Von grottigen Enden und verdorbenen Hommagen Pt II: Die Konsequenzen für „Das Erbe 2“

Die Überarbeitung von „Das Erbe 2“ rückt näher (angepeilt ist Herbst/Winter 2020) und damit auch die Frage was ich mit der Hommage an die Buchreihe mache, die ich einst heiß und innig geliebt habe, deren letzter Band jedoch so unterirdisch war, dass meine Leidenschaft sich ins Gegenteil verkehrt hat.

Letztes Jahr, kurz vor Weihnachten, hatte ich meinem Ärger über jenen unsäglichen letzten Band und die daraus entstehenden Konsequenzen in einem Blogartikel Luft gemacht. Damals hatte ich nicht die geringste Idee, wie ich mit diesem Problem in „Das Erbe 2“ umgehen soll. Schließlich ist eine Hommage nicht nur eine Ode an das Subjekt/Objekt der Begeisterung – sie ist auch Werbung. Und ich kann diese Buchreihe nicht mehr guten Gewissens anpreisen und weiterempfehlen. Aber als ich die Rohfassung von „Das Erbe 2“ schrieb, wusste ich davon noch nichts.

Inzwischen sind acht Monate ins Land gegangen. Meine Enttäuschung brennt nicht mehr ganz so heiß, der Schmerz über den jähen Verlust einer Obsession, deren Intensität für ein paar Jahre DGDSM Konkurrenz gemacht hat, hat an Schärfe verloren. Ich habe sogar ein kritisches 1-Sterne-Review auf Goodreads gepostet (leider ohne die Kritikpunkte detailliert zu diskutieren, weil das die Länge einer Dissertation erfordert hätte). Nichtsdestotrotz bin ich noch Lichtjahre davon entfernt, das Thema endgültig hinter mir zu lassen. Meine emotionale Aufarbeitung der Verwüstung, die das beklagte Buch in mir angerichtet hat, steckt noch immer in den Anfängen. Normalerweise klingen Obsessionen irgendwann ab oder werden von einer anderen abgelöst. Das hier hat eher die Qualität von dem jähen Ende einer langjährigen, erfüllenden Beziehung, weil ich plötzlich herausgefunden habe, dass der Partner mich betrügt.

Leider kenne ich niemanden persönlich, der mein Schicksal teilt und mit dem ich mich austauschen kann. Mein Lieblingskollege hat sich damals mein Leid angehört, nachdem er sich bei mir über den letzten Star Wars Film ausgeheult hat (den ich wiederum nicht gesehen habe, weil ich Disney Star Wars boykottiere). Das half zumindest, meine Ansichten zu validieren, weil er meine Kritikpunkte nachvollziehen konnte. Aber es ist nicht dasselbe, als hätte er die Bücher gelesen. Und mit wildfremden Menschen aus dem Internet möchte ich darüber nicht sprechen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Jahre ich Fanfiction geschrieben habe, bis Akkarins Tod in The High Lord mich nicht mehr gejuckt hat, weil meine Fortsetzung sich so viel realer angefühlt hat, wundert es mich nicht, dass es so lange dauert, über dieses verfluchte Buch hinwegzukommen.

Ein wichtiger Teil meiner emotionalen Aufarbeitung ist der Umgang mit meinem Problem in „Das Erbe 2“. Dabei geht es um Folgendes: In „Das Erbe 2“ liest Sonea eine Abenteuerreihe, die ziemlich offensichtlich an jene Buchreihe angelehnt ist. Darüber entwickelt sie eine Schwärmerei für den Protagonisten, was frischen Wind in ihre Ehe bringt. Das Ganze ist als kleine humoristische Einlage zu verstehen, die sich wie ein roter Faden durch die Handlung zieht. So ähnlich wie Lord Davins Wetterausguck oder Soneas Piratenwitze auf Akkarins Kosten.

Da es für mich nicht mehr länger tragbar ist, Soneas Abenteuerreihe als Hommage an diese einst geliebte Buchreihe darzustellen, und meine Detailverliebtheit bei dem Gedanken, es komplett zu streichen, aufbegehrt, habe ich drei Möglichkeiten, das Problem zu lösen:

Option 1: Ich ersetze die Hommage durch die Hommage an ein anderes fiktionales Werk

Der Arbeitsaufwand wäre hier am größten, da ich Charakternamen, Inhalte und Anspielungen, die Sonea hier und da in ihre Dialoge einfließen lässt, anpassen muss. Dabei besteht die Gefahr, dass ich Stellen übersehe, auch wenn das wahrscheinlich kaum jemandem auffallen würde.

Das eigentliche Problem ist hier die Frage nach der Alternative. Vorzugsweise würde ich dabei auf ein anderes fiktionales Werk zurückgreifen, für das ich mich gerade sehr begeistere. Allerdings hat sich acht Monate später hier noch nichts Neues eingestellt. Momentan habe ich drei Obsessionen – eine davon ist das Schreiben, die anderen sind wissenschaftlicher Natur und variieren stark in ihrer Intensität. Diese würde ich eher einem Charakter wie Farand zuschreiben, aber dieser führt schon eine Doppelehe mit einer herrischen Frau und seiner Alchemie.

In meinem Blogartikel von Dezember hatte ich überlegt, die Serie Lucifer als alternative Hommage zu verwenden. Doch damit meine Begeisterung dafür wieder aufflammt, müsste ich die neuste Staffel sehen. Bis zum DVD-Release wird es jedoch zu spät sein, etwas zu ändern (Streaming-Dienste nutze ich nämlich auch nicht). Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass Sonea für jemanden schwärmt, der so promiskuitiv wie Lucifer ist. (Allerdings hat mich der Gedanke auf Ideen zu einem kurzen Lucifer/DGDSM Crossover gebracht – vielleicht Material für eine Halloween-Badfic, sollte ich so etwas noch einmal machen).

Option 2: Ich lasse Soneas Abenteuerreihe so ausgehen, wie ich es mir von der Vorlage gewünscht hätte

Diese Möglichkeit würde den geringsten Arbeitsaufwand bedeuten, da ich dies im Prinzip schon getan habe. Denn der letzte Band kam einige Monate, nachdem ich die Rohfassung von „Das Erbe 2“ beendet hatte, heraus.

Wenn ich diesen Weg wähle, würde ich allerdings den Weg zu diesem Wunschende noch stärker skizzieren. Der Grund ist folgender:

In den ersten Monaten, in denen ich von jenen Büchern so begeistert war, juckte es mich sehr in den Fingern, dazu eine Fanfiction zu schreiben. Der komplexe Plot und die vielen Twists und Geheimnisse bargen das Potential für ein riesiges Spektrum von Fan-Theorien, Spekulationen und alternativen Handlungen. Allerdings fühlte ich mich dem damals nicht gewachsen, weil die ersten drei Bücher der Black Magician Trilogy an Komplexität überlegen sind und ich überzeugt war, dem Original nicht gerecht zu werden. Dazu kam, dass ich die Fanfiction auf Englisch geschrieben hätte, weil ich auch die Bücher auf Englisch gelesen hatte.

Inzwischen ist mein schriftliches Englisch gut genug, dass Muttersprachler überrascht sind, wenn ich mich als Deutsche oute. Ich würde mir eine solche Fanfiction zutrauen. Aber da diese Obsession mit dem letzten Band gestorben ist, wird das nicht passieren. Dafür ist in diesem letzten Buch zu viel schiefgegangen und das hat meinem Fangirlherzen mehr Schaden zugefügt, als das verkorkste Ende von The High Lord. Außerdem haben mein englischsprachiges Projekt und mein Fanfiction-Epos Priorität.

Soneas Abenteuerreihe mit diesen Ideen enden zu lassen, wäre eine kleine Kompensation. Und so könnte wenigstens Sonea sich daran erfreuen und mit ihr alle Charaktere, die sie auf diese Reihe anfixt.

Option 3: Ich lasse Soneas Abenteuerreihe so ausgehen wie im Original.

Hier wäre der Arbeitsaufwand ähnlich groß wie bei Option 2. Und ich sehe hier gleich mehrere Vorteile:

Sonea würde von ihrer Schwärmerei geheilt, was Akkarin freuen dürfte, da ihre Gedanken nicht mehr in den unmöglichsten Situationen von ihrem Romanhelden beherrscht werden. Was ich damit meine, überlasse ich eurer Phantasie; wenn „Das Erbe 2“ nächstes Jahr im Spätsommer/Herbst startet, werdet ihr es wissen. Soneas Schwärmerei würde auch bei Option 2 abklingen, doch das würde Offscreen zwischen „Das Erbe 2“ und „Das Erbe 3“ geschehen.

Wie schön Sonea sich aufregen kann, ist ja nichts Neues. Würde ihre Lieblingsreihe nicht so ausgehen, wie sie sich das erhofft, würde sie wie ich am Ende vor einem Scherbenhaufen stehen und sich fragen, ob der Autor beim Schreiben des letzten Bandes auf Myk war und darüber religiöse Wahnvorstellungen hatte. Ärger und Enttäuschung würden in ihr sicher ähnlich stark toben, insbesondere nachdem sie so lange für den Hauptcharakter geschwärmt hat.

Arme Sonea, als hätte sie nicht schon unter genug anderen Dingen in „Das Erbe 2“ zu leiden!

Und auch das wäre für mich eine Form der Aufarbeitung, nur mit dem Unterschied, dass sie ein anderes Set von Emotionen auslöst, als in Option 2. Ich bin unschlüssig, was besser funktioniert.

Fazit

Sowohl Option 2 als auch Option 3 finde ich verfolgenswert. Hätte ich einen guten Ersatz, um diese Hommage ein für alle Mal aus meiner Fanfiction zu tilgen, würde ich diesen Weg gehen. Doch in Ermangelung dessen werden die Referenzen in der Geschichte bleiben. Außerdem werde ich ins Vorwort eine entsprechende Warnung schreiben, warum die Anspielungen keine Hommage sind und warum ich das Original nicht mehr länger empfehlen kann.

Welche Option ich am Ende wähle, werde ich spätestens bei der Überarbeitung von „Das Erbe 2“ entscheiden. In jedem Fall werde ich die andere Variante in ein Bonuskapitel stecken.

Da ich aus Mangel einer eindeutigen Präferenz noch keine endgültige Entscheidung getroffen, ist das eine gute Stelle, nach eurer Meinung zu fragen:

Welche von diesen beiden Optionen gefällt euch besser?

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