immer davon gefeit, weil wir entgegen jeglicher aktueller Brillenmode zu dem rosaroten Modell greifen, wenn wir verliebt sind oder schwärmen. Darüber ignorieren wir jedoch oft die Realität und die dunklen Seiten einer fiktiven oder realen Person. Wir wollen nur sehen, was wir sehen wollen und das Erwachen ist oft jäh und schmerzhaft.

Aber lieben wir dann überhaupt wahrhaftig?

Wenn ich eine fiktive (oder auch reale Person) toll finde und bewundere, dann tue ich das, weil sie so ist, wie sie ist. Ich akzeptiere sie als Ganzes mitsamt ihrer dunklen Seiten. Fange ich jedoch an, jene Person zu ändern, so ist das das Gegenteil von Liebe.

Ein weiterer Faktor ist unsere eigene Interpretation. Selbst wenn diese nicht von unseren Wünschen und Vorstellungen beeinflusst wird, haben unterschiedliche Personen unterschiedliche Interpretationen von ein und derselben Sache. Denn wir alle sind ein Produkt aus unseren Erfahrungen und unserer Umwelt und beides fließt in unsere Persönlichkeit ein und färbt unseren Blick auf die Welt.

Auch ich könnte nicht sagen, ob ich wirklich davon gefeit bin. Ich glaube jedoch, mich sehr nahe am Original zu bewegen. Denn sonst würde mir beim Korrigieren der Unterschied zu den Büchern förmlich ins Auge stechen und ich hätte nicht so viele Leser, die sich nur wegen meiner Geschichten auf Fanfiktion.de anmelden und mir schreiben, dass meine Geschichten all ihre Vorurteile über Fanfictions ausgeräumt haben. Ich lege sehr viel Wert darauf, OOC-ness zu vermeiden, weil ich sonst nicht glücklich mit dem Resultat bin. Aber was ist mit den blinden Flecken der Charaktere, die Interpretationsspielraum bieten? Gestalte ich diese konsequent? Und was ist mit Sonea, die mir so ähnlich ist, wie keine andere fiktive Figur? Führe ich sie in meiner Fortsetzung und ihrer Einstellung und ihren Gefühlen gegenüber Akkarin konsequent fort, weil es das ist, was ich aus ihrem Verhalten in den Büchern, insbesondere in The High Lord, heraus interpretiere? Oder meine ich nur, das zu tun, weil die Grenzen zwischen mir und ihr verschwimmen? Und was bedeutet das dann für ‚meinen‘ Akkarin? Auch er besitzt in meinen Fanfictions Eigenschaften, die für mich aus seinem Verhalten in den Büchern folgen, weitere sind Überlegungen, zu denen ich auf Grund seiner Vorgeschichte gelangt bin. Wenn ich das Gefühl habe, dabei zu weit zu gehen, dann nehme ich diese Szenen aus meinen Geschichten raus. Aber vielleicht projiziere sogar ich bei ihm, um ihn für mich noch perfekter zu machen, indem ich diese blinden Flecken seiner Persönlichkeit nach meinem Gutdünken ausgestalte. Nur, dass der Rest seiner Figur konsistent immerhin mit den Büchern ist. Aber indem ich immer wieder hinterfrage, ob meine Charaktere noch so wie im Original sind und kleine Ausreißer korrigiere, habe ich schon einen großen Schritt getan, ihrer Vorlage gerecht zu werden und ihnen den Respekt zu erweisen, den sie verdienen.

Ich glaube, dass diese Projektion der Grund dafür ist, warum beliebte Charaktere in Fanfictions so oft OOC geschrieben werden. Die Autoren jener Geschichten bemerken das nicht, weil sie in ihren Wunschvorstellungen gefangen sind. Und auch die Leser, die solche Geschichten mit „Akkarin ist bei dir genau so wie ich mir ihn immer vorstelle!“ und „das Pairing ist ja sooo süüüüß!“ kommentieren, sehen dies nicht, weil auch sie in ihren Wunschvorstellungen gefangen sind. Beunruhigend wird das erst, wenn sie Selbiges zu meinen Geschichten schreiben, denn ich kann ihnen in diesem Fall nicht glauben. Zum Glück sind das die Ausnahmen, jene Leser rühren meine Geschichten nämlich in der Regel nicht an und ich schenke lieber denen Glauben, die nicht rumquietschen, die konstruktiv sind und die ihre Vorurteile überwinden konnten.

So sehr ich ungewollte OOC-ness auch nachvollziehen kann – mir selbst tut es in der Seele weh, so etwas zu lesen. Denn ich liebe meine Lieblingscharaktere, weil sie so sind, wie sie sind, und ich lese Geschichten über sie, weil ich nicht genug von ihnen bekommen kann.

Nein, ich will kein unfreiwilliges OOC lesen. Meine bisherigen Erfahrungen damit waren verstörend und ich habe keine dieser Geschichten länger als ein Kapitel ausgehalten. Das gilt insbesondere für mein eigenes Fandom. Ich will weder von einem süßholzraspelnden, verweichlichten Akkarin lesen noch von einer Sonea, die sich wie ein pubertärer Teenager aufführt und ihren Mentor ohrfeigt. Denn dann bin ich verstört. Zutiefst.

Warum man Rückschlüsse auf den Autor nur mit Bedacht ziehen sollte

… und was wirklich hinter den in Geschichten bearbeiteten Themen steckt

Eigentlich wollte ich mich ab diesem Artikel den Schwächen von Black Magician widmen, habe jedoch entschieden, dies nach hinten zu schieben, da ich die Bücher jetzt bald wieder einmal lesen wollte. Jeder Lesedurchgang findet bei mir unter einem anderen Aspekt statt und ich denke, dass die Artikel über die Schwachstellen davon nur profitieren können.

Deswegen muss ich heute leider noch einmal auf jenen Forumspost zurückgreifen, durch den diese Blogreihe überhaupt erst zustande gekommen ist. Dort fiel ein Satz, der mir ganz besonders sauer aufgestoßen ist, auch wenn ich davon ausgehe, dass jener User* nur angewendet hat, was er im Deutschunterricht gelernt hat. Für einen Autor ist das dennoch nicht immer witzig:

„3 Bände lang muss man sich kapitelweise durch immer gleiche Mobbingattacken durch diesen Deppen quälen. Gähn…… Offenbar musste die Autorin damit irgendwelche eigenen Mobbingerfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit psychologisch aufarbeiten…..“

Ich bin wahrlich nicht mit allem einverstanden, was Canavan schreibt. Aber eine solche Unterstellung ist einfach nur anmaßend, unsensibel und verletzend (abgesehen davon, dass der Verfasser dieser Zeilen anscheinend nicht weiß, wovon er spricht). Vielleicht ist das eine meiner Hochsensiblen-Macken, dass ich auf solche Unterstellungen anspringe. Allerdings teilten die Personen, mit denen ich über diesen Post diskutiert habe, meine Meinung und hatten wie ich selbst schon negative Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Aber dazu später mehr.

Warum solche Rückschlüsse unangenehm sein können

Nach dieser Logik müsste J.K. Rowling von ihren Zieheltern in einen Schrank unter einer Treppe eingesperrt worden sein, wo sie anfing, sich in Phantasiewelten zu träumen. Autoren wie Chris Carter, Sebastian Fitzek oder Simon Beckett wären in ihrem Herzen psychopathische Serienkiller und Stephen King würde vielleicht unter irgendwelchen seltsamen Wahnvorstellungen leiden. Und ich hätte Die zwei Könige nur geschrieben, weil ich irgendwann einmal entführt und zur Sexsklavin ausgebildet worden wäre. Und das bezieht sich nur auf eine meiner multiplen Persönlichkeiten, da ich noch über andere Figuren schreibe (bisexuelle Amazonen, menschenscheue angehende Wissenschaftler, Diebe mit jeder Menge krimineller Energie, skrupellose Kontrollfreaks, widerwärtige Intriganten und liebeskranke Vanillas, bei denen nicht nur meine Leser das Bedürfnis verspüren, ihren Kopf in die Tastatur ihres Laptops zu hauen – um nur einige zu nennen). Und natürlich sind meine Geschichten voll mit meinen perversen sexuellen Phantasien. Denn schließlich bin ich ja Fanfiction-Autorin.

Aussagen wie in dem obigen Zitat erinnern mich ein wenig an den Deutschunterricht in der Schule, wo wir unsere Lektüren unter anderem danach interpretieren mussten, was uns der Autor damit sagen will. Wenn wir dabei den persönlichen Hintergrund des Autors in unsere Interpretation mit einbezogen haben, gab es dafür auch ein Sternchen. Das ist in etwa so, wie in Vincent van Goghs Sternennacht nach Anzeichen für seine fortschreitende Erkrankung zu suchen.

Mir stoßen derartige Rückschlüsse auf den Autor auch noch aus einem anderen Grund sauer auf. Denn ich bin nicht allzu angetan, wenn man dies bei mir tut. Was meine Leser im Stillen über mich denken, kümmert mich nicht. Doch manchmal artet so etwas auch aus. Erst vor kurzem hatte ich diesbezüglich selbst ein weniger schönes Erlebnis: Ich habe über Twitter jemanden kennengelernt, der mir nach nur wenigen gemeinsamen Vielfachen von 140 Zeichen sagte, er fühle sich mit mir ‚verbunden‘. Deswegen wolle er nun erst Black Magician und dann meine Fanfictions lesen, um mich ‚zu verstehen‘. Mir ist unbegreiflich, wie man mich auf Grund meiner Fanfictions verstehen soll – besonders, wenn man mich kaum kennt (einige gemeinsame Vielfache von 140 Zeichen sind für mich gleichbedeutend mit ‚kaum kennen‘). Jedenfalls war mir die ganze Sache so unheimlich, dass ich die Flucht ergriff und den Kerl geblockt habe, zumal ich mich anfing gestalkt zu fühlen, weil er alles von mir geliket, retweetet und kommentiert hat. Leider kann ich ihn nicht auf Fanfiktion.de blocken und mir graut schon vor dem Tag, an dem er mich in Reviews psychoanalysiert.

Ein weiteres unschönes Erlebnis dieser Art liegt schon etwas länger zurück. Als ich 2010 anfing Die zwei Könige zu schreiben, erzählte ich bei einem Pärchenabend der Freundin des besten Kumpels meines Freundes davon. Dummerweise hatte ich dabei nicht bedacht, dass sie Psychologie studiert und meine Aussage, dass mein Antagonist (der böse heiße König von Sachaka) in einigen Charakterzügen von meinem Freund inspiriert war, wurde für den Rest des Abends bis ins kleinste Detail meine dahintersteckende Motivation analysiert so wie meine Person und unsere Beziehung. Ich bin kläglich daran gescheitert zu erklären, dass es dabei nur um einige kleine Eigenheiten meines Freundes ging, die rein zufällig auch in meine Vorstellung von einem perfekten Antagonisten passen.

Wer mein Vorwort zu Die zwei Könige gelesen hat, weiß übrigens, dass die Story nur deswegen so hart wurde, weil alles andere im Zusammenhang mit einer Entführung durch die Sachakaner Augenwischerei gewesen wäre.

Was beim Schreiben tatsächlich passiert

Aus diesem Grund gebe ich meine Geschichten auch ungern Freunden und Bekannten zu lesen, sofern ich ihnen in dieser Hinsicht nicht absolut vertraue. Meine Leser könnten diese kleinen Details niemals erraten und ich würde sie ihnen auch nicht verraten. Aber genau diese kleinen Details sind es, die Figuren lebendig werden lassen. Indem wir ihnen etwas mitgeben, was wir kennen, fügen wir ihnen eine weitere Facette hinzu und lassen sie dadurch realistischer werden. Und das hat nicht im entferntesten etwas mit Verarbeitung zu tun. Verarbeitung geschieht indirekt. Lasse ich einen Charakter Liebeskummer erleiden, so erinnere ich mich an meine Gedanken von Sinnlosigkeit und das Gefühl schmerzender Leere während meines letzten Liebeskummers. Indem ich die Erinnerungen wieder aufleben lasse, wird die Situation des Charakters für den Leser lebendig. Das zu schreiben macht mir große Freude, auch wenn ich dabei selbst Tränen in den Augen habe, weil ich an dem Tag etwas emotional bin oder mir der Charakter so sehr am Herzen liegt, dass ich mit ihm leide.

In den meisten Fällen stehen die Erlebnisse des Charakters, steht nur in sehr weitgefasster Assoziation mit etwas aus meinem Leben – einer Situation oder einem Gefühl, dass ich auf die Szene anwende. Ich kann nur erahnen, wie es ist, einen Menschen zu töten oder vergewaltigt zu werden. Aber ich weiß, wie es sich anfühlt, etwas sehr Falsches zu tun, was sich nicht mehr gutmachen lässt und kenne das Gefühl absoluter Ohnmacht. Für mich genügt das, um mich in einen Charakter hineinzuversetzen, auch wenn diese Gefühle aus einem völlig anderen Zusammenhang stammen.

Natürlich verarbeitet man beim Schreiben auch Dinge aus dem eigenen Leben und ich würde lügen, würde ich das nicht auch tun. Doch tatsächlich ist dieser Prozess oft sehr komplex und die Verarbeitung geschieht eher indirekt. Meist sind es nur Kleinigkeiten, manchmal wird mir erst im Nachhinein bewusst, dass ich durch das Beschreiben eines gewissen Ereignisses oder Leidensprozess einer Figur etwas verarbeite oder kompensiere. Doch das ist selten das Offensichtliche und man muss mich persönlich schon sehr gut kennen, um diese Stellen herauszufinden.

Nicht nur ich, sondern auch andere Autoren, mit denen ich mich austausche, schreiben einen Konflikt oder eine dramatische Storyline um des Schreibens willen oder weil es an dieser Stelle schlicht und ergreifend passt. Und nicht etwa, weil sie vergewaltigt wurden, Depressionen haben oder kriminell sind. Dass Sonea in The Novice von den anderen Novizen gemobbt wird, ist eine logische Schlussfolgerung aus ihrer durch ihre niedere Geburt bedingte Außenseiterrolle in der Gilde und einem Haufen schwerpubertierender arroganter Sprösslinge aus dem Adel. Ich behaupte sogar, dass wenn Canavan damit etwas kompensieren wollte, hätte sie Sonea und Regin in ihrer Fortsetzungstrilogie sensibler gehandhabt. Denn wenn man einmal selbst in dieser Opferrolle gesteckt hat, dann reagiert man auf ein solches Thema sehr empfindlich anstatt es zu verherrlichen (siehe dazu auch Meine unzensierte Meinung zum Unpairing Sonea & Regin).

In allen Geschichten steckt auch immer ein wenig von einem selbst. Doch umgekehrt findet man sich auch beim Lesen immer ein Stück weit in der einen oder anderen Figur wieder. Derselbe Prozess findet sogar statt, wenn man einen Menschen näher kennenlernt. Nur, dass dies ein wenig Aufwand erfordert, während man bei Romanfiguren schnell einen Einblick in deren Innenleben erhält.

Autoren sind keine Psychopathen. Wir schreiben um des Schreibens willen und über nicht nur über Dinge, die uns selbst bewegen, sondern oft auch einfach nur über das, was die Geschichte erfordert. Als Leser darf man gerne Vermutungen anstellen, warum ein Autor eine Geschichte so schreibt, wie er sie schreibt. Aber dabei sollte man einen gewissen Respekt gegenüber dem Autor wahren. Denn auch wenn er eine öffentliche Person ist, so ist auch er ein Mensch mit Persönlichkeitsrechten und Gefühlen.

Mir ist übrigens herzlich egal, ob meine Leser mich für pervers halten. Für einen Großteil der Bevölkerung bin ich das vermutlich. Aber für mich ist Schluss mit lustig, wenn man anfängt, mich anhand meiner Geschichten zu psychoanalysieren und mir vielleicht sogar psychische Probleme unterstellt. Und ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin.

* Allmählich tut mir der arme Kerl ja ein wenig leid, weil er andauernd für meine Blogartikel hinhalten muss …

Behind The Scenes – Die zwei Könige versus Unter tausend schwarzen Sonnen

Nach drei Monaten Laufzeit von Unter tausend schwarzen Sonnen und des zweiten Teils von Die zwei Könige ist es mal wieder an der Zeit, euch einen kleinen Einblick in meine Absichten hinter meinen Geschichten und in die daraus resultierenden Hintergründe und Zusammenhänge zu geben. Natürlich ohne zu viel zu verraten, damit ihr die Chance habt, das alles selbst zu ergründen. Zunächst gehe ich auf Gemeinsamkeiten zwischen beiden Geschichten ein, weiter unten findet ihr noch ein paar Infos zu Die zwei Könige.

Parallelen

Einige haben es bereits festgestellt: Es gibt Parallelen zwischen beiden Geschichten. Zum Teil sind diese beabsichtigt, um Unterschiede hervorzuheben und den betroffenen Charakteren einen Spiegel vorzuhalten, zum anderen liegen diese schlichtweg in der Natur der Sache (Sachaka, Sklaven etc). Die gewollten Parallelen erscheinen nur zu Beginn als solche, im späteren Verlauf beider Geschichten wird sich das jedoch ganz schnell relativieren, wenn ihr auf die eigentlichen Unterschiede stoßt.

Vergleiche von Personen mit Tieren

Am häufigsten kommt dabei der Yeel vor. Ein Yeel ist so etwas wie ein Hund. Schon im ’Spion’ wird Sonea von Savara und Ikaro als Yeel bezeichnet, weil sie es amüsant finden, dass eine höhere Magierin am Robenzipfel eines anderen höheren Magiers hängt. In meinem Sachaka kommt das allenfalls bei Sklaven vor, die von ihrem Meister in höherer Magie unterwiesen wurden, damit sie ihn bzw. sein Anwesen beschützen. Dazu müssen sie ihm jedoch sehr ergeben sein, sonst wäre jener Magier ziemlich dumm, das zu tun. Für einen Sachakaner wirkt das Verhältnis von Sonea und Akkarin daher auf den ersten Blick ähnlich. Aber auch Marika nennt Sonea oft seinen „kleinen Yeel“. Was für ihn ein Kosename ist, ist Sonea für absolut entwürdigend, doch letztendlich zieht er nur einen Vergleich von Persönlichkeitsmerkmalen mit denen, die ein bestimmtes Tier charakterisieren.

Dakova ist dagegen einer anderer Fall. Er zieht diesen Vergleich ebenfalls, jedoch in einem anderen Sinne: Akkarin soll lernen, ihm „wie ein Yeel zu gehorchen“, was schlichtweg eines der zentralen Charakteristika eines Yeel auszeichnet. Aber es ist kein Kosename, denn den hat er bereits: „kleiner Gildenmagier“.

Insofern ist es gar nicht mal so sehr eine wirkliche Parallele, sondern ein Vergleich ähnlich wie „so dumm wie ein Gorin“ oder „so störrisch wie ein Reber“. Davon gibt es reichlich, denn wieso sollten Sachakaner und Gildenmagier nicht ähnliche Redewendungen haben, wie unsereins?

In Bezug auf Sklaven wird der Yeel in meinen Geschichten daher häufig als Vergleich herangezogen, Sonea und Akkarin sind nur die beiden, wo es besonders auffällt, weil sie die Protagonisten der jeweiligen Geschichten sind. Aber wenn man genau liest, findet man das auch an anderen Stellen.

Isara versus Danyara

Hier gibt es tatsächlich einige echte Parallelen, die allesamt ihre Berechtigung haben. Leser von ’Die zwei Könige’ wissen: Danyara lehrt Sonea ihre Sprache, sie freunden sich an und verbringen viel Zeit miteinander und es entwickelt sich sogar eine Romanze, wobei ungeklärt bleibt, ob diese nur den Umständen zu verdanken ist. Bei Isara (ich erwähne nur, was aus ’The High Lord’ bekannt ist) ist es insofern ähnlich, dass sie Akkarin zu Beginn viel geholfen hat, um sich zurechtzufinden, und sie sich schließlich ineinander verliebt haben.

Aber da hören die Ähnlichkeiten auch schon auf. Mit der Zeit werdet ihr feststellen, dass die Beziehungen beider Konstellationen völlig unterschiedlich sind. Wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass Akkarin und Isara nicht zusammen sein durften, kann man sich vielleicht auch denken, dass sie auf Dauer nicht seine Hauptbezugsperson bleiben wird. Insofern bleibt einfach gespannt auf die Unterschiede.

Und was die Sprache betrifft, so sprechen Danyara und Isara aus unterschiedlichen Gründen Kyralisch. Danyaras Mutter war Kyralierin und wieso Isara die Sprache ein wenig beherrscht, wird in späteren Kapiteln noch offenbar werden. Im Übrigen halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass ein Magier die Geduld aufbringt, einem seiner Sklaven die Landessprache beizubringen, und das lieber an einen Sklaven abgibt, der ein paar Kenntnisse in der Muttersprache des neuen Sklaven besitzt.

Tatsächlich erwähnt Akkarin im Buch niemals, wie er Sachakanisch gelernt hat, weil er nur wenig Details über sein Leben als Sklave erzählt. Aus der Tatsache, dass Isara ihm zu Beginn so viel hilft, kann man lediglich schließen, dass er die Sprache von ihr gelernt hat, zumal die anderen Personen, die er erwähnt (Dakova und Takan), auf Grund seiner Erzählungen noch weniger dafür in Frage kommen. Für mich war es jedenfalls naheliegend.

Dakova versus Marika

Auf den ersten Blick wirken sie beide nur wie die bösen Antagonisten. Doch wo Marika das Potential hat, Sympathie zu erwecken, wird das bei Dakova kaum gelingen. Diejenigen, die im ersten Teil von Die zwei Könige über Marika gewettert haben, werden sehr bald feststellen, dass Dakova sehr viel schlimmer ist. Diejenigen, die hoffen, in Dakova jemanden zum Fangirlen gefunden zu haben, werden vermutlich bitter enttäuscht sein (aber hey: Er hat ja noch einen Bruder :D).

Im Vergleich zu Akkarin hat Sonea es bei Marika sehr viel besser, auch wenn hier dennoch eine Täter-Opfer-Beziehung vorliegt. Natürlich prallen in beiden Fällen Welten aufeinander. Doch wo Marika in seinem kleinen Yeel eine Trophäe sieht und Bestrafung nur als Mittel zum Zweck einsetzt und ansonsten (fast) jede seiner Entscheidungen wohlüberlegt trifft, werdet ihr sehr bald merken, dass nichts davon bei Dakova der Fall ist. Inwiefern verrate ich natürlich nicht, denn das sollt ihr selbst entdecken.

Was ihr davon jedoch mitnehmen sollt: Es sind zwei völlig unterschiedliche Antagonisten, was entsprechende Auswirkungen auf ihre jeweiligen Opfer hat.

Ich würde euch gerne eine komplette Analyse der obengenannten Punkte liefern, wüsste ich nicht, dass euch das den Spaß nimmt, das alles selbst zu entdecken. Also wenn es an der Zeit ist: Tut euch keinen Zwang an, die Zusammenhänge im Hinblick auf die Charaktere in beiden Geschichten zu analysieren! Ich bin sicher, ihr werdet dabei einige interessante Entdeckungen machen.

Themenschwerpunkte in Teil 2 der zwei Könige

Im letzten Behind the Scenes hatte ich bereits geschrieben, dass die Aufteilung der Erzählstränge nach Sachaka und Gilde den Zweck hat, dass der Leser besser mit Sonea mitleidet und sich mit ihr in ihrer Situation verliert. In jenem Blogeintrag habe ich auch beschrieben, warum sich die zeitliche Abfolge der Szenen in beiden Teilen nicht miteinander vereinbaren lässt, weil nennenswerte Ereignisse zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Alles zusammenzupacken, würde zu Handlungsklumpen führen, wo ein Erzählstrang gerade sehr intensiv behandelt wird und der andere einige Kapitel Sendepause hat. Dadurch würde sehr viel Unruhe in den Erzählfluss kommen.

Außerdem liest es sich ziemlich öde, wenn man zuerst erfährt, wie Akkarin die Schlacht knapp überlebt und Sonea einige Kapitel später in Arvice aufwacht und ihn für tot hält. Und es ist leichter, den Sonea-Teil zu ignorieren, wenn man das nicht lesen kann/will.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Grund: der unterschiedliche Schwerpunkt der Handlung

In Teil 1 waren es Sonea und ihr innerer Konflikt und das allmähliche Abgleiten in eine Opferrolle und das damit verbundene Entfesseln dunkler Seiten. Aber es waren auch die Pläne der Sachakaner und damit verbunden viel Politik und sachakanische Kultur.

In Teil 2 liegt der Schwerpunkt dagegen fast ausschließlich auf der Politik der Gilde und der Verräter sowie den damit verbundenen Entscheidungen in Bezug auf den Krieg, der mit der Schlacht in der Ettkriti-Ebene gerade erst begonnen hat. Außerdem geschieht etwas, das auch zu Beginn des ’Spions’ geschehen ist: Zwischen den Charakteren bilden sich neue Freund- und Feindschaften und es entstehen neue Konflikte.

Ich verstehe, dass dies nicht für jeden Leser interessant ist. Nach dem aufwühlenden ersten Teil mit jeder Menge Drama und einer düsteren, aber märchenhaften Lebensweise der Sachakaner erleidet man förmlich einen Kulturschock und hat nun langweilige Charakterentwicklung und Politik. Wenn man lieber Drama und Pairings liest, ist das ziemlich öde. Aber meine Geschichten drehen sich nicht um Pairings und damit verbundene Dramen, auch wenn auf Grund der großen Zahl von Charakteren diese schon aus statistischen Gründen auftauchen und ich dies zur Bereicherung der Nebenhandlungen gerne einbaue. Charakterentwicklung und der Aufbau von Konflikten sind ebenso wichtig, wie Action, Drama und Dreiecksbeziehungen. Sie bilden die Basis für die spätere Handlung und sind daher für den weiteren Verlauf meiner Trilogie leider notwendig.

Was die Action betrifft, so kann ich euch versprechen, dass ihr in wenigen Kapiteln noch genug davon bekommen werdet 😉