MyNoWriMo November 2020: Mein erstes selbstorganisiertes Schreibcamp und die Fanfiction, die ich niemals schreiben wollte

Rainbow colours across a black background. Across them is written in white letters: "Lady Sonea is writing 'The Blighted God' a Lightbringer Fanfiction". In the Footer is the Hashtag #MyNoWriMo2020

Der November ist zwar schon seit zwei Monaten vorbei, doch in der seit dem vergangenen Zeit fehlte mir die Energie, um eine Zusammenfassung meines ersten selbstorganisierten Schreibcamps MyNoWriMo* zu schreiben.

Nichtsdestotrotz halte ich dieses Schreibcamp für erwähnenswert. Zum einen, weil ich es parallel zum, jedoch weitgehend abseits des offiziellen NaNoWriMos durchgezogen habe. Zum anderen, weil ich eine Fanfiction zu einer anderen Fantasyreihe als Black Magician geschrieben habe und das auch noch auf Englisch. Nicht zuletzt, weil diese Buchreihe für mich lange Zeit eine ähnlich große Bedeutung wie Black Magician hatte.

Die äußeren Umstände – Corona und andere Widrigkeiten

Alles in allem unterschied sich dieser November nicht so sehr von den Novembern 2018 und 2019, bei denen ich nicht mehr im NaNo-Forum aktiv war. Die meiste Zeit habe ich vor mich hingeschrieben. Wenn auf Twitter Wordsprints veranstaltet wurden, habe ich an diesen teilgenommen, wobei ich diese häufig eher als Timer benutz habe, als dass ich mich aktiv daran beteiligt hätte. Allerdings war der Sprint-Account nach der ersten Woche häufig für viele Stunden unbesetzt (coronabedingt, wie es hieß), was meine Zeitplanung an den Wochenenden völlig durcheinandergeworfen hat. Da habe ich dann schon einmal einen Spaziergang, das freitägliche Yoga oder das Kochen vorgezogen, so dass ich frei war, wenn der nächste Sprintleader online kam. Normalerweise würde so viel Flexibilität bei mir eher Chaos anrichten, aber wenn ich sowieso schon unkonzentriert bin, weil ich allenthalben nachschaue, ob der Sprint-Account wieder besetzt ist, kann ich diese Zeit auch anderweitig und effizienter nutzen. Leider gibt es keinen öffentlich einsehbaren Sprintplan, so dass meine Planung Erfahrungswerten und Wahrscheinlichkeiten, wann der Sprint-Account wieder besetzt sein könnte, unterworfen war. Natürlich ging das nicht immer auf und ich war dementsprechend genervt, weil diese Sprints für mich sehr gut funktionieren.

Der größte Unterschied war, dass ich meinen Wordcount in mein eigenes Excel-Sheet eingetragen habe anstatt auf der NaNo-Seite. Das hatte den Vorteil, dass ich meine täglichen Wordcounts gemäß meiner Zeitrechnung („der Tag ist erst zu Ende, wenn ich ins Bett gehe, und nicht um Mitternacht“) eintragen konnte und die Wörter nach Mitternacht nicht automatisch zum nächsten Tag gezählt wurden. Auf den ersten Blick scheint das nicht ganz logisch; mein Schreibtag endet jedoch nicht an einer willkürlich gesetzten zeitlichen Grenze, sondern wenn ich ihn beende. Nicht, dass ich inzwischen noch häufig bis nach Mitternacht wach wäre. Tatsächlich war das in diesem November nur ein oder zweimal der Fall.

Auch dieses Schreibcamp war reich an schreiberschwerenden und kreativitätsverhindernden Dingen. Dieses Mal waren dies Rückenschmerzen aus der Hölle, die teils eine Folge von neun Monaten Home Office waren (trotz der zahlreichen Optimierungen, die ich seitdem an meinem Schreibtisch vorgenommen habe), teils aus der allgemein anstrengenden Pandemie-Situation resultieren. Oft musste ich mich zwingen zu schreiben. An den Wochenenden konnte ich selten von morgens bis abends durchschreiben, wo ich normalerweise ich eine Pause einlege und koche. Stattdessen musste ich Unterbrechungen einlegen für Rückenübungen, Spaziergänge oder Sofapausen. Ich habe sogar mit Progressiver Muskelentspannung experimentiert, was ich jedoch nach einer Weile wieder aufgegeben habe, weil ich entweder zu angespannt war oder dabei eingeschlafen bin.

Wordcount-Tabelle zu „The Blighted God“: Die Wochenenden sind grün unterlegt. Für gewöhnlich liegen die Wordcounts dort höher als an den übrigen Tagen. „Initial Wordcount“ ist die Zahl der Wörter, die ich vor dem 1. November an diesem Projekt geschrieben habe. „Projected Wordcount“ ist eine Prognose auf Basis der bereits geschriebenen Wörter, die am Ende mit der Gesamtzahl übereinstimmt.

Trotz aller Widrigkeiten habe ich ca. 167k Wörter geschrieben. Für einen November ist das wenig. Dafür, dass ich auf Englisch geschrieben habe, war es jedoch ein Rekord. Nichtsdestotrotz hat sich die NaNo-Magie oft nur stunden- oder tageweise eingestellt.

Normalerweise gerate ich, wenn ich für ein Schreibprojekt viel Zeit ab Stück habe – meist während eines Schreibcamps oder im Urlaub (früher haben auch Wochenenden dazu ausgereicht) – in einen Modus, in dem ich anfange, Verbindungen zwischen verschiedenen Plotpunkten herzustellen, ganze Storylines weiterentwickele und ganze Ideenkaskaden in meinem Kopf ausgelöst werden. Das ist der Moment, in dem ich ganz in meiner Schreibobsession aufgehe. Und das ist das, was für mich die Magie eines Schreibcamps bzw. des kreativen Schaffens im Allgemeinen ausmacht. Es geht auch ohne, aber wenn ich in diesem Modus bin, ist es, als würde ich das ganze Projekt auf einmal mit all seinen Querverbindungen sehen, was für weitere Kreativitätsschübe sorgt.

Dass sich dieser Zustand nicht einstellen wollte, hat mich sehr bedrückt, weil ich darauf gesetzt hatte, auf diese Weise der Realität für eine Weile zu entkommen. Doch wie so oft seit meinem Mental Health Tiefpunkt im Jahr 2018 hat mich die Realität davon abgehalten, voll und ganz in diesen Modus zu gelangen. Obwohl mir bewusst war, dass es so laufen wird und ich mich nicht unter Druck gesetzt habe, weil der Geist aus aktuellen Gründen mit existentielleren Themen präokkupiert ist, war das nur schwer zu akzeptieren. Kreativität lässt sich nun einmal nicht erzwingen. Ich kann nur hoffen, dass ich irgendwann wieder in den alten Zustand zurückfinden werde, da ich mich ohne das unvollständig fühle.

Immerhin hatte ich im Oktober eine ausführliche Outline erarbeitet, an der ich mich entlanghangeln konnte. Und nachdem ich ganz in der ungewohnten Welt angekommen war, hat das Schreiben, wenn auch es zuweilen zäh war, Spaß gemacht. Eine Urkunde habe ich mir übrigens nicht selbst gebastelt. Außer, dass sie nett auszufüllen sind, habe ich darin beim offiziellen NaNoWriMo nie eine Funktion gesehen.

Das Schreibprojekt aka die Fanfiction, die ich niemals schreiben wollte, aka The Blighted God

Dieses Projekt zu schreiben war wie ein Sprung ins kalte Wasser. Meine Obsession mit Lightbringer geht nun schon vier Jahre und in dieser Zeit habe ich die Bücher (bis auf das letzte) viermal gelesen, durchanalysiert und über Fantheorien philosophiert. Seit im September klarwurde, dass ich mir eine eigene Version des letzten Bandes von Soneas Lieblingsbuchreihe Die Abenteuer des Gayend von Gallene in „Das Erbe 2“ überlegen muss, habe ich die Bücher in Hinblick auf das Worldbuilding und erzählerische Unsauberkeiten auseinandergenommen und versucht all dies logisch und kohärent miteinander in Einklang zu bringen (siehe dazu auch meinen Blogartikel zur Vorbereitung des MyNoWriMos). Einige Ideen habe ich dazu an einer Wand in meinem Schreibzimmer festgehalten. In meinem Oktoberurlaub habe ich eine komplexe Storyline mit fünf Erzählcharakteren aufgebaut. Geplant war, die letzte Oktoberwoche zum Einschreiben zu benutzen, was mein Rücken und andere Stresssymptome jedoch erfolgreich verhindert haben. Tatsächlich habe ich erst am 1. November mit Schreiben begonnen.

Und es war unglaublich seltsam und unbeholfen.

Egal, wie sehr man in einem Fandom drinsteckt. Egal, ob man die Bücher auswendig kennt, die Charaktere studiert hat und ganz genau weiß, wann sie out-of-character sind – nichts davon kann einen darauf vorbereiten, diese zu schreiben. Das Wissen ist da, aber es braucht eine Weile, um sich in die Charaktere einzufühlen und bis dahin schreiben sie sich unbeholfen und out-of-character. Während ihre Handlungen bereits durch meine Outline abgedeckt waren, habe ich mich mit ihrer Sprache und der Interaktion mit anderen Charakteren anfangs unglaublich schwer getan. Zu Beginn hatte ich mich bei meinem Lieblingscharakter das Gefühl, ihn einigermaßen in-character zu schreiben. Erst im Laufe des Monats hatte ich ein besseres Gefühl für die Charaktere. Nichtsdestotrotz werde ich ihre Sprache später noch gründlich überarbeiten. Mindestens zwei Charaktere haben ein sehr idiosynkratisches Sprachmuster; ihre Dialoge habe ich zumeist nur inhaltlich runtergeschrieben, die richtige Wortwahl werde ich in der Überarbeitung einbauen.

Zwei Handlungsstränge werde ich zudem in der Überarbeitung noch weiter ausbauen. Einen habe ich gegen Monatsende irgendwann komplett übersprungen, weil ich festgestellt habe, dass ich erst den Rest schreiben muss, bevor ich weiß, was in dieser Storyline im Detail passieren soll.

Den größten Spaß hatte ich natürlich beim Schreiben meines Lieblingscharakters. Er hatte einige epische Badass-Momente, die ich besonders genossen habe, nachdem er in Band 3 und 4 der Originalreihe gequält wurde und seine Storyline in Band 5 absoluter Bullshit war. Aber auch sein Innenleben ist unheimlich spannend und enthält ähnlich viele Abgründe und Selbstgeißelung wie Akkarin in der Schwarze-Sonnen-Trilogie.

Zwischendurch habe ich munter Nebencharaktere getötet, um bei den betroffenen Erzählcharakteren neue Abgründe aufzureißen, aber auch um die Spannung zu steigern. Es gab einen epischen Kampf zwischen zwei Göttern, der Marvel-Superhelden-Feelings aufkommen ließ, und zwei Charaktere hatten sogar Sex. Auch habe ich immer wieder Plottwists eingebaut. Hier waren vor allem jene spannend, die nicht in meiner Outline standen, weil ich den Storyverlauf nur grob skizziert hatte oder sich erst beim Schreiben herausstellte, dass es hier zu einem Konflikt kommt. Anders als in Band 5 habe ich versucht, die Twists so aufzulösen, dass die Charaktere sich aus diesen befreien müssen und nicht alles per Deus ex Machina gelöst wird. In Band 5 von Lightbringer wurde diese Trope so häufig benutzt, dass es billig wirkte und vorhersehbar wurde. Auch habe ich immer wieder böse satirische Seitenhiebe auf bestimmte Ereignisse in Band 5 eingebaut und werde das in der Überarbeitung gewiss noch ein Stück weitertreiben.

Insgesamt bin ich bis zum Morgen der Endschlacht gekommen, die zusammen mit den Aufräumarbeiten ungefähr das letzte Viertel der Geschichte einnehmen wird. Damit werde ich vermutlich bei ca. 200k Wörtern rauskommen, anstatt bei den anfangs erwarteten 300k. Ich bin ein bisschen überrascht und angetan, dass meine Version des letzten Bandes damit in nur der Hälfte der Wörter erzählt ist, die das Original braucht. Und das, obwohl ich so viel schwafele. Allerdings ist mein Konzept hier auch ein anderes als bei Black Magician und ich kann aus der Erfahrung mit meinem anderen englischen Projekt schöpfen.

Graphische Darstellung des Wordcounts von „The Blighted God“

Weil es zum Monatsende richtig gut lief, hatte ich geplant, noch ein paar Tage in den Dezember hinein zu schreiben. Aber da ich traditionsgemäß krank wurde, hatte sich das dann erledigt. Als es mir besserging, habe ich ein Kapitel noch zu Ende geschrieben, doch damit habe ich es dann auch belassen. Die Endschlacht sollte ich besser in einem Stück schreiben und dazu will ich zunächst den bisher geschriebenen Teil überarbeiten und die beiden vernachlässigten Handlungsstränge ausbauen.

Doch bis es dazu kommt, sind die Überarbeitung von „Das Erbe 2“, das Beenden der Rohfassung von „Das Erbe 3“ und mein anderes englisches Projekt an der Reihe. „The Blighted God“ werde ich irgendwann danach beenden und so weit überarbeiten, dass ich es anschließend auf Fanfiction.net hochladen kann.

Fazit

Gefühlt habe ich beim Schreiben von „The Blighted God“ viel Neues gelernt und weiter an dem Konzept gefeilt, eine epische Fantasygeschichte mit fünf Erzählcharakteren in ca. 200k Wörtern zu erzählen. Für „Das Erbe“ wird mir das nur noch insofern nützen, dass der noch zu schreibende Teil etwas kompakter werden könnte, da ich hier an meinem Konzept nichts ändern will. Doch für spätere Projekte – egal, ob im Black Magician Universum oder anderswo – wird mir das helfen.

Doch in jedem Fall weiß ich jetzt, wie Soneas Lieblingsbuchreihe ausgeht …

Was meinen MyNoWriMo im Allgemeinen betrifft, so werde ich diesen wiederholen, wenn ich wieder schreibe und das mit einem Schreibcamp zusammenfällt. Vielleicht auch ohne das, doch ich finde die Wordsprints und die Tatsache, dass gefühlt ganz Autorentwitter schreibt, beflügelnd. Und im April mache ich vielleicht einen MyNoEditMo (My Novel Editing Month) mit „Das Erbe 3“.

* MyNoWriMo = My Novel Writing Month in Anlehnung an National Novel Writing Month

(2) Kommentare

  1. Nika sagt:

    Hallo liebe Lady Sonea,

    Ich finde es unheimlich spannend, solche Einblicke in deine Arbeit zu erhalten. Für mich ist es eine fremde Welt und ich bewundere dich sehr dafür, wie diszipliniert und kreativ du arbeitest. Wow!
    Dass du nicht in deinen „Flow“ gefunen hast, tut mir sehr leid. Das stelle ich mir in der Tat sehr seltsam und ermüdend vor. Vor allem, wenn man weiß, wie es bei anderen Schreib-Camps war und wie es sich anfühlen könnte. Hoffentlich wird sich dieser Zustand bald dann mal wieder einstellen beim Schreiben.

    Es ist sehr schön zu lesen, wie zufrieden du mit deinem Schreibcamp und wie stolz du auf deine Arbeit bist. Das finde ich wirklich sehr, sehr schön. So soll es schließlich auch sein.

    Liebe Grüße
    Nika

    1. sagt:

      Hallo liebe Nika,

      Vielen Dank für deine lieben Worte. Dieses Wissen, wie es einst war, vergrößert tatsächlich den Frust, auch wenn sich inzwischen ein gewisser Gewöhnungseffekt eingestellt hat, weil es nicht das erste solche Schreibcamp war. Trotzdem wünsche ich mir die alten Schreibcamps und den für mich damit verbundenen Normalzustand zurück. Es fühlt sich nicht an, als wäre ich ich selbst.
      In solchen Zeiten wird das Schreiben zu einem Mittel zur Flucht und Alltagsbewältigung als dass es Entspannung und kreative Entfaltung ist. Sich da durchzubeißen, ist in jedem Fall besser, als aufzugeben.

      Liebe Grüße,
      Lady Sonea

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