Schreibnews: Ich bin durch! Oder zurück aus dem Korrekturwahnsinn

Nach sieben Wochen DINA4-Zettelwirtschaft, unleserlichem in zwei leergeschriebenen Kugelschreibern resultierendem Gekritzel und jeder Menge Quality Time mit meinen Katzen als erfreuliches Nebenprodukt, ist es vollbracht:

Das Korrekturlesen der „Königsmörderin“ ist abgeschlossen.

So zügig und effizient war ich dabei selten und es hat sich keine Katastrophe aufgetan.

Sonea im Korrekturwahnsinn

Kaum, dass der NaNoWriMo vorbei und die Wohnung weihnachtlich dekoriert war, hatte ich meinen Drucker angeworfen und die 800k des im Mai beendeten ersten Teil meiner zweiten Fanfiction-Trilogie „Das Erbe der schwarzen Magier“ ausgedruckt. Ich weiß nicht genau, wie viele Seiten das waren (bis jetzt habe ich die Seitenzahlen der einzelnen Kapitel noch nicht zusammengezählt), aber wie bei den Teilen der ersten Trilogie habe ich mehr als eine Packung doppelseitig bedrucktes Druckerpapier verbraucht.

Das ist eine ganze Menge. Das Korrekturlesen, das bei mir auf die letzte Überarbeitung folgt, hat für mich schon immer auf Papier besser funktioniert. Ich nehme das Geschriebene anders wahr und kann krude Formulierungen leichter identifizieren, während Lesen am Bildschirm bei mir nach einer Weile zu einem Tunnelblick führt. Nicht zuletzt kann man sich mit einem Stapel Papier besser aufs Sofa kuscheln als mit einem 17-Zoll-Laptop. Insbesondere, wenn man Katzen hat, die mitkuscheln wollen. (Was auch solange gut ging, bis Isara Woche herausfand, dass das Druckerpapier so unwiderstehlich duftet, dass sie sich die ganze Zeit daran reiben und knabbern musste, während Marika zum Glück nicht so ekstatisch ist.)

Mit Blick auf meinen Zeitplan sah mein Lesepensum ein Kapitel pro Tag vor. Das ist zeitlich auch an einem Werktag machbar und genug, um in der Story drin zu bleiben. Bis auf ein paar stressige Tage im Dezember, an denen mir abends nach ein paar Seiten die Augen zufielen, hat das wunderbar funktioniert. An den Feiertagen und Wochenenden konnte ich meinen „Rückstand“ allerdings wieder aufholen. Nach Weihnachten packte mich bedingt durch eine Freundin und kritischer Testleserin von „The Project which may not be named“ der Ehrgeiz, das Korrekturlesen ein wenig zu beschleunigen. Die Überarbeitung für mein englischsprachiges Projekt war ab März geplant. So Feuer und Flamme, wie ich für diese Geschichte bin, und angesichts der zahlreichen Todos, die erledigt werden müssen, damit sie meinen Ansprüchen genügt, kann und will ich jedoch nicht so lange warten.

Gehetzt bin ich durch die Kapitel dennoch nicht. Denn das wäre nicht Sinn der Sache gewesen. Schließlich habe ich auch an die „Königsmörderin“ hohe Ansprüche. Wie beim Schreiben höre ich auf, wenn ich das Gelesene nicht mehr wahrnehme, und mache eine Pause, womit nur die Wochenenden blieben, um das Lesepensum zu erhöhen.

Kalkulierter Wahnsinn

Und es hat sich gelohnt. Es ist unglaublich, was ich an Formulierungen und überflüssigen Erklärungen streichen konnte. Eine Szene habe ich sogar komplett rausgenommen, weil sie bis auf drei Sätze nichts zur Handlung beitrug. Jene Sätze habe ich in einer anderen, damit zusammenhängenden, Szene untergebracht. Wie sie dorthin gekommen ist, könnte ich im Nachhinein nicht einmal mehr sagen. Ich tue mich unglaublich schwer damit, Szenen zu schreiben, in denen nichts passiert. Ich weiß, dass ich mich wiederhole, doch auch hier habe ich von den mit meinem englischsprachigen Projekt gemachten Erfahrungen profitiert.

Ein weiterer Vorteil dieser intensiven Lesesessions ist mit dem exzessiven Schreiben beim NaNo und in den Camps vergleichbar. Viel und aufmerksames Lesen in einem kurzen Zeitraum ist zwar anstrengend, doch es hilft, die großen Zusammenhänge im Kopf herzustellen und zu behalten. Für die inhaltliche Kontinuität ist das unglaublich wichtig. Was diesen Teil betrifft, habe ich im Vergleich zu „Yukai“ nur wenige Todos an den Rand geschrieben. Hier habe ich vor einem Jahr schon recht gute Vorarbeit geleistet, als ich nach dem NaNoWriMo 2016 die Story von Anfang an überarbeitet und das Finale geschrieben habe. Die größte Dichte an Todos befindet sich tatsächlich am Ende – mehrere, aber lästige Kleinigkeiten im Endkampf und einige weiterführende Themen in den letzten Kapiteln, wo ich versehentlich Entwicklungen aus Teil 2 vorgezogen habe. Diese werden sich mit ein wenig Hirnschmalz jedoch leicht beheben lassen.

Insgesamt ist die Story weniger komplex als „Yukai“, was einige Leser gewiss erleichtern wird. Allerdings ist „Yukai“ in dieser Hinsicht auch ausgeartet. So sehr ich komplexe Handlungen liebe, bewegt sich die „Königsmörderin“ da auf einem allgemeinverträglicheren Niveau. Black Magician ist nun einmal keine epische Fantasy, was sich ein wenig mit meinen Präferenzen beißt. Trotzdem gibt es wieder Intrigen und politisch wird es auch, was vor allem die Dannyl-Fans freuen wird. Insgesamt kommt mir die Handlung jedoch ein wenig zu stringent vor, das kann allerdings auch daran liegen, dass ich das Katz & Maus Spiel zwischen meinem Antagonisten und unseren Helden kenne. Ob ich da noch einmal ran muss, werden mir hoffentlich die Testleser sagen können. Andererseits ist „Die Königsmörderin“ wie der „Der Spion“ nur der Auftakt der Trilogie. Angesichts dessen, was ich im November von Teil 2 geschrieben habe, wird es bis zum großen Finale vermutlich noch komplex genug.

Zum Lesen bin ich leider nicht viel gekommen. Irgendwie vertragen sich Lesen und Korrekturlesen für mich nicht sonderlich gut. Im Dezember konnte ich immerhin die Alloy Era von Brandon Sanderson beenden (das ist die Folgetrilogie von Mistborn), wobei mir die Feiertage zugutekamen. Seit Anfang Januar lese ich, leider nur sporadisch, Perfect Shadow – eine Novelle von meinem anderen Lieblingsautor Brent Weeks, doch zum Glück ist der Wiedereinstieg hier leicht. Ich freue mich schon, ab nächster Woche wieder mehr zum Lesen zu kommen. Auf meiner Liste stehen eine Menge Sachbücher und Klassiker, auf die ich unglaublich gespannt bin.

Was nun folgt

Nichtsdestotrotz bin ich mit der Arbeit der vergangenen sieben Wochen zufrieden. Das Lesen hat mich in all dem Chaos in meinem Fangirlherzen Sonea und Akkarin wieder nähergebracht, was sicher auch daran liegt, dass ihre Dynamik in der „Königsmörderin“ einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Ein wenig bedaure ich, mich vorerst wieder von ihnen verabschieden zu müssen und ihnen nur noch zum Vorbereiten der Kapitel meiner laufenden Geschichten zu begegnen. Was nun folgt, ist vor allem Fleißarbeit: Meine Sauklaue entziffern und sämtliche Korrekturen eintippen und die kapitelübergreifenden Todos im Nachgang erledigen. Aller Erfahrung nach werde ich dafür ca. drei Wochen brauchen. Und dann wartet auch schon das nächste Herzensprojekt auf seine Überarbeitung.

Nach allem, was ich damit gemacht habe, sieht es eher aus wie zwei Packungen Druckerpapier.

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