Von grottigen Enden, Qualitätsverlust und verdorbenen Hommagen

Manchmal verlieren Fortsetzungsreihen im Laufe der Zeit an Qualität. Entweder sie werden immer absurder oder die Themen fangen an sich zu wiederholen. Das habe ich bei zahlreichen Fernsehserien, Filmreihen und einigen Buchreihen beobachtet, und das ist auch eine Gefahr, der ich mir bei meinen eigenen Projekten ständig bewusst bin. Weniger, dass es anfängt, ins Absurde abzudriften, sondern dass Themen sich wiederholen.

Es ist einer der Gründe, weswegen ich in Bezug auf die „Königsmörderin“ und „Das Erbe“ seit Monaten an mir zweifele.

Aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. In diesem Artikel geht es um schlechte Enden, Unlogik und um eine Hommage, die ich so nicht mehr vertreten kann.

Am Wochenende hörte mein Fanherz auf für eine Reihe zu schlagen, die für mich das Potential gehabt hatte, meine absolute Lieblingsreihe aller Zeiten zu werden. Drei ganze Jahre war ich von diesen Büchern besessen, ich habe Passagen nach einem Farbsystem markiert und die Bücher und Charaktere daraufhin analysiert. Ich habe die Verknüpfung zu einer tatsächlich existierenden Mythologie hergestellt und darüber herausgefunden, welcher Charakter die Prophezeiung erfüllt, auf der alles aufbaut. Neben dem Schreiben waren diese Bücher eine nicht unwesentliche Nebenobsession, so sehr habe ich dafür gebrannt. Sie haben mich sogar zu meinem englischen Projekt inspiriert und ich habe Freunde und Bekannte darauf angefixt.

Mein Fanherz konnte jedoch nicht den Qualitätsabfall zum Ende der Reihe hin überleben. Nachdem das vorletzte Buch schon gewisse Mängel bezüglich Logik und Charakterentwicklung hatte, ging ich mit relativ geringen Erwartungen an den finalen Teil. Wenig ahnte ich, dass diese noch unterboten werden würden.

Das hier soll kein Review werden, dazu habe ich keinen Nerv. Wen es interessiert, ist herzlich eingeladen, bei mir den Titel des Buches zu erfragen und sich dann bei Goodreads durch die 1- und 2-Sterne-Reviews zu wühlen. Diese geben ziemlich genau meine Erfahrungen und Gefühle wider. Hier sei nur so viel gesagt: In dem letzten Buch wurde alles, was an Story, World- & Characterbuilding aufgebaut wurde, in den Wind geschossen und ins Absurde gezogen. Die Charaktere waren so off-character, dass ich sie nicht wiedererkannt habe und sie mich folglich auch nicht berühren konnten. Irgendwann war mir egal, ob sie überleben oder sterben (sogar bei meinem Lieblingscharakter!). Viele Details, die ein stimmiges Gesamtbild ergeben hätten, wurden ignoriert und die Prophezeiung wurde am Ende von einem Charakter erfüllt, der die Kriterien kaum erfüllt hat. Nichts hatte Konsequenzen, der Geistreichtum der ersten drei Teile fehlte komplett und sämtliche Probleme wurden per Deus ex Machina gelöst, anstatt die Lösung den Charakteren zu überlassen. Und Deus ex Machina meine ich in diesem Zusammenhang sogar wörtlich. Von diversen kapitalen Fehlern, die einem professionellen Editor hätten auffallen müssen, will ich gar nicht erst anfangen.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals bei einem Buch so oft die Augen verdreht und „What the actual fuck?“ gedacht zu haben. Nicht einmal als ich mir „50 Shades of Grey“ gebraucht gekauft habe, weil ich wissen wollte, wie schlimm es wirklich ist. Ich bin ein zutiefst logischer Mensch. Ich habe ein starkes Auge für Details und Muster und ich sehe, wenn mit diesen gebrochen wird. Deswegen treiben mich Logikfehler etc. in den Wahnsinn und sorgen dafür, dass ich mir tage- und manchmal auch wochenlang das Hirn zermartere, als wäre es in einer Endlosschleife gefangen, weil das Handling von Logik- und Kontinuitätsfehlern in seiner Programmierung nicht vorgesehen ist.

Ja, es ist schwer, eine komplexe Reihe zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Es ist eine große Herausforderung, aber es ist nicht unmöglich. Ich weiß nicht, ob ich es kann, weswegen ich mir nicht anmaße, eine Anleitung zu schreiben, aber ich habe schon genug Reihen gelesen, denen ein würdiges Ende gelungen ist. Das muss nicht zwingend ein Happy End sein, es geht hier vielmehr um die Zusammenführung von Handlungsfäden und darum ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen.

Beim Schreiben versuche ich Logikfehler etc. zu vermeiden und gehe dafür bis auf die Detailebene, was nicht bedeutet, dass es mir immer gelingt, doch ich bessere derartige Probleme aus, wenn sie auffallen. Bei Fremdwerken habe ich nur zwei Möglichkeiten: Fanfiction schreiben, um das „Problem“ zu beheben oder abzuwarten, bis mein Hirn etwas anderes zum Analysieren gefunden hat. Leider entspricht meine geistige Flexibilität der eines Schweröltankers, weswegen so etwas dauern kann und bis dahin sehr viel meiner Energie verschlingt.

In diesem Fall werde ich keine Fanfiction schreiben, auch wenn ich mir das inzwischen zutrauen würde. Denn meine Obsession hat anders als damals nach Akkarins Tod abrupt geendet. Anscheinend kann mein Fanherz derart große Logikbrüche nicht verzeihen und fühlt sich zu betrogen, um sich noch länger mit jenem Universum beschäftigen zu wollen. So betrogen habe ich mich noch nicht einmal nach Akkarins Tod gefühlt. Einiges am Ende von „The High Lord“ war unlogisch und absurd, aber das war eine viel kleinere Dimension. Akkarins Tod hat dazu geführt, dass ich seit 10 Jahren ein Fanfiction-Epos schreibe. In diesem Fall will ich jedoch nur mit diesen Büchern abschließen.

Und dann fiel mir siedendheiß ein, dass eine Hommage an beklagte Buchreihe in „Das Erbe 2“ gibt.

Und was warf in mir die Frage aller Fragen auf:

Was zur Hölle mache ich jetzt damit?

Es widerstrebt mir, etwas anzupreisen, für das ich keine Leidenschaft (mehr) empfinde und das über die letzten 40% von Unlogik nur so strotzt. Eine Hommage ist ja auch Werbung und eine Empfehlung an meine eigenen Leser. Aber ich bin nicht bereit für etwas zu werben, dessen Ende für mich die komplette Reihe ruiniert hat?

Ich sehe folgende Möglichkeiten:

  1. Ich streiche die Hommage komplett aus „Das Erbe 2“.

  2. Ich nehme Umbenennungen bis zur Unkenntlichkeit vor.

  3. Ich ersetze die Hommage durch eine andere.

  4. Ich lasse alles, wie es ist, und schreibe eine Warnung.

Entscheide ich mich für Option 1, geht der Geschichte ein Teil ihres Charmes verloren. Sonea, die sich in der Gilde langweilt, beginnt für einen fiktiven Charakter aus einer Abenteuerbuchreihe zu schwärmen, worüber sich eine witzige Nebenhandlung entspinnt. Zugleich bringt es frischen Wind in ihre Ehe und ihre Dynamik mit Akkarin – etwas, das mir sehr wichtig ist, weil Charakterkonstellationen sich irgendwann abnutzen (das ist u.a. ein Grund, warum ich hin und wieder Charaktere töte und Pairings auseinanderreiße). Weil die Geschichte nach einer Weile an Dramatik zunimmt, bietet diese Nebenhandlung außerdem einen amüsanten Gegenpol. Die Hommage ist daher so sehr mit der Haupthandlung verflochten, dass ich sehr viel Arbeit investieren müsste, um es anzupassen. Wahrscheinlich würde dennoch eine spürbare Lücke im Plot entstehen. Selbst, wenn es mir gelingt, diese Lücke sinnvoll zu füllen, wäre das Resultat weniger gut als das, was ich jetzt habe.

Für Option 2 müsste ich die Namen der Charaktere von Soneas Abenteuerbuchreihe und den Namen ihres Autors ändern. Außerdem müsste ich die Handlung anpassen, damit die Parallelen zu der Originalreihe nicht mehr zu erkennen sind. Damit wäre es keine Hommage mehr und damit ist die ganze Idee ein wenig sinnfrei und widerstrebt meiner Vorliebe für Easter Eggs. Andererseits: Wieso sollte ich Easter Eggs zu etwas einbauen, dessen Lobpreisung ich nicht vertreten kann? Wirklich befriedigen tut mich diese Lösung auch nicht.

Für Option 3 müsste ich eine Alternative finden. Im Augenblick gibt es nur eine: Die Serie Lucifer. Leider ist die letzte Staffel noch nicht draußen, so dass ich hier noch nicht absehen kann, ob das weiterhin ein Kandidat wäre. Mittlerweile bin ich ziemlich paranoid, wenn es um schlechte letzte Staffeln und Teile geht. Da ich jedoch frühstens in einem Jahr zur Überarbeitung komme, stehen die Chancen hier nicht schlecht, sofern ich bis dahin nicht noch etwas anderes finde, das mich so sehr begeistert, dass es eine Hommage verdient.

Und dann wäre da noch Alternative Nr. 4. Da ich mir mein eigenes Ende für die von Sonea gefangirlte Buchreihe ausdenken musste, um „Das Erbe 2“ fertigzuschreiben, könnte ich dieses verwenden und erklären, dass es mein Wunschende ist, weil mir das echte nicht zusagt. Auf diese Weise könnte ich subtile Kritik am Original üben, was ich ziemlich reizvoll finde. Ich könnte es als meine Fanfiction deklarieren, da ich ohnehin keinen Drang verspüre, ein neues Fanfiction-Epos zu beginnen. In diesem Fall würde ich mir viel Arbeit sparen, würde allerdings weiterhin etwas promoten, das ich nicht mehr weiterempfehlen kann. Man bedenke: Ich empfehle „The Black Magician“ trotz des grottigen Endes seit 10 Jahren jedem, der Fantasy mag. Aber dabei geht nur um ein paar Seiten am Ende und nicht um ein komplettes Buch, das alles negiert, was in den Büchern zuvor mühevoll aufgebaut und ausgearbeitet wurde.

Wahrscheinlich werde ich mich für etwas zwischen Option 3 und 4 entscheiden. Ich bin dennoch ein wenig ratlos. Obsessionen können plötzlich enden, doch für gewöhnlich hat das mit Neuorientierung zu tun. In diesem Fall würde ich nicht darüber nachdenken, die Hommage aus „Das Erbe 2“ herauszunehmen und ich würde die Buchreihe wie eine alte Liebe im Herzen behalten. Was ich jetzt erlebe, ist hingegen eher eine Trennung mit Schrecken, weil ich herausgefunden habe, dass mein Partner mich jahrelang betrogen und belogen hat. Zugegeben, das klingt etwas drastisch schließlich sprechen wir doch nur über ein Buch, aber dass ich mich betrogen fühle, ist Fakt. Ich fühle mich um die Zeit und das Herzblut betrogen, das ich in diese Reihe investiert habe. Mein innerer Analytiker und Vulkanier fühlt sich betrogen, weil sich der letzte Teil nicht logisch in die Gesamtreihe einfügt und selbst für sich genommen keinen Sinn ergibt. Das kann ich nicht guten Gewissens empfehlen, also vielleicht doch eher Option 3?

Zum Glück habe ich noch viel Zeit, das zu entscheiden. Ich weiß nur, dass ich irgendetwas bezüglich dieser Hommage unternehmen muss, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vertreten kann, etwas zu feiern und weiterzuempfehlen, das so unlogisch und absurd ist. Das steht für mich auf derselben Stufe, wie alles, was ich moralisch und ethisch nicht vertreten könnte.

Dennoch würde mich eure Meinung interessieren: Wie steht ihr zu einer Hommage in einem Buch an ein anderes Buch? Sagt euch die Idee, dass Sonea für einen fiktiven Charakter schwärmt als amüsante Nebenhandlung, zu? Wie würdet ihr mein Dilemma lösen? Und wie sind eure Erfahrungen mit schlechten Enden einer Reihe, die ihr bis dahin über alles geliebt habt?

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